Glatte Wände | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Wandgestaltung

Glatte Wände

Sie wollen Ihre alte Tapete nicht mehr sehen und suchen nach Alternativen zum mühsamen Abkratzen? Naheliegend ist es, einfach eine Spachtelmasse aufzuziehen und so wenigstens die Struktur verschwinden zu lassen. Doch Vorsicht: Nicht alle Tapetenarten lassen sich das gefallen!

 
Tapete abkratzen © Chris Lambertsen
Tapete abkratzen

Wer je schon einmal Tapeten abkratzen musste, ist wahrscheinlich für jede Alternative dankbar, die sich ihm bietet. Dabei ist der größte Fehler beim Entfernen immer die Ungeduld. Kaum hat man die Tapete ein wenig angefeuchtet, wird auch schon an der ersten Ecke gezippelt und gezogen. Unser Tipp: Fangen Sie immer erst dann mit dem Abziehen der Tapete an, wenn sie wirklich ganz und gar durchfeuchtet ist und sich Ihnen regelrecht freiwillig entgegenrollt. Das kann schon einige Stunden dauern, und vor allem setzt es ein ständiges sattes Wässern der Wand und ein vorheriges gründliches Perforieren der Oberfläche voraus.

Das Herunterholen der alten Tapete ist also gar nicht so schwer. Einzige Ausnahmen: Haben Sie eine Glasfaservariante verarbeitet oder haben eine ungrundierte Gipskartonwand tapeziert, helfen auch die besten SELBER MACHEN-Tipps nicht mehr. Da müssen Sie sich in der Tat etwas anderes einfallen lassen.

  1. Tapete perforierenTapete perforieren© Chris Lambertsen

    Tapete perforieren

    Mit der „Tigerkralle“ oder einer Nagelwalze müssen Sie zunächst die Tapete gut perforieren. Nur so gelangt das Wasser hinter die Tapete und kann den Kleister lösen.
  2. Tapete wässernTapete wässern© Chris Lambertsen

    Tapete wässern

    Mit einem Quast wird die Fläche nun gewässert. Wässern heißt hier, die Wand nicht nur anfeuchten, sondern über mehrere Stunden richtig nass zu halten. Tipp: Geben Sie etwas Kleister ins Wasser, dann läuft das nicht so schnell herunter.
  3. Tapete abziehenTapete abziehen© Chris Lambertsen

    Tapete abziehen

    Haben Sie geduldig und viel gewässert, können Sie viele Tapeten tatsächlich bahnenweise abziehen.

Spachtel© SelbermachenÜberspachteln

Um es gleich vorweg zu sagen: Das Überspachteln von Tapeten ist immer nur die zweitbeste Lösung! Das Problem ist nämlich, dass Sie weder Überblick noch Einfluss auf die Untergrundbeschaffenheit haben. Schwierig wird es auch, wenn die Tapete nicht komplett vollflächig verklebt ist. Dann bilden sich an den kleisterlosen Stellen Blasen, die sich mit etwas Glück nach dem Trocknen auch wieder zurückbilden. Das Problem bei der Überspachtelung der verschiedenen Tapeten ist wie so oft die Herstellergarantie. Sie werden weder von irgendeinem Tapetenhersteller noch von einem Spachtelmassenprofi eine Gewähr oder auch nur eine Empfehlung bekommen, einfach drauflos zu spachteln.

Der meistgenannte Einwand ist der, dass der Untergrund nicht zu beurteilen ist. Falls Sie also dennoch spachteln wollen, tun Sie das auf eigene Gefahr und eigene Rechnung. Im Schadensfall kommt Ihnen die Tapete entgegen. Aber dann haben Sie Ihr Ziel ja auch irgendwie erreicht.

  1. Übergänge abklebenÜbergänge abkleben© Chris Lambertsen

    Übergänge abkleben

    Die Übergänge zu den angrenzenden Wänden, Boden und Decke kleben Sie mit einem Klebeband ab. Spuren der Spachtelmasse würde man sonst später sehen.
  2. Spachtelmasse anrührenSpachtelmasse anrühren© Chris Lambertsen

    Spachtelmasse anrühren

    Rühren Sie immer nur so viel von der Spachtelmasse an, wie Sie innerhalb von 60 Minuten auch tatsächlich verarbeiten können. Angesteifte Massen nicht verdünnen und weiterverwenden!
  3. SpachtelnSpachteln© Chris Lambertsen

    Spachteln

    Mit einer Glättkelle oder einer Gummirakel ziehen Sie die Masse auf. Die Gummirakel nimmt eher die Tapetenstruktur auf, mit dem Glätter wird’s glatter.

Entfernen oder nur überspachteln?

Technisch möglich ist das Überspachteln aber dennoch. Verwenden Sie dazu einen sehr dünn ausziehbaren Flächenspachtel, der in einer Dicke von nur 0,5 bis 1 mm aufgetragen werden kann. Damit werden Sie mit Ausnahme der Raufaser auf allen Tapeten eine fast glatte Wand erzielen können. Achtung: Je mehr Schichten Sie auf die Tapete auftragen, desto schwerer wird das Ganze und desto eher kommt Ihnen die Tapete entgegen.

Bei den Flächenspachteln haben Sie die Wahl zwischen einem gebrauchsfertigen Gebinde (mit 5 oder 15 kg) und einem Pulver, das Sie erst anrühren müssen. Von der Zusammensetzung her sind die beiden nach Herstellerangabe gleich, unsere Erfahrungen zeigen aber, dass die Masse aus dem Eimer leichter zu verarbeiten ist und bessere Ergebnisse zeitigt.

Das Werkzeug zum Auftragen des Spachtels sollte möglichst großflächig gewählt werden. Sie haben die Wahl zwischen einem normalen Glätter und einer Gummirakel, mit der normalerweise Fliesenfugen verfüllt werden. Letztere ist allerdings so weich, dass sie sich unter Druck leicht der unebenen Struktur der Tapete anpasst und das Spachtelergebnis hinterher eher ein leicht welliges wird. Der Glätter aus Edelstahl hingegen ist vorzuziehen, wenn es um ein möglichst glattes Ergebnis geht.

Achten Sie darauf, dass Sie mit den scharfen Ecken des Glätters keine allzu groben Spuren in der Tapete hinterlassen. Drücken Sie das Werkzeug gerade bei den Textiltapeten nicht zu fest auf. Sonst drücken Sie nämlich die Textilfasern nieder, die sich später wieder aufrichten und dann unangenehm durch die fertige Spachtelfläche lugen.

  1. RaufaserRaufaser© Chris Lambertsen

    Raufaser

    RAUFASER Der Klassiker aus Papier ist der zum Spachteln ungeeignetste Kandidat, denn er ist sehr wasserempfindlich. Ist Raufaser mit einer Latexfarbe gestrichen, hält der angerührte Flächenspachtel gar nicht.
  2. VinyltapeteVinyltapete© Chris Lambertsen

    Vinyltapete

    VINYLTAPETE Sie ist in der Regel leicht trocken abziehbar und muss gar nicht überspachtelt werden. Entfernen ist hier wesentlich einfacher.
  3. ProfiltapeteProfiltapete© Chris Lambertsen

    Profiltapete

    TEXTILTAPETE Diese Variante ist ganz gut überspachtelbar, allerdings sollten Sie dabei nicht zu fest aufdrücken.
  4. GlasfasertapeteGlasfasertapete© Chris Lambertsen

    Glasfasertapete

    GLASFASERTAPETE Die kriegen Sie sowieso nicht runter, deshalb sind Spachtelmassen oder übergeklebte Vliestapeten die einzigen Möglichkeiten, sie loszuwerden.
  1. Tapete abrollenTapete abrollen© Chris Lambertsen

    Tapete abrollen

    Die Vliestapete drücken Sie in den Kleister ein und mit der Rolle fest. Überstände an Wand und Boden schneiden Sie per Cutter sauber ab. Wand trocknen lassen.
  2. StreichenStreichen© Chris Lambertsen

    Streichen

    Auf der mit Vlies tapezierten und nun ganz glatten Wand können Sie im Grunde alles machen. Hier wird mit einer Wandfarbe gestrichen. Sie können aber auch spachteln, verputzen oder übertapezieren.
  3. VliestapeteVliestapete© Chris Lambertsen

    Vliestapete

    Vliestapeten sind rückseitig mit einem feinen Vliesgewebe kaschiert. Das macht sie reißfester und dimensionsstabiler als reine Papiertapeten. Das übliche vorherige Einkleistern der Bahnen entfällt.
Artikel aus selber machen Ausgabe 04/2012. Jetzt abonnieren!
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