Die Herstellung von Regenwassertanks | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Regenwasser

Die Herstellung von Regenwassertanks

Hier zeigen wir Ihnen, wie Regenwassertanks hergestellt werden. Dabei geht es wesentlich wilder und heißer zu, als es ein Regenwasserbehältnis erwarten ließe. Das Verfahren ist genial einfach – oder: einfach genial.

 
Rotierende Behälter © Selbermachen
Rotierende Behälter

Wulf Grepel © SelbermachenHeiß und laut ist es in der Werkshalle. Das riesige Tor einer Art Garage öffnet sich unvermittelt und gibt den Blick frei auf ein großes, wild herumschleuderndes schwarzes Gebilde. Doch dann kommt das monströse Teil langsam zum Stillstand und schwenkt an einem stählernen Arm aus der Kammer heraus. Der Form nach kann es sich eigentlich nur um ein U-Boot handeln, aber es soll ein Regenwassertank sein.

Der atemberaubende Anblick bietet sich in Buxtehude. Dort besuchen wir die „Nautilus Wassermanagement GmbH“. Geschäftsführer Wulf Grepel weiß alles über Regenwassernutzung und vertreibt Anlagen für selbige. Hauptteil sind dabei Erdspeicher, sprich: Kunststofftanks mit einem Fassungsvermögen von 1500 bis zu 7000 Litern. Dazu erläutert der Experte: „Sie werden im sogenannten Rotationssinterverfahren hergestellt.“ Und das klingt so rätselhaft, wie es aussieht.

Gefertigt werden die großvolumigen Tanks von der „Köver GmbH“ an einer modernen, computergesteuerten Anlage, deren stationäre Teile halbkreisförmig angeordnet sind. Die zentrale Steuereinheit leuchtet zwischen zwei riesigen Kammern orange hervor. In diesen Kammern, die mit ihren Schiebetüren an Garagen erinnern, vollziehen sich zwei der vier Produktionsschritte. Bei der linken handelt es sich um einen Ofen, bei der rechten um eine Kühlkammer.

Kunststoffpulver© SelbermachenDavor beginnt und endet jeweils der Produktionszyklus. Und der fängt so an: In eine dünnwandige, aus zwei Hälften bestehende Metallform, die im Fachjargon „Werkzeug“ heißt, füllt Facharbeiter Frank Weber Kunststoffpulver. „Es handelt sich um Polyethylen“, erklärt Wulf Grepel, „es wird in Pellets angeliefert, gemahlen und mit Ruß eingefärbt.“

Das „Werkzeug“ hängt an einem großen Metallarm, dem so genannten „Formträger“, den die Steuereinheit der Anlage bewegt. Mit dem Zusammenfügen und Sichern der beiden Werkzeughälften ist der erste Produktionsschritt abgeschlossen. Sodann schwenkt das Ungetüm nach links in den Ofen – und dort kommt es ins Schleudern.

Was so wild und unkontrolliert anmutet, ist natürlich wohlkalkuliert. Wulf Grepel erklärt das Verfahren: „In der Form, die das Äußere des Tanks vorgibt, wird das Pulver erhitzt und geschmolzen. Für die gleichmäßige Verteilung des Materials in der Form sorgt die bi-axiale Rotation. Auf diese Weise gelingt es, nahtlose Hohlteile, die keine gleichmäßige Oberfläche haben, herzustellen.“ Das mit Kunststoffpulver gefüllte Werkzeug dreht sich um zwei Achsen sowohl vertikal als auch horizontal.

Wenn das Material aufgeschmolzen ist, setzt die Form ihre kreisende Fahrt fort. Sie bewegt sich im Uhrzeigersinn nach hinten aus dem Ofen in die zweite „Garage“, die Kühlkammer. Während des Kühlvorgangs erstarrt der „gebackene“ Kunststoff in seiner neuen Form. Weil aber das Material zunächst noch zähflüssig ist, rotiert die Form dabei weiter. Sobald der Kunststoff dann aber formstabil ist, schwenkt Frank Weber die Form aus der Kühlkammer, befreit den Tank aus seiner Ummantelung und setzt ihn zur Weiterbearbeitung auf eine Palette. Danach kann der Produktionszyklus erneut beginnen.

Bei der Nachbearbeitung des entnommenen Tanks kommt Frank Weber ordentlich ins Schwitzen, wenn er als erstes eine Sichtprüfung des Inneren vornimmt. Als er mit der Taschenlampe durch den Dom abtaucht, herrscht im Tank noch immer Backofentemperatur. „Diese Kontrolle ist wichtig, weil bei eventuellen Fehlern noch für die Folgeproduktion reagiert werden kann“, merkt Wulf Grepel an. Alles bleibt ohne Beanstandung und das Deckelloch kann sauber ausgefräst werden. Der Sauger entfernt verbliebene Kunststoffspäne. Sodann erfolgt das Entgraten.

Was als Naht erscheint, ist allerdings lediglich eine oberflächliche Ungleichmäßigkeit, verursacht von den beiden Hälften der Form. Als letztes stanzt Frank Weber dem Tank eine Nummer ein. Daran lassen sich auch später jederzeit die Details seiner Herstellung ermitteln. Der frisch gebackene Erdtank kommt nun ins Lager, seine Materialgarantie beträgt 15 Jahre. Der Kunststoff ist stoß- und schlagfest, bleibt auch bei extremen Temperaturen stabil, ist chemisch beständig, korrosionsfrei und lebensmittelecht. Auf großen Druck reagiert er nicht mit Bruch, sondern verformt sich nur leicht. Wurzelwerk leistet er erfolgreich Widerstand. Dieser Tank kommt nur bei der Herstellung ins Schleudern, danach ist er ein zuverlässiger Speicher mit besten Eigenschaften.

  1. Polyethylenpulver abfüllenPolyethylenpulver abfüllen© Selbermachen

    Polyethylenpulver abfüllen

    Am Anfang steht das Abfüllen des gefärbten und gemahlenen Polyethylenpulvers in eine Schütte. Es wird exakt abgewogen, denn je nach Tankgröße und gewünschter Wandstärke sind unterschiedliche Mengen des Kunststoffpulvers erforderlich.
  2. Metallform befüllenMetallform befüllen© Selbermachen

    Metallform befüllen

    Aus der Schütte wird das Kunststoffpulver in die dünnwandige Metallform gefüllt.
  3. Aufsetzen Aufsetzen © Selbermachen

    Aufsetzen

    Von einer Leiter aus erfolgt per Kran, Augenmaß und Fingerspitzengefühl das Aufsetzen der obere Hälfte des Werkzeugs.
  4. Formteile verschließenFormteile verschließen© Selbermachen

    Formteile verschließen

    Sorgfältiges Verschließen der zahlreichen Schnapper verbindet und sichert die beiden Formteile.
  5. OfenOfen© Selbermachen

    Ofen

    Von der Beladestation schwenkt die Form in den Ofen, dessen Tor sich dann schließt. Das bi-axiale Rotieren setzt ein. Die von starken Gasbrennern erzeugte Hitze schmilzt das Kunststoffpulver bei 250 Grad Celsius an der Werkzeugwand auf und bildet dort allmählich eine gleichmäßige Schicht, die Formkörperwand.
  6. TankentnahmeTankentnahme© Selbermachen

    Tankentnahme

    Öffnen des Werkzeugs zur Entnahme des Tanks.
  7. Rohtanks absetzen Rohtanks absetzen © Selbermachen

    Rohtanks absetzen

    Absetzen des Rohtanks auf einer Palette zur weiteren Bearbeitung.
  8. Domöffnung setzenDomöffnung setzen© Selbermachen

    Domöffnung setzen

    Mit der Oberfräse wird die Domöffnung anhand einer Schablone exakt gesetzt.
  9. Tank aussaugen Tank aussaugen © Selbermachen

    Tank aussaugen

    Sorgfältiges Aussaugen ist erforderlich, damit im Tank keine Verunreinigung bleibt.
  10. Werkzeuge entgratenWerkzeuge entgraten© Selbermachen

    Werkzeuge entgraten

    Zwei Werkzeuge zum Entgraten.
  11. Tank entgratenTank entgraten© Selbermachen

    Tank entgraten

    Aus fremdem Metier stammt das Hufmesser.
  12. Nummer einstanzenNummer einstanzen© Selbermachen

    Nummer einstanzen

    Als Teil der Qualitätssicherung bekommt jeder Tank eine Nummer eingestanzt. So kann der Herstellungszeitpunkt auch später genau ermittelt werden.
  13. QualitätskontrolleQualitätskontrolle© Selbermachen

    Qualitätskontrolle

    Zur obligatorischen Qualitätskontrolle gehört bei jedem zehnten Tank die Messung der Wandstärke per Ultraschall.
  14. Ablauf montierenAblauf montieren© Selbermachen

    Ablauf montieren

    Bevor ein Tank ausgeliefert wird, müssen noch Zu- und Ablauf montiert werden.

Skizze© Selbermachen1 Belade- und Entnahmebereich

2 Antrieb

3 Schleuderform

4 Ofen

5 Neutrale Zone

6 Kühlkammer

Saubere Tanktechnik

Wasserfilter© SelbermachenDas Filtersystem richtet sich nach der Größe der Dachfläche, von der das Regenwasser aufgefangen wird. Bei Flächen bis zu 200 qm ist der Feinfilter mit engmaschigem Edelstahlfiltereinsatz richtig. Er reinigt das einlaufende Wasser. Beim Abzapfen des Regenwassers passiert es den schwimmenden Entnahmefilter am Saugschlauch 20 cm unter der Wasseroberfläche. Dort befindet sich das sauberste Wasser. Dank des Schwimmers bleibt das Ansaugniveau stets gleich.

Nautilus Wassermanagement GmbH

Bebelstraße 44, 21614 Buxtehude

Telefon (0 41 61) 59 55-0

Internet: www.nautilus.de

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