Werbeversprechen | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Werbeversprechen

Werbeversprechen

Manche Aussagen zu Produkteigenschaften werden so penetrant wiederholt, dass sie im Selbermacher- Bewusstsein zu einer fast unumstößlichen Wahrheit mutiert sind. Wir schauen da mal genauer hin.

 
Das Blaue vom Himmel? © Selbermachen
Das Blaue vom Himmel?

Die Macht der Werbung wirkt leise und kraftvoll: Viele Werbeslogans nehmen wir gar nicht bewusst wahr, aber ihr Inhalt setzt sich trotzdem in unserem Gedächtnis fest. Durch die immer wiederkehrenden Werbebotschaften und die Produktpräsenz wurden beispielsweise einfache Flachdübel in der Selbermacher- Umgangssprache zu „Lamellos“ (eigentlich ein Markenname), Glaskeramik-Kochfelder zu „Ceran“-Feldern (ein Markenname der Fa. Schott) und jeder profane transparente Klebestreifen zum „Tesa“-Film. Ähnlich funktioniert es auch mit Beschreibungen bestimmter Produkteigenschaften, wie etwa beim „wasserfesten Leim“ oder beim „kesseldruckimprägnierten Holz“. Beide lassen den Selbermacher glauben, dass das allzeit gefürchtete Wasser weder dem selbstgeleimten Kinderhaus noch der Terrasse im Garten jemals etwas anhaben könnte.

Das stimmt so nicht immer. Den Marketingabteilungen der Hersteller ist dabei allerdings kaum ein Vorwurf zu machen, denn was genau die sogenannten „wasserfesten“ und „imprägnierten“ Produkte können müssen und was nicht, ist verbindlich in den einschlägigen deutschen und europäischen Normen geregelt, und daran halten sich selbstverständlich alle Anbieter von DIY-Materialien und Werkzeugen. Die Kunst für uns als heiß umworbene Verbraucher ist es also, solche Produktaussagen genauer lesen zu können. Denn nur wer die Hintergründe kennt, wird auch nach dem Kauf und der Montage nicht enttäuscht werden.

Also: Kann man Laminat wirklich in die neue Wohnung mitnehmen? Kann man Fertigparkett wirklich mehrfach abschleifen? Wir haben uns eine Handvoll der gängisten Produktversprechen genauer angesehen und sie hinterfragt. Hier sind die Antworten.

„Der Leim ist wasserfest“

Das stimmt nicht, es gibt keine wasserfesten Leime! Holzleime sind je nach ihrem Feuchteverhalten in die Klassifizierungen D3 und D4 eingeteilt. Die Eigenschaften für D4 sind so definiert, dass die „Verleimung beständig in Räumen mit extremen Klimaschwankungen und bei Wasserwirkung bei Außenanwendung“ ist. Stehendes Wasser und dauernde Feuchteeinwirkung macht auch ein D4-Leim nicht mit, er würde auf Dauer seine Klebekraft verlieren. Jede noch so kleine Leimfuge muss, falls sie einer Feuchteeinwirkung ausgesetzt ist, abgedeckt oder versiegelt werden. Im Innenbereich erreichen Sie das über eine Schicht Klarlack (Grafik), die Sie satt über die Leimfuge verstreichen. Im Außenbereich können Sie entweder auf Wetterschutzfarbe oder -lack zurückgreifen, oder die Leimfuge durch geeigneten konstruktiven Holzschutz vor dem Wasser schützen. Dazu zählen beispielsweise Abdeckungen, Kantenschutzleisten oder Dachüberstände. Hauptsache, die Verleimung ist nicht dem Regen ausgesetzt.

Laminat können Sie wieder rausnehmen“

Das stimmt tatsächlich. Die leimlose Klicktechnik macht es möglich, die einzelnen Laminatdielen bei Bedarf wieder voneinander zu lösen, wie etwa bei einem Umzug. Grundsätzlich kann man jeden Bodenbelag wieder entfernen. Was der Händler eigentlich meint, ist, dass Sie den Boden ein zweites oder gar drittes Mal verlegen können. Das allerdings ist ein Problem: Beim Herausnehmen der Dielen werden Sie nicht verhindern können, dass die eine oder andere Profilierung kaputtgeht, zumindest aber sehr leidet.

Ziehen Sie von dem herausgenommenen Laminatboden die kaputten und auch den Zuschnitt ab, bleiben Ihnen wahrscheinlich nur 60 bis 70 % der Ursprungsfläche für die nächste Verlegung übrig. Sie müssen also weitere Dielen dazukaufen, falls Sie das gleiche Dekor dann noch bekommen. Weiteres Problem: Durch die Aufbauhöhe des Laminatbodens müssen Sie in der Regel die Türen und Türzargen kürzen. Nehmen Sie das Laminat wieder raus, sind beide zu kurz – und der Vermieter könnte auf Austausch bestehen.

„Kombi-Produkte– So einfach ist lackieren“

© SelbermachenDas stimmt nur bedingt. Bei diesen neuartigen 2- oder 3-in-1-Lacken und -Lasuren handelt es sich um ein Mittelding aus der Grundierung oder Bläueschutz und dem Decklack respektive einer Lasur, beides meist auf Wasserbasis. Der 2-in-1- Lack hat zusätzlich noch einen gewissen Anteil an PU (Polyurethan). Wenn Sie diese Kombi-Produkte benutzen, sparen Sie genau einen Arbeitsgang (das Grundieren), eine oder zwei Trocknungszeiten und den Zwischenschliff. Zumindest für den Innenbereich wird das Lackieren aber dadurch nicht „einfacher“, sondern allenfalls schneller.

Denn die Schwierigkeiten des Lackauftrags in Möbeloberflächen-Qualität besteht im Wesentlichen im sorgfältigen und gekonnten Verschlichten des Lacks auf der Oberfläche – die Wahl der richtigen Rolle oder des Pinsels und des richtigen Lacks (nach dem eingesetzten Bindemittel Acryl oder Kunstharz) mal vorausgesetzt. Das ist bei Kombi-Produkten auch nicht einfacher als bei den Spezialisten.

Im Außenbereich, wo es nicht so sehr auf eine einwandfreie Oberflächenqualität ankommt, sind diese Kombi-Produkte dagegen eine wirkliche Erleichterung. Viel falsch machen können Sie bei der Verarbeitung nicht, der Arbeitsaufwand halbiert sich. Aber Achtung: Bei den einschlägigen Rost- und Holzschutzprodukten halten die Ergebnisse der Alleskönner zeitlich gesehen auch nicht länger als bei den entsprechenden Einzelprodukten. Sie müssen also auch hier im Extremfall bei den Lasuren nach drei bis vier Jahren, beim Metallschutzlack nach etwa zwei Jahren wieder ran.

„Air-Produkte reinigen die Raumluft“

Das funktioniert tatsächlich. Die in den entsprechend gekennzeichneten Wandfarben, Stoffen und Bodenbelägen eingearbeiteten Eiweiße oder die Verbindung Titandioxid reagieren chemisch und/oder physikalisch mit den in Räumen üblichen Schadstoffen wie Formaldehyd, organische Lösemittel, Nikotin und Teer zu Wasserdampf und Kohlendioxid und machen sie somit unschädlich. Dazu ist bei den allermeisten Produkten eine möglichst große Oberfläche vonnöten. Die sollte mindestens im Verhältnis 1:3 (1 qm Stoff/Farbe/ Teppichboden auf maximal 3 qm Raumfläche) stehen, damit auch die gesamte Raumluft von der permanenten Reinigung profitiert.

Die einzigen Ausnahmen von dieser Größenverhältnis-Regel sind die Laminatund Parkettböden des Herstellers Parador. Hier ist keine große Oberfläche nötig, das Eiweiß „Protectin“ ist auf jede einzelne der Dielenkanten aufgebracht. Von dort aus entweicht es durch die Fugen in die Raumluft und tut dort seinen Dienst. Die Wirksamkeit der Eiweiß- und Titanverbindungen überdauert in der Regel die Lebenserwartung der Trägermaterialien.

„Fußleisten einfach anklippen“

Das funktioniert gut, aber nur bei sehr geraden Wänden. Bei den viel häufiger vorkommenden welligen Wänden haben Sie erhebliche Probleme, die Fußleisten überhaupt in die Clips einrasten zu können. Ferner kann es dazu kommen, dass die Leisten dann zwar schön gerade vor der welligen Wand verlaufen, Sie aber jede Menge unerwünschte Fugen zwischen der Wand und den Leisten haben. Theoretisch könnten Sie das verhindern, wenn Sie den Abstand der Clips auf etwa 25 cm verringern, allerdings wird dann das Einschieben noch fummeliger und nerviger.

Unser Tipp: Bei welligen Untergründen die Fußleisten je nach Wandmaterial entweder nageln oder direkt verdübeln. Das ist auch nicht aufwendiger als die Clips alle in der Wand zu verschrauben, Sie müssen die Schraubenköpfe aber mit passenden Abdeckkappen kaschieren oder die Nagelköpfe mit einem ebenso passenden Wachskitt verdecken. Verwenden Sie bei dieser Art der Leistenbefestigung immer möglichst kleine Schrauben oder Stauchkopfnägel.

„Mehrschichtparkett können Sie mehrmals abschleifen“

Stimmt nur theoretisch. Mit diesem Argument versuchen die Händler, Ihnen als Kunden den höheren Preis für die etwas höhere Nutzschichtdicke (4 statt 3 mm) Ihres neuen Fertigparketts schmackhaft zu machen. In der Praxis ist es so, dass gerade die neuen Klickdielen, die auf einer weichen Trittschalldämmung liegen, das hohe Gewicht der Walzenschleifmaschine durch ein kurzes Brechen quittieren können. Auch viele Schleifprofis sind bei schwimmend verlegten Parketten äußerst vorsichtig. Wer zudem schon einmal einen Boden in einer bewohnten Wohnung abgeschliffen hat, wird trotz aller Vorsichtsmaßnahmen den Schleifstaub auch nach Monaten noch in den entlegensten Winkeln wiederfinden.

Zweites Problem ist die Neuversiegelung. Die heute üblichen Wasserlacke können in der Leimfuge zwischen Trägerschicht und Decklamellen einen enormen Quelldruck erzeugen, unter dem die Lamellen abplatzen können. Besser ist in solchen Fällen immer das Ölen der geschliffenen Fläche, was allerdings um Einiges aufwendiger ist.

Bodenausgleichsmassen – ausgießen und fertig

Das stimmt definitiv nicht. Diese Ausgleichsmassen für den Boden sind zwar allesamt so eingestellt, dass sie ohne Ihr Zutun zu einer absolut planen Oberfläche verlaufen. Zuvor müssen Sie allerdings wohl noch einiges tun – nämlich die angerührte Masse bis in alle Ecken verteilen, sie mit einer Rakel grob auf die gewünschte Höhe abziehen und dann mit einem groben Besen auch noch „entlüften“.

Da Sie beispielsweise für einen 20 qm großen Raum und 5 mm Schichtdicke satte 180 kg trockene Ausgleichsmasse (entspricht neun 20-kg- Säcken) erst an- und gut durchrühren müssen und die offene Zeit der Masse dann gerade mal 20 Minuten beträgt, ist hier also harte Akkordarbeit angesagt. Vom Schleppen der Säcke ganz zu schweigen. Erfahrungsgemäß sollten Sie die umliegenden Wände und Böden abkleben, denn beim Anrühren begeben sich so einige Gramm der Masse auf einen Rundflug durch die Wohnung. Das Ergebnis ist eine top-nivellierte und feinporige Oberfläche, der Weg dorthin ist allerdings schwerer, als man Sie glauben machen will.

Roll-Putz – „So einfach wie streichen“

© SelbermachenStimmt, wenn Sie das richtige Produkt verwenden. Während viele der sogenannten Rollputze ebenfalls mit einer Kelle auf die Wandfläche aufgezogen werden müssen und dort mit der Rolle strukturiert werden können, ist beispielsweise das Produkt „Easy Putz“ tatsächlich mit einer Rolle verarbeitbar. Allerdings ist die Schichtdicke von 0,5 bis 1 mm dann recht dünn, was aber der dem Putz zugesagten positiven Wirkung auf die Raumfeuchte kaum Abbruch tut. Der Putz ist so dünn, dass er sogar auf einer alten Raufaser hält, sofern die wirklich noch vollflächig an der Wand klebt.

Die Verarbeitung des Putzes auf der Wand erfolgt kreuzweise, um eine ausreichende Deckung in jede Welle und Unebenheit zu bringen. Aber auch das kennen Sie vom Streichen.

Für den Rollputz ist nicht jede Rolle gleich gut geeignet. Die Firma Knauf bietet beispielsweise für ihr Produkt zwei Rollen für die Verarbeitung an: eine langflorige für das Auftragen der Putzmasse und eine kurzflorige, um den aufgetragenen Putz nachträglich zu strukturieren. Da der Putz auf mineralischer und nicht auf Kunstharzbasis hergestellt ist, bleibt die Wandoberfläche atmungsaktiv und Sie können die Rollen nach dem Gebrauch mit Wasser wieder auswaschen. Kleines Manko: Für die Wandecken ist noch keine befriedigende Lösung beim Rollputzen gefunden.

Integrierte Trittschalldämmung – „Der leise Laminatboden

Stimmt. So wird nämlich ein Laminatboden beworben, bei dem die Trittschalldämmung schon werksseitig auf die Unterseite aufkaschiert ist. Denn bei der üblichen Verlegetechnik mit getrennter Dämmung und Laminat drohen immer wieder Hohlräume zwischen Diele und Dämmung. Dies ist bei einer ankaschierten Trittschalldämmung ausgeschlossen. Die Gehgeräusche werden also auf der ganzen Bodenfläche besser absorbiert, der Laminatboden wirkt subjektiv tatsächlich leiser.

„KDI-Hölzer brauchen keinen Holzschutz“

Eindeutig falsch! KDI-(kesseldruckimprägnierte) Konstruktionshölzer sind nur durch die an der Oberfläche eingepressten Imprägniersalze geschützt. Sobald man ins Holz schneidet, müssen die Schnittflächen wieder geschützt werden. Beim Verarbeiten sollten Sie sich an die Regeln des konstruktiven Holzschutzes halten. Denn stehendes Wasser, Kontakt zum Erdreich, fehlende Tropfkanten, eingemauerte Kopfenden – all das verträgt auch KDI-Holz nicht, im besten Falle dauert es bis zur Verrottung etwas länger.

So geht es richtig: Wenn Sie KDI-Holz verarbeiten, müssen Sie alle Schnittkanten satt mit einem Holzschutzgrund oder Bläueschutz behandeln. Mittlerweile sind Holzschutzmittel erhältlich, die farblich auf das typische KDI-grün respektive -braun abgestimmt sind. Vermeiden Sie grundsätzlich waagerechte Flächen im Holzbau, ein Mindestgefälle von 2 % in Maserrichtung des Holzes muss sein. Setzen Sie Pfosten niemals direkt in die Erde oder in ein Betonfundament, sondern montieren Sie sie auf verzinkten Pfostenhaltern, die die Hölzer auch gleich auf einen Mindestabstand von 10 cm vom Erdreich halten.

Artikel aus selber machen Ausgabe 02/2012. Jetzt abonnieren!
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