DIY-Trends 2007 | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
DIY-Produkte

DIY-Trends 2007

Wie sehen morgen unsere Wohnungen aus? Wie gestalten wir Wände, welche Werkzeuge nutzen wir? Wir haben zusammengetragen, was in den Versuchsküchen der DIY-Hersteller angerührt und ausgekocht wird, um Ihnen das Selbermacher-Leben zu erleichtern.

 
Fliesen © Selbermachen
Fliesen

Sobald von Innovationsfreude die Rede ist, fallen den meisten Menschen zuerst die neuesten technischen Schmankerln der Computer- und der Automobilbranche ein. Wer aber aufmerksam durch einen gutsortierten Baumarkt geht, bemerkt schnell, dass auch auf dem Gebiet des klassischen Bauens, Renovierens und Reparierens nichts mehr so ist, wie es mal war. Die Hersteller der verschiedensten DIY-Produkte haben auf den Trend der letzten Jahre reagiert, den Experten „Rooming“ nennen. Damit ist gemeint, sich wieder dem eigenen Zuhause zuzuwenden, es sich richtig gemütlich und überschaubar zu gestalten, und zwar nach ihren ganz individuellen Bedürfnissen. Und so finden Sie Produkte und neue Arbeitstechniken, die genau dieses eigene Gestalten noch einfacher und individueller werden lassen. Es muss schnell, sauber und einfach gehen, es darf ruhig auch mal was kosten und vor allem – kein Anderer soll es genau so haben, sei es den Bodenbelag, die Wandfarbe oder den neuesten Akkuschrauber. Wir stellen Ihnen die sechs Trends vor, von denen wir glauben, dass sie mustergültig für die nächsten Jahre sind.

TREND 1

Alle Beläge werden klickbar: Leimlos glücklich

Seit die leimlose Klicktechnik bei den Laminat- und Mehrschichtparkettböden einen regelrechten Selbermachen-Boom ausgelöst hat, finden immer mehr Bodenbelagsarten den Weg auf die HDF-Diele. Einige Hersteller von bauchemischen Produkten wie Fliesen- oder Teppichklebern rechnen damit, dass in wenigen Jahren kein Belag mehr von der Rolle oder gar mit Mörtel verlegt wird.

Im Jahr 2006 gab es in diesem Bereich zwei wegweisende Innovationen: den Kunststoffboden und die keramische Fliese zum Klicken. Beim Kunststoffboden „elastoclic pur“ handelt es sich aber nicht um das als Rolle bekannte und gesundheitlich nicht ganz unproblematische PVC (auch CV genannt), sondern um Polyurethan (PU oder PUR). Das hat gegenüber PVC große Vorteile: Es gast nicht aus und ist oberflächlich erheblich widerstandfähiger. Die Fliesen sind eine echte Neuheit. Waren bisher schon Natursteinplatten über eine aufwendige Kunststoffgitterkonstruktion auf der Unterseite zu klicken, so befindet sich bei „Edge Flooring“ der gebrannte Ton in Trägerschaft einer ganz normalen HDF-Platte.

Sogar wasserdicht soll der Klickfliesenboden sein, weil alle Fugen inklusive Rand- und Dehnungsfugen mit einer Spezialmasse aus der Kartusche versiegelt werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann auch der letzte aufrechte Bodenbelag, der Teppich, in Form klickbarer Fliesen oder Dielen zu haben ist. Die Quadratmeterpreise für die neue Bodengeneration wirken auf den ersten Blick enorm hoch. Allerdings brauchen Sie eben keine teuren Hilfsmittel wie etwa Grundierung und Kleber mehr.

TREND 2

Alles wird Verarbeitungsfreundlicher: Gut für ungeübte Selbermacher

© SelbermachenFrüher einmal gab es eine mehr oder weniger klare Grenze zwischen dem, was der Selbermacher selber macht, und dem, was er lieber dem Profi überlässt. Die Grenze verschwimmt immer mehr, und das wird auch in den nächsten Jahren so bleiben. Galt beispielsweise das dekorative Verputzen von Wänden früher als Profisache, so sorgen heute neue Putze und Werkzeuge dafür, dass auch Ungeübte sich darantrauen können. Seit 2006 gibt es mit „Easy Putz“ den ersten Rollputz, der diesen Namen wirklich verdient.

Bis dato wurden Rollputze mit der Kelle aufgezogen und dann mit der Rolle lediglich strukturiert. Den Neuen kann man tatsächlich auf die Wand aufrollen, es entsteht ein 1 bis 2 mm dicker, echter mineralischer Putz. In die gleiche Richtung stößt auch der Trend, alle Spachtel-, Kleber- und sonstigen Massen gebrauchsfertig anzubieten statt als Pulver. Die Säcke sterben langsam aus.

TREND 3

Alles wird immer ökologischer: Zurück zur Natur

© SelbermachenObwohl Ökologie in den Medien mittlerweile nur noch am Rande vorkommt, wird sich das Thema im Verbraucherverhalten, gerade im Bereich Renovieren und Selbermachen durchsetzen. Als besonders natürlich und atmungsaktiv geltende Rohstoffe wie Kork und Lehm erleben gerade eine Renaissance. Beide finden Ihren Platz mittlerweile sogar an der Wand, wo sie die etwas betagte Raufaser klar verdrängen.

Die Hersteller reagieren darauf mit völlig neuen Dekoren oder mit stark vereinfachter und höchst individueller Verarbeitung. Im Parkettbereich verdrängen einheimische Hölzer, hauptsächlich die Eiche, die dunklen Exotenhölzer aus der guten Stube. Als so genanntes „Thermoholz“ ist Eiche durch eine exakt dosierte Hitzebehandlung auf fast jeden dunklen Ton zu trimmen. Die Regenwälder wird’s freuen.

Der Handwerker wird zum Partner

© SelbermachenAufmerksamen Lesern werden viele der hier angesprochenen Produkte und Trends in SELBERMACHEN schon begegnet sein. Das liegt daran, dass wir alle Neuheiten und Innovationen aus der DIY-Szene natürlich als erste kennenlernen dürfen und Sie so immer brandaktuell auf dem Laufenden halten. Aber erst wenn eine Neuheit sich auch durchsetzt, kann man von einem Trend sprechen.

Den Trend zur Vereinfachung des Selbermachens kann man am besten am Beispiel der Bodenbeläge zum Klicken nachvollziehen. Wurde erst 1997 der erste leimlos verlegbare Laminatboden vorgestellt, so hat diese Technik mittlerweile die als unklickbar geltenden Keramikfliesen erreicht – nach Mehrschichtparkett, Kork, Linoleum, Kunststoff und Naturstein. Jedem dieser Beläge hat das Klicken zu einem zweiten Nachfrage- Frühling verholfen, allen voran dem bis dato darbenden Korkboden. Die Vereinfachung hat übrigens noch etwas Anderes zur Folge: Das klassische Handwerk gerät durch die Selbermacher-Mentalität in arge Bedrängnis.

Viele Betriebe und einzelne Handwerker sehen im Heimwerker nicht mehr wie früher den Feind, sondern bieten auf Vermittlung der Bau- und Fachmärkte neben ihren handwerklichen Fähigkeiten zunehmend auch ausführlich Beratung und bauliche Begleitung an. So gesehen profitieren Sie doppelt: Vom immer einfacher werdenden Selbermachen als persönliche Herausforderung und vom beratenden Profi als Erfolgsgaranten. So gesehen fast wie bei SELBERMACHEN. . .

TREND 4

Lithium-Ionen-Technik ist im Kommen: Kleiner und leichter oder gleich groß und stärker

© SelbermachenSeit Bosch mit dem superkleinen Ixo-Akkuschrauber die Lithium-Ionen-Technik serienreif entwickelt hat, ziehen die anderen Hersteller eilig nach. Lithium-Ionen-Technik bietet im Vergleich zur konventionellen Nickel-Cadmium-Technik (NiCd) wesentliche Vorteile: Die Akkugeräte sind bei vergleichbarer Leistung erheblich kleiner, leichter und damit handlicher. Oder sie bieten bei gleicher Größe wie die alten erheblich mehr Power. So reicht die angebotene Akkuschrauber-Szene denn auch vom klitzekleinen Bosch-Ixo bis hin zur 36-Volt-Variante von DeWalt, die an die Leistung von Netzgeräten heranreicht. Sieben Hersteller haben bisher die neue Technik im Programm, weitere folgen. Auch andere Akkugeräte werden in den nächsten Jahren dazustoßen.

TREND 5

Alles wird authentischer: Der "Used Look"

Den Charme alter, abgenutzter Holzdielenböden wissen immer mehr Bauherren und Mieter zu schätzen, und so bemühen sich die Hersteller zunehmend, ihre Laminat- und Parkettböden möglichst alt aussehen zu lassen. Beim Laminat, dessen Holzoptik ja nur eine Fotoreproduktion ist, setzt sich der sogenannte Porensynchrondruck durch. Dabei handelt es sich um eine Technik, mit der eine fühlbare Oberflächenstruktur deckungsgleich mit den fotografierten Kratzern und Schadstellen eingepresst („synchronisiert“) wird. Somit ist gutes Laminat nicht nur optisch, sondern auch haptisch von Echtholz kaum noch zu unterscheiden (Bild unten links). Der Trend zum Gebrauchten, eigentlich gebraucht Aussehenden, erfasst mittlerweile auch das Mehrschicht-(Fertig-)parkett. Die Firma Hamberger (Haro) geht mit ihrer neuen Parkett-Manufaktur so weit, dass Sie Ihre nagelneuen Dielen von Meisterhand geschroppt oder sogar mit eingefrästen Wurm-Fraßgängen bestellen können. So viele technische Raffinesse hat natürlich ihren Preis, aber auch das ist eine Entwicklung in den nächsten Jahren: Sie werden entweder sehr billiges Laminat und Mehrschichtparkett im Baumarkt kaufen können, oder Sie müssen bei beiden Bodenbelägen richtig in die Tasche greifen. Das riesige Feld des Mittelmaßes wird zunehmend kleiner.

TREND 6

Matte Optik ersetzt Glanz: Zurückhaltung ist Trumpf

Echtholzböden, aber auch Möbel mit Holzoberflächen werden zunehmend geölt statt lackiert. Der Grund: Die handelsüblichen Öle werden immer widerstandsfähiger und härter, betonen im Gegensatz zum schichtbildenden Wasserlack aber die Holzmaserung wesentlich mehr. Zudem sind sie für Selbermacher einfacher in der Anwendung. Geölte Oberflächen weisen in der Regel eine sehr matte Optik auf, die vielen Menschen angenehmer, wärmer und edler erscheint. Einige Hersteller haben ihre werksseitig eingesetzten Lacke schon diesem Trend angepasst und bieten ebenfalls matte Varianten an. Einen Nachteil hat der Öl-Trend für Sie als Verbraucher allerdings: Die im Werk aufgetragenen Öle werden innerhalb von wenigen Sekunden mit UV-Licht gehärtet. Das behindert das Eindringen ins Holz, das Öl wird wie der Lack zum Schichtbildner. Der große Vorteil, dass Sie geölte Böden auch partiell und von Hand schleifen und nachölen können, geht so leider verloren.

Artikel aus selber machen Ausgabe 02/2011. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren