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Richtig kleben - so gehts...

Klebetechniken 2

Für erfolgreiche Klebeverbindungen ist neben der Wahl des richtigen Klebstoffs auch die Art der Verklebe-Technik ein entscheidender Faktor.
 

 
Richtig kleben - so gehts... © selbermachen
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Eine Verklebung ist die feste Verbindung zweier gleicher oder unterschiedlicher Materialien mittels einer dritten — des Klebstoffs. So oder ähnlich steht es im Lexikon. Aber was heißt das genau? Zunächst einmal muss man unterscheiden zwischen physikalisch abbindenden Klebern, die durch Trocknung aushärten, und chemisch abbindenden Klebern, sogenannten Reaktionsklebern, wie zum Beispiel 2-K-Kleber (Zwei-Komponenten-Kleber). Physikalisch abbindende Kleber sind beispielsweise wassergelöste Dispersionskleber und sogenannte lösemittelhaltige Kleber. Bei dieser Art muss der Kleber immer die Möglichkeit haben, seine flüchtigen Stoffe an die Luft abzugeben. Das bedeutet, dass mit einem solchen Kleber zum Beispiel Metall mit Metall schlecht verklebt werden kann. Fazit: Unterschiedliche Gegebenheiten bedingen entsprechende unterschiedliche Kleber sowie spezielle Klebetechniken.
 


Fixierhilfen: Zurr- oder Spanngurt, Gehrungsklammern und -zange, Leimzange, Wäscheklammer, Leim- oder Schraubzwinge und verschiedenartige Klebebänder. Sie halten die Teile, die verklebt werden sollen, fest zusammen, bis der Kleber ausgehärtet ist.


Reinigungsmittel: Gegen groben Schmutz, abblätternde Farbreste und Rost helfen Drahtbürste und Stahlwolle, gegen Fett- und Ölspuren Nitro-Verdünnung und Aceton.
 


Auftragewerkzeug: Kontaktkleber trägt man mit Zahnspachtel aus Metall oder Kunststoffflächig auf von, Holzleim mit Pinseln in verschiedenen Größen.
 
 
Adhäsion und Kohäsion
 

Diese Begriffe tauchen immer auf, wenn es um Verklebungen geht: Adhäsion nennt man die Bindungskräfte, die zwischen verschiedenen Stoffen wirken —? in unserem Fall dem Klebstoff und dem Material, das verklebt werden soll. Diese Kraft wirkt umso besser, dichter der Kontakt des Klebstoffs mit der Materialoberfläche ist: Die
Klebefläche muss sauber, fett- und staubfrei sein. Jede Unreinheit und jeder Fremdkörper schwächt die Klebwirkung. Kohosion nennt man die Bindungskräfte innerhalb eines Stoffs. Die Kohäsion wird optimal genutzt, wenn die Klebstoffschicht
dann und gleichmäßig ist.
 

Vergrößerung der Klebefläche:

[Oben links] Bei reinen Stoßverbindungen ist die Klebeverbindung sehr klein und nicht zur Kraftübertragung geeignet.
[Oben rechts] Durch Schäften wird die Klebefläche vergrößert.
[Mitte links] Eine doppelte Lasche sorgt für sehr hohe Festigkeit durch symmetrischen Kraftverlauf.
[Mitte rechts] Bei Biegebeanspruchung wird die Klebestelle durch eine Manschette geschützt und verstärkt.
[Unten]Treten Schälkräfte auf, wird der flexible Teil der Verklebung um den festen Kern herumgelegt z.B bei Blech, Leder, Folie.
 
Kraftübertragung und Haftung des Klebers:

  • Eine rundum gleichmäßige Kraftübertragung wie beim Verleimen einer Stuhlzarge erreicht man am besten mit einen Zurr- oder Spanngurt.
  • Paketklebeband ist bestens für Kanten und Umleimer an Brettern geeignet. Leim aufgetragen und im Abstand von 10 cm das Klebeband mit kräftigem Zug drumkleben. 
  • Wäscheklammern (Bild oben), wie man sie in jedem Haushalt findet, sind eine gute Hilfe bei kleinen kniffligen Objekten, wie hier beim Verkleben einer Haarspange

  
(Links) Bei Verklebungen Zugbeanspruchung vermeiden, da bei zusätzlicher Biegebeanspruchung eine schälende Wirkung eintritt.
(Rechts) Verklebungen, gleich welcher Art und mit welchem Material, sind auf Druckbeanspruchung am höchsten belastbar.

 
 
(Links) Auch bei Zugscherbeanspruchung ist die Klebetechnik geeignet. Die Kräfte wirken in der gleichen Ebene wie der Klebstoff.
(Rechts) Besonders empfindlich reagieren Verbindungen auf schälende Beanspruchung. Das Einreißen der Klebenaht ist die Folge.
 
 
Vorbehandlung
 

Die Vorbehandlung der Klebeflächen kann durch mechanische Verfahren wie Schleifen, Sandstrahlen und Bürsten und durch
chemischen Verfahren wie Reinigen, Entfetten und Beizen erfolgen. Das Entfetten empfiehlt sich unabhängig von ihrer bisherigen Vorbehandlung. Dazu benutzt man Aceton oder reinen Alkohol (Ethanol). Keinesfalls sollte man Lösemittel auf Benzinbasis verwenden, denn auf Grund der Zusammensetzung können auf der Klebefläche Spuren zurückbleiben, die die Verklebung empfindlich stören. Vorsicht auch bei Kunststoffen: Aceton könnte hier die
Oberfläche anlösen, also Ethanol benutzen.
 
Auftragsstärke
 
Wie schon beim Begriff Kohäsion erwähnt, soll der aufgetragene Klebstofffilm so dann wie möglich sein und 0,3 mm nicht überschreiten. Bei zu dicken Klebstoffschichten nimmt nähmlich die Bindefestigkeit ab. Wenn für einen Klebstoff keine Angaben vorliegen, ist eine Schichtdicke von etwa 0,1 mm anzustreben.
 
Zusammenfügen
 

Bei Nassverklebungen werden die Teile nach dem Klebstoffauftrag fixiert, um sicherzustellen, dass sie keine Bewegungen mehr ausführen können — mit Klemmen, Zangen, Pressen oder auch mit Klebebändern. Nach der Anfangshaftung können die Fixierhilfen wieder entfernt werden, die Klebenaht darf aber nicht vor Erreichen der Endfestigkeit belastet werden. Bei Reaktionsklebern kann die Aushärtezeit durch Wärmezufuhr verkürzt und gleichzeitig die Endfestigkeit gesteigert werden. Auch muss man darauf achten, dass der Kontaktdruck, den die eingesetzten Fixierhilfen ausüben, gleichmäßig auf die gesamte Klebefäche verteilt wird.
 
- Das sollten Sie beachten - 

 
Sicherheit geht vor! Lösungsmittel, die nicht auf Wasser basieren, und ihre Dämpfe sind feuergefährlich, deshalb offene Flammen und Funkenbildung unbedingt vermeiden, auch keine elektrischen Geräte in der Nähe benutzen. Während der Arbeit nie essen, trinken, rauchen. Lebensmittel und Kleber sollten keinesfalls im selben Raum aufbewahrt werden. Für gute Durchlüftung der Arbeitsräume sorgen beziehungsweise direkt an einem geöffneten Fenster arbeiten.
 

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