Energie sparen | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Energiekosten

Energie sparen

Die Preise für Benzin, Gas und Heizöl steigen und steigen. In den letzen zwölf Monaten sind die Energiekosten durchschnittlich um rund 16 % gestiegen. Da hilft kein Hoffen auf bessere Zeiten – da hilft nur ein Haus, das bestmöglich gegen Energieverlust geschützt ist. Wie man das macht, verrät eine Energieberatung.

 
Energie sparen © Selbermachen
Energie sparen

Energieberatung vor Ort

Glasfaserwolke© SelbermachenWahrscheinlich gibt es in Deutschland kaum einen Hausbesitzer, der noch keine Spargedanken hegte und schon mal überlegt hat, einen einfachen Kaminofen für die Übergangszeiten zu kaufen. Die Gründe liegen auf der Hand: Am Benzinpreis merkt man es am schnellsten. Vor zwölf Monaten tankte die Nation noch für unter 1,30 Euro, heute im Schnitt für 1,50 Euro. Noch deutlicher spürt man es an der Rechnung für Heizöl und Erdgas. Heizöl liegt inzwischen bei 90 Cent pro Liter.

Ein durchschnittliches Einfamilienhaus tankt zweimal im Jahr 3000 Liter und muss dafür stolze 5400 Euro berappen. Beim Gas sieht es kaum anders aus. Hier jagt eine Preiserhöhung die nächste, und auch Strom wird nicht billiger. Alles sehr gute Gründe mit der teuer erstandenen Energie sparsam und effizient umzugehen. Als Antwort auf die sich verknappenden Energiereserven der Welt und um schädliches CO2 deutlich zu reduzieren, hat der Staat die Energie-Einsparungs-Verordnung (EnEV) erlassen, die bei Neubauten und Sanierungen bestimmte Mindeststandards vorschreibt. Ein Dach soll beispielsweise eine Mineralfaser-Dachdämmung in der sogenannten Wärmeleitgruppe 035 mit einer Dicke von 24 cm haben.

Umweltschonend© PRHier fehlt die Dämmung im neu gedeckten Dach. Schmidt misst die Sparrenstärke, um zu sehen, ob genug Dämmstoff dazwischen passt. Voreinstellbare Thermostatventile sind Voraussetzung für den notwendigen „hydraulischen Abgleich“ nach der Heizungsmodernisierung.

Damit Hausbesitzer nicht gezwungen sind, aus ihrem Haus eine Großbaustelle zu machen, um das Dach, die Fassade und die Fenster zu dämmen sowie eine neue Heizung anzuschaffen, gibt es eine kleine Hintertür: Es zählt die Energiebilanz des ganzen Hauses oder, wie es der Fachmann sagt, der thermischen Hülle. Dies sind alle Bauteile die Schutz gegen die Witterung bieten. Wenn also die Dachdämmung nicht ganz die Anforderung der EnEV erfüllt, kann man zum Beispiel durch neue Fenster die die Anforderungen übertreffen, ausgleichen. Das geht auch mit einer neuen Heizung, die Brennwerttechnik bietet oder mit Holzpellets arbeitet. Auch der Einsatz von Solartechnologie bringt Pluspunkte in der Gebäudebilanz.

Familie© SelbermachenDer Schornsteinfegemeister Rüdiger Schmidt (links) ist Energieberater bei Patrick, Bianca und Noël Wiener (von rechts), die ihr Haus behaglich und energiesparend modernisieren wollen.

Bevor aber klar ist, welche Maßnahmen sinnvoll und bezahlbar sind, muss man das Haus sorgfältig unter die Lupe nehmen. Hier muss man aber genau wissen, wo die Schwachpunkte im Haus stecken können – und das kann nur ein Fachmann. Am besten, man sucht sich dafür einen Energieberater, der nach den geforderten Standards des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) berät.

Heizung© SelbermachenSo einer ist Rüdiger Schmidt (45), Bezirksschornsteinfegermeister aus Hamburg und seit 2000 ausgebildeter „Gebäude-Energieberater im Handwerk“. Er nimmt uns mit zu einem Termin bei Familie Wiener, die ein Haus aus den 1920er Jahren gekauft hat und es auf einen modernen energetischen Stand bringen möchte. Der erste Weg führt Rüdiger Schmidt gemeinsam mit Patrick Wiener (33) auf den Dachboden. Auf den ersten Blick sieht man, dass das Dach jünger ist als das Haus. „Vor etwa acht Jahren wurde das Dach neu gedeckt, aber an eine Wärmedämmung hat damals noch niemand gedacht“, erklärt Patrick Wiener den Zustand des Dachs. Der Energieberater sieht hier eine gute Energieeinsparmöglichkeit, wenn man hier insgesamt 24 cm dick Dämmwolle einbaut. „Das geht nur zusammen mit einer Untersparrendämmung, denn die Sparren sind nur 14 cm hoch“, erklärt Schmidt seinem Kunden und notiert sich die Maße für seinen späteren Bericht.

Danach geht es an die Begutachtung der Fenster des Hauses. Altbautypisch sind hier sehr schöne Fenster eingebaut. Mit ihrer Einfachverglasung lassen sie zwar viel Licht herein, aber auch jede Menge Wärme hinaus. Obwohl schon vor langer Zeit Innenflügel als sogenannte Kastenfenster vorgebaut wurden, reicht die Wärmedämmung längst nicht an die moderner Fenster heran.

Fenster© PR Heute werden Fenster als gesamtes Bauteil bewertet, das heißt, nicht nur die Verglasung sollte der EnEV entsprechen (am besten dreischeibig), sondern auch die Durchlasswerte von Rahmen und Flügel zählen bei der Beurteilung mit. „Ich würde die Innenflügel durch neue Fenster ersetzen, dann bleibt auch die Ansicht des Hauses erhalten“, empfiehlt Rüdiger Schmidt den jungen Eigentümern, bevor er sich auf den Weg in den Keller macht. Hier findet er einen Heizkessel von 1990. Es liegt auf der Hand, dass neue Heizungen effizienter mit Energie umgehen, als dies vor 18 Jahren der Fall war. „Damals war Energiesparen Luxus und von untergeordnetem Interesse“, sagt Schmidt, „heute sind viele Menschen gezwungen, Energie zu sparen, um die Betriebskosten ihres Hauses in tragbaren Grenzen zu halten.“ Um den Energieverbrauch langfristig zu senken, muss man einmal tief in die Tasche greifen. Je nach Maßnahme und Aufwand sollte man mit Kosten von mindestens rund 5000 Euro rechnen. Wie immer sind hier die Kosten nach oben steigerungsfähig. Stellen Sie also vor Beauftragung von Fachleuten die Kosten-Nutzen-Rechnung an. „Da fällt eine Energieberatung durch mich auch nicht mehr ins Gewicht. Für ein Einfamilienhaus kostet meine Beratung, je nach dem Aufwand, ab rund 300 Euro. Das deckt in der Regel gerade den Zeitaufwand, ich sehe das aber als zusätzlichen Service, den ich meinen Kunden anbieten kann“, erklärt der Schornsteinfegermeister den relativ günstigen Preis.

Heizanlage© SelbermachenDann fällt sein Blick an die Kellerdecke über der Heizung. Ungedämmte Heizungsund Warmwasserleitungen und eine ungedämmte Kellerdecke erregen sein Missfallen. Hier wird Energie vergeudet, bevor sie die Heizkörper erreicht. „Hartschaumplatten an die Decke kleben kann man sogar selber machen“, beruhigte er seine Auftraggeber. Dasselbe gilt für die Heizungs-und Warmwasserleitungen die man mit speziellen Schaumstoffschalen umhüllt. Die gibt es sogar im Baumarkt. Wieder im Erdgeschoss wirft er noch schnell einen Blick auf die Heizkörper und weist darauf hin, dass der Installateur nach dem Einbau einer neuen Heizung immer einen sogenannten hydraulischen Abgleich machen muss. Dabei wird die Anlage so eingestellt, dass alle Heizkörper immer die gleiche Heizenergie zur Verfügung haben.

Energieberater© SelbermachenNach dem Rundgang durch das Haus schaut Rüdiger Schmidt noch, ob das Dach so ausgerichtet ist, dass die Montage einer Solaranlage sinnvoll ist. Bevor er sich verabschiedet, drückt ihm Patrick Wiener noch einen 14-seitigen Fragebogen in die Hand, den er einige Tage zuvor von Schmidt bekommen hatte, um die Basisdaten des Hauses abzufragen. Das sparte Zeit und damit Beratungskosten. Mit allen erfassten Daten wird Schmidt in den nächsten Tagen im Büro den Computer füttern und alle möglichen Maßnahmen zur energetischen Sanierung des Wiener’schen Hauses in einem Bericht zusammenfassen. Dann wird er noch einen Termin bei Familie Wiener machen, um ihnen den Bericht Punkt für Punkt zu erklären.

Fördermittel

BAFA

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle fördert die Energieberatung von Einfamilienhäusern mit 300 Euro. Dazu findet man eine Beraterliste. www.bafa.de

KFW

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau vergibt günstige Darlehen und Fördermittel in verschiedenen Programmen. Auch hier findet man Berater. www.kfw.de

Zwei Stunden Erklärung

Ortswechsel! Ein Zweifamilienhaus in Schleswig-Holstein. An der Tür des Hausbestzers Dirk Schmitt-Metz (35) klingelt der Architekt Mike Friedrichsen (42) – unter dem Arm trägt er 60 Seiten bedrucktes Papier. Es ist seine Energieberatung in schriftlicher Form, die er heute seinem Auftraggeber Schmidt-Metz vorstellen will. Auch er hat alle Daten, die er vor Ort gesammelt hatte, durch eine spezielle Software in einen Maßnahmenkatalog umgewandelt. „Der Abschluss jeder Energieberatung ist die Erläuterung des Berichts mit den verschiedenen Maßnahmenvarianten, so sehen es die Regeln vor“, erklärt Mike Friedrichsen, „Wir werden uns dafür jetzt mindestens zwei Stunden Zeit nehmen.“

Der Bauingenieur und Architekt

Mike Friedrichsen (links) hat einen Beratungstermin bei Dirk Schmitt-Metz der sein Haus aus den 70er Jahren gern verkaufen möchte.

Als erstes fasst der Architekt den Zustand aller aufgenommenen Bauteile des Hauses zusammen. So bekommt Dirk Schmitt-Metz, der sein Haus aus beruflichen Gründen verkaufen oder vermieten möchte, ein Bild vom Ist-Zustand. Dann geht es ins Detail. Jedes Bauteil der thermischen Hülle wie Fenster, Außentür oder Außenwand wird bewertet und Verbesserungsvorschläge gemacht.

So entwickelt der Energieberater sieben Varianten möglicher Maßnahmenpakete, die er seinem Kunden vorschlägt. Das Haus aus dem Jahre 1971 steht nach heutigen Maßstäben nicht mehr so gut da. Der benötigte Heizwärmebedarf wird auf einem sogenannten Bandtacho (man kennt ihn auch von Kühlschränken) hoch eingestuft, die CO2-Emission ist aber noch im mittleren Bereich. Die Energiebilanz des Ist-Zustandes fällt bei diesem Haus aus den 70er Jahren etwa doppelt so schlecht aus wie bei einem modernem Haus und fast fünfmal schlechter als die eines Passivhauses. Typisch für Häuser, die älter als etwa 15 Jahre sind. Nicht nur, dass der Energie-ausweis ab 2009 für alle Häuser bei Verkauf und Vermietung verlangt werden kann (für Häuser die vor 1965 gebaut wurden schon ab 1. 10. 2008), auch der Wert des Hauses wird mit einer modernen Wärmedämmung und Zusatzmaßnahmen wie Solartechnik oder Holzheizung noch gesteigert. Eine Beurteilung, die bei Mike Friedrichsen schon von Berufs wegen wie aus der Pistole geschossen kommt.

Gespräch© Selbermachen „Ich möchte Interessenten gern belegte Informationen bieten können, wie hoch etwa notwendige Investitionen oder Nebenkosten wären“, erklärt Schmitt-Metz seinen Auftrag an Mike Friedrichsen. „Für eine bessere Energiebilanz überlege ich aber, vorher wenigstens noch bessere Fenster einbauen zu lassen.“ Das ist ein Stichwort, bei dem der Architekt hellhörig wird. Er bittet seinen Kunden in den Garten des Hauses, wo er zu einem der großen Wohnzimmer- Panoramafenster geht. „Hier ist ein großer Schwachpunkt der Fenster zu sehen: permanent geöffnete Lüftungsschlitze. Lüftungslamellen© Selbermachen Bei einer energetisch sinnvollen Modernisierung müssten die ohnehin verschwinden.“ Der Bauingenieur und Architekt Friedrichsen hat 2004 über die Architektenkammer eine Fortbildung nach den Richtlinien der BAFA zum Energieberater gemacht. „Es sind bisher nur etwa zehn Beratungen, die ich im Jahr mache. Es ist noch nichts zum Geld verdienen, denn pro Beratung berechne ich je nach Aufwand im Schnitt rund 600 Euro für ein Einfamilienhaus“, erklärt er. Aber er sieht seinen Berufsstand auch als die besseren Energieberater. „Architekten und Bauingenieure haben einen großen Vorteil: Sie können alle Bauteile eines Hauses richtig beurteilen – ein Handwerker ist meist spezialisiert auf ein bestimmtes Gewerk. Außerdem können wir produkt- und leistungsunabhängig beraten. Das verlangen auch BAFA und KFW als Nachweis für Förderungs- und Darlehensanträge“, erklärt Friedrichsen die Vorzüge der Architekten als Energieberater.

Lüftungslamellen© PRNichts wird übersehen: Eine Wärmebrücke durch eine als Balkon herausgezogene Bodenplatte ist eine Bausünde der 70er Jahre.

Das sieht der Schornsteinfegermeister Rüdiger Schmidt etwas anders: „Was auf manche Handwerker zutreffen mag, dass sie bestimmte Produkte bevorzugen und nur eine eingeschränkte Sicht auf die unterschiedlichen Bereiche einer Energieberatung haben, trifft für den Schornsteinfeger nicht zu. Er will weder ein Produkt noch eine Arbeitsleistung verkaufen, sondern ist schon immer beratend tätig. Deswegen müsste unsere Beratung den Förderstellen eigentlich auch genügen.“ Für die Auswahl des richtigen Energieberaters ist also entscheidend, ob man nur einen Ausweis mit Modernisierungsvorschlägen haben möchte – den kann jeder Energieberater ausstellen –, oder ob man Fördergelder vom Bund beantragen will – hier muss es der Architekt sein. Eine Energieberatung ist für jeden Hausbesitzer erschwinglich. Der Staat fördert sie mit 300 Euro Projektzuschuss an den Energieberater, was vom Beratungshonorar abgezogen werden sollte. Und wer nicht verkaufen oder vermieten will, wird sich in einem gut gedämmten Haus wohler fühlen und spart auch noch jede Menge Energiekosten.

Pro und Contra

Handwerker

Positiv: Oft günstiger als Architekten und Bauingenieure. Durch Vernetzung mit anderen Handwerksbetrieben Zugriff auf viel praktisches Know-how.

Negativ: In der Regel nur auf sein Gewerk spezialisiert und oft nicht produktneutral. (Ausnahme: reine Dienstleister wie Schornsteinfeger). Beratungen von Gebäudeenergieberatern im Handwerk werden durch BAFA und KFW nicht anerkannt.

Architekt

Positiv: Durch seine Ausbildung hat er fundierte Kenntnisse über alle Teile eines Hauses. Seine Beratung wird für die Vergabe öffentlicher Mittel anerkannt. Er kann alle vorgeschlagenen Maßnahmen in Bezug auf Kosten und Aufwand besser einschätzen.

Negativ: Der Preis für die Energieberatung durch ihn ist deutlich teurer.

SELBER MACHEN 10/2008

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