Besser als Massivholz?

Holzwerkstoffe im Vergleich: OSB, MDF und Co.

Wenn es um Möbelbau geht, ist Massivholz oft nicht formstabil genug. Die angebotenen Holzwerkstoffplatten wie MDF oder OSB haben allerdings so ihre Eigenheiten. Hier erfahren Sie mehr über die Materialien.

 
Holzverbundwerkstoffe © Lauert
Jede Platte hat seine Besonderheiten

Für die meisten Selbermacher sind sie alte Bekannte, die Platten aus groben und feinen Spänen, Hart- oder Weichfasern, mittel- oder hochverdichtet. Wer selbst Möbel oder seine Inneneinrichtung baut, hat zu ihnen kaum eine Alternative.
 

Darauf sollten Sie beim Kauf achten

Allen Span- und Faserplatten gemeinsam ist ihr schlechter Ruf. Der rührt von nachweisbaren Formaldehyd-Ausgasungen her, die in geschlossenen Räumen auf Dauer die Gesundheit schädigen. Achten Sie beim Kauf von Holzwerkstoffplatten darauf, dass sie das Umweltsiegel des Blauen Engels für „Emissionsarme Holzwerkstoffe“ besitzen. Damit ist gewährleistet, dass die Formaldehydbelastung in etwa in der Größenordnung von reinem Massivholz liegt.
 

Vorteile von Holzwerkstoffplatten

Die Vorteile von Plattenwerkstoffen liegen auf der Hand. Während das Massivholz durch die Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe mehr oder weniger ständig Volumen und Form ändert, bleiben die Platten formstabil. Das verdanken sie entweder der starken Zerfaserung und einem hohen Leimanteil oder der schicht- und kreuzweisen Produktion, bei der sich die Schwind- und Quellkräfte quasi gegenseitig neutralisieren.

Um diese Formstabilität nicht zu beeinträchtigen, gelten bei der Verarbeitung einige wichtige Regeln. Zum Beispiel sollten Sie grundsätzlich immer beide Seiten einer Platte oberflächenbehandeln, auch wenn die eine davon später nicht mehr zu sehen sein wird. Die Lacke, Öle und Wachse beeinflussen nämlich die Feuchteaufnahmefähigkeit. Ist nur eine Seite lackiert, wird durch die unterschiedliche Diffusion auch die stabilste Werkstoffplatte irgendwann krumm.
 

Wie werden Werkstoffplatten hergestellt?

Die Herstellung von Faserplatten ist immer ähnlich. Grobe (OSB- oder Spanplatten) oder feine Späne (MDF oder Weichfaserplatten) aus Holzresten von Industrieholz, Altholz, Bau- und Restholz sowie nicht nutzbarem Forstholz werden zu einer sehr geringen Restfeuchte von bis zu 2 Prozent getrocknet. Anschließend vermischt man sie mit Bindemitteln und/oder Leim und presst sie unter hohem Druck und Temperaturen bis 250˚C zusammen.

Foto: VPales - stock.adobe.com
 

Welche Arten von Platten gibt es?

Grundsätzlich kann man die Holzplattenwerkstoffe in vier Gruppen einteilen. Spanplatten und OSB-Platten bilden eine Gruppe. Sie beinhalten relativ grobe Holzspäne. Faserplatten (hart, mitteldicht und weich) bestehen aus sehr viel feineren Holzfasern, die in Spezialmühlen aus den groben Spänen hergestellt werden. Furnierplatten sind aus einzelnen Schichten von dünnem Furnierholz aufgebaut. Dazu zählen Sperrholz-, Siebdruck- und Multiplexplatten sowie Furnierschichtholz. Verbundwerkstoffe wie die Tischler- oder Stäbchensperrholzplatten bestehen aus massiven Holzleisten, die zwischen Deckschichten aus Furnier verleimt sind.

Holzwerkstoffplatten im Überblick:

  • Spanplatte
  • beschichtete Spanplatte
  • MDF-Platte
  • Weichfaserplatte
  • Hartfaserplatte
  • Grobspanplatte
  • Biegesperrholz
  • Sperrholz
  • Multiplexplatte
  • Siebdruckplatte
  • Tischlerplatte
  • Stäbchenplatte
  • Leimholzplatte

Von oben nach unten nimmt der Leimanteil in den Holzwerkstoffplatten ab. Im folgenden erklären wir die Eigenschaften und Vorteile der wichtigsten Plattenwerkstoffe.
 

Spanplatten

Spanplatten sind in erster Linie günstig. Dehalb werden sie gern im Möbel- und im Innenausbau eingesetzt. Ansonsten haben sie nicht viel zu bieten, was andere Platten nicht besser können.

Spanplatten sind auf den beiden Oberflächen dichter gepresst als im Plattenkern. So entsteht das größte Manko der Spanplatte – grobe und ungeschliffene Kanten. Die einzig funktionierende Form der Kantenbearbeitung für Sie als Selbermacher ist deshalb das Aufbügeln von Umleimern. Schrauben und Nageln nah an den Kanten ist zwar möglich, diese Verbindungen halten größeren Auszugskräften aber nicht stand.

Baumärkte bieten fertig beschichtete und umleimte Spanplatten in verschiedenen Größen an. Wenn Sie selbst zusägen wollen, gibt es ein Problem: An den Schnittkanten reißt die Beschichtung gerne aus. Tipp: Kleben Sie ein Paketband entlang der Schnittlinie auf, so bleibt die Beschichtung heil.
 

MDF-Platten

MDF-Platten (Mitteldichte Holzfaserplatten) bestehen aus feinen Fasern statt aus Spänen und sind dadurch wesentlich dichter und homogener. Großer Pluspunkt daher: Die Platten splittern nicht beim Zusägen. Vor dem Lackieren müssen Sie die Kanten zunächst mit Spachtelmasse versiegeln, alles glatt schleifen und die Flächen mit einer MDF-Grundierung vorstreichen.

Beim Verschrauben von MDF müssen Sie mit etwa 80 Prozent der Schraubendicke vorbohren. Halten Sie dabei zusätzlich einen Mindestabstand zur Plattenecke von etwa 20 Millimeter – sonst könnte Ihnen die Ecke aufplatzen. MDF kostet etwa halb so viel wie Massivholz und kommt hauptsächlich beim Möbelbau, Innenausbau oder für den Türenbau zum Einsatz.
 

OSB-Platten

OSB steht für die englische Bezeichung „Oriented Strand Board“. Die OSB-Platte besteht aus groben, in zwei Richtungen ausgerichteten Spänen. Insofern ist sie zwar auch eine Spanplatte, die Eigenschaften unterscheiden sich jedoch erheblich: OSB-Platten sind wesentlich biegesteifer als Spanplatten. Der Kleberanteil ist mit 4 bis 6 Prozent deutlich geringer. Die verwendeten Kleber sind formaldehydärmer als die in der Spanplatte und machen die OSB-Platte wasserfest.

In der Fläche können Sie guten Gewissens nageln, schrauben und klammern. Bei Verleimungen auf Gehrung sollten Sie Lamellos (auch Flachdübel oder Holzverbindungsplättchen) verwenden. Die Kanten sind gut schraubbar.
 

Hartfaserplatten

Hartfaserplatten sind nur 3 bis 5 Millimeter dick und werden überwiegend im Möbelbau eingesetzt. Als Schubladenboden oder aussteifende Rückwand von kleinen und großen Schränken hat sie bestimmt jeder schon einmal verbaut. Die leichten und trotzdem sehr stabilen Platten werden in rundum vorgefräste Nuten eingeführt. Aber auch als Füllung für Türen und Paravents sind sie bestens geeignet.

Hartfaserplatten haben in der Regel eine glatte, geschliffene Vorderseite und eine raue Rückseite oder sie sind beidseitig beschichtet. Die einzig sinnvolle Oberflächenbearbeitung ist das Bekleben mit Folie, weil Sie kaum eine glattere Oberfläche bei Holzwerkstoffplatten finden werden. Die angebotenen Beschichtungen reichen vom einfachen Weiß bis zu den verschiedenen Holzarten wie Buche, Eiche oder Ahorn.
 

Weichfaserplatten

Die Weichfaserplatten haben eine geringe Dichte und eine porige Struktur und sind daher ideal zum Dämmen. Sie eignen sich überall dort, wo Glasfasermatten zu dick und Polystyrolplatten zu steif sind. Das Ausgangsmaterial sind Resthölzer, die Platten sind also eine ökologische Alternative zu Kunststoff-Dämmmaterial.

Für die Befestigung an der Wand benötigen Sie zu den Schrauben noch spezielle Rosettenscheiben, die Sie im Baumarkt bekommen. Die krallen sich in die Plattenoberfläche und halten sie fest. Origineller Tipp: Holzfaser-Dämmplatten eignen sich auch wunderbar als großformatige Pinnwände.
 

Tischlerplatten

Tischlerplatten sind Verbundwerkstoffe. Sie bestehen in der Mitte aus unterschiedlich dicken Leisten. Von Stabsperrholz spricht man, wenn 24 bis 30 mm dicke Leisten zwischen den Deckschichten verleimt sind. Sind die Leisten in der Mitte nur 8 mm dick, wird die Platte Stäbchensperrholz genannt. Beide Varianten haben relativ ähnliche Eigenschaften und Einsatzbereiche.

Die Schwindrichtung des Holzes wird ausgeglichen, die Platten sind sehr formstabil. Sie sind leichter als Spanplatten und haben eine hohe Biegebelastbarkeit. Sie werden überwiegend für den Möbelbau eingesetzt: Korpusse, Einlegeböden, Einbaumöbel oder Verkleidungen kann man daraus bauen. Sie werden auch als Schalungselemente beim Betonbau verwendet.
 

Küchenarbeitsplatten

Küchenarbeitsplatten müssen eine Menge aushalten. Da wird mit scharfen Messern geschnitten, werden Behältnisse abgestellt und rumgeschoben. Sie können beim Einkauf zwischen Massivholz (Hartholz wie Buche oder Esche) und sogenannten Postforming-Platten wählen.

Postforming heißt, dass am Ende der Herstellung die Plattenkante in Form gefräst und ein widerstandsfähiges Laminat um die Kante gelegt wird. Dieses Laminat kann heiße Töpfe bis 230 °C vertragen, ist stoß- und abriebfest und unempfindlich gegen Haushalts-Chemikalien. Gute Qualität erkennt man an einer wasserdichten Verschweißung an den Kanten des Laminats. Massivholzplatten brauchen regelmäßige Pflege mit Öl.
 

Furnierholz

Bei Furnier handelt es sich um dünne Blätter aus Holz (0,3–6 mm), die man durch Sägen, Messerschnitt oder Schälen vom Stamm abtrennt. Anschließend werden sie auf ein Trägermaterial wie MDF, Multiplex, Spanplatten oder Sperrholz aufgeleimt.

Fast alle Holzarten eignen sich für die Herstellung von Furnier. Aus den furnierten Platten lassen sich günstige Möbel in der Optik edler Hölzer herstellen.
 

Sperrholz

Sperrholz, Multiplex und Furnierschichtholz fasst man ebenfalls in einer Gruppe zusammen. Sperrholz besteht aus mindestens drei Lagen Furnier, die im 90°-Winkel verleimt und gepresst sind. Es ist leicht, stabil, maßhaltig und daher ideal für jegliche Holzbauarbeiten. Sperrholz hat meist eine Seite mit glatter Oberfläche und eine grobe, unbehandelte Seite.

Multiplex besteht aus fünf oder mehr Schichten, ist mindestens 12 mm dick und damit beispielsweise auch als Werkbank-Arbeitsplatte geeignet. Bei Furnierschichtholz verklebt man die einzelnen Schichten nicht kreuzweise, sondern parallel. Stabil und maßhaltig sind alle drei Plattenwerkstoffe. Furnierschichtholz ist sogar fester als Massivholz.

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