Brunnen bauen | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Brunnen

Brunnen bauen

In Zeiten hoher Wasserpreise ist ein eigener Brunnen im Garten ein echter Wirtschaftsfaktor. Aber leider kommt nicht jeder vor der eigenen Tür bis ans Grundwasser. Wir zeigen, welche Böden besonders für das Brunnenbohren geeignet sind und wie Sie anderen das Wasser abgraben.

 
Brunnenloch bohren © Chris Lambertsen
Brunnenloch bohren

© SelbermachenDas lebenswichtige Wasser kann auf drei verschiedene Arten den Weg zu Ihren geliebten Gartenpflanzen finden: von oben, von unten und aus der Leitung. Auf „oben“, sprich den Regen, haben Sie erfahrungsgemäß leider keinen Einfluss, Sie können lediglich das manchmal anfallende Regenwasser in Tonnen oder Zisternen sammeln.

Das Wasser aus der Leitung ist teuer, biologisch eigentlich viel zu sauber und oft nur über meterlange Schläuche und Anschlüsse dorthin zu bringen, wo es gebraucht wird. Das Wasser von unten, also aus der Erde, ist hingegen eine vielfach ungenutzte Möglichkeit, Wasserstellen genau dort einzurichten, wo es am günstigsten ist.

Und das Beste: Das Nass ist ständig verfügbar und kostet nichts! Das Brunnenbohren selbst allerdings kostet Schweiß: Auch wenn eine Schwengelpumpe aus höchstens 7m Tiefe Wasser fördern kann – ein Rohr so tief in den Boden zu rammen, ist eine echte Herausforderung. Bleibt die Frage: Woher wissen Sie, ob Sie in Ihrem Garten bis an den Grundwasserspiegel heranreichen, und wo genau setzen Sie im Garten Ihre Bohrung? Die Erlaubnis Ihrer Kommune vorausgesetzt, haben Sie drei Möglichkeiten, um das herauszufinden.

Die Sicherste: Sie wenden sich an den örtlichen Wasserversorger, der in der Regel ein großzügiges Grundwasserpegelnetz hat und erkundigen sich dort nach der nötigen Bohrtiefe. Oder Sie fragen in der Nachbarschaft nach vielleicht bestehenden Brunnen und den Erfahrungen der Besitzer. Oder – einfach, aber höchst unsicher – Sie bohren drauflos!

Für die einfachen Brunnenarten benötigen Sie einige Spezialwerkzeuge und natürlich Zubehör, das Sie im Gartenfachmarkt kaufen oder günstig mieten können. Für die aufwendigeren Brunnen müssen Sie etwas tiefer in die Tasche greifen und eventuell einen Fachmann zu Hilfe holen.

Welche Möglichkeiten bietet ein Brunnen?

© SelbermachenDas selbstgeförderte Wasser ist selbstverständlich nicht zum Trinken geeignet, aber für viele andere angenehme Sachen. So bietet eine Schwengelpumpe oder eine selbstgebaute Zapfstelle auch im trockensten Sommer genügend Nass für Ihre empfindlichen Pflanzen oder für Ihre überhitzten Kinder.Für Duschen oder auch Rasensprenganlagen müssen Sie zwischen den Brunnenanschluss und dem Endgerät eine Förderpumpe installieren, die das Wasser aus der Tiefe des Brunnens herausholt.

Die Rammspitze

© SelbermachenIn der Spitze des Rammfilters, den Sie in die Erde schlagen, befinden sich Löcher, durch die das Wasser ins Rohrinnere gelangt. Auf dem Weg dorthin durchläuft es noch ein eingebautes Sieb. Da sich dieses Sieb mit der Zeit mit Schmutz zusetzt, sind die Rammbrunnen zeitlich nur ein paar Jahre nutzbar. Danach müssen Sie ein neues Rohr einschlagen und können wieder fröhlich etwas pumpen.

Anleitung: Brunnensorten

  1. Spülbrunnen© Tillman Straszburger

    Spülbrunnen

    Beim Rammbrunnen treiben Sie ein verzinktes Stahlrohr per Vorschlaghammer oder Ramme ins Erdreich ein, bis Sie am Grundwasserspiegel ankommen. Die 1 m langen Rohre müssen Sie dabei mit Koppelmuttern verlängern (Hanf ans Gewinde!). Am ersten Rohr befindet sich nicht nur die Spitze, sondern auch der Rammfilter. Durch größere Löcher in der Spitze und durch ein eingesetztes Sieb gelangt das so gefilterte Wasser ins Rohrinnere und wird über eine schmale Tauchpumpe nach oben befördert. Um besser ins Erdreich vorzudringen, kann die Rohrspitze auch mit sehr hohem Wasserdruck umspült und die Erde so erweicht werden (linke Grafik oben). Das geht aber nur mit professionellem Gerät, keinesfalls mit dem Gartenschlauch.
  2. Rammbrunnen© T. Straszburger

    Rammbrunnen

    Am Austritt des Rammfilters können Sie entweder gleich eine Schwengelpumpe oder eine Zapfstelle installieren, oder Sie können ihn quasi einmauern. Ein solches „Bauwerk“ heißt dann Brunnenstube. Diese gute Stube bietet den Vorteil, dass Sie sämtliches elektrische Gerät wie die Pumpe und alle Anschlüsse sauber und vor Wind und Wetter geschützt verstauen können. Der Nachteil: Sie ist ein großes Stück Beton im Garten. Brunnenstuben können Sie mauern oder aber, was einfacher und unaufwendiger geht, mit Betonringen und einem -deckel setzen. Tipp: Wenn Sie die Stube zuerst ausheben und bauen, haben Sie einen bequemen und vor allem schon tiefergelegten Platz zum Bohren oder Rammen.
  3. © T. Straszburger

    Der Schachtbrunnen ist die aufwendigste Art, einen Brunnen zu bauen. Das liegt zum Einen am großen Bohrlochdurchmesser und zum Anderen am mühsamen Einbau der Betonringe. Ohne schweres Gerät zum Ausheben und Einlassen geht hier gar nichts. Schachtbrunnen haben zudem den Nachteil, dass aufgrund der geringen Wasserstandshöhe das Wasser je nach Saison knapp werden kann. Er lohnt sich eigentlich nur dort, wo der Grundwasserpegel relativ dicht unterhalb der Erdoberfläche liegt. Achtung: Beim Bau des Schachtes besteht Erstickungsgefahr!
  4. Bohrbrunnen© T. Straszburger

    Bohrbrunnen

    Beim Bohrbrunnen bohren Sie ein Loch bis zum Grundwasser. Der Lochdurchmesser richtet sich nach dem Bohrrohr, dass Sie einsetzen wollen. Bis zu Tiefen von etwa 7 m reicht ein 115 mm starkes KG-Rohr, das Sie ins Loch einschieben. Wichtig: Das Bohrrohr müssen Sie später wieder entfernen, deshalb dürfen Sie es nicht verlängern ( 7 m ist die maximal erhältliche Rohrlänge). Das Wichtigste ist jedoch das Filterrohr aus PCV. Diese Rohre sind hellblau eingefärbt, enthalten keine PVCüblichen Weichmacher und können über ein Gewinde beliebig verlängert werden. An unterster Stelle sitzt das eigentliche Filterrohr, durch das das Wasser einströmt. Per Pumpe wird es dann nach oben befördert.

Anleitung:Brunneneinbau

  1. Bohrwerkzeug eindrehen© Chris Lambertsen

    Bohrwerkzeug eindrehen

    An der ausgewählten Stelle fangen Sie an, das Bohrwerkzeug in die Erde einzudrehen. Zwischendurch ziehen Sie die Schnecke immer wieder heraus, um die Erde auszuheben.
  2. Erdbohrer verlängern© Chris Lambertsen

    Erdbohrer verlängern

    Den Erdbohrer können Sie meterweise verlängern. Dazu entfernen Sie die Schraube des T-Stücks, schrauben die nächste Verlängerungsstange fest und fixieren das T-Stück dann daran.
  3. Rohr einschlagen© Chris Lambertsen

    Rohr einschlagen

    Je nach Erdbeschaffenheit ist es sinnvoll, ab einer bestimmten Tiefe per Rammfilter weiterzuarbeiten. Das verlängerte Rohr ins Loch stecken, Schlagmuffe aufsetzen und weiter einschlagen.
  4. Rohre gut verbinden© Chris Lambertsen

    Rohre gut verbinden

    Da die Rammrohre in der Erde verbleiben, müssen sie dicht miteinander verbunden werden. Drehen Sie dazu eine Koppelmutter auf beide Gewinde auf. Wichtig: Vorher Hanf oder Teflonband gegenläufig zum Gewinde aufwickeln.
  5. Ventil aufdrehen© Chris Lambertsen

    Ventil aufdrehen

    Ist die Tiefe erreicht, drehen Sie ein Ventil und ein Schraubgewinde auf das letzte Rohr. Über das Ventil entleeren Sie das Rohr im Herbst und verhindern so, dass das Rohr durch Frost platzt.
  6. Schwengelpumpe aufsetzen© Chris Lambertsen

    Schwengelpumpe aufsetzen

    Schlagen Sie das Rohr genau so weit ein, dass das Oberteil der Schwengelpumpe höhenmäßig genau auf das letzte Gewindestück passt.
Artikel aus selber machen Ausgabe 04/2012. Jetzt abonnieren!
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