Vordächer | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Vordach

Vordächer

Vordächer über Eingangstüren haben sich bei schlechtem Wetter bewährt. Ihre Montage gehört in Profihände, wo Traglastberechnung und richtige Verankerung kein Buch mit sieben Siegeln sind. Doch auch für Selbermacher gibt’s jetzt eine Lösung.

 
Vordach © Selbermachen
Vordach

Noch ist bekanntlich niemandem der Himmel auf den Kopf gefallen, doch falsch montierte Vordächer sollen schon häufiger von der Wand gefallen sein. Ursache ist meistens eine zu schwache Befestigung im Mauerwerk, denn die Verankerung muss enorme Lasten aufnehmen können. Man darf nicht vergessen, dass zum Eigengewicht des Vordachs auch die zu erwartenden Lasten, die durch Wind und Schnee verursacht werden, hinzu gerechnet werden müssen. Dafür sollten Sie sich einen Statiker gönnen, der Ihnen speziell für Ihr Vordach und Ihren Wohnort die entsprechende Traglast berechnet. Es empfiehlt sich, beim Hersteller des ausgesuchten Vordachs die entsprechenden Informationen zu Gewichten und Montageelementen zu erfragen, bevor man das Dach kauft.

Erst mit dieser Berechnung und dem genauen Wandaufbau können Sie die passende Verankerung finden. Dabei hilft Ihnen ein guter Fachhändler oder ein Dübelhersteller [zum Beispiel Fischerdübel, Hotline (0 1805) 5202-900]. Für jede Wand gibt es eine tragfähige Befestigung, die einzige Ausnahme sind Wände aus Porenbeton mit Dämmschicht und Verblendmauerwerk. Sie sind zu schwach für ein Vordach, weil man hier nur gerade in die Wand bohren kann. Das reicht aber im weichen Porenbeton nicht aus! Für dieses Problem wurde ein „Konusbohrer“ entwickelt (Fischer), der es erlaubt, hinterschnittene Bohrungen in den Porenbeton zu setzen. Dadurch gibt es zum einen eine wesentlich größere Haftfläche für den Injektionsmörtel, und zum anderen wirkt der Mörtel wie ein Pfropfen in der Wand.

Durch eine harte Verblendmauer kann der Bohrer aber nicht in Schwenkbewegung gesetzt werden. Hier ist ein frei hängendes Vordach schlicht nicht sicher zu montieren. Die Lösung ist ein freistehendes Vordach, das an der Wand nur fixiert wird und dessen Last auf den Boden wirkt.

Einfache Vordächer eignen sich zum Selbstmontieren

Sobald das Problem der richtigen Befestigung gelöst ist, steht man vor der Montage. Die meisten Vordächer sind unhandlich oder schwer. Wer da nicht hilfsbereite Freunde zur Seite hat, wird die Montage kaum schaffen. Insbesondere massive Holzkonstruktionen bringen einiges an Gewicht mit. Sind sie zusätzlich mit Bitumenschindeln oder sogar Pfannen eingedeckt, wird die Montage zusätzlich erschwert. Aber von der richtigen Montage hängt möglicherweise Ihre eigene Unversehrtheit ab.

Ganz neu auf dem Markt und ideal zum Selbstmontieren ist ein modular aufgebautes, leichtes Vordach von Dieda. Konsolen aus Lärchenholz, Konsolenträger aus Aluminium und 10 mm starke Acrylglasscheiben im Format 64 x 110,5 cm oder 79,5 x 110,5 cm sind leicht und obendrein handlich. Die Montage erfolgt Stück für Stück an der Wand, so dass keine großen vormontierten Bauteile in die Höhe gestemmt werden müssen. Dabei spielt die Türbreite keine Rolle, denn das Vordach lässt sich in 64-cmoder 79,5-cm-Schritten zu beiden Seiten beliebig erweitern. Durch den geringen Befestigungsabstand der Konsolenträger sind tiefe Verankerungen in der Wand erforderlich. Die mitgelieferten Gewindestangen im Format M10 x 110 mm entsprechen nicht immer den Berechnungen des Statikers. Der Preis für das Vordach – drei Konsolen à etwa 85 Euro, zwei Stück Acrylglas à rund 75 Euro – beträgt etwa 405 Euro. Die in unserem Falle notwendigen Maueranker kosten 150 Euro.

Problemfall:

Montage in Verblendmauerwerk© Selbermachen Verblendmauerwerk mit Dämmschicht Wer eine Fassade mit Dämmschicht und Verblendmauerwerk hat, muss ein Vordach im tragenden Mauerwerk dahinter verankern. Das vorgesetzte Mauerwerk nimmt nur Lasten auf, die nach unten wirken. Die Zugkräfte muss die tragende Mauer halten. Hierfür sind Injektionssysteme ideal (z. B. Fischer FIS VS).

Idealfall:

Montage in Beton© Selbermachen Montage in Beton Beton ist der ideale Baustoff, um schwere Lasten aufzunehmen. Allerdings unterscheiden Profis zwischen ungerissenem und gerissenem Beton. Um bei der Befestigung sicherzugehen, geht man von gerissenem Beton aus. Hierfür gibt es Anker, die nachspreizen, wenn im Beton Risse entstehen (z. B. Fischer FAZ A4).

Mit Trick:

Montage in Porenbeton© Selbermachen In Porenbeton befestigen Porenbeton hat viele Vorteile, doch bei der Verankerung hoher Lasten ist er zu „weich“. Deshalb wird die Befestigung im Stein großflächig verankert. Das geht mit einem speziellen Konusbohrer (Fischer PBB) für hinterschnittene Bohrlöcher, die dann mit Injektionsmörtel gefüllt werden (z. B. Fischer FIS V).

Mit Spezialist:

Montage in Verbundsystem© Selbermachen Montage am Wärme-Dämm-Verbund-System An vorgesetzten WDV-Systemen aus Hartschaum und Putz hält gar nichts. Zum Verankern im tragfähigem Mauerwerk und um Wärmebrücken zu vermeiden, gibt es thermisch getrennte Verankerungen (Fischer Thermax) für Dämmschichten bis 20 cm, die mit Injektionsmörtel (z. B. Fischer FIS VS) montiert werden.

Nur zugelassene Dübel halten garantiert

© selbermachen DübelFür die Montage eines Vordachs dürfen nur bauaufsichtlich zugelassene Dübel und Verankerungen verwendet werden, da bei Absturz des Dachs Leib und Leben von Personen bedroht sind oder hoher wirtschaftlicher Schaden entstehen kann. Außerdem könnte die Versicherung eine Schadensregulierung ablehnen. Deshalb muss die Verankerung auf den Wandaufbau und die zu erwartenden Lasten abgestimmt sein und so ausgeführt werden, dass die Last vom tragenden Mauerwerk aufgenommen wird. Bei Luft- oder Dämmschichten hinter dem Vormauerwerk kann eine untergesetzte Mutter die Drucklast über den Anker direkt in die tragende Wand leiten.

Montage Vordach

  1. Holzschutz auftragenHolzschutz auftragen© Selbermachen

    Holzschutz auftragen

    Der erste Schritt zum neuen Vordach heißt Holzschutz. Hier sind die Konsolen aus widerstandsfähiger Lärche, doch zum roten Backstein des Hauses passt weiß besser. Damit die Inhaltsstoffe des Holzes nicht durchschlagen, werden die Bauteile zunächst zweimal mit einem Isoliergrund (Aidol, Remmers) gestrichen.
  2. Decklack auftragenDecklack auftragen© Selbermachen

    Decklack auftragen

    Ist der Voranstrich durchgetrocknet, wird ein diffusionsoffener Decklack (Aidol Deckfarbe, Remmers) aufgetragen, der das Holz vor Witterungseinflüssen schützt.
  3. Bohrposition anzeichnenBohrposition anzeichnen© Selbermachen

    Bohrposition anzeichnen

    Mit dem Anzeichnen der Bohrpositionen beginnt die eigentliche Montage des Vordachs. Bei Klinkerwänden kann man versuchen, die Befestigungsbohrungen in den Lagerfugen zwischen den Steinen zu setzen. Befindet sich die zweite Bohrposition dann am Rand eines Steins, sollte man einige Zentimeter höher gehen und durch den Klinker bohren.
  4. Bohrtiefe markierenBohrtiefe markieren© Selbermachen

    Bohrtiefe markieren

    Für die richtige Tiefe der Bohrung sollte man den Aufbau der Wand kennen. Dann wird die Bohrtiefe mit einem Klebeband am Bohrer markiert. Zum Bohren großer Löcher wie hier für Injektionsanker, sollte man einen Bohrhammer mit mindestens 500 Watt Leistung einsetzen.
  5. InjektionsmörtelInjektionsmörtel© Selbermachen

    Injektionsmörtel

    Für die Montage mit Injektionsmörtel müssen die Bohrlöcher sehr gründlich von Staub befreit werden. Mir einer Ausblaspumpe oder einem Kompressor mit Ausblaspistole (Werkzeugverleih) werden alle losen Teile entfernt. Dann wird die Bohrung mit einer speziellen Bürste (Fischer) gesäubert und danach nochmals ausgeblasen.
  6. Siebhülsen schneidenSiebhülsen schneiden© Selbermachen

    Siebhülsen schneiden

    Bei Außenwänden, die mindestens 35 bis 40 cm dick sind, nimmt man Siebhülsen als Meterware und kürzt sie sich auf die benötigte Länge (am eingesteckten Bohrer abnehmen). Selbst Metallhülsen lassen sich mit einem scharfen Cutter schneiden.
  7. Hülse einsetzenHülse einsetzen© Selbermachen

    Hülse einsetzen

    Jetzt werden die Hülsen ins Bohrloch gesteckt, so dass sie vorn bündig sind und nur etwa 1 cm im tragenden Mauerwerk stecken.
  8. Injektionsmörtel mit DüseInjektionsmörtel mit Düse© Selbermachen

    Injektionsmörtel mit Düse

    Auf die Kartusche mit dem Injektionsmörtel wird die Mischdüse geschraubt, die dafür sorgt, dass beide Mörtelkomponenten gleichmäßig vermischt austreten. Um das sicherzustellen, wird bei jeder neuen Kartusche die Färbung zunächst anhand eines etwa 10 cm langen Strangs überprüft, den man auf ein Stück Karton drückt. Dann werden die Hülsen mit dem Mörtel gefüllt und die Gewindestangen sofort drehend eingesetzt. Dafür hat man, je nach Lufttemperatur, nur wenige Minuten Zeit.
  9. Halter anschraubenHalter anschrauben© Selbermachen

    Halter anschrauben

    Jetzt werden die Halter für die Konsolen aufgesetzt und die Muttern ohne Kraft aufgedreht, so dass die Bolzen in Position gehalten werden, bis der Mörtel nach einigen Stunden seine Endfestigkeit erreicht hat.
  10. Konsolen aufsetzenKonsolen aufsetzen© Selbermachen

    Konsolen aufsetzen

    Ist der Mörtel fest, werden die Muttern angezogen und die Konsolen aufgesteckt.
  11. Konsolen festschraubenKonsolen festschrauben© Selbermachen

    Konsolen festschrauben

    Jede Konsole wird von unten mit einer, von oben mit zwei Schrauben fixiert. Dabei wird die obere hintere Schraube erst dann eingedreht, wenn das Glasdach fixiert wird.
  12. Acrylglas bohrenAcrylglas bohren© Selbermachen

    Acrylglas bohren

    Legen Sie das Acrylglas zur Probe auf die Konsolen, markieren sie durch die Abdeckschienen die Schraublöcher auf dem Acrylglas und bohren sie diese am Boden durch. Im Stoß zweier Platten geht es besser auf der Konsole.
  13. Schutzfolie abziehenSchutzfolie abziehen© Selbermachen

    Schutzfolie abziehen

    Vor dem Auflegen der Acrylglasplatten die Schutzfolie abziehen.
  14. Acrylglas anbringenAcrylglas anbringen© Selbermachen

    Acrylglas anbringen

    Jetzt die Platten und die Abdeckleisten auf die Konsolen legen, ausrichten und durch die Abdeckschienen mit Spenglerschrauben fixieren.
  15. Vordachsystem montierenVordachsystem montieren© Selbermachen

    Vordachsystem montieren

    Wie aus einem Baukasten kann man dieses modular aufgebaute Vordachsystem beliebig breit am Haus montieren (Dieda).

Holzschutz-Tipps vom Experten

Bestimmte Holzarten, zum Beispiel das Splintholz der Kiefer, können durch Bläuepilz verfärbt werden. In solchen Fällen ist ein Bläueschutz erforderlich. Holzarten wie Lärche sind hier unempfindlicher und benötigen nicht unbedingt einen Bläueschutz. In jedem Fall sollten diffusionsoffene Anstrichsysteme verwendet werden, damit gegebenenfalls eindringende Feuchtigkeit nicht zu Staunässe unter dem Anstrich und zu späterer Fäulnis führt. Moderne deckende Anstrichsysteme sind weitestgehend wasserbasiert. Hierfür ist das Umweltzeichen „Blauer Engel“ ein guter Wegweiser. Hochwertige Deckfarben auf Acrylbasis sind hochelastisch und diffusionsoffen (atmungsaktiv), kreiden nicht, sind schlagregenfest und haben ein gutes Deckvermögen.

Neben der eigentlichen Deckfarbe spielt aber gerade bei hellen Farbtönen die Grundierung eine wichtige Rolle für das optische Endergebnis: Mit speziellen Isoliergrundierungen können Holzarten mit großen Anteilen löslicher Holzinhaltsstoffe abgesperrt werden. So wird der „ganz in Weiß“ geplante Anstrich nicht gelb. Deckende Anstrichsysteme haben meist längere Renovierungsintervalle als lasierende Anstriche. Das erklärt sich durch die wesentlich stärkere Pigmentierung und den dadurch wesentlich höheren UV-Schutz. In Abhängigkeit von der Bewitterungsintensität kann man von Renovierungsintervallen zwischen fünf (extreme Bewitterung durch Regen und Sonne) und 15 Jahren (keine direkte Bewitterung) ausgehen. Abschließend muss auch hier gesagt werden, dass Qualität und hochwertige Rohstoffe ihren Preis haben. Ein gutes Produkt kostet deshalb mindestens rund 35 bis 40 Euro je 2,5-l-Gebinde.

 

Artikel aus selber machen Ausgabe 11/2010. Jetzt abonnieren!
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