Wand verputzen von A bis Z | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Alle Putzarten auf einen Blick

Wand verputzen von A bis Z

Wer Putz hört, denkt an Mörtelbütt, Richtlatte, Kelle und jede Menge Schmutz. Dabei ist Putz mittlerweile zu einem Oberbegriff geworden, der vom 20-mm- Kalk-Zement-Grundputz bis zur 3-mm-Lehmspachtelmasse alles abdeckt, was man an die Wand bringen kann. Mit unserem A bis Z der Putze wissen Sie genau Bescheid.

 
Mit unserem A bis Z der Putze wissen Sie genau Bescheid. © Chris Lambertsen
Mit unserem A bis Z der Putze wissen Sie genau Bescheid.

Wir zeigen Ihnen die verschiedenen Arten des Verputzens und auf was Sie beim Verputzen von Wänden achten sollten. Vom Abrieb bis hin zu Grund- und Rollputz zeigen wir Ihnen wie es funktioniert:

Abreiben

Ist der Putz per Kelle aufgetragen und mit der Richtlatte eben abgezogen, lassen Sie ihn etwa 20 bis 30 Minuten anziehen. Was dann folgt, ist das Abreiben. Dabei fahren Sie mit einem Reibebrett kreisförmig über die Fläche, um letzte Unebenheiten, Grate und Löcher zu beseitigen. Die Kunst ist es, den richtigen Zeitpunkt für das Abreiben zu finden. Der Putz darf nicht zu trocken sein. Abgerieben werden nur die Grundputze.

Putz abreiben

Dekorputz

Das sind mit Wasser angerührte pastöse Massen, die man als Alternative zu Tapete oder Farbe auf die Wand aufziehen kann. Ein Grundputz muss allerdings schon vorhanden sein. Dekorputze sind nur zwischen 1 und 3 mm dick, weshalb sie keine größeren Unebenheiten ausgleichen können. Die Schichtdicke ist abhängig von der Korngröße des Zuschlagstoffs (meist Sand). Als Bindemittel kommen oft Kunstharze zum Einsatz, es gibt aber auch rein mineralische Varianten. Dekorputze werden grundsätzlich in der Oberfläche strukturiert. Übrigens: Auf alten Tapeten sollten Sie nicht verputzen!

Grundputz

Als Grundputz werden die Massen bezeichnet, die direkt auf die nackten Mauersteine aufgezogen werden. Er dient dazu, das tragende Mauerwerk vor mechanischen Schäden zu schützen und eine ebene glatte Fläche für die nachfolgende Wandbekleidung wie Tapete, Dekorputz oder Farbe zu schaffen. In der Regel enthalten Grundputze mineralischen Bindemittel wie Zement, Kalk oder Gips oder auch Kombinationen davon. Grundputze werden maschinell aufgebracht und von Hand abgezogen, was weniger für Selbermacher als für Profis gedacht ist. Die Schichtdicke bei Grundputzen liegt zwischen 15 mm und 20 mm.

Grundputz

Isoputz

Seine Oberfläche und auch der Isoputz selbst sind so großporig eingestellt, dass er hervorragend die Luftfeuchtigkeit aus der Raumluft bis zum Vielfachen seines Eigengewichts aufnehmen kann. So schlägt die sich nicht als Kondenswasser nieder und der Schimmelbildung ist dauerhaft vorgebeugt. (MEM Bauchemie)

Isoputz

Isoputz

Putzgrund

Wichtig bei jeder Art von Dekorputz ist die passende Grundierung. Die erfüllt drei Aufgaben: Sie gleicht unterschiedliches Saugverhalten der Wand weitestgehend aus, sie verbessert die Haftung des Putzes enorm und sie deckt Farbunterschiede der Wand ab. Letzteres ist vor allem bei den Reibeputzen wichtig, wo Sie die enthaltenen Körner auf der Wand verreiben und die Wandfarbe (sofern nicht weiß) später durch die Rillen schimmern kann. Putzgrundierungen sind etwas pastöser und grobkörniger eingestellt als herkömmliche Grundierungen, um die Haftung zu gewährleisten. Eine Vorbehandlung mit Tiefgrund können Sie sich in jedem Falle sparen.

Putzschienen

Hilfsmittel, um eine gleichmäßige Putzdicke zu erzielen. Sie werden auf der zu verputzenden Wandfläche und an Wandecken („Eckschutzleisten“) befestigt, dann die Richtlatte aufgesetzt und die Putzmasse eben abgezogen. Die Eckschutzleisten dienen außerdem dazu, die empfindlichen Außenecken von verputzten Wänden gegen Abbrechen zu sichern. Putzschienen sind aus unterschiedlich starkem Metall oder Kunststoff, als „Klebstoff“ dienen Putzbatzen, in die Sie die Schienen eindrücken und lot- und fluchtgerecht ausrichten. Der Abstand zwischen zwei Schienen beträgt in der Regel 120 bis 150 cm. Beim Dekorputz kommen diese Schienen nicht zu Einsatz, weil der zu dünn ist.

Reibeputz

Hat seinen Namen, weil nach dem Auftragen die enthaltenen Körner mit einem Reibebrett oder der Kelle in der Putzmasse verrieben werden. So entstehen die bekannten Riefen und Rillen, die der verputzten Wand später die raue Oberfläche verleihen. Abhängig von der Korngröße (1, 2 und 3 mm) wird die Reibestruktur gröber oder feiner. Verreiben können Sie die Körner grundsätzlich in alle Richtungen, allerdings sollte für ein einheitliches Strukturbild die Reiberichtung auf der ganzen Fläche beibehalten werden.

Rollputz

Ein irreführender Begriff, denn die so bezeichneten Putze kann man nicht mit einer Rolle auftragen. Auch Rollputze muss man auf herkömmliche Art und Weise mit einer Kelle in 1 bis 3 mm Dicke auf die Wand aufziehen, er ist aber so fein, dass Sie ihn anschließend mit einer Farb- oder Strukturrolle ganz einfach strukturieren können.

Rollputz

Mittlerweile gibt es aber einen einzigen „echten“ Rollputz auf dem Markt, den sogenannten „Easy Putz“. Den können Sie tatsächlich mit einer Rolle auf die Wand auftragen und auch strukturieren. (Knauf)

Spachtelcreme

Seit einiger Zeit sind sogenannte Spachtelcremes im Handel, die auch zur dekorativen Gestaltung geeignet sind. In der Zusammensetzung sind sie den Spachtelmassen ähnlich, eine Struktur erzielen Sie dadurch, dass Sie die Masse nicht mit einer Kelle, sondern mit einem kleinen Spachtel auftragen. Die dadurch entstehenden Grate und Unebenheiten sind als „mediterraner“ Effekt also erwünscht. (Schöner-Wohnen-Farbe)

Mediterraner Effekt

Spachtelmasse

Vereinfacht gesagt, sind das sehr feinkörnige Putze mit Korngrößen von 0,1 bis 0,5 mm. Sie dienen dazu, eine unebene, löchrige Wand zu glätten und zu egalisieren. Die feine Körnung dient ferner dazu, den Putz mit dem Glätter quasi bis auf Null ausziehen zu können und so keine Ansätze auf der Wandfläche zu hinterlassen. Zum dekorativen Gestalten mit Schwammbrett, Quast oder Rolle sind Spachtelmassen ungeeignet, weil zu dünn aufgetragen. Für besonders kritische Untergründe oder für Feuchträume bekommen Sie auch flexible kunstharzvergütete Spachtelmassen.

Grundspachtelmasse

Spritzbewurf

Hierbei handelt es sich um eine Art Grundierung für einen Grundputz. Im Grunde ist das nichts anderes als ein sehr flüssig eingestellter Putz, der mit der Kelle an die Wand „geworfen“ wird. Der Effekt ist, dass die Oberfläche der Wand unebener und dadurch größer wird, der Grundputz, der nachfolgend aufgezogen wird, also eine größere Kontakt- und Haftfläche vorfindet.

Streichputz

Fast flüssige Massen, die man per Quast auf die Wand aufbringen kann. Der Konsistenz entsprechend beträgt die Schichtdicke dann auch nur zwischen 0,1 und 0,2 mm. Wegen der geringen Dicke hinterlässt der Quast natürlich auf ganzer Fläche seine Spuren, was Sie mit ein wenig Übung zur Oberflächengestaltung nutzen können. Auch solche extrem dünnen Putze haben immer noch die guten Eigenschaften, die Dekorputze im Allgemeinen haben, vor allem die feuchtigkeitsregulierende Wirkung auf die Raumluft. Obwohl Streichputze auch auf alten, festsitzenden Tapeten Halt finden, raten wir immer dazu, alte Wandbeläge komplett zu entfernen.

Streichputz

Streckmetall

Ein Gitter, das dadurch entsteht, dass mit versetzt angeordneten Schlitzen versehene Metallplatten auseinandergezogen, gestreckt werden. So erhält es eine für die geringe Materialdicke enorme Biegesteifigkeit. Eingesetzt werden Streckmetalle als Putzträger bei den Grundputzen. Man verwendet sie vor allem über Hohlräumen oder bei wechselnden Wandbaustoffen, um die dort oft auftretenden Zugspannungen aufzunehmen und den Putz rissfrei zu halten.

Strukturputz

Ein allgemeiner Oberbegriff für alle Dekorputze, die nach dem Aufziehen in irgendeiner Form strukturiert werden. Die klassischen Werkzeuge dafür sind Rolle, Quast und Bürste, Kelle Schwamm, Filzbrett sowie Reibebrett.

Isoputz

Isoputz

Bei der Strukturierung der Putzoberfläche mit Rollen muss die Rollrichtung auf der ganzen Fläche beibehalten werden.

Stucco Lustro

Der Begriff ist italienisch, bedeutet „glänzender Putz“ und ist eine uralte Technik, um glatte Wände dekorativ zu gestalten. Es handelt sich ursprünglich um eine reine Kalkputztechnik, bei der drei bis acht Schichten auf einen sehr glatten Grundputz aus Kalk und Sand aufgebracht werden. Die Körnungen der Schichten werden dabei immer feiner. Es ist wichtig, dass der Glätter beim Abziehen mit hohem Anpressdruck geführt wird, damit es eine glatte, homogene und glänzende Oberfläche wird. Auf die oberste Schicht können Sie quasi nass in nass eine Marmortextur aufmalen.

Grundmaterialien Stucco Lustro

Trockenputz

Das sind Grundputze, die nicht als pastöse Masse, sondern als ganze, großformatige Platten auf das Mauerwerk geklebt werden. Am bekanntesten sind dabei die Gipskartonplatten, die Sie auf der Rückseite mit Mörtelbatzen versehen und an die Wand drücken. Die Fugen müssen wie beim Wändestellen auch mit einer Fugenmasse verschlossen und geschliffen werden. Knifflig ist es, die Platten lotund fluchtgerecht zu setzen, was durch die lange Wasserwaage gewährleistet wird. Der Vorteil der Trockenputze liegt darin, dass sie keine Baufeuchte im Raum hinterlassen, sofort eine absolut ebene Oberfläche bieten und auch von Selbermachern gut zu bewerkstelligen sind. Nachteil: Die Schichtdicke ist etwas größer als bei normalem Grundputz.

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Fotos: 
Chris Lambertsen
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