Führerschein für Motorsägen | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Garten, Sägen

Führerschein für Motorsägen

Wer sein Feuerholz aus dem Wald holen will, braucht den "Motorsägen-Führerschein", sonst gibt es keine Erlaubnis vom Förster. Wir haben einen Lehrgang für den sicheren Umgang mit der Motorkettensäge besucht.

 
Ein angeleiteter Motorsägen-Kurs im Wald © Selbermachen
Ein angeleiteter Motorsägen-Kurs im Wald

Selber werben: mit dem Führerschein für Motorsägen machbar

Das Kreischen der Motorsägen übertönt jedes Geräusch des Waldes. Die Strahlen der Herbstsonne brechen durch die Kronen der mächtigen Buchen. Es riecht nach Sägekettenöl und frischen Holzspänen. Ein Dutzend Männer stehen um eine gerade gefällte Buche herum und fachsimpeln über den Waldbart und die Fallkerbsohle.

Forstwirtschaftsmeister Marcus Stechbarth und seine Kollegen zeigen ihren Gästen beim Motorkettensäge-Kurs, wie man Brennholz sicher selber machen kann. Mit der Bescheinigung in der Tasche geht es für die "Selbstwerber" dann künftig auf eigene Faust in den Wald. „Ich arbeite schon fünf oder sechs Jahre mit der Kettensäge“, berichtet Iwer Lasson. Bislang ist er immer mit einem Freund losgezogen, um Brennholz zu machen. Künftig darf er es auch allein.

„Ich erhoffe mir von diesem Kurs auch ein paar gute Tipps der Profis im Umgang mit der Kettensäge“,sagt er. Nichts leichter als das. Stechbarth und seine Kollegen kümmern sich um einige Hundert Hektar Wald. Wie man Bäume umlegt und zerkleinert, damit kennen sie sich aus.

Im Wald dürfen nur geschulte Experten sägen

Weil es immer wieder schwere Unfälle unter Selbstwerbern gegeben hat, darf heute niemand mehr in den Wald, der nicht den Sicherheitskurs besucht hat. Morgens früh um acht treffen sich die Männer in einer urigen Gastwirtschaft. Theorieunterricht. „Das ist zwar nicht sehr spannend, aber es muss sein. Die Theorie bildet den Grundstock für die Praxis“, erklärt Stechbarth.

Aufmerksam hören ihm seine Schüler zu. Die meisten von ihnen haben seit Jahrzehnten nicht mehr die Schulbank gedrückt. Brennholz selber machen scheint etwas für die reifere Generation zu sein, die die heimelige Wärme eines Kamins oder Ofens zu schätzen weiß. „Wer zum Brennholz machen startet, der muss einige Grundlagen erfüllen. Die persönliche Schutzkleidung muss stimmen. Schnittschutzhose und -schuhe, ein Helm mit Visier und Gehörschutz sind die Mindestanforderung“, weiß Stechbarth.

Kettensäge © Selbermachen „Dass die Technik einwandfrei sein sollte, versteht sich selbstredend“, unterstreicht der Forstwirtschaftsmeister. Die Kursteilnehmer erfahren, dass sie möglichst nah an der Säge sein sollen, dass der Drei-Meter-Umkreis während des Sägens für andere Menschen als Gefahrenzone gilt und dass beim Fällen von Bäumen die doppelte Baumlänge als Sicherheitszone eingehalten werden muss.

Und: Nasse Äste oder Stolperfallen unter Schnee machen das Arbeiten im Wald zusätzlich gefährlich. Mit einem blauen Filzschreiber in der Hand markiert Stechbarth die Spitze des Schwerts seiner Kettensäge. „Niemals mit der Spitze schneiden. Wenn die Säge dabei hochschlägt, endet es ganz, ganz böse“, warnt er seine Zuhörer.

„Auch wenn wir es mit fünf Grad minus angenehm haben, es trocken und sonnig ist und man beinahe in einen Arbeitswahn verfällt, darf die Aufmerksamkeit nicht leiden“, betont Stechbarth. Das gilt auch für das Umfeld. Äste, die durch die Fällung an umstehenden Bäumen abgebrochen werden, können herabstürzen. „Deshalb gilt: Blick immer auch nach oben."

Übung macht den Meister - vorm Fällen steht richtiges Sägen

Kettensägen-Ausrüstung© Selbermachen Nach der Mittagspause geht es endlich raus an die eben noch frische Luft, die innerhalb von Minuten mit dem typischen Geruch des Benzingemischs erfüllt ist. „Galgen sägen“ steht an: An einem gut einen Meter hohen Baumstumpf müssen die Teilnehmer zeigen, dass sie Fallkerbsohle und -dach richtig anbringen können.

Die Grundlage für eine gelungene Fällung im Zusammenspie lmit dem Fällschnitt. Danach werden die ersten Buchen umgelegt. „Waldarbeiter gehen nie allein in den Wald, das sollten auch Selbstwerber beherzigen“, weist Marcus Stechbarth seine Schüler an. Wenn trotz aller Vorsicht ein Unglück passiert, kann der Kollege immer noch Hilfe herbeirufen.

Selber Fällen ist die Ausnahme, meist sägt man liegendes Holz

In den meisten Fällen teilen die Förster den Selbstwerbern liegende Stämme zu, die komplett verkauft wurden. In Ausnahmefällen können Selbstwerber aber auch kleinere Bäume selbst fällen. „Zug- und Druckkräfte in den Stämmen sind dabei immer eine besondere Herausforderung“, sagt Stechbarth.

Deshalb vermittelt er seinen Schülern im Praxisteil die entsprechenden Fähigkeiten. Mit großer Aufmerksamkeit „spricht er die Bäume an“, begutachtet also, wie das Holz steht oder liegt und wie es ideal zerkleinert werden könnte.„Obwohl ich schon einige Jahre mit der Motorsäge hantiere, habe ich hier heute viele gute und nützliche Dinge für mich lernen können“, zieht Iwer Lasson nach dem achtstündigen Kurs eine persönliche Bilanz. Etwa zehn Festmeter Holz verfeuert er pro Jahr in seinem Kamin. „Die Arbeit im Wald macht mir großen Spaß, umso schöner, dass ich mich künftig noch sicherer fühlen kann, weil ich weiß, worauf ich achten muss.“

Motorsägen-Führerschein - Step-by-Step

  1. Der TheorieunterrichtDer Theorieunterricht© Selbermachen

    Der Theorieunterricht

    Der Theorieunterricht kommt beim Lehrgang zum sicheren Umgang mit der Motorkettensäge vor den praktischen Übungen.
  2. Sägeschnitte am Trainingsstamm Sägeschnitte am Trainingsstamm © Selbermachen

    Sägeschnitte am Trainingsstamm

    Der Anleiter Marcus Stechbarth (links) schautzu, wie Iwer Lasson seine ersten Sägeschnitte am Trainingsstamm absolviert.
  3. Das „Ansprechen“ eines zu fällenden BaumsDas „Ansprechen“ eines zu fällenden Baums© Selbermachen

    Das „Ansprechen“ eines zu fällenden Baums

    Vorm Sägen zeigt Marcus Stechbarth das „Ansprechen“ eines zu fällenden Baums, um zuschauen, wie er optimal umgelegt werden kann.
  4. Wurzelansätze am Boden kappenWurzelansätze am Boden kappen© Selbermachen

    Wurzelansätze am Boden kappen

    Erst werden die Wurzelansätze am Boden gekappt, dann die Schnitte für die eigentlicheFällung angebracht.
  5. Bruch- und Fallrichtung durch Fallkerb und FällschnittBruch- und Fallrichtung durch Fallkerb und Fällschnitt© Selbermachen

    Bruch- und Fallrichtung durch Fallkerb und Fällschnitt

    Die stehen gebliebenen Holzfasern an diesem Stamm zeigen die Bruch- und Fallrichtung durch Fallkerb und Fällschnitt.
  6. Dünne Bäume mit einem Fällschnitt fällen Dünne Bäume mit einem Fällschnitt fällen © Selbermachen

    Dünne Bäume mit einem Fällschnitt fällen

    Dünne Bäume fällen Profis nur mit einem Fällschnitt und bringen dann mithilfe eines Fällhebersden Baum zum Kippen.
  7. Mit einem Fällheber den Stamm drehenMit einem Fällheber den Stamm drehen© Selbermachen

    Mit einem Fällheber den Stamm drehen

    Mit einem Fällheber dreht Marcus Stechbartheinen Stamm, der sich beim Fällen in der Krone eines anderen Baums verfangen hat, sodass er schließlich gefahrlos auf den Boden fällt.
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