Wie aus alten Zeiten

Kaufmannsladen bauen

Der Kaufmannsladen ist unter den nostalgischen Spielzeugen sehr beliebt. Dank detaillierter Anleitung und Bauzeichnung können Sie unseren Kaufmannsladen einfach nachbauen.

 
Kaufmannsladen © Christian Bordes
Kaufmannsladen

Sie hießen Kaufmannsladen, Krämerladen oder Kolonialwarengeschäfte und gehörten einfach in jedes Stadtbild und jedes größere Dorf. Hier bekam man alle notwendigen Dinge des täglichen Lebens – Nahrungsmittel, Seife, Waschmittel und anderen Haushaltsbedarf.

Wer es nicht mehr kennt: Der Begriff „Kolonialwaren“ bezeichnete eigentlich Produkte und Rohstoffe aus Übersee, insbesondere Rohrzucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze und Tee. Heute sind solche Geschäfte in der realen Welt leider so gut wie ausgestorben – nicht aber in der Spielwelt der Kinder.

Kaufmannsläden sind nach wie vor der große Renner für Leute ab drei Jahren. Doch woher nehmen? Die Modelle aus dem Spielzeugladen sind meistens nicht wirklich schön und entsprechen oft auch nicht den Vorstellungen der Kleinen.

Wenn Sie jetzt mit dem Gedanken spielen, so einen Kaufmannsladen auch für Ihre Kinder zu bauen: Wir haben die Anleitung dazu! Nachdem Sie das Holz für den Bau besorgt haben, ist der Kaufmannsladen bereits in vier Tagen fertig.
 

Kaufmanssladen bauen: In leichter Bauweise schnell zum Erfolg

Am Anfang steht immer der Materialeinkauf und der fällt diesmal besonders einfach aus. Schließlich benötigen Sie außer ein paar Sperrholzplatten und Holzleisten nur noch Fichtenleimholzbretter. Und hier dürfen Sie gerne zum günstigsten Anbieter greifen, da der gesamte Kaufmannsladen eine Lackschicht erhält.

Achten Sie jedoch bei der Fichtenbretterauswahl auf Harzgallen und nicht allzu große Astlöcher. Harzgallen lassen sich nämlich nicht lackieren und Astlöcher müssten Sie mühsam ausspachteln. Und so benötigen Sie drei Bretter zu 25 x 200 cm (je Stück 5,50 Euro) und vier Bretter zu 20 x 200 cm (je Stück 4,50 Euro).

Wenn Sie nun einen Blick auf die Zeichnung (siehe unten) werfen, können Sie feststellen, dass Sie kaum einen Verschnitt, also Abfall, haben werden. Hinzu kommen noch vier Tapetenleisten (5 Euro) als Stopperkante für die Gemüsekisten an den schräggestellten Regalen sowie als Zierleisten am Kasperletheater, vier Rechteckleisten (5 Euro), zwei Rundholzstäbe (2 Euro) und vier kleine Scharniere (5 Euro) für die Türregale und schließlich die Minikommode „Fira“ von Ikea mit neun Schubladen für 9 Euro.

Rechnen Sie insgesamt mit Materialkosten von gut 60 Euro plus Farbe, Leim und Schrauben. Leim und Schrauben sind auch die zentralen Verbindungselemente dieses Projekts. Hier wird nichts aufwendig verdübelt oder verzapft, sondern wirklich nur stumpf verleimt und mit 3,5 x50-mm-Schrauben verbunden.

Da das Fichtenholz recht weich ist, wäre es noch nicht einmal notwendig, die Verschraubungen vorzubohren. Da das Vorbohren aber zu einem genaueren Arbeiten beiträgt, sollten Sie dennoch zur Bohrmaschine mit 4-mm-Bohrer greifen.

Die Schraubenköpfe (mit Trompetenkopf) brauchen auch nicht angesenkt zu werden, da sie sich beim Eindrehen selbsttätig in das weiche Fichtenholz „hineinbohren“. Zuletzt werden dann die Schraubenköpfe mit Spachtelmasse verfüllt, so dass die Lackarbeiten ausgeführt werden können.
 

Kaufmannsladen selber bauen: Skizze mit Maßen

Das Material: Als Grundbaustoff dient 18/19 mm dickes Fichtenleimholz aus dem Baumarkt. Die Regaltüren sowie die Rückwand bestehen aus 10 mm Pappelsperrholz. Da sämtliche Teile gestrichen werden und es auf die Holzmaserung nicht ankommt, können Sie stets das günstigste Material wählen. Zum Vergrößern hier klicken.

Die Tresenplatten sowie die Deckelplatte des Schrankaufsatzes sind 99,5 cm breit, damit Sie aus einem 200 cm Brett zwei Bauteile erhalten. Zum Vergrößern hier klicken.


 

Kaufmannsladen selber bauen: Anleitung

  1. Zierbögen aussägenZierbögen aussägen© Selbermachen

    Zierbögen aussägen

    Mit einer Elektrostichsäge werden die Zierbögen an die einzelnen Bauteile herangesägt. Dabei verjüngt sich der untere Schwung über 5 cm, der obere aber nur über 2,5 cm.
  2. Kanten schleifenKanten schleifen© Selbermachen

    Kanten schleifen

    Sämtliche Kanten werden geschliffen und mit einer Oberfräse mit Fasefräser abgeschrägt. Wer keine Oberfräse besitzt, schrägt die Kanten mit Schleifpapier der Körnung 60 oder 80 kräftig ab.
  3. Bauteile stumpf verbindenBauteile stumpf verbinden© Selbermachen

    Bauteile stumpf verbinden

    Alle Verbindungen erfolgen stumpf mit Leim und Schrauben. Dazu zeichnen Sie den Sitz der Bauteile vorher mit einem Tischlerwinkel an und bohren Löcher mit einem 4-mm-Bohrer vor. Geben Sie Leim an und verbinden Sie alles mit 3,5 x 50-mm-Schrauben. Die Schraubenlöcher werden später mit Spachtelmasse gefüllt.
  4. Mini-Kommode "Fira" von IKEAMini-Kommode "Fira" von IKEA© Selbermachen

    Mini-Kommode "Fira" von IKEA

    Die Schubladen aus der Ikea-Selbstbau-Mini- Kommode „Fira“ werden auf eine Tiefe von 11 cm gekürzt.
  5. Böden anzeichnenBöden anzeichnen© Selbermachen

    Böden anzeichnen

    Anhand dieser Schubladen lassen sich nun die seitlichen Schubladenregale anfertigen. Zeichnen Sie auch hier jeden einzelnen Boden an, damit später überall gleichmäßige Abstände herrschen.
  6. Umrisse einzeichnenUmrisse einzeichnen© Selbermachen

    Umrisse einzeichnen

    Die Rückwand aus 1 cm dickem Sperrholz erhält noch vor dem Einbau die Umrisse eines gerafften Vorhangs.
  7. Regaltüren befestigenRegaltüren befestigen© Selbermachen

    Regaltüren befestigen

    Die Regaltüren, die gleichzeitig die Türen des Kasperletheaters sind, werden mit einfachen Scharnieren befestigt.
  8. Schilder fixierenSchilder fixieren© Selbermachen

    Schilder fixieren

    Der Computerausdruck wird mit Sprühkleber fixiert.

 

Mit Farbe auf alt getrimmt

Dieser Kaufmannsladen lässt sich auch mit einer homogenen Lackschicht überziehen. Doch sympatischer ist es, diesem traditionellen Spielzeug mit ein paar Tricks etwas Nostalgie einzuhauchen. Die einzelnen Arbeitsschritte sind nicht schwer, nur etwas zeitaufwendiger, da jeder Farbauftrag gründlich durchtrocknen muss, bevor der nächste Arbeitsschritt erfolgen kann.

  1. Mit einer dunklen Acrylfarbe – hier wurde ein kräftiger Rotton benutzt – wird zunächst das ganze Objekt zweimal grundiert.
  2. Ist der Lack über Nacht gut durchgetrocknet, wird er wirklich nur ganz leicht mit Schleifpapier der Körnung 180 angeschliffen und die Deckfarbe – hier ein Cremefarbton – aufgetragen. Tipp: Fällt die spätere Deckfarbe hell aus, wird als Grundierung ein dunkler Farbton benutzt. Soll die Deckfarbe später dunkel werden, wählen Sie als Grundierung einen hellen Farbton. So entsteht dann beim Durchschleifen der Eindruck, das Objekt sei schon stark bespielt, beziehungsweise stark abgegriffen, also entsprechend alt!
  3. So wird dann die helle Lackschicht angeschliffen. Das geht am leichtesten mit einem Dreiecks- oder Schwingschleifer mit Schleifpapier der Körnung 180. Führen Sie den Schleifer langsam und mit wenig Druck über die Flächen und Kanten.
  4. Anschließend werden die Flächen von Schleifstaub befreit und mit einem fusselfreien Textillappen eine dünne Schicht aus dunkler Holzlasur aufgetragen, die nach etwa 30 bis 40 Sekunden Trockenzeit wieder leicht abgerieben wird.

Zeichnung: T. Straszburger

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