Frischluft trotz Dämmung

Lüftungsanlage selbst installieren

Mit einer Lüftungsanlage zum Selberbauen spart man während der Heizperiode im Vergleich zur klassischen Fensterlüftung viel Geld und auch die Anschaffung ist günstiger. Der Einbau ist auch für weniger geübte Heimwerker realisierbar!

 
Belüftung einbauen © Marley
Abluft, Zuluft und Überströmung sind wichtig bei der Belüftung

Wer sein Haus technisch richtig dämmt, muss anschließend auch für eine kontrollierte Lüftung der Innenräume sorgen – sonst droht Schimmel! Das klingt aufwändiger, als es ist: Mit ein paar einfachen Maßnahmen sorgen Sie für einen regelmäßigen Luftaustausch in Ihrem Heim.

Lüftungsanlage bei Wärmedämmung einbauen: Auf was kommt es an?

Im Zuge der Diskussion über den Klimawandel – und da insbesondere um die CO2-Emissionen – gerät das „Dämmen im Bestand“ immer mehr in den Fokus. Eine funktionierende Wärmedämmung bedingt immer auch die Luftdichtheit des Gebäudes. Die Be- und Entlüftung kann dann allerdings zu einem echten Problem werden.

Denn entweder wird die feuchtwarme Innenluft nicht nach außen transportiert und es entsteht Schimmel. Oder die Bewohner lüften, das aber so aus gedehnt, dass der Energieeinspareffekt der Wärmedämmung verloren geht.

Die Lösung heißt also „kontrollierte Lüftung“. Bei der kontrollierten Lüftung geht es ganz einfach darum, unabhängig vom Nutzerverhalten den Abtransport der feuchten, verbrauchten Luft und einen ständigen Nachschub von Frischluft sicherzustellen, und das bei einem möglichst geringen Verlust von Heizwärme. Dazu braucht es Zu- und Abluftkanäle in mehreren Räumen und die Möglichkeit der Überströmung, was bedeutet, dass es eine Verbindung zwischen Zuluftraum und Abluftraum gibt.

Dieses so genannte dezentral gesteuerte Lüftungssystem können Sie problemlos selbst einbauen. Idealerweise platziert man die Abluftkanäle dort, wo die wärmste und feuchteste Luft entsteht: in Küche und Bad, aber auch in innenliegenden Hauswirtschaftsräumen.

    Lüftung installieren: Die alte Luft muss raus

    Um der trägen Luft Beine zu machen, benötigt man pro Abluftkanal einen Ventilator. Bei der Auswahl des passenden Geräts ist neben der Raumgröße in Kubikmetern auch die Förderstrecke von Bedeutung, denn beide haben natürlich entscheidenden Einfluss auf die nötige Mindestleistung des Ventilators.

    Bei den Förderstrecken können die leistungsfähigsten Geräte bis zu 15 Meter bewältigen, die Förderstrecke durchschnittlicher Geräte liegt dagegen zwischen 1,5 und drei Metern. Je nach geforderter Luftwechselrate (wie oft wird die gesamte Luft pro Stunde ausgetauscht) und der Raumgröße variieren die Anschlussdurchmesser der Geräte zwischen 100 und 300 Millimetern.

    Ferner ist es gerade in Bädern und Duschräumen wichtig, dass der Ventilator (immerhin elektrisch betrieben) mindestens tropfwasser-, aber besser noch spritzwassergeschützt ist. Sie erkennen das an der aufgedruckten sogenannten Schutzart (IP 21 oder IP 24).

    Die tropfwassergeschützten Geräte (IP 21) müssen Sie zwischen 60 und 300 Zentimeter von Dusche/Badewanne entfernt montieren, mit den spritzwassergeschützten (IP 24) dürfen Sie auch näher ran. Diese können Sie sogar direkt oberhalb des Dusch bereichs in der Decke montieren.

    In jedem Fall empfehlenswert sind Ventilatoren mit einer automatischen Steuerung. Das ist wichtig, damit der Abtransport der Abluft unabhängig davon funktioniert, ob Sie ans Einschalten denken oder nicht. Die wichtigsten Steuerarten sind:

    • Bewegungssensor: Der Ventilator reagiert auf Bewegung und läuft dann zwischen zwei und 25 Minuten nach
    • Feuchtesensor: Der Ventilator läuft, wenn die Luftfeuchte zwischen 50 und 90% beträgt (ideal sind 60%)
    • Einfacher Nachlauf: Der Ventilator läuft zwei bis 25 Minuten nach
    • Verzögerter Nachlauf: Das Gerät startet erst nach zwei Minuten und läuft dann bis zu 25 Minuten nach

    Lüftung installieren: Die frische Luft muss rein

    Wo auf der einen Seite Luft rausgeht, muss auf der anderen Seite Luft nachströmen können. Dafür montieren Sie am besten in den Schlaf- und Wohnräumen Mauerdurchführungen. Dabei handelt es sich um einfache runde Kunststoffkanäle, die allerdings einige Anforderungen erfüllen müssen:

    • schwer entflammbar
    • korrosionsfest
    • UV-stabil
    • auf verschiedene Wandstärken einstellbar

    Die besseren Geräte bieten zudem einen integrierten Pollenschutz, damit Allergiker sich keine Probleme ins Haus holen. Auch hier gibt es manuell regelbare Geräte, die sich über die Lamellenstellung in der Luftmenge reguieren lassen.

    Zu jeder Mauerdurchführung gehört zumindest auf der Wandaußenseite ein passendes Lüftungsgitter. Neben der Standardfarbe Weiß gibt es auch Alternativen in Grau, Beige und Braun. Außerdem gibt es anstatt den üblichen Kunststoffabdeckungen auch solche aus langlebigem und hochwertigem Edelstahl.

    Mauerdurchführungen

    Die Durchführung besteht in der Regel aus drei Teilen: dem Teleskoprohr und den beiden Abdeckungen für Innen- und Außenseite der Wand. Gute Teleskoprohre lassen sich bis 480 mm Wandstärke ausziehen. Einen Pollenfilter können Sie im Übrigen auch nachträglich installieren.

    Überströmung

    Die Verbindung zwischen Abluft- und Zuluftpunkt muss natürlich gegeben sein, damit die Luftzirkulation funktioniert. Dazu benötigen die Türen der Wohn- und Schlafzimmer sowie die von Küche und Bad unbedingt Lüftungsgitter als Überströmmöglichkeit. Dabei muss die Zuluftöffnung mindestens so groß wie die Abluftöffnung sein. Die Gitter montieren Sie am unteren Türende.

    Wärmetauscher

    Einige Anbieter von Lüftungen bieten ihre Systeme mit einem Wärmetauscher an. Das Prinzip ist einfach: Die warme und feuchte Abluft wird innerhalb des Geräts möglichst großflächig und lange an der einströmenden kalten, trockenen Außenluft vorbeigeführt. Dabei wird die Zuluft erwärmt und angefeuchtet, die Heizenergie geht nicht ganz verloren – das macht Sinn. Die Geräte sind kompakt, aber immer auch Bestandteil eines kompletten Systems. Sie können auf dem Boden stehen oder an der Wand montiert werden. Der Luftvolumenstrom liegt zwischen 70 und 400 m3/h, der Preis beträgt etwa 2.600 Euro.

    Zentrale Belüftung

    Zentrale Belüftungssysteme arbeiten mit nur einer Außenluftansaugsäule (etwa im Garten) für Frischluft. Die Abluft wird gesammelt über eine weitere Säule im Außenbereich abgeleitet. Ein Lüftungsstein am Steuergerät sorgt für die Vertikalverteilung der Luftströme.

    • Vorteil: Die Gebäudehülle und die Wärmedämmung müssen nicht mehrfach durchdrungen werden und die Luftverteilung findet diskret in den Decken statt.
    • Nachteil: Der Einbau ist aufwändig. Entweder müssen die Rohre in der Betondecke – beim Neubau – oder in einer abgehängten Decke verschwinden.

    Belüftung selber einbauen: So geht's

    In nahezu luftdicht gedämmten Häusern sollte die nötige Frischluftzufuhr aktiv geregelt werden. Der Einbau eines dezentralen Lüftungssystems (hier „DUO“ von Selfio für 550 Euro) ist auch für ambitionierte Heimwerker machbar. Wer eine Kernbohrung in der Wand lieber dem Fachmann überlässt, der bezahlt zwischen 160 und 250 Euro (sehr empfehlenswert!). Hier erfahren Sie, wie eine Kernbohrmaschine funktioniert.

    Material:

    • Lüftungsgerät Selfio „DUO“ oder Selfio „DUO-Live“ inklusive Einbauzubehör
    • Brunnenschaum
    • Elektrokabel
    • Fertigputz

    Werkzeug: Akkubohrschrauber, Abisolierzange, Eimer, Elektroschraubendreher, kleiner Hammer, Kernbohrmaschine mit 300 mm Aufsatz, Handsäge, Messer, Schraubendreher (Kreuz und Schlitz), Seitenschneider, Stemmhammer mit Meißel, Spachtel und Glättkelle, Sprühflasche, Wasserwaage

    Kosten: ca. 700 Euro

    1. KernbohrungKernbohrung© Selfio

      Kernbohrung

      Für das Loch in der Außenwand ist eine Kernbohrung notwendig. Diese setzen Sie im oberen Drittel der Wand an.
    2. GefälleGefälle© Selfio

      Gefälle

      Die Bohrung mit 300 mm Durchmesser muss nach außen ein Gefälle von einem Prozent aufweisen. Vorher Mauerbeschaffenheit prüfen!
    3. Mantelrohr einschiebenMantelrohr einschieben© Selfio

      Mantelrohr einschieben

      Das Mantelrohr von innen nach außen in das Bohrloch schieben bis es außen bündig abschließt. Rohr und Lüftungsgerät passend einkürzen.
    4. Mantelrohr ausrichtenMantelrohr ausrichten© Selfio

      Mantelrohr ausrichten

      Das Mantelrohr mithilfe des Putzdeckels mit integrierter Wasserlibelle ausrichten und verkeilen. Zuvor Lüftungsgerät ins Rohr schieben.
    5. AbdichtenAbdichten© Selfio

      Abdichten

      Zum Abdichten nutzen Sie nicht quellenden Brunnenschaum. Nach dessen Abbinden kann der Putzdeckel wieder entfernt werden.
    6. AbdichtenAbdichten© Selfio

      Abdichten

      An der Außenwand gehen Sie beim Abdichten genauso vor wie an der Innenwand. Auf den Putzdeckel können Sie hier verzichten.
    7. Kabelkanal schlitzenKabelkanal schlitzen© Selfio

      Kabelkanal schlitzen

      Für den Unterputz-Stromzugang werden die Wandschlitze mit einem Bohrhammer zwei bis drei Zentimeter tief in die Wand gestemmt.
    8. Kabel einziehenKabel einziehen© Selbermachen

      Kabel einziehen

      Die Kabel vom Lüftungsgerät ausgehend einziehen und mit Hilfe von Dübelklemmschellen in den Schlitzen befestigen.
    9. Abdeckplatte befestigenAbdeckplatte befestigen© Selfio

      Abdeckplatte befestigen

      Die Abdeckplatte der Innenseite ausrichten und mit dem Akkuschrauber in den zuvor gesetzten Dübeln befestigen.

    Elektrik und Abdeckung montieren

    Sind Mantelrohr, Lüftungsgerät und Kabel in der Wand, geht es ans Verkleiden und Anschließen. Mit Verbindungsklemmen und Klemmen zum Stecken erfolgt die Elektroinstallation.

    1. Kabelschlitz verputzenKabelschlitz verputzen© Selfio

      Kabelschlitz verputzen

      Verputzen Sie nun den Kabelschlitz in der Wand mit einer Glättkelle. Beachten Sie, dass die Kabel gut von Putz bedeckt sind.
    2. Anschlüsse verbindenAnschlüsse verbinden© Selfio

      Anschlüsse verbinden

      Mit Verbindungsklemmen werden die Anschlüsse des Lüftungsgerätes entsprechend der Anleitung miteinander verbunden.
    3. Abdeckung aufsetzenAbdeckung aufsetzen© Selfio

      Abdeckung aufsetzen

      Auf der Grundplatte befestigen Sie die Abdeckplatte. Dann die blauen Filtervlies- Stücke einsetzen und Abdeckung aufsetzen.
    4. Abdeckplatte AußenwandAbdeckplatte Außenwand© Selfio

      Abdeckplatte Außenwand

      An der Außenwand an der Rückseite der Abdeckplatte Dichtband anbringen und diese festschrauben. Danach Außenhaube fixieren.
    5. VerkabelnVerkabeln© Selfio

      Verkabeln

      An der Steuereinheit Kabel durchführen und den Rahmen auf der Wand befestigen. Dann Kabeladern in den Stecker führen. Steuereinheit auf die Rahmenhalterung einrasten und die Stromzuleitung aktivieren. Das Lüftungsgerät ist jetzt betriebsbereit.

     
    Alle Fotos: Selfio
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