Das innovative tockene Verlegesystem

Klickfliesen verlegt und getestet

Bodenfliesen vollflächig zu kleben war gestern, heute drängen immer mehr Trockenfliesen-Systeme auf den Markt. Wir haben drei von Ihnen einmal probegelegt.

 
Klickfliesen © Selbermachen
Klickfliesen

Schluss mit klebrig! Bei zwei der drei hier vorgestellten Fliesen reicht eine einfache Stichsäge für den maßgerechten Zuschnitt aus. Lediglich der Naturstein muss per Winkelschleifer in Form gebracht werden.

Nun hat es also auch die guten alten Fliesen erwischt. Nachdem edles Holzparkett schon lange nicht mehr nur auf dem Boden verklebt, sondern einfach ineinander geklickt wird, ist diese Technik mittlerweile auch bei den Fliesen angekommen. Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass es sich bei den meisten Produkten dieser Art um Fliesenimitate aus anderen Materialien handelt. Zur Zeit bietet nur ein Hersteller als Oberbelag einen echten Naturstein an und wird auch Fliesen aus Keramik, Metall, Glas und Holz mit Klicktechnik auf den Markt bringen.

Trockene Verlegung heißt bei Fliesen schwimmende Verlegung. Der Bodenbelag liegt also auf einer Trittschalldämmung und einer dampfbremsenden PE-Folie und hat keine feste Verbindung mit dem Unterboden. Genau der, also Estrich & Co., braucht allerdings die gleiche Zuwendung, als würde konventionell gefliest, denn auch die Neuen wollen auf möglichst ebenem und rissfreiem Terrain liegen. Einspachteln des Estrichs, gegebenenfalls per Ausgleichsmasse, ist also dringend angeraten.

Die Klickfliesen bieten für Sie als Selbermacher viele Vorteile: Sie müssen nichts mehr grundieren, keinen Kleber und Fugenmörtel anmischen und vor allem keine Trocknungszeiten mehr abwarten – Sie sparen also jede Menge Aufwand und vor allem Zeit. So viel Ersparnis hat natürlich ihren Preis: Die neue Fliesengeneration gibt’s erst ab etwa 60 Euro pro Quadratmeter.

Die Materialien der Klick-Fliesen im Detail

Holzwerkstoff: Der Parketthersteller Hamberger bleibt bei seinen Leisten und schickt eine Fliese aus hochdichten Holzfasern ins Rennen. Die patentierte Rezeptur sorgt dafür, dass „Celenio“ Feuchte wesentlich gelassener nimmt und auch im Bad verlegt werden kann. Die Platten sind (ohne Trittschalldämmung) 8 x 525 x 350 mm groß.

Gips/Resopal: Laminatähnlich ist der Aufbau von „Ceraclic“ mit drei Schichten aus einer X-Protect-Dekorschicht (von Resopal), dem Kern aus hoch dichter Gipsfaserplatte und der unterseitigen Trittschalldämmung. Die Oberfläche ist allerdings härter und widerstandsfähiger als beim Laminat. Maße: 300 x 600 x 15 mm.

Naturstein: Der ungewöhnlich vielschichtige Aufbau ist nötig, um echten Granit oder Marmor über unterseitig aufgeklebte Kunststoffteile sauber ineinander klicken zu können. Der Clou: Die Trittschalldämmung ist auch schon drin. Die „Quickstone“-Platten sind von 70 x 70 bis 385 x 385 mm groß und 15 mm dick.

Aus besonderem Holz geschnitzt

© SelbermachenAls Holz in seiner härtesten Form könnte man die „Celenio“-Fliesen bezeichnen. Genauer gesagt handelt es sich bei den 525 x 350 mm großen Platten um einen weiterentwickelten, homogenen Holzwerkstoff, der von beiden Seiten lackiert ist. Die Lackschicht auf der Unterseite dient dabei als eine Art Gegenzug, damit sich die Platten durch notwendigen Auftrag auf der Oberseite nicht verziehen.

Was kann Celenio?

Der Hersteller von „Celenio“ betont, dass seine Platten zwar nicht wasserdicht, aber trotzdem für die Verlegung im Feuchtraum geeignet sind. Der Werkstoff ist nämlich wesentlich unempfindlicher gegen Wasser als herkömmliche Faserplatten, vorausgesetzt, das Wasser steht nicht länger als ein paar Stunden auf der Oberfläche. Selbst im Schadensfall quillt das Holz kaum, es entstehen lediglich unschöne Verfärbungen. Wichtig ist beim Verlegen im Bad, dass Sie die Randfugen wasserdicht versiegeln, damit es unter dem Belag nicht zur Staunässe kommt.

© SelbermachenDie Oberflächenhärte ist bei „Celenio“ zwar enorm, reicht an die der keramischen oder Natursteinfliesen aber nicht heran. Die haushaltsüblichen Unfälle wie fliegende Untertassen steckt das Material aber locker weg. Größtes Plus: Der Belag ist ausgesprochen fußwarm. Wie bei Fertig parkett und Laminat auch, ist die Ausbreitung einer PE-Folie auf allen Estrichböden Pflicht. Eine Trittschalldämmung brauchen Sie ebenfalls, wobei es auch eine schon werkseitig ausgestattete „Celenio“ gibt.

Wie wird Celenio verarbeitet?

  1. Celenio zusammenstecken© Selbermachen

    Celenio zusammenstecken

    Die Platten werden im klassischen Sinne ineinander geklickt, wie Sie das auch vom Laminat her kennen: Längsseite schräg an die Feder ansetzen, einschwenken, Platte über die kurze Seite mit Hammer und Schlagklotz zusammentreiben.
  2. Celenio zuschneiden© Selbermachen

    Celenio zuschneiden

    Der Zuschnitt erfolgt mit der Stichsäge, wobei Sie von der Unterseite schneiden, damit die Sichtseite nicht ausfasert. Der Hersteller rät, mit dem Reststück der ersten Reihe die zweite zu beginnen, das heißt, Sie legen die Platten ohne Kreuzfuge. Das minimiert den Verschnitt, sieht aber je nach Versatz komisch aus. Tipp: Fangen Sie immer mit einer ganzen oder einer halben Platte an.
  3. Celenio zum Verkleben© Selbermachen

    Celenio zum Verkleben

    Übrigens: „Celenio“ gibt’s auch zum Verkleben, hier ist allerdings eindeutig der Profi gefragt.

Was kostet Celenio?

„Celenio“ mit aufkaschierter Trittschalldämmung kostet etwa 65 Euro/qm, ohne rund 60 Euro/qm.

Hart und in Sandwich-Bauweise

© SelbermachenIm Grunde ist „Ceraclic“ ähnlich aufgebaut wie ein Laminatboden, nämlich aus Deck- und Trägerschicht. Die Unterschiede stecken allerdings im Detail. So ist die Dekorauswahl genauso vielfältig, die Oberfläche aber um ein Vielfaches härter als beim Laminat („X-Protect- Platte“). Die Trägerschicht ist bei „Ceraclic“ eine hochdichte (und damit auch enorm schwere) Gipsfaserplatte (HGF). Auf den beim Laminat auf Grund der Holzanteile nötigen Gegenzug kann bei Gips verzichtet werden. Nicht so bei der Trittschalldämmung: Sie ist nötig, um die harte Gipsplatte vom harten Estrich zu entkoppeln und kleinere Uneben heiten im Unterboden auszugleichen.

Was kann Ceraclic?

„Ceraclic“ ist in seiner Oberfläche wasserdicht, die Fugen sind das auch, aber erst durch Verfugen mit einer speziellen Kunststoffmasse auf Elastomer-Basis. Die Badezimmer-Eignung ist also gegeben, wer die Platten in Flur oder Küche verlegt, kann auf die Plattenvariante mit bereits integrierter Fuge zurückgreifen und so einen kompletten Arbeitsgang sparen. Die Oberflächenhärte erreicht nicht ganz die der keramischen oder Natursteinfliesen, bei ungünstigen Unfällen kann die Oberfläche so stark beschädigt werden, dass der Gipskern blank liegt. Reparieren ist hier nicht möglich, wohl aber das Austauschen einzelner Elemente.

Ceraclic-Verarbeitung

  1. Ceraclic auswechseln© Selbermachen

    Ceraclic auswechseln

    Deren Verriegelung funktioniert durch eine in die Fuge integrierte Feder. Mit speziellem Werkzeug drücken Sie die zurück und heben die Elemente an. Machen Sie das ohne Werkzeug, beschädigen Sie die Platten, und sie sind nicht wieder verwendbar!
  2. Ceraclic zuschneiden© Selbermachen

    Ceraclic zuschneiden

    „Ceraclic“ können Sie mit der normalen Stich- oder Kreissäge auf Länge und Form schneiden, Sie benötigen noch nicht einmal besondere Sägeblätter. Sauberer wird der Schnitt, wenn Sie auf der Unterseite schneiden. Die Elemente werden wie bei „Celenio“ an der Längsseite ineinander geschwenkt und auf der kurzen Seite per Fäustel und Zulage zusammengetrieben.
  3. Ceraclic verfugen© Selbermachen

    Ceraclic verfugen

    Bei der Plattenvariante mit offener Fuge drücken Sie die Fugenmasse mit einem schmalen Spachtel ein.
  4. Ceraclic Schutzfolie abziehen© Selbermachen

    Ceraclic Schutzfolie abziehen

    Statt später die ganze Fläche mit Zementschleier-Entferner zu behandeln, ziehen Sie nach dem Trocknen einfach die Schutzfolien von den Platten.

Was kostet Ceraclic?

Beide Varianten, Ceraclic „structure“ (Selbstverfugen) und Ceraclic „style“ (integrierte Fuge) kosten 85 Euro/qm.

Die einzige echte Fliese

© SelbermachenWer nicht nur Steinoptik, sondern leibhaftige Steinplatten haben will, ist mit „Quick Stone“ gut bedient. Dem Hersteller ist es nämlich gelungen, echten Natursteinplatten aus Granit und Marmor das Klicken beizubringen. Natürlich geht das nicht mit dem harten Gestein selbst, sondern mit unterseitig aufkaschierten Kunststoffteilen, die eine sichere Klickverbindung und sogar auch die Trittschalldämmung übernehmen. Alle Materialien und die eingesetzten Kleber sind dabei so stabil, dass „Quick Stone“ nur zweilagig ist und völlig ohne Gegenzug oder Ähnliches auskommt.

Was kann Quick Stone?

© SelbermachenGranit ist Granit – ob man es klickt oder klebt. Insofern ist „Quick Stone“ auf der Oberfläche absolut unverwüstlich und natürlich wasserfest. Genau wie „Ceraclic“ gibt’s auch hier zwei Varianten, eine mit fertiger Gummifuge, eine zum Selbstverfugen. Letztere ist natürlich wasserdicht, Sie können den Belag bedenkenlos auch im Spritzwasserbereich des Bades einsetzen. Allerdings müssen Sie dann durch eine mit Silikon versiegelte Sockelleiste verhindern, dass Feuchtigkeit unter den Belag gelangt und dort zu Schimmel führt.

Wie wird Quick Stone verarbeitet?

  1. Quick Stone zuschneiden© Selbermachen

    Quick Stone zuschneiden

    Der wichtigste Unterschied zu den beiden Mitbewerbern ist die Tatsache, dass Sie zum Zuschneiden der Natursteinplatten keine Stichsäge, sondern eine Flex brauchen.
  2. Quick Stone Dehnungsfuge© Selbermachen

    Quick Stone Dehnungsfuge

    Das Zusammenstecken der einzelnen Platten ist überraschend einfach und durchaus auch von kräftiger Hand zu machen. Sollten Sie den Einsatz eines Hammers bevorzugen, so müssen Sie die Plattenstöße an den Dehnungsfugen hinterkeilen, damit sich die einzelnen Plattenreihen nicht verschieben. Die „Quick Stone“-Platten können Sie auf Grund der Klickgeometrie in der Kunststoffschicht mit Kreuzfuge oder im Halb- und Viertelverband verlegen.
  3. Quick Stone Unterseite© Selbermachen

    Quick Stone Unterseite

    Eine Trittschalldämmung unter den Steinen erübrigt sich, weil das Kunststoffgitter Platten und Fliesen auf Respektabstand hält. Durch punktuelles Aufbringen einer speziellen Acrylmasse können sogar Bodenunebenheirten von bis zu 5 mm ausgeglichen werden. Auf eine dampfsperrende PE- Folie dürfen Sie aber auf gar keinen Fall verzichten.

Was kostet Quick Stone?

Naturstein und Keramik haben auch in geklebter Version ihren Preis, so sind die knapp 60 bis 120 Euro/qm nicht wirklich überraschend.

Unser Fazit

Bei der Beurteilung neuer Werkstoffe und Verlegetechniken muss man zwischen Profis und Selbermachern unterscheiden. Die Profis werden von der trockenen Fliesenverlegung sicher am meisten profitieren, denn sie sparen gegenüber der vollflächigen Verklebung teure Arbeitszeit. Das tun Selbermacher natürlich auch, allerings schlägt sich das eher in den für die Renovierung notwendigen Urlaubstagen nieder als im Geldbeutel. Die Quadratmeterpreise der drei Kandidaten mögen auf den ersten Blick abschrecken, aber wenn Sie beispielsweise bei geklebten Natursteinplatten den Trasskleber, den Fugenmörtel und das ganze Handwerkzeug dazurechnen, sind sie nicht viel billiger. Handwerklich einfacher ist das Verlegen nicht wirklich geworden, denn das Schwierigste war und ist hier wie da die perfekte Untergrundvorbereitung.

Verlegt in 3 Minuten:

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