Bohrmaschine

Bohrmaschinen im Test

Schlagbohrmaschinen gehören in jeden Haushalt - sie bohren in Wänden, aber auch in Holz und Metall. Wir haben zehn Maschinen mit Zweiganggetriebe ausführlich getestet.

 
Zweigang-Schlagbohrmaschinen © Selbermachen
Zweigang-Schlagbohrmaschinen

Vergissmeinnicht: Auch im Zeitalter von Akkuschrauber und Bohrhammer haben netzbetriebene Schlagbohrmaschinen ihre Berechtigung. Sie sind die Allround-Maschinen zum Bohren und Schrauben. Nur wenn’s in Beton geht, sind sie Bohrhämmern deutlich unterlegen. Beim Bohren in andere Wandbaustoffe ist der Unterschied gering. In Holz und Metall ist die preiswertere Schlagbohrmaschine ohnehin die bessere Lösung als ein teurer Kombihammer mit auswechselbarem Bohrfutter.

Anwender, die nicht nur gelegentlich mal ein Loch in die Wand bohren, sind mit den etwas teureren Zweigang-Schlagbohrmaschinen am besten bedient. Die meisten Hersteller bieten Schlagbohrmaschinen mit Zweiganggetriebe ab etwa 700 Watt Aufnahmeleistung an. Nur bei Black&Decker und Einhell beginnt die Zweigang-Klasse erst bei 1100 Watt.

Alle Geräte werden mit Zusatzhandgriff und Bohrtiefenanschlag geliefert. Unterschiede gibt es jedoch im Detail. Vorteilhaft ist es, wenn sich der Bohrtiefenanschlag wie bei der Bosch, unabhängig vom Zusatzhandgriff verstellen lässt und mit einer deutlichen Skala gekennzeichnet ist. Ausgerechnet die kleinste Maschine, die Hitachi DV20VB2S, hat übrigens den längsten Zusatzhandgriff.

Um die beim Schlagbohren zwangsläufigen Vibrationen zu dämpfen, sind die meisten Modelle mit einem Softgriff ausgestattet. Nur AEG und Kress verzichten auf diese Gummierung der Handgriffe. Dennoch sind sie relativ vibrationsarm.

Von der Bauweise fällt die AEG-Ergomax aus dem Rahmen. Sie ist ähnlich wie große Bohrhämmer in Winkelbauweise mit nach unten hängendem Motor konstruiert. Der besondere Gag ist der abnehmbare Handgriff. Ohne diesen kann die Maschine an dem etwas dick geratenen Motor wie ein Akkuschrauber mit Mittelhandgriff geführt werden. Dies ermöglicht vor allem auch zusammen mit der Bitdirektaufnahme in der Bohrspindel Arbeiten bei sehr beengten Platzverhältnissen. Zum Schlagbohren ist aber sicherlich die Bedienung am normalen Handgriff die bessere Lösung, weil nur so die erforderliche Andruckkraft optimal angewandt werden kann.

Mit Ausnahme von AEG und DeWalt sind die Testkandidaten mit einer Elektronik mit Drehzahlvorwahl ausgestattet. Das Stellrädchen dafür befindet sich unsinnigerweise direkt im Schalter und kann während des Betriebes nicht verstellt werden. Die Maschinen von AEG und DeWalt haben nur einen „Gas“ - schalter, bei dem sich die Maximaldrehzahl nicht vorgeben lässt.

Die Schalter für das Zweiganggetriebe befinden sich bei den meisten Maschinen an der linken Seite. Bei DeWalt und Makita muss der Anwender sie an der Unterseite der Maschine suchen. Der Schalter fürs Schlagwerk ist meist oben auf dem Gehäuse platziert. Vor allem beim Einsatz im Bohrständer benutzt man die Arretierung für den Netzschalter. Es ist deshalb hilfreich, wenn er so eingebaut ist, dass er nicht aus Versehen eingedrückt werden kann.

Auch die Länge des Netzkabels gehört zum Thema Ergonomie. Ärgerlich ist es, wenn die Hersteller die letzten Cents hier sparen wollen und Schlagbohrmaschinen mit Kabeln ausstatten, die noch nicht einmal vom Fußboden bis zur Decke reichen. Ideal wäre ein Netzkabel mit 4 bis 5 m Länge, wie es bei AEG, DeWalt und Protool zu erhalten ist. Netzkabel mit weniger als 3m Länge sind eigentlich nicht praxisgerecht für eine Schlagbohrmaschine. Dennoch werden Sie bei Bosch, Hitachi, Kress, Makita und Metabo verbaut.

Beim Bohren in Mauerwerk (Kalksandstein) zeigten sich alle Testgeräte von ihrer besten Seite. Die Leistungsunterschiede waren vor allem bei den üblichen Dübelbohrungen sehr gering. Anders war es in Beton. Hier unterschieden sich die Bohrleistungen der einzelnen Modelle schon bei 6-mm-Bohrungen deutlich. Mit größerwerdendem Bohrerdurchmesser trennte sich die Spreu vom Weizen immer mehr. In allen Disziplinen überraschte die kleinste und handlichste Maschine, die Hitachi DV 20 VB2S, mit durchweg sehr guten Bohrleistungen. Bis 10-mm- Bohrungen konnte die Kress SBLR 2480 den zweiten Platz halten, fiel dann aber hinter die Modelle von DeWalt, Makita und Metabo zurück.

Dass Motorleistung allein nicht das Geheimnis für einen hohen Bohrfortschritt beim Schlagbohren ist, zeigten die 1100- Watt-Maschinen von Black & Decker und Einhell. Sie konnten sich nur im unteren Mittelfeld platzieren. Weniger zufrieden waren wir mit der Bosch PSB 700-2 RE mit 700 Watt. Die kleine, handliche Schlagbohrmaschine bohrte ordentlich in Mauerwerk, aber setzte beim Bohren in Beton die Andruckkraft mehr in lästige Vibrationen als in Bohrfortschritt um.

Beim Bohren mit dicken Bohrerdurchmessern in Holz und Metall zählt die Durchzugskraft des Motors. In Kombination mit dem Zweiganggetriebe haben alle Maschinen reichlich Kraft für die üblichen Anwendungen. Selbst dicke Schrauben und lange Schlangenbohrer lassen sich mit den Testgeräten proplemlos benutzen. Bei einigen Maschinen begrenzt eine Sicherheitsrutschkupplung das hohe Drehmoment, wenn der Bohrer plötzlich blockiert, weil er zum Beispiel in einem Armierungseisen verklemmt. Dies schützt nicht nur den Anwender, sondern auch die Maschine. Unverständlich ist es jedoch, das ausgerechnet bei den besonders kräftigen 1100-Watt-Maschinen von Black & Decker und von Einhell eine solche Sicherheitskupplung fehlt.

Nicht nur zum Bohren in die Wand: Schlagbohrmaschinen werden längst nicht nur für Bohrungen in Wandbaustoffe eingesetzt. Als universelle Bohrmaschinen eignen sie sich auch für Holz, Kunststoffe und Metall. Diese Werkstoffe werden jedoch ohne Schlag gebohrt. Bei kleinen Serienarbeiten und wenn hohe Präzision verlangt wird, empfielt es sich, einen Bohrständer einzusetzen.

Wann lohnt sich eine Zweigangmaschine?

Wer seine Schlagbohrmaschine nur ein- bis zweimal im Jahr zum Bohren von ein paar Dübellöchern in die Wand einsetzen will, für den genügt in der Regel schon eine preiswerte Schlagbohrmaschine mit einem Gang und elektronischer Drehzahlvorwahl. Soll die Schlagbohrmaschine aber als universelle Bohrmaschine für viele Bohrarbeiten im Haus dienen, macht sich die teurere Maschine schnell bezahlt.

Durch das mechanische Getriebe haben Zweigangmaschinen im niedrigen Gang ein höheres Drehmoment. Dies ermöglicht nicht nur kräftigeres Schrauben, sondern erleichtert auch das Bohren mit großen Durchmessern. Wenn Sie öfter Forstner- oder Schlangenbohrer in Holz einsetzen oder mit Bohrkronen in die Wand bohren wollen, zahlt sich die höhere Kraft schnell aus. Das Gleiche gilt natürlich auch beim Bohren mit großen Durchmessern in Metall. Hier sollte die Schlagbohrmaschine möglichst in einem Bohrständer betrieben werden.

Auch wenn die Schlagbohrmaschine als Antrieb für ein Vorsatzgerät, zum Beispiel eine Pumpe oder eine preiswerte Drechseleinrichtung genutzt werden soll, sollte man bevorzugt eine Zweigangmaschine wählen, um die Drehzahl besser den Erfordernissen anpassen zu können.

Artikel aus selber machen Ausgabe 01/2010. Jetzt abonnieren!
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