Frisches bei Frost

Gärtnern im Winter: Diese Optionen gibt es

Viele Hobbygärtner stellen spätestens im Herbst wieder auf gekauftes Gemüse um. Dabei kann man durchaus auch zwischen Oktober und März Erträge erzielen.

 
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Wenn der Chinakohl nur noch mit Mühe aus dem Schnee schaut, schalten viele Gärtner in den Wintermodus. Warum eigentlich?

Winterwetter und Pflanzenwachstum sind keine Freunde. Aus zweierlei Gründen: Pflanzen stellen unterhalb bestimmter Temperaturen das Wachstum ein. Doch selbst bei winterharten Stücken besteht das Problem, dass die winterliche Sonneneinstrahlung zu gering ist. Primär wegen der verkürzten Tagesdauer, aber auch, weil typisches Winterwetter in unseren Breiten häufig in Verbindung mit dicken Wolkenpaketen auftritt, welche das bisschen Sonne zusätzlich abschirmen. Was also als Hobbygärtner tun? Umdenken und clever sein. Denn Gärtnern kann man trotz widriger Winter-Umstände. Wie, das zeigen wir nun.
 

1. Die einfache Fensterbanklösung

Wir halten also eines fest: Für winterliches Gärtnern muss man sowohl Temperatur wie Einstrahlungsintensität im Auge behalten – letztere registrieren Pflanzen über ein hochkomplexes Wahrnehmungssystem, welches bis heute noch nicht vollends erforscht ist.

Und tatsächlich sieht es so aus, dass die einfachste Lösung dieses Artikels von beidem reichlich bietet, die eigene Wohnung. Denn dort gibt es nicht nur eine mehr als ausreichende Wärme, sondern auch Licht und zudem eine genau kontrollierbare Bewässerung. Dafür braucht man letzten Endes nur eine freie Fensterbank. Einzige Maßgabe: Das Fenster sollte nach Süden zeigen und der Blick zur Sonne frei sein – es sollte also nach Möglichkeit keine Abschattung der tiefstehenden Wintersonne durch Nachbarhäuser, Bäume oder ähnliches stattfinden.

Dann braucht man nur noch Pflanzkästen oder große Blumentöpfe, Erde und kann loslegen. Eine Begrenzung der Pflanzen auf robuste Sorten ist nicht notwendig. Und wer möchte, kann darüber auch noch Wachstumslampen installieren, um die Wintersonnen-Limitierungen zu überwinden.
 

2. Das Frühbeet

So schön das Gärtnern auf der Fensterbank auch ist, es hat einen gravierenden Nachteil: Der Raum ist schon arg begrenzt. Für mehr als ein paar Tomatenstauden, einige Salatköpfe reicht meistens der Platz nicht. Die Alternative dazu ist das Frühbeet. Im Prinzip handelt es sich dabei um ein sehr niedrig bauendes Gewächshaus.

Das hat entweder einen offenen Boden und wird einfach in das bestehende Gemüsebeet gesetzt, oder es wird um einen Boden erweitert und kann dann an anderen Orten, vielleicht sogar dem Balkon, aufgestellt werden.

Frühbeete sind die „Einfach-einfach“-Lösung. Schnell gebaut und auch noch im Sommer gut zu gebrauchen.

Das Schöne am Hochbeet ist, dass es eine tolle Selbermacherlösung darstellt. Einen Rahmen aus Holz kann man selbst mit einfachsten Werkzeugen und teils sogar Holzabfällen zimmern. Dazu noch ein an Scharnieren befestigtes Plexiglas-Dach und die Sache steht – im Zweifelsfall sogar als Aufsatz für ein bestehendes, selbstgemachtes Hochbeet. Das gibt einem mehr Raum und kann auch noch an kühlen Frühlings- und Herbsttagen dafür sorgen, dass sonnen- und wärmehungrige Pflanzen auch dann noch gedeihen, wenn es im Freiland noch oder schon zu hart ist.

Allerdings: Das Frühbeet ist nichts für empfindliche Pflanzen. Eine Lichtquelle lässt sich noch relativ problemlos installieren, aber für Wärmequellen ist darin schlicht kein Platz. Wer das benötigt und auch im Winter viele sommerliche Leckereien züchten will, der braucht:
 

3. Das richtige Gewächshaus

Zugegeben, es ist nicht ganz einfach, das richtige Gewächshaus zu finden. Denn nicht nur, dass es bei den fertigen Modellen unzählige Varianten und Optionen gibt, sondern auch, dass es natürlich für versierte Selbermacher möglich ist, selbst bauend tätig zu werden. Es ist ein komplexes Thema, weshalb es empfehlenswert ist, sich in einem ausführlichen Artikel tiefergehendes Wissen anzueignen.

Denn: Mit dem Gewächshaus betritt man je nach Größe, Bundesland und Wohnort auch schon Baugenehmigungs-Terrain. Wer da einfach loskauft oder -baut, bekommt ganz schnell Post mit einer saftigen Zahlungsaufforderung. Und sofern man keinen bestehenden Untergrund nutzen kann, wird es bei den meisten Modellen auch noch nötig sein, zuvor ein sauberes Fundament zu bauen – schon damit Kälte von unten durch eine Dämmung eliminiert wird.

Aber mal abgesehen von solchen Details ist eben nur das Gewächshaus in der Lage, wirklich „All inclusive“-Wintergärtnern zu ermöglichen. Schon in seiner nackten Form ohne Helfer bietet es mit darin aufgestellten Regalen sehr üppige Platzverhältnisse. Das geht teilweise soweit, dass man im gleichen Häuschen gärtnern kann und dort zusätzlich winterempfindliche Zierpflanzen unterbringen kann.

Je nachdem, was man ausgibt, kann man mit einem Gewächshaus natürlich schon sehr viel erreichen, auch in Sachen Ertragsmenge.

Und dann gibt es ja noch viele Goodies und Gadgets. So hält der Handel eine riesige Auswahl an Wärmequellen speziell für diesen Zweck vor. Das erstreckt sich von simplen Frostwächtern bis hin zu Öfen, die genug Power entwickeln, um mitten im frostigsten Winter noch Südfrüchte züchten zu können – und zudem noch mit der Qual der Wahl, denn all diese Wärmequellen gibt es sowohl als elektrische wie mit Gas oder Festbrennstoffen betriebene Option.

Darin sind die ganzen anderen Helferlein noch gar nicht erwähnt. Etwa automatische Belüftungssysteme, welche dafür sorgen, dass das Verhältnis von Sauerstoff und Kohlendioxid im Gewächshaus immer auf optimalem Level bleibt. Zudem Leuchten und vielleicht sogar vollautomatische Bewässerungssysteme. Beim Gewächshaus kann man sich dank des Raumes wirklich austoben. Aber: Das alles macht es eben auch zur teuersten Lösung.
 

4. Alternative Wintergarten?

Zu so manchem Haus gehört ein Wintergarten. Doch in den meisten Fällen ist der nur Hort für Dekoratives – die klassische Sammlung aus schönen Pflanzen und einer gemütlichen Sitzecke. Doch böte sich nicht auch hier die Option…?

Ja, natürlich tut sie das. Und zwar sogar richtig gut. Denn der Wintergarten ist praktisch ein XXL-Gartenhaus, an dem man fast gar nichts mehr umbauen muss. Man kann es ganz einfach angehen, eine Ecke freiräumen und dort Pflanzkästen aufstellen.

Müssen Wintergärten immer nur Zierpflanzen-belebte Sitzecken sein? Natürlich nicht, sie taugen auch als hausnahes Gewächshaus.

Selbermacher könnten auch aus OSB oder MDF quadratmetergroße, niedrige Kisten anfertigen, diese auskleiden und mit Erde füllen – gibt man sich dabei Mühe, wird daraus sogar eine echte Zierde. Und dann gibt’s natürlich „No Limit“-Gärtnern ohne große Zusatzkosten. Man beheizt den Wintergarten ja sowieso.

Und gewisse dekorative Eigenschaften kann man natürlich auch nicht mitten im Schnee sprießenden Salatköpfen, Buschbohnen oder Chili-Sträuchern absprechen.