Wege zum energieeffizienten Domizil | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Energie sparen

Wege zum energieeffizienten Domizil

Welche Maßnahmen im Einzelfall zum Altbau passen, muss individuell entschieden werden. Doch damit das Ergebnis energetisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, sind Energieexperten und eine umfassende Planung gefragt.

 
Polyurethanplatten aufs Dach © Selbermachen
Polyurethanplatten aufs Dach

© SelbermachenDie meisten Altbauten haben ein hohes Sparpotential. Häuser aus den siebziger Jahren können ihren Energiebedarf nach einer energetischen Standardsanierung leicht halbieren. Ältere Bauten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erreichen sogar 60 %. Experten wissen, womit man besonders sparen kann: Das Dämmen der Gebäudehülle hat den größten Anteil mit rund 30 %. Eine neue Heizung erreicht immerhin noch 10 bis 20 %, moderne Fenster und eine Solaranlage auf dem Dach setzen noch einmal 10 % drauf.

Erst müssen also Gebäudehülle und Fenster optimiert werden, im nächsten Schritt sollte die Heizung ausgetauscht werden – im runderneuerten Haus kann die nämlich kleiner ausfallen. Die meiste Wärme entkommt durchs Dach. Sind die Ziegel noch gut, dämmt man von innen. Ist das Dach ohnehin neu zu decken, geht man das Ganze besser von außen an. Günstiger und einfacher wird es, wenn der Speicher nicht beheizt werden soll: Dann wird nur die oberste Geschossdecke gedämmt. Für die Fassade bieten sich Wärmedämmverbundsysteme an. Dafür müssen eventuell Fensterbänke, Hauseingänge und der Dachüberstand erweitert werden. Wer das Gesicht der Fassade erhalten will, dämmt von innen, was allerdings technisch aufwendiger ist. © SelbermachenNicht vergessen: Zugleich die alten Fenster, vor allem vor 1995 eingebaute Modelle mit veralteter Doppelverglasung, und die Rollläden ersetzen – das senkt die Gefahr von Wärmebrücken. Für warme Füße sorgt eine Isolierung der Kellerdecke. Will man das Untergeschoss zum Wohnen nutzen, muss man von außen eine Perimeterdämmung anbringen. Sind die Mauern trocken, kann man auch innen aufrüsten. In jedem Fall gilt: Was wirklich richtig ist, kann nur ein Bausachverständiger beurteilen. Vor jeder Maßnahme steht daher eine Analyse der Bausubstanz und die Suche nach Schwachstellen.

Energieausweis für Altbauten

Ein Energieausweis ist seit Anfang 2009 Pflicht, wenn man ein Haus, das nach 1965 errichtet wurde, verkaufen oder vermieten will. Besitzer von Gebäuden mit bis zu vier Wohnungen, deren Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde, müssen einen Bedarfsausweis ausstellen lassen, wenn das Haus nicht den Anforderungen der Wärmeschutzverordnung von 1977 genügt. Ein Ausweis auf der ungenaueren Verbrauchsbasis ist nicht mehr erlaubt.

Für diesen Bedarfsausweis untersuchen ausgewiesene Fachleute die Bausubstanz und den Wärmeschutz des Hauses, checken den Zustand der Heizungsanlage und berücksichtigen zum Beispiel auch solare Gewinne. Das errechnete Ergebnis liefert einen Wert unabhängig vom Nutzungsverhalten der Bewohner. Eine farbige Skala zeigt den berechneten Endenergiebedarf und den Primärenergiebedarf. Im grünen Bereich ist ein Gebäude wirtschaftlich, im roten verschwenderisch mit Energie. Ein Wert über 200 ist stets zu hoch. Wer ein Baudenkmal besitzt, braucht keinen Ausweis, die Behörde bescheinigt die Ausnahme.

Kosten und Förderung

• Beispielrechnungen für Sanierer Die Deutsche Energie-Agentur hat typische Sanierungspakete mit ihren Kosten und ihrem Sparpotential zusammengestellt. Damit sollten Sanierer rechnen: 3000 Euro bezahlt, wer die oberste Geschossdecke, die Kellerdecke und die Rohrleitungen dämmt, Thermostatventile einbaut und die Heizung überprüft und richtig einstellt. Nach vier Jahren haben sich die Ausgaben gerechnet. Wer dazu eine Öl- oder Gasbrennwertheizung plus Kollektoren einbaut, zahlt rund 9500 Euro, spart jährlich 1120 Euro. Der Staat gibt 785 Euro an Fördergeld. Eine einfache Sanierung der Gebäudehülle mit besserer Dämmung und neuen Fenstern kostet 26 700 Euro, spart im Jahr rund 1800 Euro und hat sich nach 14 Jahren bezahlt gemacht. Wenn man mit solchen Maßnahmen sicher das energetische Niveau eines Neubaus erreichen will, kostet das zwar 43 000 Euro, senkt die Energiekosten aber auch um 2400 Euro im Jahr – das hat sich nach 15 Jahren gelohnt. Ehrgeizigstes Ziel: Die Heizkosten um 85 % senken und den Altbau zum Effizienzhaus machen. Neben dicker Dämmung erreicht man das mit einer Lüftungsanlage und regenerativen Heiztechniken. Ausgaben von 68 000 Euro steht ein jährlicher Sparbetrag von 3000 Euro gegenüber.

• Geld der Kreditanstalt für Wiederaufbau Die KfW vergibt Kredite mit niedrigem Zinssatz: Je mehr Energie mit einer Maßnahme gespart wird, desto günstiger kommt das Darlehen. Hausbesitzer, die keinen Kredit brauchen, können die Zuschussvariante zu den Investitionen wählen. Im Programm „Energieffizient Sanieren“ werden der Erstkauf eines sanierten Gebäudes unterstützt, außerdem Maßnahmen, die zum Erreichen eines Effizienzhaus-Standards beitragen und auch Einzelmaßnahmen wie Fenster- oder Heizkesseltausch. Das gilt für Altbauten, deren Bauantrag vor dem 1. Januar 1995 gestellt wurde. Bei der Sanierung zu einem KfW-Effizienzhaus werden maximal 75 000 Euro übernommen. Wird der Standard „Effizienzhaus 100“ erreicht, gibt es einen Tilgungszuschuss von 5 % des Darlehens. Beim Erreichen des „Effizienzhauses 70“ beträgt er 12,5 %. Wenn ein Sachverständiger mit der qualifizierten Baubegleitung während der Sanierungsphase beauftragt wird, gibt es dafür Sondergelder.

• Marktanreizprogramm für Umweltenergie Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unterstützt im Programm zur Förderung erneuerbarer Energien den Einbau von Solarkollektoren, Pellet- und Holzkessel sowie effizienten Wärmepumpen: Antrag spätestens sechs Monate nach Inbetriebnahme stellen. Neben einer Basisförderung erhält man zusätzlich einen Bonus, wenn mehrere Maßnahmen kombiniert werden, die Technik in Häusern mit besonders niedrigem Energiebedarf installiert wird oder sehr innovative oder effiziente Geräte eingesetzt werden. Beispiel: Für Kollektoren zur Warmwasserbereitung bis 40 qm gibt es 60 Euro je qm als Zuschuss, mindestens 410 Euro. In sehr energieeffizienten Gebäuden erhöht sich die Förderung je nach Baujahr und energetischem Standard auf das 1,5- oder zweifache. Den Bonus bekommt man nach Vorlage des Energieausweises. Einen Zuschuss von 750 Euro gibt es, wenn die Solaranlage mit einer förderfähigen Biomasseheizung, etwa für Pellets, oder mit einer Wärmepumpe kombiniert wird. Ähnlich funktioniert die Förderung von Pelletkessel und Wärmepumpen.

• Finanzspritze für den Energiecheck Wer die Energiebilanz seines Hauses prüfen lässt, zahlt dafür 450 bis 600 Euro, aufwendige Untersuchungen können sogar 800 Euro kosten. Der Staat gibt dazu 50 % beziehungsweise höchstens 300 Euro. Die BAFA gewährt das Geld und zahlt es direkt an den Berater vor Ort. Voraussetzung: Das Haus muss vor 1995 erbaut worden sein.

Aktuelle Förderkonditionen und Infos: www.bafa.de , www.kfw-foerderbank.de, www.dena.de,www.solarfoerderung.de, www.thema-energie.de, www.baufoerderer.de, www.erneuerbare-energien.de

Artikel aus selber machen Ausgabe 10/2012. Jetzt abonnieren!
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