Fünf Geräte ab 100 Euro im Vergleich

Oberfräsen im Test

Fräsen gilt als Königsdisziplin des Werkens. Für den Selbermacher interessant: die kraftvollen Oberfräsen ab 100 Euro – wie gut sind sie wirklich? Wir haben fünf Oberfräsen im Werkstattbetrieb getestet.

 
Oberfräsen Test 2019 © Christian Bordes
Welche Oberfräse überzeugt im Praxistest?

Wie gut funktionieren die Oberfräsen im Test, was unterscheidet sie? In der praktischen Prüfung haben wir fünf Oberfräsen getestet. Die Konzepte ähneln sich, aber bei der Arbeitssicherheit sind die Unterschiede erheblich. Mehr erfahren Sie in unserem Test!
 

Oberfräsen im Test: Diese Geräte haben wir geprüft

  • Bosch POF 1400 ACE: Die Preisdifferenz zum erfolgreichen kleinen Modell POF 1200 ist gering, die gebotene Ausstattung eine Ansage.
  • Black+Decker KW1200E: Das günstigste Gerät in unserem Vergleich. Vielleicht der Tipp für Preisbewusste, wenn das Ergebnis stimmt.
  • Makita RPO900J: Vergleichsweise kompakt, die Leistungswerte niedrig – reicht das für den ambitionierten Anwender?
  • Triton JOF001: Reichhaltiges Zubehör, Leistung und Spezifikationen klassenüblicher Standard – mit einer Besonderheit.
  • Worx WX15RT.2: Laut Datenblatt der kräftigste Antrieb des Testfelds – und auch noch 6 Fräser-Bits inklusive.

 

Oberfräsen im Test: So haben wir getestet

Jede Oberfräse bekommt einen Laufzettel, auf dem technische Daten und bei einer Funktionsprüfung Besonderheiten und Gebrauchseigenschaften erfasst werden. Um Vergleichbarkeit zu ermöglichen, haben wir die Geräte mit identischen, qualitativ hochwertigen Fräseinsätzen bestückt: Mit Nutfräser, Abrund- und Profilfräser werden in Weich- und Harthölzern sowie Holzwerkstoffen Frässchnitte durchgeführt, dabei Hubbegrenzung, Feststeller und Feinjustage geprüft.

Die Praxistauglichkeit muss sich zudem bei Tauchschnitten, beim Fräseinsatzwechsel und Arbeiten mit Systemzubehör bewähren. Entscheidend bei der Gesamtbewertung ist die Arbeit mit der Oberfräse und die Qualität der Fräsungen. Ein sorgfältig konzipiertes Produkt mit gutem Motor und guter Mechanik führt auch in dieser Disziplin zu unterscheidbaren Ergebnissen.

Zum Weiterlesen: Wie man mit einer Obrfräse arbeitet, haben wir hier zusammengefasst.

Oberfräsen im Test: Das ist uns aufgefallen

Eine hohe Leistungsaufnahme ab circa 1.000 Watt, präzise Justage und gutes Handling – hier gibt es viele Gemeinsamkeiten. In Fragen der Sicherheit verfolgen die Hersteller unterschiedliche Ansätze: Bei Bosch muss man zum Gerätestart eine mechanische Sperre lösen, um die Betriebstaste zu aktivieren. Die Fräse läuft, solange die Taste gedrückt bleibt - ein Arretieren ist nicht möglich.

Anders die Oberfräse von Triton: Der Schalter befindet sich zwar geschützt unter einer Abdeckung, aber man kann ihn feststellen, um die Oberfräse in den Dauerlauf zu versetzen. Das ist sinnvoll, wenn sie fest im Frästisch installiert ist, im Einsatz als handgeführtes Werkzeug ist das aber ein Sicherheitsrisiko.

In der getesteten Leistungsklasse sind Fräseinsätze mit 8 mm Schaftdurchmesser Standard, die Oberfräse sollte mit einer passenden Spannzange ausgestattet sein. Spannzangen sind, auch in anderen Größen, für die meisten Geräte als Zubehör erhältlich.

Hier erfahren Sie, wie die fünf Oberfräsen im Test abgeschnitten haben:
 

1. Bosch POF 1400 ACE

Die attraktivste der grünen Bosch-Oberfräsen: der Mehrpreis im Handel von etwa 30 Euro gegenüber der kleineren 1200 AE lohnt sich. Man bekommt den stärkeren Antrieb, eine souveräne Elektronik, die unter wechselnden Lasten stoisch die Drehzahl hält, sowie eine Feinjustage des Hubs. Schönes Detail: Die Bosch hat als einzige der fünf getesteten Geräte eine Beleuchtung der Frässtelle.

Positiv: Starker Antriebsmotor, Sanftanlauf, Konstantelektronik für gleichbleibende Geschwindigkeit, Feintrimm und Begrenzung der Frästiefe mit präziser Skalierung, leichtgängige, exakte Hubstangen, Feststellhebel für Fräshub arretiert selbsttätig nach loslassen, integrierte Beleuchtung, informative Bedienungsanleitung, robuster Transportkoffer
Negativ: keine Auffälligkeiten

Technische Daten im Überblick:

  • Leistungsaufnahme: 1.400 W
  • Gewicht: 3,5 kg
  • max. Frästiefe: 55 mm
  • Drehzahlbereich: 11.000 bis 28.000 U/min
  • Drehzahl regelbar: stufenlos mittels Rändelrad
  • Sanftanlauf: ja
  • Starttaste mit mechanischer Einschaltsperre: ja 
  • Starttaste mit Feststellmöglichkeit: nein
  • Staubabsaugung: Adapter mit stehendem Anschluss für Werkstattsauger
  • Kabellänge: 250 cm
  • mitgeliefertes Zubehör: Parallelanschlag, Zirkelspitze, Kopierhülse, 3 Spannzangen, Adapter Staubabsaugung, Gabelschlüssel, Koffer für Aufbewahrung und Transport
  • Besonderheiten: Arbeitsbereich beleuchtet, konstante Drehzahl bei wechselnden Lasten, transparentes Schutzschild zum Fräserwechsel klappbar, Frästiefe über Stellschraube feintrimmbar
  • Das fiel noch auf: gute Fertigungsqualität, durchdachtes Bedienkonzept, gut funktionierende Absaugung
  • UvP / Preis im Handel ca.: 170 / 120 Euro

 

2. Black+Decker KW1200E

Die günstigste Oberfräse leistet sich kleinere Schwächen, im Betrieb liefert sie ordentliche Ergebnisse. Insgesamt reicht das nur für eine mittlere Platzierung. Für wenige Euro mehr sind bessere Produkte erhältlich, die in der Werkstatt präziser agieren und mehr Spaß beim Arbeiten bringen. Etwas Modellpflege bei Bedienbarkeit und Verarbeitung wäre wünschenswert.

Positiv: Niedriger Anschaffungspreis, Antriebswelle bei Fräserwechsel gut zugänglich, Bedienung Feststellhebel für Fräshub gut erreichbar
Negativ: Justage der Frästiefe zu dicht am Motorgehäuse, Adapter für Staubabsaugung schwach und bruchgefährdet, ​Hubstangen etwas hakelig, Durchzug in harten Materialien könnte besser sein

Technische Daten im Überblick:

  • Leistungsaufnahme: 1.200 W
  • Gewicht: 3,4 kg
  • max. Frästiefe: 55 mm
  • Drehzahlbereich: 8.000 bis 28.000 U/min
  • Drehzahl regelbar: stufenlos mittels Rändelrad
  • Sanftanlauf: nein
  • Starttaste mit mechanischer Einschaltsperre: ja
  • Starttase mit Feststellmöglichkeit: nein
  • Staubabsaugung: Adapter mit stehendem Anschluss für Werkstattsauger
  • Kabellänge: 290 cm
  • mitgeliefertes Zubehör: Parallelanschlag, Zirkelspitze, Kopierhülse, 3 Spannzangen, Adapter, Staubabsaugung, Gabelschlüssel
  • Besonderheiten: Frästiefe über Stellschraube feintrimmbar
  • Das fiel noch auf: gut funktionierende Absaugung, Absaugadapter instabil
  • ​UvP / Preis im Handel ca.: 99 / 95 Euro

 

3. Makita RP0900J

Die zierliche Makita gefällt mit ihrer guten Verarbeitung. Im Werkstatteinsatz fällt sie deutlich gegenüber ihren Konkurrenten ab: Ein maximaler Fräshub von 35 mm ist in dieser Preis- und Leistungsklasse zu wenig, das Fehlen einer Drehzahlregulierung nicht akzeptabel. Beim Wechsel des Fräseinsatzes werden zwei Gabelschlüssel benötigt – das geht auch komfortabler.

Positiv: Kompaktes und leichtes Gerät, gute Fräsleistung trotz geringer Leistungsaufnahme von 900 Watt, leichtgängiger und exakter Hub, Robuster Transportkoffer
Negativ: maximaler Fräshub mit 35 mm zu gering, Wechsel des Fräseinsatzes mit zwei Gabelschlüsseln, keine Drehzahlregulierung, Betrieb nur mit Maximaldrehzahl, keine Feinjustage der Frästiefe

Technische Daten im Überblick:

  • Leistungsaufnahme: 900 W
  • Gewicht: 2,7 kg
  • max. Frästiefe: 35 mm
  • Drehzahlbereich: 27.000 U/min
  • Drehzahl regelbar: nein
  • Sanftanlauf: nein
  • Starttaste mit mechanischer Einschaltsperre: nein
  • Starttaste mit Feststellmöglichkeit: nein
  • Staubabsaugung: Adapter mit liegendem Anschluss für Werkstattsauger
  • Kabellänge: 240 cm
  • mitgeliefertes Zubehör: Parallelanschlag, 2 Spannzangen, Adapter für Staubabsaugung, Gabelschlüssel, Koffer für Aufbewahrung und Transport
  • Besonderheiten: kompaktes, leichtes Gerät
  • Das fiel noch auf: Verzicht auf Drehzahlregelung schränkt Einsatzbereich ein, Fräshub gering, gute Fräsleistung mit nur 900 Watt
  • UvP / Preis im Handel ca.: 296 / 135 Euro

 

4. Triton JOF001

Pluspunkte gibt es für den starken Motor, die Bedienbarkeit und ein umfangreiches Zubehörpaket. Hilfreiche Einrichtungen wie die selbsttätige Blockierung der Antriebswelle und kluge Details schaffen einen tollen Eindruck. Schade, dass die Anleitung wenig über die Talente der Triton verrät und auch bei Fragen keine große Hilfe ist. Der Lauf auf den Hubstangen ist verbesserungswürdig.

Positiv: Guter Antriebsmotor, Fräserwechsel mit selbsttätiger Arretierung des Antriebs, uneingeschränkt geeignet zur Installation im Frästisch, mitgeliefertes Zubehör
Negativ: Hubstangen schwergängig und etwas hakelig, 8-mm-Spannhülse nur als Extra, Bedienungsanleitung schwach, Sicherheitsrisiko: arretierbarer Betriebsschalter

Technische Daten im Überblick:

  • Leistungsaufnahme: 1.000 W
  • Gewicht: 3,8 kg
  • max. Frästiefe: 59 mm
  • Drehzahlbereich: 8.000 bis 21.000 U/min
  • Drehzahl regelbar: stufenlos mittels Rändelrad
  • Sanftanlauf: ja
  • Starttaste mit mechanischer Einschaltsperre: ja
  • Starttaste mit Feststellmöglichkeit: ja
  • Staubabsaugung: Adapter mit liegendem Anschluss für Werkstattsauger
  • Kabellänge: 290 cm
  • mitgeliefertes Zubehör: Multifunktionsanschlag (große Bodenplatte, Parallelanschlag, und Kreissschneider), Kurbel zur Tiefeneinstellung, 3 Spannzangen, Gabelschlüssel
  • Besonderheiten: bequemer Einsatzwechsel durch selbstarretierende Antriebswelle, beleuchteter und feststellbarer Betriebsschalter, Feintrimm-Frästiefe mit Stellknauf
  • Das fiel noch auf: gut funktionierende Absaugung, Gerät geeignet für den stationären Einsatz, 8-mm-Spannzange nur optionales Zubehör
  • UvP / Preis im Handel ca.: 220 / 160 Euro

 

5. Worx WX15RT.2

Laut Datenblatt gibt es hier den kräftigsten Motor von allen, ein Unterschied zu leistungsärmeren Geräten wird beim Fräsen von Harthölzern erlebbar. Die Oberfräse von Worx ist ein faires Angebot, die Ausstattung samt Kopierhülse, Zirkelspitze und sechs Fräseinsätzen ordentlich. Der hub ist leichtgängig, die Feineinstellung der Frästiefe mittels gerändelter Kappe verlässlich, der Gesamteindruck gut.

Positiv: Guter Antriebsmotor, Feintrimm und Begrenzung der Frästiefe mit Skalierung, leichtgängige und exakte Hubstangen, sechs Fräseinsätze als Zubehör, Feineinstellung der Frästiefe
Negativ: Bedienung des Feststellers für den Fräshub, Adapter der Staubabsaugung, konstruktiv schwach

Technische Daten im Überblick:

  • Leistungsaufnahme: 1.500 W
  • Gewicht: 4,3 kg
  • max. Frästiefe: 55 mm
  • Drehzahlbereich: 11.000 bis 28.000 U/min
  • Drehzahl regelbar: stufenlos mittels Rändelrad
  • Sanftanlauf: nein
  • Starttaste mit mechanischer Einschaltsperre: nein
  • Starttaste mit Feststellmöglichkeit: ja
  • Staubabsaugung: Adapter mit stehendem Anschluss für Werkstattsauger
  • Kabellänge: 290 cm
  • mitgeliefertes Zubehör: Parallelanschlag, Kopierhülse, Zirkelspitze, Adapter Staubabsaugung, Gabelschlüssel, 6 Fräseinsätze
  • Besonderheiten: Feintrimm-Frästiefe über Stellschraube
  • Das fiel noch auf: gut funktionierende Absaugung, mitgeliefertes Zubehör inklusive sechs Fräseinsätzen
  • UvP / Preis im Handel ca.: 130 / 120 Euro

 

Sicheres Arbeiten mit der Oberfräse

Vor den hohen Drehzahlen einer Oberfräse muss sich niemand fürchten, aber Respekt vor dem Werkzeug, höchste Konzentration und ein fachgemäßer Umgang sind unabdingbar bei der Arbeit. Wie eine Oberfräse im Detail funktioniert, erfahren Sie hier.

Unsere Empfehlungen:

  • Der Arbeitsbereich sollte immer aufgeräumt und gut ausgeleuchtet sein
  • Kinder und andere Personen lieber fernhalten, Ablenkung vermeiden
  • Schutzbrille, Gehörschutz und bei Bedarf eine Staubmaske benutzen
  • Bei Arbeiten am Gerät (etwa Fräseinsatzwechsel) Netzstecker ziehen und im Sichtbereich ablegen
  • Vor Inbetriebnahme benutztes Werkzeug vom Gerät entfernen
  • Vor Anschluß an die Stromversorgung kontrollieren, ob Betriebsschalter /-taster ausgeschaltet ist
  • In feuchter Umgebung Fehlerstrom-Schutzschalter einsetzen
  • Die Oberfräse immer mit aktiver Staubabsaugung betreiben

 

Der richtige Fräskopf für die Oberfräse

Kanten profilieren oder bündig fräsen, Konturen kopieren, Kreisausschnitte herstellen oder Nuten fräsen – für Arbeiten in Holz, Holzwerkstoffen und Kunststoffen empfehlen wir zum Start einige universell verwendbare Einsätze:

  • Nutfräser: mit zweiter Schneide am Kopf, die auch das vertikale Eintauchen in das Werkstück ermöglicht.
  • Fasefräser: leicht die Kante brechen oder eine markante 45°-Schräge an die Platte fräsen.
  • Abrundfräser: Profilierung von Massivholzkanten im Rahmen- und Gestellbau.
  • Nut- und Bündigfräser: Kugellager am Nutfräser führt beim Besäumen entlang der Materialkante, zweite Schneide am Kopf für Tauchschnitte.
  • Profilfräser: Beliebter Einsatz für dekorative Abschlüsse an Möbeln und Leisten.

Quellen: Recherchen der Redaktion und Angaben der Hersteller; „Preis im Handel“ ermittelt bei diversen Anbietern im 1. Quartal 2019. Alle im Test gezeigten Werkzeuge wurden uns für die Dauer der Produktion von den Firmen zur Verfügung gestellt.

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