Putztechnik | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Wandgestaltung

Putztechnik

Ein Wechselspiel aus Farben, Licht und Glanz macht die alte Putztechnik so faszinierend. Voraussetzung für ein gutes Ergebnis ist die richtige Verarbeitung des Kalkputzes. Wir zeigen, wie’s geht.

 
Putz mit Tradition © Selbermachen
Putz mit Tradition

Marokko ist die Heimat des Tadelakts. Der Kalkputz aus der Nähe von Marrakesch ist seit der Antike bekannt und wurde zur Abdichtung von Zisternen, später auch zum Auskleiden der orientalischen Bäder (Hamams) sowie zur Wandgestaltung verwendet. Aufgrund seiner geologischen Entstehung und speziellen Zusammensetzung ein hochwertiges Material: Durch Brennen und Löschen ergibt es einen verarbeitungsfähigen Kalkputz, der eine hohe Dichtigkeit aufweist, wasserabweisend und diffusionsoffen ist.

Wegen seiner Wasserfestigkeit, die durch das Verdichten mit dem Polierstein und das Auftragen von Olivenölseife entsteht, ist er auch für den Nassbereich, etwa Duschkabinen, ideal geeignet. Einzige Einschränkung: Er ist nicht frostfest. Gartenobjekte mit Tadelakt müssen also im Haus überwintern.

Die Bezeichnung Tadelakt leitet sich vom arabischen Verb „dellek“ ab, was soviel bedeutet wie „drücken“, und bezieht sich auf die Vorbereitung des Materials zur Verarbeitung. Um eines vorweg zu sagen, diese Technik ist nichts für Hektiker. Sie erfordert handwerkliches Geschick, Sorgfalt und vor allen Dingen Geduld. Bevor Sie eine ganze Wand in Angriff nehmen, sollten Sie Ihr Können ausprobieren. Die Untergründe zum Aufbringen von Tadelakt müssen rau und absorbierend sein. Geeignet sind Ton, Beton, Ziegel sowie Kalk- und Zementputze.

Das Material hat eine graubeige Naturfarbe, die durch Zugabe von Farbpigmenten abgetönt werden kann. Für eine Fläche von etwa 1 qm rechnet man mit einer Menge von 4 kg Tadelakt (zirka 18 Euro). Empfehlung für Neueinsteiger: Beginnen Sie mit einer kleinen Wandfläche, denn sowohl das Arbeiten mit dem Reibebrett als auch das Verdichten mit der Venezianerkelle und dem Polierstein sind kraftaufwendige Angelegenheiten – siehe Arbeitsschritte.

© Selbermachen© Selbermachen

Materialien für den Wandputz

Pulver, Pigmente, schwarze Olivenölseife sowie der Polierstein sind die Grundsubstanzen des Tadelakts. Sie werden direkt aus Marokko importiert und können bundesweit bestellt werden (Adressen siehe nächste Seite). Außerdem wird noch ein Reibebrett und eine venezianische Glättekelle mit abgerundeten Kanten benötigt.

  1. Tadelakt einsumpfen© Selbermachen

    Tadelakt einsumpfen

    Bevor man richtig loslegen kann, muss der Tadelakt drei bis vier Tage, aber mindestens 24 Stunden einsumpfen. Auf 12 kg Tadelaktpulver gibt man ungefähr 6 l Wasser.
  2. Farbpigment einrühren© Selbermachen

    Farbpigment einrühren

    Der Einsumpfungsprozess gewährleistet außerdem bei der Zugabe von Farbpigmenten – 12 kg Tadelakt können mit maximal 600 g Pigment abgetönt werden – eine gleichmäßige Färbung des Putzes. Während des Einsumpfens dickt der Putz ein, doch um ihn danach weiterverarbeiten zu können, hilft kräftiges Rühren.
  3. Farbton verändern© Selbermachen

    Farbton verändern

    Sollte der Putz zu hell oder dunkel ausgefallen sein, kann man den Ton durch Zugabe von Pigmenten noch verändern.
  4. Fläche vornässen© Selbermachen

    Fläche vornässen

    Die Fläche, die bearbeitet werden soll, muss gut mit Wasser vorgenässt werden. Das ist erforderlich, um eine ausreichende Verbindung zwischen Untergrund und Putz zu gewährleisten. Am besten geht das mit der Sprühflasche.
  5. Putz auftragen© Selbermachen

    Putz auftragen

    Nach dem Vornässen den Putz mit einem großen Reibebrett (aus Holz oder Kunststoff) auftragen und flächig verreiben. In ein oder zwei Arbeitsgängen den Putz in einer Stärke von 3–5 mm aufbringen.
  6. Putz glätten© Selbermachen

    Putz glätten

    Den Putz leicht abbinden lassen und mit einer Venezianerkelle unter gleichmäßigem Druck glätten. Anschließend mit dem Polierstein die Fläche durch kleine kreisende Bewegungen verdichten.

Mit Stein und Seife zum Glanz

Nachdem der Putz mit der Venezianerkelle und dem Polierstein verdichtet wurde, erfolgt eine Ruhephase von etwa 24 Stunden, bevor man mit dem Verpressen beginnt. Dieser Zeitraum kann variieren und ist abhängig von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit im Raum. Auf jeden Fall sollte die Wand noch feucht sein, wie in den Arbeitsfotos beschrieben. Durch das Verpressen mit Olivenölseife und Polierstein erhält die Fläche ihren charakteristischen Glanz, der je nach Lichteinfall unterschiedliche Farbnuancen erzeugt. Nach völliger Austrockung (zirka einem Monat) erhält die Oberfläche ihre richtige Härte und Farbe. Und es ist ein sinnlicher Genuss, mit der Hand über die glatte Wand zu streichen. Wer die Arbeitstechnik des Tadelakts gründlich erlernen möchte, kann auch an einem Workshop, der bundesweit angeboten wird, teilnehmen.

  1. Olivenölseife anrühren© Selbermachen

    Olivenölseife anrühren

    Zur weiteren Bearbeitung muss die Wand noch feucht sein, darf aber nicht mehr abfärben oder an der Hand kleben bleiben. Dann wird die Olivenölseife mit Wasser angerührt (im Verhältnis 1 : 20).
  2. Olivenölseife aufpinseln© Selbermachen

    Olivenölseife aufpinseln

    Die verdünnte Olivenölseife kann man entweder mit einem Pinsel oder auch mit der Sprühflasche auftragen.
  3. Fläche polieren© Selbermachen

    Fläche polieren

    Dann die Oberfläche in kleinen kreisenden Bewegungen unter leichtem Druck mit dem Stein polieren und verdichten. Diesen Vorgang ohne Pause wiederholen. Zur Pflege ebenfalls verdünnte Olivenölseife mit weichem Tuch aufbringen.

Buchtipp

Wer sich ganz ausführlich mit der Technik des Tadelakts auseinandersetzen möchte, kommt an dem gleichnamigen Buch von Michael Johannes Ochs nicht vorbei. Der Autor beschreibt die Herkunft, Tradition und Herstellung des Materials und geht auch auf seine chemische Zusammensetzung ein. Die Anwendung dieser anspruchsvollen Technik, die viel Geschick erfordert, wird detailliert anhand von zahlreichen Fotos veranschaulicht und verständlich gemacht. Fand die uralte marokkanische Putztechnik früher eher in Nassbereichen statt, wird sie heute auch gern zur Gestaltung von Wandflächen eingesetzt. Neben der optischen und sinnlichen Wirkung spielen auch die positiven ökologischen Eigenschaften des Materials eine große Rolle.

112 Seiten, 49,95 Euro. DVA, ISBN 978-3-421-03665-0

Produkte und Kurse

LIFEBOXX WAND & WOHNDESIGN Habsburgerallee 87, 60385 Frankfurt/M., www.wand-wohndesign.de

KREIDEZEIT NATURFARBEN Cassemühle 3, 31196 Sehlem, www.kreidezeit.de

MICHAEL JOHANNES OCHS Alteburgstraße 31, 72762 Reutlingen, www.ochspainting.de

TADELAKT – LEHMBAU – KERAMIK Kapellenweg 6, 93173 Wenzenbach, www.tadelakt.de

TIERRFINO AMSTERDAM Tweede Helmerstraat 51, NL-1054 CD Amsterdam, www.tierrfino.de

PAINT ART Wasserwerkgasse 8, CH-3000 Bern 13, www.paint-art.ch

Artikel aus selber machen Ausgabe 12/2011. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren