Offene Werkstätten: Alles, was Sie darüber wissen müssen
Alternative zur eigenen Werkstatt

Offene Werkstätten

Sie liegen im Trend und fördern einen nachhaltigen Lebensstil: Vom Teller bis zum Sessel wird in offenen Werkstätten alles selbst gemacht. Wer bei seinem Projekt Unterstützung braucht, holt sie sich vor Ort bei Künstlern und Handwerkern. 

 
Offene Werkstätten – was Sie erwartet, wie man dort arbeitet © Natalie Grolig
In offenen Werkstätten helfen Fachberater mit praktischen Tipps gerne weiter

Allein in Deutschland gibt es etwa 1.000 offene Werkstätten, Tendenz steigend. Auch zunehmende Nutzerzahlen bestätigen den Trend, der weg vom Kaufen und hin zum Selbermachen geht: „Immer mehr Menschen bemühen sich, nachhaltiger zu leben. Das bedeutet auch, nicht alles von der Stange zu kaufen. Man versucht wieder, mit weniger Dingen auszukommen, die man im besten Fall selbst herstellt“, bestätigt Veronika Stegmann, Leiterin im Haus für Eigenarbeit. Offene Werkstätten unterstützen diesen Lebensstil, indem sie einen Ort anbieten, an dem jeder eigene Ideen umsetzen oder Kaputtes reparieren kann.

Wer nutzt offene Werkstätten? 

Wer zu Hause nicht das richtige Werkzeug oder ausreichend Platz hat, dem bieten offene Werkstätten eine Möglichkeit, eigene Projekte fachgemäß zu realisieren.
 
Veronika Stegmann erzählt von Nutzern, die einen Silberbecher selbst geschmiedet oder einen Plattenspieler gebaut haben: „Es ist wirklich faszinierend, was die Werkstattnutzer alles herstellen – häufig sind es sehr hochwertige Arbeiten, die man von Laien nicht erwarten würde.“ Wer eine Idee hat, aber nicht genau weiß, ob sie auch funktioniert, bekommt in offenen Werkstätten auf Wunsch das nötige Know-how.

Angebote von offenen Werkstätten 

Je nach Schwerpunkt der offenen Werkstatt, gibt es von Fachberatung bis hin zu mehrtägigen Kursen unterschiedliche Angebote.

Offene Werkstatt mit Fachberatung

Das Konzept offener Werkstätten ist es, mit anderen zu teilen – egal ob es um Platz an der Werkbank, um Fachwissen, Werkzeug oder um das gemeinsame Arbeiten geht. Hilfe und Beratung gibt es direkt vor Ort. Fachberater zeigen, wie man eigene Ideen umsetzt und das dafür nötige Werkzeug richtig verwendet.
 
Ein bis drei Mal die Woche gibt es Fachberatungen. Hier werden Arbeitsschritte besprochen, Projekte ausgetüftelt oder Probleme gelöst. Außerhalb der Fachberatung sorgt der Werkstattdienst dafür, dass beim Arbeiten alles glatt läuft. Wer sich mit den Maschinen und Techniken auskennt, kann seine Projekte auch alleine umsetzen.

Kurse in offenen Werkstätten 

Die meisten Werkstätten bieten Kurse an. Je nach Konzept der Einrichtung reicht das Angebot vom Möbelbau über Schweißen bis hin zum Goldschmieden und der Programmierung von Smarthome-Systemen. Auch traditionelles Handwerk wie Töpfern und Polstern können Selbermacher hier ausprobieren.
 
Die Kurse finden wöchentlich oder als Blockkurs am Wochenende statt. Kursleiter sind oft gelernte Handwerker oder freischaffende Künstler, die die wichtigsten Techniken vermitteln. In der Regel haben die Kurse einen hohen Praxisanteil, in denen die Teilnehmer meist eigene Projekte realisieren.
 
Zum Teil bieten Werkstätten auch Maschinenkurse an. Hier lernen die Teilnehmer, wie die Maschinen funktionieren und wie man sie richtig verwendet.

Das steckt hinter den Repaircafés

„Reparieren statt wegwerfen.“ Dieses Motto teilen die Repair-Cafés. Egal ob kaputter Toaster oder Akkuschrauber – bei dieser Veranstaltung bekommt alles eine zweite Chance. Bei Kaffee und Kuchen wird getüftelt und Ursachenforschung betrieben. Fachmänner helfen ehrenamtlich bei der Reparatur.
 
Natürlich ist auch das richtige Werkzeug vor Ort. Hier lernt man das Schrauben, Leimen und Löten. Mit dieser Initiative rufen offene Werkstätten zu mehr Nachhaltigkeit auf: Vor dem Wegwerfen sollte man zuerst versuchen, Kaputtes wieder zu reparieren. Müll wird reduziert und Sie können das gesparte Geld besser investieren. 

Welche offenen Werkstätten gibt es?

Zwar gibt es Werkstätten, die von Holz bis Nähen alle Gewerke abdecken, allerdings haben sich auch spezielle Werkstätten wie das FabLab, Hackerspace und offene Kfz- Werkstätten etabliert.

FabLab 

Wer ein Faible für Hightech hat, kommt in sogenannten FabLabs sicher auf seine Kosten. Gearbeitet wird hauptsächlich mit digitalen Maschinen. So schneidet und graviert man mit Lasercutter und Folienschneider oder fertigt kunstvolle Holzverbindungen mit der CNC-Fräse. Schablonen und Gussformen für Modellbau stellt man mit dem 3D-Drucker her. Auch für die Reparatur und die Herstellung von Platinen stellen FabLabs die geeignete Ausstattung zur Verfügung. 

Hackerspace 

Alles, was mit Computer, Robotic und Programmierung zusammenhängt, wird in sogenannten Hackerspaces ausgetüftelt. Der Übergang zum Fablab ist fließend. Hackerspaces, die zusätzlich Hightech-Werkzeug wie CNC-Fräsen oder 3D-Drucker zur Verfügung stellen, werden häufig auch als Makerspace bezeichnet.

Fahrrad- und Kfz-Werkstatt 

Bei Fahrradwerkstätten werden Räder wieder in Schuss gebracht, sei es ein Reifenwechsel oder eine neue Fahrradkette. Dabei steht der Spaß am gemeinsamen Schrauben im Vordergrund. Die meisten Fahrradwerkstätten bieten Repair-Cafés sowie Fachberatung an. Praktisch, wenn sie das Fahrrad nicht zum Kleinradmechaniker bringen möchten – aber alleine bei der Reparatur nicht weiterkommen. Wer lieber an Autos schraubt, ist in KFZ-Hobbywerkstätten gut aufgehoben.

Wichtig: Bei komplexeren Reparaturen, wie etwa dem Einbau von Bremsen, lassen Sie das Auto im Anschluss sicherheitshalber immer von einem zertifizierten KFZ-Mechaniker prüfen.

Kreativwerkstatt

Von Holz über Metall bis hin zu Stoff, Keramik und Papier toben sich kreative Selbermacher hier nach Belieben aus. Kreativwerkstätten sind meist mit professionellen Maschinen ausgestattet. Die Einrichtungen bieten zudem eine große Auswahl an Kursen, die vom Buchbinden bis zum Goldschmieden reichen. Perfekt für alle, die sich zum ersten Mal an einem Handwerk versuchen oder eine neue Technik lernen möchten. Auch Fortgeschrittene kommen hier auf ihre Kosten und können ihre Fachkenntnisse beispielsweise in Sachen Möbelbau oder Metallverarbeitung erweitern.

Wo gibt es offene Werkstätten? 

Offene Werkstätten gibt es deutschlandweit. Damit man eine Werkstatt in nächster Nähe findet, gibt es auf der Internetseite des Verbundes offener Werkstätten einen Werkstattfinder: Einfach Wohnort, Kategorie und Kursart auswählen – schon finden Sie alle Werkstätten in ihrer Nähe. 

Was kostet die Nutzung von offenen Werkstätten?

Je nach Art der Werkstatt und der bereitgestellten Werkszeuge, können sich die Kosten zwischen offenen Werkstätten unterscheiden. Auch Zahlungsmodelle variieren. In der Regel ergeben sich für die Nutzung offener Werkstätten folgende Kostenpunkte.

  • Werkstattnutzung
  • Fachberatung
  • Maschinennutzung
  • Kurse

Werkstattnutzung mit Fachberatung: Kosten

Offene Werkstätten bieten Arbeitsplätze mit Werkbank an. Wer selbstständig in der Werkstatt arbeitet, zahlt seinen Arbeitsplatz pro Stunde. Die Gebühren unterscheiden sich von Werkstatt zu Werkstatt.
 
Mit Fachberatung zahlen Sie im Durchschnitt 8 Euro pro Stunde. Einige Werkstätten bieten auch flexible Preismodelle wie 10er-, Monats- und Jahreskarten an. Letztere sind für leidenschaftliche Selbermacher ohne Werkstatt geeignet – für etwa 1.000 Euro allerdings auch eine Investition.
 
Tipp: Viele Werkstätten bieten eine vergünstigte Nutzung ohne Fachberatung an. Selbermacher, die keine Hilfe brauchen, sparen bis zu 20 Euro. Kinder, Schüler, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger erhalten in offenen Werkstätten bis zu 50 Prozent Ermäßigung.

Maschinennutzung in offenen Werkstätten: Kosten

Einmal mit Profiwerkzeug arbeiten – der Traum vieler Selbermacher. Große Schreinermaschinen und leistungsstarke Schweißgeräte, die in offenen Werkstätten zur Verfügung stehen, machen das möglich. Da Instandhaltung und Wartung nicht günstig sind, zahlen Sie für die Nutzung pro Minute. Je nach Maschine variieren die Preise zwischen 30 und 90 Cent. Die Nutzung kleinerer Maschinen ist in der Grundgebühr enthalten.

Kurse in offenen Werkstätten: Kosten

Die Preise für die Kurse in offenen Werkstätten richten sich nach Kursdauer und Gewerk. Blockkurse am Wochenende kosten zwischen 130 und 170 Euro. Tageskurse gibt es ab 45 bis 100 Euro. Teilweise fallen zusätzlich Materialkosten an. Wer nicht gleich einen Kurs belegen möchte, sich aber trotzdem eine intensive Beratung wünscht, kann in einigen Werkstätten eine exklusive Fachberatung buchen. Der Berater zeigt Ihnen dann für etwa 40 Euro pro Stunde, wie Sie bestimmte Maschinen richtig anwenden oder hilft Ihnen, ein eigenes Projekt in Angriff zu nehmen.

Werkstattführung

Sie möchten wissen, was Sie in offenen Werkstätten erwartet? Hier zeigen wir Ihnen Impressionen aus dem HEi, dem Haus der Eigenarbeit. Wir haben die offene Werkstatt im Osten Münchens besucht.

Offene Werkstatt: Fachberater und Werkstattdienst helfen bei Fragen weiter
Markus Stock ist gelernter Spengler und arbeitet im HEi, dem Haus der Eigenarbeit in München als Werkstattdienst. Hier hat er uns durch die Werkstätten geführt.

 

Natalie Grolig
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