Dämmung und Trockenbau

Dachausbau: neuer Platz unterm Dach

Sie haben sich beim Kauf Ihres Eigenheims den Dachausbau erstmal gespart? Dann wird’s jetzt aber Zeit – Ihr „Oberstübchen“ bietet nämlich jede Menge Potenzial für Wohn(t)räume. Und wir zeigen Ihnen, wie Sie es perfekt nutzen.

 
Dachausbau © Zakhar Marunov - stock.adobe.com
Mehr Platz unterm Dach!

In Zeiten des Klimawandels wird die energetische Sanierung sogenannter Bestandsgebäude immer wichtiger. Dem Dach eines Hauses kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn im ungedämmten Zustand entweichen hier immerhin 25 bis 30 Prozent der Heizenergie auf Nimmerwiedersehen.
 

Dachboden ausbauen: Die richtige Vorbereitung

Überlegen Sie sich vor der eigentlichen Sanierungsarbeit, wie viel und was Sie wirklich selber machen wollen und können. Für einige Gewerke (Fenstereinbau, Elektrik) empfehlen wir grundsätzlich einen Profi, der im Schadensfall auch die Regressverantwortung übernimmt.

Grundsätzlich sind alle Dämm- und Trockenbauarbeiten für einen Selbermacher gut machbar. Aber ein Dachausbau ist kein Wochenend- Job, Sie sollten je nach Größe allein für die Dämm- und die sorgfältig auszuführenden Abdichtarbeiten ein bis zwei Wochen Arbeitszeit einplanen.

Der trockene Innenausbau ist dann fast ein Kinderspiel, aber nicht weniger zeitaufwendig. Grundsätzlich ist es gut, zu zweit zu arbeiten, die Gipsplatten sind zwar nicht schwer, aber manchmal extrem unhandlich. Lassen Sie nach jedem Dämm- und Abdichtgewerk den Energieberater den sachgerechten Einbau begutachten – das erspart später Ärger und Missverständnisse.
 

Dachausbau: Förderung bei der Sanierung

Wer sein Dachgeschoss energetisch saniert, kann von der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) großzügig gefördert werden – sofern Ihr Vorhaben die technischen Mindestanforderungen nach EnEV erfüllt. Wurde Ihr Haus vor dem 1. Januar 1995 gebaut, können Sie in dem Programm „Energieeffizient sanieren“ zwischen einem zinsgünstigen Kredit (bis zu 50000 Euro) oder einem Zuschuss in Höhe von 7,5 Prozent Ihrer förderfähigen Kosten wählen.

Wichtig: Beantragen Sie die Förderung bei Ihrer Hausbank, bevor Sie anfangen zu sanieren.

Einen Energieberater sollten Sie ganz zu Anfang Ihrer Überlegungen miteinbeziehen. Lassen Sie sich eine energetische Analyse Ihres Gebäudes erstellen (Energiepass reicht nicht!) – in dieser Analyse rechnet der Berater sämtliche Kenngrößen wie etwa die Dämmdicke aus und sagt Ihnen, wie Sie die Anforderungen der EnEV kostengünstig erreichen. Eine solche Analyse kostet etwa 1200 Euro.

Aber Achtung: Der Begriff „Energieberater“ ist nicht geschützt, die Kompetenzunterschiede der Kandidaten sind erheblich. Infos und Kontakte finden Sie auf www.verbraucherzentrale-energieberatung.de.

Dachausbau: Gute Planung ist wichtig

Nicht jeder Dachboden ist für einen Ausbau geeignet, Hauptausschlusskriterium ist eine mangelnde Stehhöhe beziehungsweise eine zu kleine Fläche bei ausreichender Stehhöhe. Für einen Mitteleuropäer sollten es mindestens 20 qm bei 2 m Stehhöhe sein, damit sich der Aufwand lohnt. Das ist auch eine gute Größe, falls Sie nur einen Raum schaffen wollen.

Wie sieht es mit dem Zustand des Dachstuhls aus? Das Holz muss trocken und fest sein, damit es die zusätzlichen Lasten tragen kann. Apropos Lasten: Ein Dachausbau ist immer ein erheblicher Eingriff in die Statik des Dachstuhls. Machen Sie einen Termin mit einem Architekten oder Ingenieur, der die Tragfähigkeit und eventuelle statische Zusatzmaßnahmen beurteilen kann. Falls Ihr Dachgeschoss für einen Ausbau ungeeignet ist, können Sie auch die oberste Geschossdecke dämmen und so ebenfalls enorm Heizenergie einsparen.
 

Vor dem Ausbau: Alte Dämmung entfernen

Nicht selten sind alte Dachgeschosse vor Jahren mal eher schlecht als recht gedämmt worden. Diese alte Dämmung muss komplett raus. Bei Entsorgungsunternehmen bekommen Sie spezielle faserdichte Säcke (etwa 5 Euro pro Stück), die Sie dann entsorgen können.
 

Dachausbau: Licht im Oberstübchen

Um das Dachgeschoss als echten Wohnraum nutzen zu können, braucht es Licht. Hier haben Sie drei Möglichkeiten:

  • Giebelfenster: Ein sogenanntes Giebelfenster sitzt in der dreieckigen gemauerten Wand. Vorteil: Der Einbau funktioniert ohne Anschluss an die Luftdichtschicht. Nachteil: Die Beschattung ist in der Regel eine Maßanfertigung.
  • Dachflächenfenster: Beim Dachflächenfenster sind je nach Größe Eingriffe in den Dachstuhl nötig. Durch die geneigte Fläche ist die Aufheizung des Innenraums im Sommer sehr hoch, eine Beschattung also Pflicht. Tipp: Immer von außen beschatten, dann staut sich die Hitze nicht unterm Fenster. Die Dachfensterhersteller haben passende Rollladen-Systeme im Programm.
  • Gaube: Bei der Gaube werden zusätzlich vertikale Wände geschaffen, in die die Fenster eingebaut werden. Vorteil: Sie realisieren einen spürbaren Raumgewinn, allerdings ist die Gaube die aufwendigste und teuerste Lösung. Für alle drei Varianten ist unbedingt ein Architekt oder Bauingenieur zu konsultieren, weil Sie mit allen Fenstern in die Statik des Hauses eingreifen. Die Ausführung der Arbeiten überlassen Sie dann am besten einem Zimmerer.

 

Dachausbau: Auch das Dämmen der Sparrenfelder ist Maßarbeit

Eine effiziente Dämmung ist ein Zusammenspiel aus der Wärmeleitgruppe und der Dicke des eingesetzten Dämmstoffs. Maßgebend sind die Vorgaben der EnEV: Für die wärmedämmtechnische Erneuerung von Steildächern gilt zukünftig ein maximaler U-Wert von 0,24 W/m²K.

Wie stark die Dämmung dafür sein muss, steht idealerweise im Gutachten Ihres Energieberaters. In der Regel sind Sie dann in einem Bereich von 20 bis 25 cm Dämmdicke, die Sie mit einer 20er Zwischensparrendämmung und einer 5er Untersparrendämmung erreichen. Die luftdichte Schicht (Dampfbremse) gehört zwingend dazu.

Fehlt Ihnen die Unterspannbahn, lassen Sie zwischen Dämmung und Lattung 2 bis 3 cm Luft, damit eventuell eindringendes Regenwasser durch den Luftzug wieder abtrocknen kann. Haben Sie eine Unterspannbahn, können Sie die volle Sparrenhöhe für die Dämmung nutzen und bis an die Lattung herandämmen. Regenwasser läuft dann oberhalb der Bahn ab.
 

Dachschrägen dämmen

Ist die Zwischen- und Untersparrendämmung angebracht, wird’s noch filigraner. Für die Beplankung der Dachschrägen müssen Profile verbaut werden, an denen die Platten verschraubt werden können.

Da ein hölzerner Dachstuhl ständig in Bewegung ist, werden diese Profile an flexiblen Direktabhängern befestigt, die diese Bewegungen aufnehmen können und so verhindern, dass die Plattenfugen aufreißen. Das ist ein etwas aufwendigerer Weg als die klassische Konterlattung aus Holz, aber dafür absolut sicher. Der Profilabstand darf wegen der schräg hängenden Platten 45 cm nicht überschreiten.
 

Bad im Dachgeschoss

Falls Sie in Ihrem Dachgeschoss ein Bad einplanen, brauchen Sie neben den Ver- und Entsorgungsleitungen für die Beplankung imprägnierte Gipsplatten. Die sind wesentlich weniger feuchteempfindlich, aber ansonsten genauso zu verarbeiten wie die Standardplatten.

Die imprägnierten Vertreter und die zugehörige Spachtelmasse sind grün. Im direkten Spritzwasserbereich (Dusche) benötigen aber auch diese Platten eine zusätzliche Abdichtung (z.B. „FlächenDicht“), die einfach aufgerollt wird.
 

Dachausbau: Dachschrägen dämmen

Unabdingbar für eine funktionierende Dämmung ist die Luftdichtschicht unterhalb der Sparren. Die verhindert, dass Luftfeuchte in die Dämmung eindringen kann und die Dämmwirkung leidet. Außerdem verhindert sie, dass durch Zugluft kalte Inseln in der Dämmkonstruktion entstehen, sich dort Luftfeuchte niederschlägt und zu Schimmel führt.

Dementsprechend ist das Wort „dicht“ äußerst ernst zu nehmen, die Folie muss an allen Stößen, Anschlüssen und Durchdringungen  mit einem zugehörigen Klebeband sorgfältigst abgeklebt werden. Unter der Luftdichtschicht folgt die Untersparrendämmung.
 

Dachausbau: Wände stellen

Nach der Beplankung der Schrägen folgt der Aufbau der Wände. Hier brauchen Sie zwei Profilarten: Die UW-Profile montieren Sie an Boden und Decke, die CW-Profile stellen Sie vertikal in die U-Profile ein. Wichtig: Damit Luft- und Körperschall nicht in den Baukörper weitergeleitet werden, müssen Sie alle Profile, die Boden, Decke oder eine bestehende Wand berühren, mit einem entkoppelnden Schaumstoffband versehen.

Die Profillängen reichen von 2 bis 4 Metern, zugeschnitten werden sie mit der Blechschere. Da die Standard-Gipsplatten 2,60 m lang sind und somit gut Raumhöhe haben, können Sie sie auch senkrecht verschrauben – das spart Zuschnittarbeit. Die Profile dürfen dann aber nur 30 cm Abstand zueinander haben.
 

Elektrik für Profis

Löcher bohren, Hohlwanddosen setzen und Kabel verlegen dürfen Sie bei der Elektrik selber machen, den Anschluss an das Hausstromnetz muss aber unbedingt der Elektriker übernehmen. Die senkrechten CW-Profile haben vorgestanzte Löcher, durch die Sie die Kabel durchführen. Setzen Sie die Dosen, solange die Rückwand offen ist.
 

Dachausbau: Plattenfugen verspachteln

Das Verspachteln der Plattenstöße macht aus vielen Einzelelementen eine durchgehende Scheibe. Das ist für die nachfolgende Wandgestaltung enorm wichtig, aber auch für die Stabilität und den Schallschutz der Wand.

Verwenden Sie immer die Spachtelmasse des von Ihnen gewählten Plattenherstellers, damit die Haftung zwischen beiden optimal ist. Ein zweimaliges Spachteln ist Standard, einige Hersteller bieten für den zweiten Spachtelgang eine gebrauchsfertige und feinkörnige Spachtelmasse an, was das Glätten der Fläche erleichtert.
 

Dachausbau: Türen einbauen

Zu jedem Raum gehört mindestens eine Tür. In der Wahl der Türbreite und -höhe sind Sie im Prinzip frei, allerdings gibt es übliche Standard maße, die teure Sonderanfertigungen überflüssig machen.

Diese Maße finden Sie auf den diversen Seiten (z. B. www.fertighaus.de), idealerweise legen Sie Ihre Türöffnung und die Lage vor dem Aufbau der Wand fest. Günstig ist es auch, die Zarge erst nach der Wandgestaltung einzubauen, dann brauchen Sie sie nicht abzukleben.
 

Dachausbau: Dachfenster einbauen

Viele ungenutzte Dachgeschosse haben zumindest schon ein altes Dachfenster. Wenn Sie energetisch sanieren, müssen Sie dieses alte Fenster austauschen und gegen ein neues, mehrfach verglastes austauschen.

Doch Vorsicht: Ein Dachfensteraustausch ist ebenfalls ein Eingriff in die Statik des Dachstuhls, die wasser- und luftdichten Anschlüsse an die Unterspannbahn außen und die Dampfbremse innen sind auch nicht ohne – hier sollten Sie einen Fachmann zurate ziehen. Gute Dachflächenfenster bekommen Sie immer mit Zubehör, also mit Innenfutter, Eindeckrahmen und Dampfsperrschürze. Preise ab etwa 500 Euro.
 

Dachausbau: Sparrenwechsel

Ist das neue Fenster breiter als die Sparrenfelder, muss ein Sparren gekürzt und durch einen Wechsel abgefangen werden. Auch hier gilt für Selbermacher: Finger weg! Das kann der Zimmermann besser.
 

Dachausbau: Holz oder Kunststofffenster?

Für die Bauart des Dachflächenfensters gilt das Gleiche wie für andere Fenster: Holz ist schön, aber pflegeaufwendig, Kunststoff ist nahezu unkaputtbar. Beide Arten gibt es in hoch dämmender Ausführung, und hier sollten Sie nicht sparen. Je nach gewünschter Größe der Fensterfläche lässt sich der von der EnEV geforderte U-Wert von 0,24 W/m²K für die Gesamtdachfläche nur mit erstklassig gedämmten Varianten erreichen. Dreifachverglasung und der vertiefte Einbau sind dazu nötig.
 

Luftdichte Schicht an Dachfenstern

Für einen bestmöglichen Wärmeschutz und die Verhinderung von Feuchteschäden muss die luftdichte Schicht der Dampfbremsfolie im gesamten Dachgeschoss lückenlos ausgeführt werden. Das gilt auch für die Anschlüsse an das Dachfenster. Gute Fensterhersteller haben spezielle Dampfsperrschürzen für jede Fenstergröße im Programm, die Sie ganz einfach selbst anbringen und mit der Dampfbremsfolie der Fläche verkleben können. Der Preis für solche Schürzen liegt bei 35 Euro.
 

Dachausbau: der Boden

Dachböden sind in der Regel mit Rauspund verschalt, ein wahrlich unattraktiver Boden. Die unvermeidlichen Schüsselungen der Bretter sorgen für eine unebene Fläche, die zunächst ausgeglichen werden muss. Eine Trockenschüttung und ein ebensolcher Estrich sind die beste und für Selbermacher einfachste Möglichkeit dazu.

Theoretisch kann auch ein mineralischer Estrich in 4–6 cm Stärke eingebaut werden, aber hier ist erst mal wieder der Statiker gefragt, der die Tragfähigkeit der Decke angesichts der enormen Flächenlast von Betonestrich beurteilen muss. Hinzu kommt die Baufeuchte, die mit Trockenestrichelementen natürlich nicht entsteht. Wichtig: Randdämmstreifen entkoppeln den Estrich von den Wänden.

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