Bosch Smarthome-Baukasten
Smarthome Gesamtkonzept

Smarthome-Baukasten

Neben Elektrowerkzeugen, Sicherheitslösungen und Hausgeräten gibt es jetzt auch Heimvernetzung von Bosch. Das Smart-Home-System steht noch ganz am Anfang seiner Entwicklung. Was es bereits kann, zeigt der Test.

 
Bosch Smart Home Komponenten © Bosch, Frank-Oliver Grün

Der Bosch-Konzern hat Großes vor in Sachen Smarthome: Bis 2017 will das Unternehmen eine komplette Hausautomatisierung auf die Beine stellen – und dafür das Knowhow mehrerer Geschäftsbereiche bündeln. Schließlich hat die Tochter BSH Hausgeräte bereits vernetzbare Kühlschränke und Waschmaschinen im Angebot. Buderus und Junkers bieten Heizungsanlagen mit Internet-Anschluss an, die Bosch Sicherheitssysteme GmbH stattet Gebäude mit Alarmanlagen und Brandmeldern aus. Alles, was für ein Smart Home nötig ist, haben die Stuttgarter also im Haus. 

Jetzt geht es darum, die Bausteine zusammenzufügen. Der digitale Mörtel dafür heißt „Bosch Smarthome“ und besteht wie üblich aus einer Basisstation am Router und drahtlosen Reglern oder Sensoren.

Der Aufbau erinnert an Lösungen wie Qivicon (Test hier), Devolo „Home Control“ (Heft 6/2016) oder RWE Smarthome. Optisch haben die Komponenten aber mehr zu bieten als bei vielen Konkurrenten. Die Basisstation, Controller genannt, ist kompakt und formschön, Öffnungssensoren machen sich schmal und verunstalten den Tür- oder Fensterrahmen so wenig wie möglich.
 

Grundausstattung: Zur Basisstation, dem Smart Home-Controller, bietet Bosch Heizkörperregler und Tür-/Fenstersensoren an. Das Startpaket für 350 Euro enthält zwei Heizungsregler und einen Fensterkontakt

Eigenes Funk-Protokoll 

Die Verbindung untereinander findet per Funk statt. Bosch nutzt dafür ein eigenes, verschlüsseltes Protokoll – was die zuverlässige Funktion sicherstellt, die Produktauswahl aber einschränkt. Zumindest im Augenblick lassen sich keine Sensoren oder Regler anderer Hersteller an der Basis betreiben. Dass es trotzdem Schnittstellen gibt, zeigt die Kooperation mit Philips: Als einer der ersten Lizenznehmer des Partnerprogramms „Friends of Hue“ unterstützt Bosch die Lampen des drahtlosen Lichtsystems von Philips. Vorteil für den Nutzer: Die enge Abstimmung zwischen Lizenzgeber und -nehmer soll gewährleisten, dass ein Software-Update nicht plötzlich die Verbindung kappt. Verglichen mit anderen Smarthome-Systemen, die „Hue“ ebenfalls integrieren, sind die Funktionen überschaubar. Das hängt bislang noch mit der eher schlicht gehaltenen Bosch-App zusammen.

Schnell installiert

QR-Codes helfen beim Einrichten des Systems in der App. Als erstes fotografiert der Nutzer per Smarthome-Kamera den Würfelcode auf der Rückseite des Controllers ab
   
      
  
  

Hinzufügen neuer Geräte geht genauso: Beim Heizkörperregler ist der schwarzweiße QR-Code zum Beispiel versteckt im Batteriefach angebracht
   
   

   
   
     

Smart-Home-Produkte von Bosch tragen alle einen QR-Code. Bei Buderus- und Junkers-Heizsystemen oder Produkten anderer Hersteller führt die App mit einer Schrittfür- Schritt-Anleitung durch den Installationsprozess

   
    
   
   
Alternativ zur Scan-Funktion gibt es auch eine manuelle Eingabe der Seriennummer in der App. Damit klappt die Einrichtung selbst dann, wenn die Smartphone-Kamera Probleme hat – etwa unter schlechten Lichtverhältnissen
  
   
   
  
  
  
  
  

     
Übersichtlich gestaltete App

Voraussetzung für die Einrichtung und den Betrieb von „Bosch Smart Home“ ist ein iOS- oder Android-Gerät. Die App für iPhone und iPad unterscheidet sich vom Google- Pendant vor allem dadurch, dass sie große Displays besser ausnutzt. Auf Android-Tablets wird der Bildschirm einfach hochskaliert und damit Platz verschenkt. 

Nach der wirklich selbsterklärenden Installation begrüßt den Nutzer ein Menü mit blauen, quadratischen Kacheln. Jeder Raum ist hier über eine Schaltfläche erreichbar. Zur leichteren Unterscheidung gibt es Symbole wie Kochtopf, Badewanne, Bett oder Sofa, die den Zweck der Örtlichkeit verdeutlichen. Ein Fingertipp auf den Raum öffnet die Übersicht mit allen darin enthaltenen Geräten – wiederum als Kacheln. Die rechteckigen Felder zeigen den aktuellen Betriebszustand an – ob ein Fenster geöffnet oder geschlossen ist – und führen zu weiteren Einstellungen wie der Heizungsregelung oder Lichtsteuerung. Um den Weg dorthin abzukürzen, lassen sich einzelne Gerätekacheln als Favoriten auf die Startseite legen. Die Temperaturregelung fürs Bad etwa ist damit ohne Umschweife erreichbar. 

Eine kurze Verzögerung gibt es trotzdem: Bei jedem Aufruf benötigt das Programm ein bis zwei Sekunden, um sich mit dem Controller zu verbinden. Greifen mehrere Smartphones auf das System zu, kann es sein, dass ein Teilnehmer abgemeldet wird und seine Zugangsdaten noch einmal in die App eingeben muss. Mit einem Software-Update sollte es Bosch jedoch gelingen, diese Kinderkrankheiten auszukurieren. 

Szenen folgen per Update 

Für den Herbst ist bereits ein großes Update geplant. Es bringt den „Szenarien-Manager“ zum Automatisieren von Schaltvorgängen. Ein Tastendruck soll dann genügen, um etwa beim Verlassen der Wohnung in allen Räumen das Licht zu löschen und Steckdosen für Bügeleisen oder Kaffeemaschine vom Netz zu trennen. 

   
   
Funksteckdose:
 Ab Mai ergänzt ein Zwischenstecker das System und schaltet Elektrogeräte drahtlos

Wie so etwas funktioniert, zeigt heute schon das mitgelieferte „Away-Szenario“ für die Heizung: Eine Kachel auf dem Start-Screen stellt alle Thermostate auf die programmierte Temperaturabsenkung ein – ganz gleich, in welchem Raum sie sich befinden. 

Für ein Smarthome-System sind solche raumübergreifenden Regeln eigentlich selbstverständlich. Bosch hat sich zum Start aber ganz auf die Heizung konzentriert und spielt dabei seine hauseigenen Stärken aus: Neben drahtlosen Thermostatventilen, die es anderswo ja auch gibt, steuert der Controller internetfähige Heizsysteme von Junkers und Buderus. Voraussetzung: Die Anlage muss mit einem Regelungssystem „Logamatic EMS plus“ oder „EMS 2“ ausgestattet sein. 

Clevere Heizungssteuerung

Bosch hat sich alle Mühe gegeben, die Heizungsregelung einfach zu gestalten. Mit Erfolg: Wo andere Hersteller nach dem Austausch der Ventilköpfe (links) noch detaillierte Einstellungen verlangen, funktioniert die Steuerung hier ab Werk. Ein Wochenheizplan ist voreingestellt und lässt sich in der App leicht ändern. Mehrere Thermostate im selben Raum müssen nicht gruppiert werden, sondern übernehmen automatisch den Wert der App. Kommt ein Tür- oder Fensterkontakt hinzu, drosselt er beim Lüften die Heizung. Wer die Temperatur mit den Tasten am Thermostat überschreibt, muss später nicht mehr daran denken: Beim nächsten Phasenwechsel kehrt das System von selbst zur Automatik zurück.

Handsteuerung: Über das Display und eine Plus/Minus-Wippe lässt sich die Temperatur am Regler manuell verändern

Übersicht: Die App stellt Heizphasen gut nachvollziehbar auf einer symbolischen Uhr dar. Ein langer Druck in die Kreismitte legt eine neue Phase an. Werden Start- und Endpunkt mit dem Finger übereinander geschoben, verschwindet sie wieder. Die Taste „Kopieren“ überträgt die Einstellungen auf andere Wochentage
  
  
  

Intelligenz: Ohne besondere Konfiguration stimmen sich Tür- und Fensterkontakte und Heizungsregler in einem Raum miteinander ab. Öffnet jemand zum Beispiel das Fenster, regelt der Thermostat sofort auf Minimum herunter, um Energie zu sparen. Beim Schließen kehrt er zur programmierten Einstellung zurück

   
   
Hue macht hell

Brücken-Technologie: Die Hue Bridge ist Voraussetzung, um Lampen des drahtlosen Philips Lichtsystems steuern zu können
   
Die App des Bosch-Systems kann Lampen des drahtlosen Lichtsystems „Hue“ von Philips fernbedienen. Allerdings wirkt die Steuerung bislang nur auf einzelne Leuchtmittel. Wer mehrere „Hue“ Exemplare in in der Wohnung hat, muss sie nacheinander von Hand ein- oder ausschalten. Das braucht Zeit, weil für jedes Licht ein Untermenü geöffnet werden muss. Hier macht sich das Fehlen von Regeln und Gruppen bemerkbar. Im Herbst will Bosch Szenarien nachliefern. Dann soll es auch möglich sein, Lichtstimmungen zu programmieren oder beim Verlassen der Wohnung alle Lampen auf einmal auszuschalten.

   
Farbkreis: Helligkeit und Sättigung sind im Handumdrehen eingestellt

Neue Geräte zur IFA 

Zur Elektronikmesse IFA im Herbst will das Unternehmen dann weitere Produkte wie Rauch- und Bewegungsmelder auf den Markt bringen. Mit einer Verbindung zu „Home Connect“ von BSH sollen außerdem Hausgeräte von Bosch und Siemens steuerbar werden.

Montage-Service: Auch wenn es nicht wirklich nötig ist, können Käufer das Bosch-System vom Fachmann installieren lassen – zum Pauschalpreis von 150 Euro

Alles auf einen Blick: Den Steckbrief für das Bosch Smart Home mit allen Ausstattungselementen und Testergebnissen finden Sie hier

Frank-Oliver Grün
Artikel aus selber machen Ausgabe 07/2016. Jetzt abonnieren!
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