Holzkohlegrills: 8 Grills im Test | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Kugelgrill oder Grillwagen

Holzkohlegrills: 8 Grills im Test

Sobald die Abende wieder draußen verbracht werden, wird in Deutschland „angegrillt“. Dabei hat der „Tankstellengrill“ längst ausgedient, Kugelgrill und Grillwagen haben die Gärten erobert. Wir haben acht aktuelle Geräte getestet.

 
Acht Grills im SELBERMACHEN-Test © Selbermachen
Acht Grills im SELBERMACHEN-Test

Es ist der Geruch, der keinen Zweifel daran lässt, dass die Grillsaison wieder begonnen hat. Besonders an den Wochenenden wabern Rauchwolken durch unsere Gärten und verbreiten den bekannten Duft des archaischen Fleischgarens. Die Faszination „Grillen“ liegt wahrscheinlich auch darin begründet, dass man hier mit nichts als glühender Holzkohle sein Essen zubereitet. Zumindest Männer spielen gern mal mit dem Feuer und stehen deswegen in der Regel am Grill, auch wenn sie sonst eher einen großen Bogen ums Kochen machen. Doch grillen allein reicht nicht! Der Grill muss auch was hermachen, sollte stabil und einigermaßen wetterfest sein und wenn aus dem einfachen Grill mit etwas Zubehör eine richtige „Workstation“ gemacht werden kann, dann schlägt das Herz manches „Barbecuenisten“ gleich deutlich höher.

Das haben auch die Hersteller und Importeure erkannt und bieten heute Grillwagen mit zwei Rosten (Obi), kompakte, standfeste Grills mit Kaminzugtechnik (Thüros) oder die immer beliebteren Kugelgrills an. Die sind eine amerikanische Erfindung von George Stephen, der 1952 aus einer ausgedienten Metallboje den ersten Kugelgrill baute und damit ganz nebenbei das indirekte Grillen erfand. Weiter entwickelt und oft kopiert haben es Kugelgrills heute in sich. Sie verfügen über eine kontrollierte Zuluft, über einen Aschetopf der die Reinigung erleichtert und nicht zuletzt über allerlei Zubehör, dass den Grill sogar zum Pizzaofen machen kann (Weber-Stephen).

Entscheidend für das Ergebnis beim Grillen ist aber nicht nur, wer dran steht und was drauf kommt, sondern auch, was drin ist. Holzkohle ist nicht gleich Holzkohle, oft ist sie aus Tropenhölzern und enthält Säuren oder Teerverbindungen. Bei Grillbriketts ist es noch zweifelhafter. Viele sind Produkte aus Braunkohle. Das funktioniert zwar gut, lässt aber zumindest erst mal Zweifel aufkommen.

Für unseren Test haben wir gemeinsam mit den Prüfingenieuren unseres Testinstitiuts PZT Briketts von Profagus („Grillis“) ausgewählt, die im letzten Sommer von Ökotest getestet und mit sehr gut bewertet wurden. Sie bestehen ausschließlich aus Buchenholz, das ja auch zum Räuchern von Lebensmitteln verwendet wird, und haben einen hohen Kohlenstoffanteil. Das garantiert eine langanhaltende gleichmäßige Glut. Dies war im Test sehr wichtig bei den Messungen der Temperaturverteilung auf der Grillfläche. Das Anzünden von Grillbriketts dauert wegen deren hoher Dichte immer etwas länger als bei Grillkohle. Hier stellte sich klar heraus, dass ein Kaminzugsystem durch den entstehenden Luftzug schneller als alle anderen Grills einsatzbereit ist. Gefolgt von den Kugelgrills, die eine kontrollierte Luftzufuhr im Boden und Ablüftöffnungen im Deckel haben. Bei Grillwagen ist die Konstruktion aus einer flachen, rechteckigen Grillwanne und drei Seitenwänden so simpel, dass sie auf die hindurchstreichende Luft oder den Wind angewiesen sind. Hier brauchen die Brikett natürlich am längsten, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Manch einer setzt schon mal eine Heißluftpistole als Hilfsgebläse ein, um das Anzünden zu beschleunigen. Dafür bieten diese Grills beim direkten Grillen die größte nutzbare Grillfläche.

Was den Testern wie auch den Redakteuren bei der Fotoproduktion auffiel, war die Montagezeit bei einigen unserer Testkandidaten. Während Heibi seinen Grillwagen fast komplett montiert liefert, müssen gerade die Kugelgrills aus zahlreichen Einzelteilen und anhand mehr oder weniger verständlicher Aufbauanleitungen zusammengeschraubt werden. Unsere versierten Tester schafften dies nicht unter einer halben Stunde. Beim Landmann-Grill brauchten sie sogar über eine Stunde. Unsere Redakteure brauchten für alle Kugelgrills im Schnitt eine Stunde. Bei den Grillwagen ging es, obwohl weniger Teile, kaum schneller, da die Bauteile oft mit Schrauben und Muttern verbunden werden und dies nur mit ausgeprägter Fingerfertigkeit und Händen wie Schraubzwingen möglich ist. Besonders der Dancook-Grill war trotz weniger Teile mühsam zu montieren.

Ein echtes Sicherheitsmerkmal bei einem Grill ist seine Standfestigkeit. Wir haben getestet, ab welcher Neigung ein Grill umkippt (manchmal reicht ein versehentlicher Rempler) und wie gut er das wegsteckt. Hier haben alle Kugelgrills, durch ihre Form einen Schaden abbekommen. Von den anderen Kandidaten litt nur noch Obis Grillwagen aus relativ dünnem Blech.

Fazit: Es lohnt sich, etwas mehr Geld auszugeben und den „Tankstellengrill“ links liegen zu lassen.

Reicht für unterwegs nicht auch ein Einweggrill? Es gibt wahrscheinlich keine ungeeignetere Methode sein Grillgut warm und gar zu bekommen, als auf einem Einweggrill. Diese mit Holzkohle gefüllten Aluschalen halten die Hitze nur relativ kurze Zeit und sind für größere Stücke als dünne Würstchen oder Minutensteak kaum zu gebrauchen. Außerdem ist die Hitze nicht zu regulieren, und diese Grills hinterlassen immer eine Menge Müll. Da sollte man lieber 20 bis 30 Euro für einen tragbaren Koffergrill oder noch etwas mehr für einen kleinen Kugelgrill ausgeben. Mit denen hat man alle Grill-Möglichkeiten der Großen, und man kann sie jahrelang benutzen.

SELBERMACHEN-Test

Dancock

Dancock© SelbermachenPreis 99,90 Euro

Positiv: Geringe Erwärmung der Bedienteile Sehr korrosionsbeständig Keine Beschädigung nach Falltest Bequeme Arbeitshöhe Vier Grillrosthöhen möglich Zwei Ablagen Fahrbar, ausreichend große Räder

Negativ: Keine Luftzufuhrregelung Teilweise scharfe Kanten Geringste Standfestigkeit im Test Kein Aschesammler Indirektes Grillen nicht möglich

Gesamturteil: Gut

Heibi

Heibi© SelbermachenPreis 184 Euro

Positiv: Einfache Montage Sehr geringe Erwärmung der Bedienteile Keine Beschädigung nach Falltest Klappbar, kleiner Stauraum nötig

Negativ: Keine Luftzufuhrregelung Geringe Temperatur auf der Grillfläche Indirektes Grillen nicht möglich Etwas anfällig für Korrossion Temperatur wird nicht gut gehalten Kein Aschesammler

Gesamturteil: Befriedigend

Kingstone (Bauhaus)

Kingstone (Bauhaus)© SelbermachenPreis 139 Euro

Positiv: Kippstabil Luftzufuhrregelung Korrosionsbeständig Geringe Erwärmung der Bedienteile Hält lange die Grilltemperatur Direktes und indirektes Grillen möglich

Negativ: Relativ aufwendige Montage Sehr niedrige Arbeitshöhe Kein Fettauffang Niedrige Temperaturen beim indirekten Grillen

Gesamturteil: Gut

Landmann

Landmann© SelbermachenPreis 279 Euro

Positiv: Bequeme Arbeitshöhe Im Praxistest das beste Gerät Aschesammler gut zu entleeren Geringe Bedienteilerwärmung Luftzufuhrregulierung Grillrost höhenverstellbar Sehr große Grillfläche Direktes und indirektes Grillen

Negativ: Komplizierter Zusammenbau Beschädigung nach Falltest Etwas korrosionsanfällig bei Beschädigung

Gesamturteil: Gut

Obi

Obi© SelbermachenPreis 84,99 Euro

Positiv: Sehr große Grillfläche Bequeme Arbeitshöhe Vier Grillrosthöhen möglich Hält gut die Grilltemperatur Kippstabil

Negativ: Sehr dünne Seitenbleche Spürbare Erwärmung von Bedienteilen Anfällig für Korrosion Viel Lagerfläche erforderlich Keine Luftzufuhrregelung Indirektes Grillen nicht möglich

Gesamturteil: Befriedigend

Outdoorchef

Outdoorchef© SelbermachenPreis 269 Euro

Positiv: Deckel klappbar Nur wenig Grillbriketts notwendig Sehr bequemes Nachfüllen von Grillkohle Hält lange die Grilltemperatur Korrosionsbeständig Luftzufuhrregulierung Direktes und indirektes Grillen

Negativ: Komplizierte Montage Starke Bedienteilerwärmung Beschädigung nach Falltest Vorderrad zu klein

Gesamturteil: Gut

Thüros I

Thürso I© SelbermachenPreis 125 Euro

Positiv: Edelstahl, sehr korrosionsbeständig Keine Beschädigung nach Falltest Gleichmäßige Temperatur a.d. Rost Briketts glühen schnell durch Kippstabil Luftzufuhrregulierung Nur kleine Lagerfläche nötig

Negativ: Niedrige Arbeitshöhe Kleine Grillfläche Rost nicht höhenverstellbar Keine Transportgriffe und -rollen Indirektes Grillen nicht möglich

Gesamturteil: Befriedigend

Weber

Weber© SelbermachenPreis 269 Euro

Positiv: Hochwertige Verarbeitung Bedienteile gering erwärmt Luftzufuhrregelung Fettschale einfach zu entnehmen Korrosionsbeständig Gleichmäßige Temperatur a.d. Rost Große Grillfläche Direktes und indirektes Grillen

Negativ: Sehr viel Platzbedarf Kleine Räder Niedrige Arbeitshöhe Beschädigung nach Falltest

Gesamturteil: Gut

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