Auf was Sie achten sollten

Barrierefreie Küche: Planung, Umbau, Förderung

Um die heimische Küche auch mobilitätseingeschränkt nutzen zu können, kann sie barrierearm gestaltet werden. Hier erfahren Sie, worauf Sie bei der Planung und beim Umbau achten müssen und welche Fördermöglichkeiten es gibt.

 
Barrierefreie Küche © asbe24 - stock.adobe.com
Um die Küche barrierearm nutzen zu können, bedarf es einiger Anpassungen

Damit die heimische Küche barrierefrei wird, muss sie inklusive der Möbel, der Einbaugeräte und anderer Utensilien von Menschen mit körperlichen Einschränkungen selbstständig nutzbar sein. Schon kleine Maßnahmen wie die Anpassung der Arbeitshöhen von Spüle, Arbeitsplatte oder Kochfeld erleichtern älteren und bewegungseingeschränkten Menschen die Arbeit.

Je nach Anforderung kann es aber auch sein, dass die Küche komplett umgerüstet werden muss, etwa für Rollstuhlfahrer. Diese haben einen erhöhten Platzbedarf und sind darauf angewiesen, dass die Arbeitsbereiche unterfahrbar sind. Das bedeutet, dass unter der Arbeitsfläche keine Schränke sein dürfen. Auch unter Spülen und Kochfeldern müssen dann 67 cm Tiefe frei bleiben, damit sie nah genug an diese Bereiche heranfahren können.

Erhöht angebrachte Einbaugeräte wie Backofen oder Geschirrspüler sind leichter erreichbar. Dafür müssen  meist die Küchenschränke entsprechend angepasst werden. Aufwendiger und teurer wird es, wenn Sie auf Knopfdruck per Elektromotor höhenverstellbare Arbeitsflächen oder herunterfahrbare Hochschränke einbauen wollen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie dabei vorgehen.
 

Küche barrierefrei gestalten: Anforderungen festlegen

Wie immer, wenn es um die Anpassung des Wohnbereichs geht, stehen die eigenen Bedürfnisse im Vordergrund. Und natürlich die Überlegung, mit welchen Umrüstmaßnahmen man den persönlichen Einschränkungen begegnen kann.

Zunächst sollten Sie also eine Liste anfertigen, welche Anforderungen an die Nutzung der Küche aktuell bestehen und wie diese sich in absehbarer Zeit noch ändern könnten. Anhand dieser Liste lässt sich dann ermitteln, wie umfangreich die Anpassungen werden müssen: Reicht es, die Arbeitshöhen zu ändern und eine Sitzmöglichkeit vorzusehen? Müssen auch die Einbaugeräte höher platziert werden? Oder soll sich die Küche an den Anforderungen eines Rollstuhlfahrers orientieren, also mit unterfahrbarer Arbeitsplatte, herunterfahrbaren Oberschränken und fernbedienbarem Dunstabzug?

Küchen-Elemente mit Anpassungen zur Barrierefreiheit:

  • Arbeitsplatte: Unterfahrhöhe in Kniehöhe (Richtwert: 67 cm)
  • Geschirrspüler: Höhe variabel von 40 bis 140 cm
  • Abwasseranschluss der Spüle mit Unter- oder Flachaufputz-Siphon
  • Höhenverstellbare Oberschränke
  • Fernbedienbarer Dunstabzug
  • Backofen mit Drehtür
  • Kühlschrankhöhe variabel von 40 bis 140 cm
  • Bewegungsfläche für Rollstuhlfahrer mindestens 150 x 150 cm

 

Erhöhter Platzbedarf bei Rollstuhlfahrern

Eine von Rollstuhlfahrern nutzbare Küche stellt besondere Anforderungen, etwa ein größeres Platzangebot und die Unterfahrbarkeit von Möbeln. Als barrierefrei nach DIN 18040-2 gilt eine Bewegungsfläche zum Drehen und Wenden von 120 x 120 cm, für Rollstuhlfahrer sind es 150 x 150 cm. Analog dazu sind 120 cm Abstand vor Küchenmöbeln nötig, für Rollstuhlfahrer wiederum 150 cm.

Herd, Arbeitsplatte und Spüle sollten idealerweise über Eck angeordnet und für Rollstuhlfahrer auch unterfahrbar sein. Für den Essplatz gilt: Die Breite am Esstisch sollte 80 cm betragen, die unterfahrbare Höhe der Tischplatte 60 cm. Möglichkeiten für das Rangieren und eine entsprechende Breite zwischen den Tischbeinen sind empfehlenswert.
 

Aufteilung und Ergonomie der barrierefreien Küche

Für Bewegungseingeschränkte ist es wichtig, das „Magische Dreieck“ aus Vorrat, Spülen und Kochen so anzuordnen, dass die Stationen möglichst mit nur einer Drehbewegung erreichbar sind. Für Rechtshänder werden Vorrats- und Aufbewahrungsschränke, Spüle und Spülmaschine sowie der Vorbereitungsund Kochbereich im Uhrzeigersinn angeordnet.

An einfachen Küchenzeilen ergibt sich zwangsläufig eine Reihe statt eines Dreiecks. Bei Inselküchen, Küchen in L-Form, in U-Form und bei zweizeiligen Küchen muss man auch die Bewegungsfreiheit und die Wege zwischen den einzelnen Stationen beachten: möglichst kurz, aber mit genügend Bewegungsraum, also mit 120 oder 150 cm Abstand. Untersuchungen belegen: In willkürlich angeordneten Küchen legt man etwa 2,5 mal mehr Wegstrecke zurück als in solchen mit ergonomischer Planung.
 

Höhenverstellbare Arbeitsplatten

Egal, ob Sie im Stehen oder im Sitzen arbeiten möchten: Verstellbare Arbeitsplatten passen sich auf Knopfdruck über einen integrierten Elektromotor der gewünschten Arbeitshöhe an. Die Plattenhöhe kann stufenlos in der Höhe justiert werden. Solche Lösungen gibt es sowohl zur Wandmontage als auch als Standlösung im Handel. Die Arbeitsplattenlifte sind auch als Winkelmodule in L-Form erhältlich.

Wichtig: Ein an der Unterseite integrierter Klemmschutz verhindert Verletzungen.
 

Herunterfahrbare Küchenschränke

Was für die Arbeitsfläche funktioniert, gibt es auch als Erleichterung für Oberschränke. Als Einsatz für vorhandene Oberschränke von 40 bis 100 cm Breite senkt beispielsweise der Lift "Verti" von Granberg (ab 2.000 Euro) den Inhalt jedes Schranks auf das Niveau der Arbeitsplatte ab.

Er eignet sich für Oberschränke mit einer Mindesthöhe von 70 cm und ist mit einer Tiefe von 26,5 oder 31 cm erhältlich. Auch hier verhindert ein Klemmschutz, dass man sich verletzt oder Gegenstände auf der Arbeitsplatte beschädigt werden. Der Einsatz ist auch mit Unterbauleuchten lieferbar.
 

Einbaugeräte barrierefrei umgestalten

Sämtliche Elektrogeräte wie Backofen, Mikrowelle, Kühlschrank, Gefrierschrank und Geschirrspüler sind leichter zugänglich, wenn man sie in der passenden Höhe einbaut. Je nachdem, ob man die Einbaugeräte im Sitzen oder Stehen erreichen möchte, bieten sich Einbauhöhen zwischen 40 und 140 cm an. So kann man diese ohne große Anstrengung bestücken und ausräumen.

Um Unfälle und Verbrennungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, ein Induktionskochfeld einzubauen. Dieses wird nicht so heiß wie andere Herdarten und arbeitet nur dann, wenn ein Topf auf der Platte steht. Dafür sind induktionsfähige Töpfe und Pfannen nötig.

Hilfreich ist zudem eine ausziehbare Arbeitsplatte, auf der man heiße Töpfe aus dem Ofen vorübergehend abstellen kann. Auch bei Backöfen ist ein solches Auszugstableau sinnvoll. Ideal ist bei Backöfen schließlich noch eine Drehtür, die sich zur Seite öffnet anstatt nach unten.
 

Unterschränke mit Auszügen nachrüsten

Fest verbaute Unterschränke sind in der barrierarmen Küche fehl am Platz. Die Regale hinter der Schranktür sind schwer erreichbar. Eine bessere Alternative sind Unterschränke auf Rollen. Sie können bei Bedarf leicht verschoben werden und geben den Platz unter der Arbeitsplatte für die Beine frei, wenn man sich dort hinsetzen oder sich mit dem Rollstuhl positionieren möchte.

Noch besser sind Schubladen und Auszüge, die ihren Inhalt dem Nutzer „entgegenstrecken“. Sie sind von zwei Seiten leicht zugänglich und lassen sich durch Einsätze bei Bedarf gut organisieren. Sogenannte Apothekerschränke beinhalten ein Schubfach, das sich über die gesamte Schrankhöhe erstreckt.
 

Steckdosen und Dunstabzug in Reichweite bringen

Selbst für kleinere Probleme, die erst auf den zweiten Blick auffallen, gibt es Lösungen. An der Wand angebrachte Steckdosen etwa sind aus der Sitzposition heraus über die Arbeitsplatte hinweg unerreichbar. Abhilfe schaffen Steckdosen, die man in die Küchenfront integrieren kann. So lassen sich Mixer und Küchenmaschine einfach anschließen.

Wer in der Küche sitzt und nicht aufstehen kann, der wird eine herkömmliche Dunstabzugshaube nicht aktivieren können. Und auch die dort integrierte Beleuchtung für das Kochfeld bleibt dann aus. Es gibt aber Modelle mit Fernbedienung, etwa das DH-210W-60 von Syntrox für etwa 250 Euro.

Eine andere Möglichkeit ist ein Kochfeld mit integriertem Dunstabzug. Die Nachteile: Im Vergleich sind sie recht kostspielig. Die Preise beginnen bei etwa 1.000 Euro. Zudem haben sie eine größere Einbautiefe und erschweren das Unterfahren.
 

Küche barrierefrei umgestalten: Fördermöglichkeiten

Für den barrierefreien Umbau von Wohnraum gibt es Fördermittel der KfW und der Pflegekasse. Eventuell bieten Bundesländer, Kommunen und Kreise ebenfalls finanzielle Unterstützung an.

Für Senioren und mobilitätseingeschränkte Menschen hat die KfW-Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) verschiedene Förderprodukte für barrierefreies Wohnen im Angebot. Dazu gehört der Investitionszuschuss 455 „Altersgerecht umbauen“. Mit dem Kredit 159 „Altersgerecht umbauen“ gewährt die KfW bis zu 50.000 Euro, die auch für den Kauf von barrierearm saniertem Wohnraum oder den Umbau zum barrierearmen Wohnen eingesetzt werden können.

Wenn ein Pflegegrad festgestellt wurde, der Umbau die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen fördert und die Pflege erleichtert, kann die Pflegekasse bis zu 4.000 Euro für den Umbau einer barrierefreien Küche zahlen. Das gilt nicht nur für barrierefreie Küchen, sondern auch für Bäder, für Treppenlifte oder Türen sowie für Rampen und Rampensysteme.

Die KfW-Bank knüpft ihre Förderzusagen an bestimmte Vorgaben. Möchten Sie den Zuschuss 455 „Altersgerechtes Bauen“ oder den Kredit 159 „Altersgerecht umbauen“ beantragen, müssen Sie sich beim Umbau an bestimmte DIN-Vorgaben zur Gestaltung des Wohnraums halten.

Die DIN 18040-2 regelt die barrierefreie Planung, Ausführung und Ausstattung von Wohnungen, Wohngebäuden und deren Außenanlagen. Das bedeutet, dass Immobilien nur dann als barrierefrei gelten, wenn sie der DIN-Norm entsprechen.

Teilweise bieten die Bundesländer eigene Förderprogramme für barrierefreies Wohnen an. Auf der Grundlage des Gesetzes über die soziale Wohnraumförderung (Wohnraumfördergesetz, kurz: WoFG) gibt es unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf ein einkommensabhängiges Baudarlehen mit Regionalbonus.

Berechtigt sind Haushalte, in denen entweder mindestens ein Kind oder ein schwerbehinderter Angehöriger lebt, der auf Pflege angewiesen ist. Einige Kreise oder Kommunen bieten eigene Förderprogramme für barrierefreies (Um-)Bauen an.

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