Holzdielen: Versiegeln, Ölen oder Wachsen | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Holzdielenböden

Holzdielen: Versiegeln, Ölen oder Wachsen

Ihr Holzdielenboden liegt Ihnen abgeschliffen zu Füßen – und jetzt? Einfach wieder neu versiegeln? Wir haben Alternativen!

 
Fast fertig mit dem Schleifen des Holzdielenbodens! © Chris Lambertsen
Fast fertig mit dem Schleifen des Holzdielenbodens!

Die Versiegelung mit einem Wasserlack hat sich in der Oberflächenbehandlung alter Dielenböden vor allem deshalb durchgesetzt, weil sie eher unaufwendig, sehr haltbar und preiswert ist. Aber sie ist beileibe nicht die einzige und vor allem nicht die schönste Möglichkeit, Ihrem Boden wieder neuen Glanz zu verleihen.

Mit verschiedenen Mitteln wie Laugen, Ölen und Wachsen sowie Kombinationen daraus können Sie die Dielen und ihre Maserung ganz einfach bleichen, färben, anfeuern, abdunkeln, aufhellen – kurz: sie zu neuem Leben erwecken. Ganz wichtig: Sie müssen die Produkte, vor allem Laugen und Öle, genau auf Ihre Holzart abstimmen, weil harte Hölzer wie Eiche anders reagieren als die weichen wie etwa Pitch Pine.

Für einige Produkte bieten die Händler spezielles Werkzeug (Laugenwischer, Spachtel) an, das Sie auch tatsächlich benutzen sollten. Nur so wird das Ergebnis wirklich optimal.

Entscheidend ist der richtige Schliff

Geräte© SelbermachenWährend bei versiegelten Böden eine normale Körnungsfolge von 40er-, 60er-, 100er-Schleifpapier zum Einsatz kommt, müssen Sie bei allen Böden, die gelaugt, geseift oder geölt werden, noch feiner werden.

Nach dem letzten 100er-Schleifgang mit der Walzen und der Randschleifmaschine (im Bild rechts und links außen) legen Sie dazu einfach ein 120er- oder sogar ein 150er-Schleifgitter unter die Einscheibenschleifmaschine (Mitte) und schleifen das Holz fein nach.

Das sollten Sie sehr gründlich tun und vor allem immer wieder zwischendurch den Boden absaugen. Die Ränder und Ecken schleifen Sie mit einem Deltaschleifer oder per Hand nach, ebenfalls in 120er-/150er-Körnung. Gerade bei den pigmentierten Ölen und Wachsen besteht bei einem zu groben Schliff die Gefahr, dass die Pigmente sich in die feinen Schleifspuren setzen und sie so erst richtig sichtbar machen.

Laugen und Seifen

Lauge auftragen© SelbermachenLaugen sind stark ätzende Flüssigkeiten, die die oberflächliche Holzstruktur auf chemischem Wege leicht verändern. Der Haupteffekt dabei ist, dass gerade das weiche Fichtenholz im Laufe der Zeit durch das Sonnelicht nicht mehr nachdunkelt oder die ebenso weiche Kiefer sich leicht rötlich (im Kernbereich) oder gelblich (im Splint) färbt.

Die Lauge wird auf das rohe, geschliffene Holz mit dem Laugenwischer satt aufgetragen (Bild links) und verteilt (unbedingt Gummihandschuhe tragen!). Oberfläche gereinigt© SelbermachenGanz wichtig ist, dass Sie dabei die Lauge durch ständiges Aufrühren homogen halten, sonst setzen sich einige Bestandteile auf dem Boden des Gebindes ab.

Nach etwa zwei Stunden Trocknungszeit entsteht eine leicht weißliche Färbung auf dem Holz (Bild rechts). Boden schleifen© SelbermachenDie Oberfläche müssen Sie dann entweder mit einem Grundreiniger und viel Wasser gründlich abwaschen oder mit dem 150er-Schleifpad unter der Einscheibenschleifmaschine (Bild links) von den Rückständen befreien.

Achtung: Laugen werden nach dem „Einsatzgebiet“ auf Weich- und Hartholz unterschieden. So gibt es eine so genannte Weichholzlauge für Fichte, Kiefer und Pitch Pine und eine Meisterlauge (früher Hartholzlauge) für die harten Jungs wie etwa die Eiche. Verwechseln Sie die Laugenarten, kann das Holz fleckig und die Maserung sehr unschön betont werden!

Das Laugen ist immer nur eine Vorbereitung für die eigentliche, darauf folgende Oberflächenbehandlung. Klassischerweise, vor allem in den skandinavischen Ländern, werden gelaugte Böden anschließend geseift. Diese Holzbodenseifen enthalten hauptsächlich geruchsneutrales Soja- und Kokosfett und fetten das Holz von innen.

Folge: Die Holzoberfläche wird geschmeidig, schmutz- und flüssigkeitsabweisend. Die Seife wird einfach ins Wischwasser gegeben und mit dem Mop aufgetragen. Nach dem Trocknen sollten Sie das Ganze mindestens drei- bis viermal wiederholen. Die Seife gehört dann fortan zu jeder normalen Bodenreinigung ins Wasser, um das Holz weiter geschmeidig zu halten.

Ölen

Das Ölen ist nach dem Lackieren die meistverbreitete Oberflächenbehandlung von Dielenböden. Öle sind nicht so hart wie Lacke, allerdings wird durch sie die natürliche Holzmaserung betont, die Haptik ist weicher und angenehmer.

Manuell geölte Holzböden sind zudem partiell ausschleifbar, was bei versiegelten Böden und bei maschinell geölten und UV-gehärtete Mehrschicht- und Massivparketten nicht geht. Die Verarbeitung von Natur- oder pigmentierten Ölen ist aufwendiger als das Versiegeln. Zunächst tragen Sie das Öl mit einer langflorigen Walze gleichmäßig auf den Boden auf.

Nach etwa 30 Minuten ziehen Sie den Überschuss mit dem Wischer ab und massieren das Öl mit der Einscheibenschleifmaschine und einem Schleifpad gründlich ein. Nach sechs Stunden Trocknungszeit polieren Sie die Fläche mit einem feinen Pad nach, bis ein gleichmäßiger matter Glanz entsteht. Weiß pigmentiertes Öl wird gerne nach dem Laugen eingesetzt, um dem Holz eine helle, leicht weißliche Oberfläche zu verleihen. Dunkle Öle hingegen können Sie ohne Vorbehandlung des Holzes verarbeiten.

Wachsen

Wachse sind wie die Öle auch ein natürliches Produkt, das durch allerlei Zusätze für die Oberflächenbehandlung von Holzböden brauchbar gemacht wird. Im Gegensatz zum Öl dringen die Wachse nicht sehr tief ins Holz ein, sie bilden aber keinen Oberflächenfilm wie beispielsweise die Lacke.

Eine gewachste Oberfläche bleibt also immer atmungsaktiv. Die im Handel befindlichen so genannten Dekorwachse sind Wachs-Öl-Gemische, die Sie genau wie Öl auf die Holzfläche auftragen und einmassieren. Bei den farblosen Dekorwachsen genügt ein zweimaliger Auftrag.

Die farbigen Dekorwachse hingegen benötigen ein schützendes Finish, weil die nicht ins Holz eindringenden Pigmente durch das Begehen wieder gelöst werden und so unschöne Laufstraßen auf dem Dielenboden entstehen. Dieses Finish nehmen Sie ganz einfach mit einem farblosen Hartwachsöl vor, das Sie auftragen und einmassieren.

So bleiben die Farben der Dekorwachse lange frisch. In der Auswahl an Farben sind sie bei den Wachsen eher eingeschränkt.

Wichtig: Je mehr Wachsschichten Sie auf den Boden aufbringen, desto intensiver wird die Färbung. Der Nachteil ist dann allerdings, dass die natürliche Holzmaserung mehr und mehr verlorengeht. Als ideales Werkzeug zum Verteilen von Wachsen und Ölen hat sich übrigens der Profi-Spachtel herauskristallisiert.

Lackieren

Boden bearbeiten© SelbermachenEinen frisch geschliffenen Holzdielenboden farbig zu lackieren, ist fast schon eine Sünde. Denn zu den Eigenheiten der Lacke zählt es, dass sie schichtbildend sind und auf diese Art die Holzmaserung komplett zudecken. Wenn Sie trotzdem gerne mit kräftigen Farben auf dem Boden liebäugeln, können Sie auch nur Teilflächen lackieren, quasi einen Teppich aufmalen.

Wie alle lackierten Flächen, so braucht auch der Dielenboden nach der gründlichen Reinigung (Bild links oben) eine Grundierung. Die ist leicht elastisch eingestellt und verhindert so Abrissfugen in der Lackoberfläche durch die so genannte Seitenverleimung der Dielen. Weil es immer noch keine farbigen Fußbodenlacke gibt, müssen Sie in mehreren Schichten arbeiten.

Acryllack auftragen© SelbermachenZunächst folgt die Farbgebung mit einem Acryllack (Bild rechts), den Sie mit der kurzflorigen Rolle auftragen. Es folgen, bei Bedarf, die Ornamente und Muster (Bild links unten). Auf dem getrockneten Grundlack können Sie ohne Bedenken Krepp- oder besser Lackband zum Abkleben verwenden. Ganz zum Schluss, wenn alles getrocknet ist, muss ein zweimaliger Auftrag eines Siegellacks erfolgen.

Nur die sind nämlich in der Oberfläche ausreichend hart, um dem täglichen Abrieb auf Dauer zu widerstehen. Rand malen© SelbermachenEine weitere gute Möglichkeit, die Farbigkeit geölter oder gewachster Holzböden mit der Oberflächenhärte von versiegelten zu kombinieren, ist der Einsatz eines Öl-Lacks. Der haftet nämlich auch auf allen geölten und gewachsten Böden, bei denen ein normaler Wasserlack nicht halten würde.

Voraussetzung ist allerdings, dass Sie die gewachsten/geölten Dielen noch einmal mit einem 150er-Schleifgitter anschleifen. Der Lack wird zunächst an den Rändern, dann auf der Fläche aufgetragen, ist nach sechs Stunden begehbar und nach sieben Tagen voll durchgehärtet. Der Öl-Lack ist übrigens auch zum Nachversiegeln von zuvor schon einmal versiegelten Böden gut geeignet. Auch hier müssen Sie die Fläche anschleifen.

Siegellack auftragen© SelbermachenErst der Siegellack macht die lackierte Oberfläche abriebfest. Wir empfehlen einen mindestens zweimaligen Auftrag mit der kurzflorigen Rolle und einem 150er Zwischenschliff.

Fotos: Chris Lambertsen, Christian Bodes, Barth, Osmo

Artikel aus selber machen Ausgabe 06/2011. Jetzt abonnieren!
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