Erfahrungsbericht eines Mega-Projekts

Kernsanierung eines Altbaus in Eigenregie

Eine Kernsanierung ist ein echtes Mammutprojekt, nicht nur für Selbermacher. Vor allem, wenn die Renovierung neben Beruf und Familie passiert. Wie diese Aufgabe zu meistern ist, davon kann Verena Zabel im Rückblick berichten.

 
Kernsanierung in Eigenregie © privat
Die alte Bausubstanz ist kaum mehr wiederzuerkennen

„Bei der ersten Besichtigung war das Haus noch vollkommen möbliert“, erinnert sich Verena Zabel. Im Jahr 2016 begann sie und ihre Familie mit der Sanierung des Altbaus aus dem Jahr 1939. Von nun an sollten nicht nur die alten Möbel entsorgt werden, sondern das bestehende Einfamilienhaus auch komplett kernsaniert und umgebaut werden – nahezu komplett in Eigenleistung und neben Beruf und Familienleben. Über diesen Prozess berichtete die 35-jährige Bauherrin auch über Social Media, zum Beispiel in Form von Vorher-Nachher-Fotos.

Zwei Jahre sollte das Projekt in Anspruch nehmen – mit tatkräftiger Unterstützung: „Das war nur durch viel Hilfe von Freunden, Familie und Bekannten machbar“, betont Verena. Im Freundeskreis ihres Partners Denis gibt es Handwerker aus verschiedenen Gewerken, die immer wieder unterstützten. Bei vielen fachlichen Fragen konnte sie auf die Expertise aus dem näheren Umfeld zählen. Und so kam ihr bereits bei der Besichtigung des Objekts der geschulte Blick eines befreundeten Bau-Profis zu Gute, der den Dachboden kritisch inspizierte.

 

Wenn der Freundeskreis nicht wäre

Zwei Stockwerke tiefer, im Erdgeschoss, sollte die Treppe versetzt und damit der Grundriss verändert werden. Doch das war nicht die größte Herausforderung. „Das Obergeschoss hat uns da mehr Nerven gekostet. Hier hatten wir einen großen und hellen Raum, der aber leider ein Durchgangszimmer war“, erinnert sich Verena. Sowohl als Schlaf-, als auch als Kinderzimmer leider keine Option. Also musste auch hier die Raumaufteilung erneuert werden. Und was soll eigentlich mit dem alten dreizügigen Schornstein geschehen, der mitten durch das Haus verläuft?

Natürlich sollte die neue Raumaufteilung den Vorstellungen der Bauherren entsprechen – aber auch zum Budget passen. Doch nicht nur die Finanzen müssen stimmen: „Für eine Grundrissänderung im Altbau sollte man sich professionelle Unterstützung von einem Architekten oder Statiker holen,“ empfiehlt Verena. Spätestens beim Stellen des Bauantrags benötigt man den Experten ohnehin. Großer Pluspunkt: Ein befreundeter Elektroingenieur übernahm die Elektroplanung.
 

 

Auf die Planung folgt die Arbeit

Nach der Planungsphase begann auch schon die harte, körperliche Arbeit. Alles muss raus: Tapeten, Holzverkleidungen, Putz, die alte Treppe. Rund 60 Kubikmeter Bauschutt in Summe. „Die Entkernung selbst war körperlich anstrengend, aber auch ohne fremde Hilfe machbar,“ erzählt Verena. Aber auch hier gab es ungeplante Zeitfresser: Der Mauerbestand war an einigen Stellen bröckelig und musste mühsam erneuert werden. Ein Umstand, der sowohl Zeit, als auch Nerven gekostet hat.

Beim alten Anbau, der an das Haus grenzte, war die Entscheidung klar: Abreißen und neu bauen. „Hier hat mein Freund alle Zuarbeiten erledigt, Steine geschnitten, Mörtel angerührt und Ringanker gegossen.“ Dabei halfen zwei befreundete Maurer. Nach zwei Samstagen stand der Anbau bereits wieder.

Beim Dachstuhl sprang eine befreundete Firma ein, beim Eindecken unterstützten Freunde und Bekannte. Gedämmt wurde mit Holzfaserplatten, die vorübergehend sogar als Behelfsdeckung genutzt wurden. Im Oktober 2016 war es dann soweit: Die Dachziegel waren wieder an Ort und Stelle. Eine besondere Herausforderung war dabei die Klammerung am Dachfirst und der Einbau des Dachfensters.

Dämmen, ausgleichen, verlegen

Die Dämmung von Geschossdecke und Dachschräge, die Ausgleichsschüttung, der Estrich im Erdgeschoss sowie die Dämmplatten der Kellerdecke als Vorbereitung für die Fußbodenheizung konnte Denis selbst durchführen. Beim Leitungen verlegen war Teamwork angesagt: Nachdem ihr Partner die Wände geschlitzt und Löcher für die Schalter gebohrt hatte, kümmerte sich der befreundete Elektriker um die Verkabelung im Haus. Zusammen erfolgte dann der komplette Trockenbau inklusive Stellen der Wände und Abhängen der Decken.

Für die Trink- und Abwasserleitungen half Verenas Vater als Fachkraft vor Ort. Die Fußbodenheizung unten und die Heizkörper im Obergeschoss haben die Bauherren aus Gewährleistungsgründen aber wiederum durch eine Firma installieren lassen. Auch den Estrich hat eine Firma übernommen, es waren nämlich zu dem Zeitpunkt immer noch zwischen vier und bis zu 12 Zentimeter auszugleichen. „Ich bezweifle, dass wir das auf der gesamten Fläche dann vernünftig hinbekommen hätten,“ resümiert Verena.
 

 

Neues Bad, neue Küche

Das neue Bad oben bekam als einziger Raum im Obergeschoss eine Fußbodenheizung. Hier wurden die Selbermacher im Fliesenfachmarkt gut beraten. Das System wurde passgenau zum Raum beim Hersteller bestellt und war tatsächlich unkompliziert selbst verlegbar.
 
Die Küche war bereits geplant, als sich das Team noch mitten in der Entkernungsphase befand. Auch wenn manche Stimmen diese Vorgehensweise kritisierten, hielt die Bauherrin daran fest. „Wenn ich schon den ganzen Fußboden entferne und alle Leitungen und Anschlüsse neu verlege, fand ich es sinnvoll, erst die Küche zu gestalten und dann Leitungen, Anschlüsse, Elektrik entsprechend dorthin zu legen.“

Bodenbelags- und Malerarbeiten sind Gewerke, die mittlerweile viele Bauherren selbst übernehmen. So auch Verena und ihre Helfer. Klickvinyl zu verlegen ist dabei noch relativ leicht, Fliesen verlegen schon deutlich schwieriger. Doch auch bei diesen Arbeiten unterstützten passende Handwerker aus dem Freundeskreis. „Als Laie braucht man einfach mehr Zeit,“ argumentiert Verena. Selbst die Fliesenfugen hätten die Selbermacher hinbekommen, jedoch mit erheblichem Zeitverlust.
 

 

„Als Laie braucht man einfach mehr Zeit“

„Unerlässlich ist bei so einem Projekt auf jeden Fall gutes und zuverlässiges Werkzeug,“ empfiehlt Verena. Dabei muss man sich jedoch nicht alles selbst kaufen, vieles kann man auch ausleihen. Auch hier kam Verena das private Netzwerk zu Hilfe, welches unter anderem einen Plattenheber für Gipskartonplatten oder ein Gerüst bereitstellen konnte. Viel wichtiger als alles Werkzeug war jedoch die tatkräftige Unterstützung von Freunden, Bekannten und Familie.

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