RWE SmartHome im Test | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Smarte Haustechnik im Baukasten Prinzip

RWE SmartHome im Test

RWE SmartHome gehört zu den bekanntesten Home-Automatisierungssystemen auf dem Markt – vom Hersteller über die Jahre gepflegt und immer weiter ausgebaut. Aber ist es damit auch besonders ausgereift? Unser Test gibt die Antwort.

 
RWE Smarthome Haustechnik-Baukasten © Devolo, Frank-Oliver Grün

Das muss man RWE lassen: Mit ihrem System hat die Firma Geräte für die Hausvernetzung hierzulande salonfähig gemacht – oder zumindest dazu beigetragen. Bis RWE Smart-Home 2011 auf den Markt kam, sahen viele Zwischenstecker und Heizungsregler aus wie vom Techniker selbst gestaltet. Der Zweck bestimmte das Design.

Zugängliche Technik 

RWE verpackte die Geräte dagegen in ansehnliche Gehäuse – und einer guten Bedienoberfläche. Noch vor Qivicon von der Telekom (Smart Home System im Test: Qivicon) und lange vor Devolo Home Control oder Bosch Smart Home ließ sich das vernetzte Haus mit einer simplen App bedienen. Daran hat sich bis heute nichts geändert, genauso wenig wie am Funkstandard. Die Technik stammt von EQ-3, einem der größten Hersteller drahtloser Smarthome-Komponenten. Sie kommt in ähnlicher Form auch bei Homematic oder Qivicon zum Einsatz. Das Marktforschungsunternehmen Berg Insight geht von mehr als 14 Millionen ausgelieferten EQ-3-Geräten aus. 
   
Grundausstattung: Neben dem allgemeinen Starter-Set für 320 Euro (oben) bietet RWE auch Paketlösungen für bestimmte Anwendungen an. Sie steuern zum Beispiel Licht, Heizung oder Rollläden, sind aber alle mit den Bausteinen aus dem Sortiment erweiterbar. Zur Bedienung am Smartphone oder Tablet gibt es eine App für Android und iOS


Funksystem: Die Zwischenstecker und anderen Komponenten kommunizieren drahtlos mit der Smarthome-Zentrale. Sie benutzen dafür ein eigenes, speziell abgesichertes Funkprotokoll, das von EQ-3 stammt. Der Homematic-Erfinder produziert auch die Geräte für RWE

Installation der Zentrale 

Wie die meisten Plug&Play-Systeme arbeitet auch RWE Smarthome mit einer eigenen Funkzentrale. Sie wird über das mitgelieferte Netzwerkkabel an den Router angeschlossen und im Internet registriert. Der frisch gebackene Heimvernetzer tippt dazu die Seriennummer und einen PINCode vom Display der Zentrale in seinen Browser am Computer ein. 
Nach Eröffnung des üblichen Benutzerkontos geht es im Bereich „Mein SmartHome“ auf der RWE-Webseite weiter. Hier zeigt sich, dass das System schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat: Zur Konfiguration im Browser ist das Silverlight-Plug-In nötig. Es steht nur für bestimmte Browser zur Verfügung, weil Microsoft die Entwicklung vor längerer Zeit eingestellt hat. Unter Windows 10 klappt die Konfiguration aktuell noch mit dem Internet Explorer, am Mac mit Safari. Für Windows-PCs gibt es ein Einrichtungsprogramm zum Download, das im Test unter Windows 10 aber keine Verbindung zu den RWE-Servern bekam. 
Laut Hersteller wird eine neue Software im Herbst die Einschränkungen aufheben. Sie soll auch die Möglichkeiten der App erweitern. Aktuell kann das Programm für Android- oder iOS-Geräte das Smarthome-System zwar steuern, das Konfigurieren geht aber nur am Computer. 

Das Smarthome einrichten 

Nach dem ersten Start ist die Seite im Browser noch leer. Die Zentrale beginnt aber sofort mit der Suche nach Komponenten und zeigt sie im Fenster „Geräte & Auslöser“ an. Von dort lassen sie sich mit der Maus in die Bildschirmmitte ziehen und auf die einzelnen Räume des Smarthome verteilen. Ein Klick auf die Pluszeichen in der Raumleiste legt an der jeweiligen Position ein neues Zimmer an. 

Auslöser und Geräte

Steckdosen, Heizungsregler und andere Geräte, die aktiv etwas tun, erscheinen als farbige Symbole über der Mittellinie. Die sogenannten Auslöser wie Schalter, Bewegungssensoren oder Tür- und Fensterkontakte in Hellblau darunter. 

Sirene: Der RWE Rauchmelder (50 Euro)
funktioniert auch ohne Smarthome-Zentrale. Im System kann er allerdings als Auslöser dienen und das Licht einschalten, wenn’s brennt. Umgekehrt nutzen andere Sensoren seinen Alarmton bei Bedarf als Sirene

Produkte, die nicht von RWE stammen, lassen sich über den Menüpunkt „Apps & Services“ einbinden. Er führt zu einem Appstore mit Funktionserweiterungen. Einige davon sind kostenlos wie die Verbindung mit Miele-Hausgeräten oder dem smarten Türschloss von Entr. Für andere verlangt RWE eine Gebühr. So schlägt der Anschluss von einer Netatmos Wetterstation mit vier Euro zu Buche (unten). Der selbe Preis gilt auch für Samsung-Kameras oder das Hue-System von Philips. Die Steuerung von Buderus-Heizkesseln kostet knapp 20 Euro, ein umfangreiches Energie-Management für Batteriespeicher von RWE liegt bei 50 Euro. Auch die E-Mail- und SMS-Benachrichtigung lässt sich auf diese Weise dazubuchen (20 Euro), genauso wie ein SMS-Kontingent mit 100 Nachrichten (15 Euro). Das Baukastenprinzip macht die Smarthome-Lösung modular erweiterbar und der Nutzer zahlt nur für Extras, die er wirklich benötigt.

Schnittstellen: RWE integriert auch Produkte anderer Hersteller wie die Netatmo Wetterstation in sein System. Die Verbindung kostet häufig extra

Die Macht der Profile

Sind alle Produkte installiert, geht es ans Programmieren. Was bei anderen Herstellern Regel oder Szene heißt, nennt RWE Profil: die Verknüpfung von Auslösern und Geräten. Vier Varianten stehen zur Wahl. Im Ereignisprofil lösen Schalter oder Sensoren direkt eine Aktion aus. So geht auf Tastendruck zum Beispiel das Licht an. Ein Zeitprofil drosselt über Nacht die Heizung oder fährt am Morgen die Rollläden hoch. Das Profil „Virtueller Bewohner“ schaltet Geräte nach dem Zufallsprinzip ein und aus, wobei sich Zeitrahmen definieren lassen – eine sher komfortable Art der Anwesenheitssimulation. Während sich die ersten drei Profiltypen von selbst erklären, geht es mit Nummer vier schon etwas ans Eingemachte: Das Logikprofil ist der Universalist im System, der alles und jeden miteinander verknüpft. Ob eine selbst programmierte Alarmanlage oder einen Wandschalter, der abhängig von Tageszeit und Anwesenheit die Funktion ändert – mit einem Logikprofil ist fast alles möglich.

Fazit

Sehr gutes System. Die Programmierung ist allerdings, je nach Anwendungsszenario etwas anspruchsvoller, was Einarbeitung in die Materie voraussetzt. Dann aber ist der Funktionsumfang von RWE Smarthome nur sehr schwer zu toppen.

Testtabelle

Unsere Tabelle mit allen Testergebnissen zu RWE Smarthome auf einen Blick.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Im folgenden Abschnitt finden Sie mehr Informationen zu weiteren Elementen aus dem RWE Haustechnik-Baukasten:

Haussteuerung mit Profil 

Im RWE Smarthome gibt es Geräte und Auslöser. Sogenannte Profile stellen eine Verbindung zwischen beiden her. Dann löscht zum Beispiel ein Wandschalter neben der Wohnungstür überall das Licht. Die Programmierung braucht etwas Einarbeitung, bietet aber sehr viele Möglichkeiten. Hier das Profil für eine einfache Alarmanlage mit Bewegungsmelder:
 

System vorbereiten: Für die Einstellung von An- und Abwesenheit ist eine sogenannte Zustandsvariable nötig. Sie wird als virtuelles Gerät dem Bereich „übergreifend“ hinzugefügt.

    
  

Schalter zuweisen: Der Auslöser – in diesem Fall ein Wandschalter – kommt in denselben übergreifenden Raum. Er kann aber überall in der Wohnung befestigt sein.
  
 
    

Zustand definieren: Die Variable erhält den Namen „Zuhause“. Sie legt fest, ob jemand in der Wohnung ist oder nicht, damit die Alarmanlage später
nicht versehentlich auslöst.
  
  

Profil anlegen: Nun folgt die Steuerung. Ein sogenanntes Logikprofil aktiviert Geräte unter bestimmten Bedingungen, etwa wenn bei Abwesenheit der Bewegungsmelder anschlägt.

  
  
  

Geräte hinzufügen: Über eine Wenn-dann-Verknüpfung werden Bewegungsmelder und Anwesenheit mit der Kamera, Licht und einem Rauchmelder für den Alarm verbunden.

  
  

Tasten programmieren: Zuletzt bekommt der Schalter seine Funktion. Je nach Tastendruck stellt er die Zuhause-Variable auf AN oder AUS. Das Profil reagiert entsprechend.

  
  
 

Der Heizungsregler kann mehr

Die Heizkörperthermostate des RWE-Systems (50 Euro) haben ein stattliches Format. Dafür steckt im Gehäuse auch ein Luftfeuchtigkeitssensor für weitere Steueraufgaben. So kann dieser Sensor bei zu hoher Feuchtigkeit das Ventil öffnen, um Schimmelbildung vorzubeugen. Eine Lüftungserkennung verhindert unnötigen Energieverbrauch. Sie drosselt die Heizung, wenn der Fühler einen Temperaturabfall feststellt oder ein Fensterkontakt im gleichen Raum die Öffnung signalisiert. Neben den batteriebetriebenen Thermostatköpfen gibt es auch einen zentralen Regler für Fußbodenheizungen (200 Euro). Er benötigt eine Steckdose und kann bis zu acht Kreisläufe über 24-Volt-Stellantriebe steuern. Jeder Kreislauf bekommt dann einen drahtlosen Raumthermostat (70 Euro) zum Einstellen der Temperatur. Die Ersteinrichtung geht schnell und einfach: Nur die Regler dem gewünschten Raum zuweisen und ein Zeitprofil mit der Heizkurve anlegen, fertig. Thermostate, die dem selben Raum zugewiesen sind, verbinden sich zu einer Gruppe und folgen dann einem gemeinsamen Temperaturverlauf.

Adapter: Der Anschluss passt auf viele gängige Heizkörperventile. Anpassringe für Modelle von Danfoss liegen bei, weitere gibt es als Zubehör


Handbetrieb: Über das Display und ein griffiges Drehrad ist die Temperatur leicht regelbar. Das System überträgt die Einstellung auf andere Ventile im selben Raum. Eine Taste schaltet die Automatik auf Wunsch auch ab

Überwachung

Zwei Kameramodelle von Samsung behalten auf Wunsch das Haus im Auge. Die Smart-Cams für innen (200 Euro) und außen (230 Euro) werden zuerst wie gewohnt über die Hersteller-Webseite aktiviert und im WLAN eingerichtet. Anschließend stellt eine Erweiterung von RWE die Verbindung zur Smarthome-Zentrale her. Nun lassen sich die Kameras an Tür-/Fensterkontakte oder Bewegungsmelder koppeln und in Steuerprofilen verwenden. Dabei zeichnet das System aber lediglich Standbilder in einstellbaren Zeitintervallen auf, keine Videos. Um den Server nicht zu überlasten, liefern die Kameras im
Smarthome-System nur Einzelbilder. Die Intervalle sind einstellbar, sollten aber nicht zu kurz sein, sonst gibt es eine Fehlermeldung. Im Test haben sich drei bis vier Bilder im Abstand von einigen Sekunden bewährt. Die Bildqualität diser Momentaufnahmen ist sehr gut. Beim Antippen des Kamerasymbols in der App öffnet sich ein Fenster mit der aktuellen Aufnahme. Bedienelemente am rechten Rand aktualisieren das Bild oder laden es in den Speicher des Tablets oder Smartphones herunter.

Lichtsteuerung

Wenn es um das Thema Licht geht, sind die Möglichkeiten besonders umfangreich. Neben den üblichen Zwischensteckern (rechts) bietet RWE auch Unterputz-Lichtschalter und -Dimmer an, die per Funk mit dem Smarthome-System kommunizieren. Auf die Einbaugehäuse passen Wippen gängiger Schalterprogramme von Busch-Jaeger, Gira und Merten. Besitzer eines drahtlosen Hue-Systems von Philips können die LED-Lampen über ihre Bridge ebenfalls mit der Zentrale verbinden. Sie tauchen danach wie andere Geräte in der Bedienoberfläche auf.


Zwischenstecker: Die Schaltsteckdose (40 Euro) gibt es auch als Dimmer (links) und mit Routerfunktion zur Reichweitenvergrößerung
 


Philips Hue:
Die Verbindung mit dem drahtlosen Lichtsystem kostet einmalig 3,99 Euro. Schieberegler für Helligkeit und Farbe machen die Bedienung sehr intuitiv. Anhand der angezeigten Zahlenwerte lassen sich Einstellungen manuell auf andere Lampen übertragen Die Einteilung in 25 Farbstufen ist für RGBLampen mit Millionen Zwischentönen aber etwas grob

Energie-Management

Das Smarthome-System kann Verbraucher auch abhängig von der Leistung einer Solaranlage schalten – und dabei Batteriespeicher von RWE mit berücksichtigen.

Frank-Oliver Grün
Artikel aus selber machen Ausgabe 08/2016. Jetzt abonnieren!
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