Kuckuckuhren-Fabrik Hönes | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin

Kuckuckuhren

Kuckuckuhren-Fabrik Hönes

Christian Schwarz hat den Schalk im Nacken und den Kuckuck im Herzen. Als Vertriebsleiter der Kuckuckuhren-Fabrik Hönes in Titisee-Neustadt handelt er mit mehr als 350 verschiedenen Kuckucksuhr- Modellen.

 
Kuckucksuhren © Selbermachen
Kuckucksuhren

Kuckucksuhren© SelbermachenGanz traditionsbewußt nennt sich der erst in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts gegründete Uhrenhersteller Hönes in Titisee-Neustadt „Kuckuckuhren-Fabrik“. Diese alte Schreibweise (ohne s) ist zirka 250 Jahre alt. Heute kennt der Duden aber nur noch die „Kuckucksuhr“, weshalb wir das „s“ hier im Text auch verwenden wollen. Vertriebsleiter© SelbermachenSeit zirka 250 Jahren werden Kuckucksuhren im Schwarzwald gebaut. Anfangs waren es überwiegend Lackschilduhren, bei denen ein hölzerner Kuckuck zu jeder vollen Stunde aus einem Türchen herausschaute und der Kuckucksruf ertönte, um so die Zeit nicht nur optisch auf dem Ziffernblatt, sondern auch akustisch anzuzeigen. Erst im 19. Jahrhundert entstand die Bahnhäusleuhr, die heute als Urtyp der Kuckucksuhren gilt und meist mit traditionellen Schnitzmotiven verziert wird. Auch heute noch werden viele Kuckucksuhren im Schwarzwald gebaut. Etwa ein Dutzend Hersteller mit einer Vielzahl von kleinen Zulieferern und Heimarbeitern produzieren die Uhren auf traditionelle Weise.

Kuckucksuhren überprüfen© SelbermachenDas gilt auch für Firmen wie Hönes, die 1950 vom Uhrmachermeister Daniel Hönes gegründet und 1984 vom heutigen Inhaber und Geschäftsführer Wolfgang Trenkle übernommen wurde. Die Firma Hönes-Uhren ist heute einer der führenden Hersteller von Kuckucksuhren im Schwarzwald. Mit über 350 verschiedenen Modellen von 20 bis 150 cm Höhe hat Hönes vermutlich das umfangreichste Programm an traditionellen Schwarzwald-Uhren. Kuckucksuhr nachstellen© SelbermachenJe nach Ausführung kann man Hönes-Uhren im Handel für 100 Euro, aber auch für 10 000 Euro kaufen. Neben den klassischen Kuckucksuhren produziert der Hersteller auch eine Reihe von Uhren mit unterschiedlichen Häusern. „Und alles ist handgefertigt in Deutschland“, betont der Vertriebsleiter Christian Schwarz. Rund zwanzig festangestellte Mitarbeiter und etwa 35 Heimarbeiter fertigen die Uhren in der Tradition des Schwarzwälder Uhrmacherhandwerks.

Chinesische Billigkopien aus Plastik spielen in Europa, anders als in Übersee, kaum eine Rolle. In USA vermiesen aber die Chinesen mit Billigprodukten das Geschäft. Dennoch zählt der USMarkt zu den wichtigsten Absatzgebieten für hochwertige Kuckucksuhren aus dem „Black Forest“. Aber auch andere Nationen wie Australier, Russen und Japaner gehören zu den Kunden.Kuckucksuhr abhorchen© SelbermachenMehr als 50 Prozent der Uhren aus Titisee- Neustadt gehen direkt ins Ausland, und von den anderen werden die meisten wohl auch von ausländischen Touristen als Erinnerung an ihren Besuch in Deutschland gekauft. Nicht nur in den USA gilt die Kuckucksuhr weiterhin als ein Wahrzeichen für Deutschland. Der Hönes-Katalog erscheint deshalb auch mit acht verschiedenen Sprachen. Eine Besonderheit ist außerdem, dass der Uhrenhersteller mehr als 20 Servicestationen weltweit hat, in denen Kuckucksuhren repariert und eingestellt werden können.

Kuckucksuhr© SelbermachenNeben dem Uhrengehäuse, dem Haus, das aus Kiefernsperrholz gefertigt wird, gehören vor allem aufwendige Verzierungen zur traditionellen Kuckucksuhr. Diese Schnitzereien, die später auf das Gehäuse montiert werden, sind auch heute noch nach traditionellen Motiven aus Lindenholz handgefertigt. So wird jede Kuckucksuhr zum Original. Die kleinen Figuren, die sich an manchen Uhren bewegen, werden oft von Heimarbeitern liebevoll geschnitzt und handbemalt. Holzschnitzerei© SelbermachenOriginal Schwarzwälder Kuckucksuhren erkennt man nicht nur an den geschnitzten Verzierungen aus Holz. Auch bei der Technik setzt der Hersteller auf Tradition: Statt batteriebetriebener Quartzlaufwerke werden feinmechanische Uhrwerke aus Messing eingebaut, die ebenfalls aus dem Schwarzwald kommen. Die schweren Tannenzapfen-Gewichte an den Messingketten müssen je nach Ausführung des Uhrwerks täglich oder alle acht Tage aufgezogen werden – für viele Uhrenliebhaber ein traditionelles Ritual. Auch der Kuckuck wird mechanisch vom Uhrwerk bewegt und der Ruf des künstlichen Vogels stammt nicht von einem modernen Mikrochip, sondern wird auf ganz traditionelle Art mit zwei kleinen Orgelpfeifen erzeugt.

Montage© SelbermachenNeben dem Kuckucksruf zur vollen und halben Stunde zeichnen sich viele Uhren durch eine Reihe weiterer Funktionen aus. Hönes liefert aber auch Uhren mit beweglichen Motiven und Musikspielen. Tanzende Figuren, Holzhacker, Biertrinker, küssende Liebespaare oder Schwarzwaldmädel bewegen sich alle Stunde zum Ruf des Kuckucks oder der Musik. Selbst Räuchermännle aus dem Erzgebirge sind heute auf einer Uhr aus dem Schwarzwald zu finden. Christian Schwarz schwärmt vor allem für ein Modell, das Innovation und Tradition verbindet. Bei der „Wasseruhr“ treiben Solarzellen tagsüber eine kleine Elektropumpe an, die das eingebaute Mühlrad mit echtem Wasser in Bewegung setzt. Dazu spielen ganz traditionell drei Musikanten für vier Paare zum Tanz auf. Motivschablonen© Selbermachen„Made in Germany“ heißt nicht nur sorgfältige Auswahl der Bauteile und fachgerechte Montage, sondern auch genaue Kontrollen in der Fertigung. Bei Hönes müssen alle Uhren vor der Auslieferung zwei mindestens 24 Stunden lange Probeläufe überstehen. Produktionsleiter Martin Trenkle und seine Mitarbeiter kontrollieren penibel jede Uhr, ob sie richtig tickt. Das menschliche Gehör ist dabei immer noch das wichtigste Messinstrument der Uhrmacher. Ist das Laufgeräusch nicht gleichmäßig, muss der Anker des Uhrwerks nachgestellt werden. Auch wenn die Uhrzeit nach 24 Stunden nicht mehr exakt stimmt, wird die Geschwindigkeit der Uhr durch Verstellen des Pendels korrigiert.

Bohle mit Bandsäge auftrennen© SelbermachenErst wenn die Uhren diese Prozedur bestanden haben, können sie in alle Welt verschickt werden. Kuckucksuhren gelten heute bei Uhrenliebhaber nicht nur als beliebte Souvenirs, sondern auch als traditionelle technische Wunderwerke. Von der einstmals blühenden Schwarzwälder Uhrenindustrie sind nur noch wenige Unternehmen geblieben. Viele ehemalige Uhrmacher sind heute in der Fertigungs- und Steuerungstechnik tätig – eine Branche, die wie einst die Uhrenindustrie einen Schwerpunkt im Schwarzwald hat. Die Uhrmacher von Hönes sind jedoch ihrem Ursprung treu geblieben und auch heute noch stolz auf ihr traditionelles Produkt.

Verziehren© SelbermachenMit Hammer und Schnitzbeitel arbeitet der Holzschnitzer die klassischen Motive detailreich aus dem Lindenholz heraus. Manche Modelle haben zusätzlich noch ein Musikwerk eingebaut. Kleine und große Uhren verziert Holzschnitzer Gerhard Burger in aufwendiger Handarbeit mit seinen Holzschnitzereien. Die Bohlen werden entsprechend der gewünschten Motivgröße zugesägt.

Verziehrung einer Kuckucksuhr© Selbermachen Motivschablonen© Selbermachen

Hönes Uhren GmbH

Kuckuckuhren-Fabrik Bahnhofstraße 12, 79822 Titisee-Neustadt

Telefon (0 76 51) 14 96

 

Telefax (0 76 51) 38 96

Internet: www.hoenes-uhren.de

SELBER MACHEN 10/2008

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