Neue Methode für gesunden Rasen | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Vertikutieren, Rasenpflege

Neue Methode für gesunden Rasen

Früher wurde die alte Grasnarbe vor der Ansaat mühsam abgestochen. Jetzt braucht man alten Rasen nur noch kurz zu mähen und tief zu vertikutieren – schon macht neuer Rasensamen die Fläche wieder dicht!

 
Gesunder Rasen © Chris Lambertsen
Gesunder Rasen

Eben, dunkelgrün und dicht wie ein Teppich – wir lieben unseren Rasen in seiner perfekten Form. Doch was ist zu tun, wenn sich über den Winter Moos in Unmengen gebildet hat oder Unkräuter die Gräser verdrängt haben und der Rasen jetzt so richtig nach Flickenteppich aussieht? Genau – es ist Zeit für eine Frühjahrskur!

Doch anstatt wie früher die Rasensoden mit dem Spaten oder einer Schälmaschine abzuplaggen, gibt es eine neue revolutionäre Taktik. Man mäht kurz und vertikutiert tief. Und schon kann die neue Saat auf dem alten Rasen ausgebracht werden.

Das hat verschiedene Vorteile: Das Bodenleben bleibt erhalten, und man spart sich eine Menge Arbeit, weil Auflockern des Bodens und mehrmaliges Harken und Walzen zur Rückverfestigung entfallen. Unebene Stellen werden einfach mit etwas Erde oder Sand ausgeglichen. Das kann übrigens auch während des ganzen Jahres passieren.

Außerdem bleiben bei dieser Methode die Gräser erhalten, die sich auf ihrem Rasen bewährt haben. Sie bilden neben der neuen Ansaat das robuste Rückgrat des neuen grünen Teppichs.

Um die Fläche auch nach der Kur weiterhin in einem Top-Zustand zu halten, ist die richtige Ernährung wichtig: Mindestens dreimal im Jahr sollte man einen speziellen Rasendünger geben. Eine vierte Gabe mit hohem Kalium-Anteil hilft als Herbstdünger über den Winter. So ernährt, hält die dichte Grasnarbe auch Unkraut in Schach. Sonst hilft ein Herbizid gegen Zweikeimblättrige aus dem Gartenmarkt. Mit dieser guten Pflege bleibt die Fläche dann auch über Jahre auf Bundesliga-Niveau.

  1. „BluePower 53 A HW“ von Wolf © Chris Lambertsen

    „BluePower 53 A HW“ von Wolf

    Damit man vor dem Vertikutieren schon ausreichend viel organische Masse entfernt, wird der Rasenmäher möglichst tief eingestellt. Beim „BluePower 53 A HW“ mit kräftigem Benzinmotor und 53 cm Schnittbreite geht das ganz einfach über eine zentrale Schnitthöheneinstellung (Wolf).
  2. 80-Liter-Fangkorb© Chris Lambertsen

    80-Liter-Fangkorb

    Der 80-Liter-Fangkorb erspart das aufwendige Abharken der Fläche. Praktisch ist hier eine große Karre wie die „215-90/2“ (Altrad Lescha). Durch ihre Doppelbereifung macht sie sich auch bei schweren Arbeiten wie Erdaustausch im Rosenbeet, Hochbeetbau oder beim Teichbau bezahlt.
  3. Fangkorb entleeren© Chris Lambertsen

    Fangkorb entleeren

    Wohin mit den Massen an Rasenschnitt und Moos? In einer Grundstücksecke baut man aus zurechtgeflexten Baustahlmatten einen Komposter. In zwanzig Zentimeter hohen Schichten wird das Mähgut eingeschichtet, leicht verdichtet und mit einer Handvoll Hornmehl bestreut und mit zwei Zentimetern fertigem Kompost abgedeckt. Pro qm rechnet man drei Gießkannen Wasser zur Befeuchtung.
  4. Schnitthöhe einstellen© Chris Lambertsen

    Schnitthöhe einstellen

    Die Schnitthöhe wird zentral auf 2,5 cm Höhe eingestellt. Damit erreicht man nicht nur das Gras, sondern entfernt bereits so manches dicke Moospolster.

Moos

© Selbermachen

Besonders an abseitigen Stellen im Garten finden wir ganze Flächen voller Moos. Große Tannen, Häuser oder hohe Hecken sorgen hier für Schatten. In dieser Feuchte können die Moose so richtig loswachsen und das Gras verdrängen.

Faule Gärtner mag das freuen: Der Belag macht wenig Mäharbeit, ist meist schön grün und weich. Doch bei Belastung zeigen sich die Nachteile: Spielen die Kinder Fußball, entstehen im Handumdrehen Kahlstellen.

Es gilt also, den Rasen zu schützen, und dafür bieten sich gleich mehrere Möglichkeiten:

  • Sind Böden staunass, werden sie tief gelockert und drainiert. Bei Lehmboden hilft das Einkehren von Sand in die Grasnarbe.
  • In Gartenecken fern der Sonne sät man einen speziellen Schattenrasen und erhöht die Schnittlänge auf circa 6–7 cm.
  • Am effektivsten ist das jährliche Vertikutieren Anfang Mai und eine anschließende mineralische Düngung.

Sind die Rasengräser gut ernährt, wird die Fläche ganz dicht und Moos wie Unkraut haben kaum eine Chance.

Tipp: Preiswerte Eisendünger lassen nach dem Vertikutieren letzte Moosreste braun werden. Vorsicht beim Ausbringen: Streut man etwas auf den Wegbelag, entstehen hier schnell Rostflecke.

  1. „Expert UV 40 B“ von Wolf© Chris Lambertsen

    „Expert UV 40 B“ von Wolf

    Jetzt kommt ein Vertikutierer an die Reihe: Der Benziner „Expert UV 40 B“ mit 40 cm Arbeitsbreite ist belastbarer als Verwandte mit Elektromotor (Wolf).
  2. Fläche vertikutieren© Chris Lambertsen

    Fläche vertikutieren

    17 Doppelmesser holen nicht nur Moos heraus, sondern auch Unkraut wie Braunelle und Weißklee.
  3. Moos aufharken© Chris Lambertsen

    Moos aufharken

    Der leichte „Rechenbesen“ ist zum Aufharken des Materials die beste Wahl (Gardena). Mit ihm arbeitet man viel bequemer als mit Harke oder Fächerbesen
  4. Karre mit Moos beladen© Chris Lambertsen

    Karre mit Moos beladen

    Der Abtransport erfolgt mit einer Karre ...
  5. Gartenwagen „Portax 150“ von Wolf© Chris Lambertsen

    Gartenwagen „Portax 150“ von Wolf

    ... oder mit dem Gartenwagen „Portax 150“, der sich zusammenklappen lässt (Wolf).
  6. Zweimal vertikutieren und abgeharken© Chris Lambertsen

    Zweimal vertikutieren und abgeharken

    Insgesamt wird zweimal vertikutiert und abgeharkt.
  7. Unterschied Sonne und Schatten© Chris Lambertsen

    Unterschied Sonne und Schatten

    Die sonnigen Bereiche zeigen noch Gras. Im Schatten ist die Fläche dagegen fast kahl.
  8. Saatbett© Chris Lambertsen

    Saatbett

    Das tiefe Vertikutieren reißt die Erde auf und sorgt für ein gutes Saatbett.

Dünger & Torf

© Selbermachen

Keine Nährstoffe = kein Wachstum! Auf diese einfache Formel lässt sich die Rasenpflege bringen. Gerade bei einer Neuanlage, ob mit Saatgut oder fertigen Rasensoden, sind die Grundnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium wichtig. Ausgewogen dosiert sind sie in einem Rasen-Startdünger.

Hochwertige Produkte zeichnen sich durch eine spezialisierte Stickstoff-Formulierung aus. Damit der Dünger nicht nach dem Ausbringen in tiefere Bodenschichten wässert und das Grundwasser belastet, hilft die Festlegung in speziellen Harnstoffformen.

© SelbermachenDiese müssen erst langsam umgesetzt werden und ernähren das Grün bis zu zwölf Wochen lang. Möglichst feiner und krümeliger Torf wird zum Schluss als Abdeckschicht auf die ausgebrachten Rasensamen gestreut. Er speichert das Nass der Beregnung – die Saat kann so sicher keimen.

Torf ist außerdem ein prima Feuchteanzeiger auf der Fläche: Wird seine Farbe hell (zuerst in sonniger Südlage), dann wird es wieder Zeit für die nächste Beregnung.

  1. Streuwagen befüllen© Chris Lambertsen

    Streuwagen befüllen

    Für das Verteilen von Dünger, Kalk oder Saatgut gibt es kein praktischeres Gerät als einen Streuwagen. Das Modell „Perfekt WE 430“ sorgt durch seine gut justierbare Einstellung für ein exaktes Streubild auf einer gesamten Breite von 43 cm (Wolf). Hier wird nach dem Streugang mit Rasen-Startdünger dann das Saatgut ausgebracht.
  2. „Perfekt WE 430“ im Einsatz© Chris Lambertsen

    „Perfekt WE 430“ im Einsatz

    Damit der Rasensamen schön gleichmäßig verteilt wird, wählt man eine kleinere Einstellung beim Streuwagen und geht damit zwei- bis dreimal über die Fläche. Die Bahnen laufen dabei in Längs- und Querrichtung. Weiterer Vorteil: So läuft man nicht Gefahr, dass am Ende viel Fläche, aber keine Saat mehr über ist.
  3. Streubild© Chris Lambertsen

    Streubild

    Rasensamen und Dünger sind nun gut verteilt. Rein mineralische Produkte sind gleichmäßig gekörnt und lassen sich besser ausbringen als organische oder organischmineralische Dünger. Durch verschiedene Korngrößen ist hier das Streubild weniger homogen. Man bringt sie per Schleuderstreuer aus.

Saatgut

© Selbermachen

Ob der neue Rasen dicht, robust und pflegeleicht gedeiht, hängt in erster Linie vom Saatgut ab. Billige Qualitäten bringen auch nur eine uneinheitliche Fläche hervor.

Beim oft angebotenen „Berliner Tiergarten“ ist das besonders auffällig. Die Begriffsbezeichnung ist nicht geschützt, und so wird hier oft Saatgut beigemischt, das Bauern auf ihre Weiden streuen.

Diese preisgünstigen Gräser aus der Landwirtschaft sind aber in erster Linie auf starken Wuchs und viel Grünmasse gezüchtet. Daher bestocken sie sich nur schlecht und bilden keine dichte Narbe, die sich zum Spielen eignet oder gärtnerischen Ansprüchen genügt.

Die aufwendige Rasenzüchtung der Fachfirmen hat dagegen Sorten hervorgebracht, die sich durch dichten Wuchs und damit verbundene gute Narbenbildung, satte Farbe, geringen Mähgutanfall und Robustheit gegenüber Pilzkrankheiten auszeichnen.

Der höhere Preis rechnet sich durch die spätere Arbeitserleichterung. Es fällt weniger Gras beim Schnitt an. Das macht Mulchmähen interessant und entspannt uns Gärtner beim Gedanken an übervolle Komposthaufen oder zeitraubende Fahrten zum Recyclinghof.

  1. Säcke mit Torf© Chris Lambertsen

    Säcke mit Torf

    Jetzt wird mit Torf abgedeckt: Er vermindert Vogelfraß, bevorratet die Feuchtigkeit für den Keimvorgang und verhindert das Zusammen schwemmen der Saat bei Starkregen
  2. Säcke aufstechen© Chris Lambertsen

    Säcke aufstechen

    Die Säcke werden auf die Fläche verteilt – man rechnet ca. acht 150-l-Säcke pro 100 qm – und dann kreuzweise mit der Schaufel aufgestochen.
  3. Torf auflockern© Chris Lambertsen

    Torf auflockern

    Falls der Torf durchs Lagern verfestigt ist, wird er kurz aufgelockert.
  4. Torf verteilen© Chris Lambertsen

    Torf verteilen

    Mit weitem Schaufelschwung kommt er sternförmig auf die Fläche.
  5. Torf per Hand verteilen© Chris Lambertsen

    Torf per Hand verteilen

    An Hecken und Gartenrändern wird von Hand gestreut.
  6. Abgedeckte Fläche mit Torf© Chris Lambertsen

    Abgedeckte Fläche mit Torf

    So arbeitet man sich vor, bis später alles abgedeckt ist.
  1. Gartenschlauch-Stecksystem© Chris Lambertsen

    Gartenschlauch-Stecksystem

    Das praktische Schlauch-Stecksystem hat sich heute bei allen Herstellern durchgesetzt. Messing- Kupplungen werden nur noch bei Schläuchen von ¾ Zoll oder 1 Zoll Durchmesser im Profi-Gartenbau verwendet.
  2. „Comfort Aquazoom 350/3“ von Gardena© Chris Lambertsen

    „Comfort Aquazoom 350/3“ von Gardena

    Klassische Rechteckregner wie der „Comfort Aquazoom 350/3“ halten die Rasensaat gut feucht und helfen auch über Trockenzeiten in Frühjahr und Sommer (Gardena). Nach dem Abdecken justiert man im Betrieb ihre optimale Position und entfernt sie erst wieder, wenn der Rasen ca. 10 cm hoch ist und das erste Mal gemäht wird.
  3. Bedienelement der Bewässerungsuhr© Chris Lambertsen

    Bedienelement der Bewässerungsuhr

    Das einfache Bedienelement der Bewässerungsuhr erklärt sich fast von allein. Sinnvoll sind zwei 15-minütige Intervalle morgens und abends.
  4. Rechteckregner© Chris Lambertsen

    Rechteckregner

    Die Rechteckregner lassen sich in der Wurfweite, in Länge und Breite verstellen – so kommt das Nass in fast jede Ecke des Gartens.
  5. Rasen nach drei Wochen© Chris Lambertsen

    Rasen nach drei Wochen

    Nach ca. 3 Wochen keimen die ersten grünen Spitzen – dicht an dicht! Ganz wichtig: Einmal befeuchteter Samen muss ständig feucht gehalten werden. Trocknet er aus, ist der Keimvor gang unterbrochen, das Samenkorn tot und wertlos.
  6. Rasen nach acht Wochen© Selbermachen

    Rasen nach acht Wochen

    In zwei Wochen – ca. 6–8 Wochen nach der Aussaat – wird das neue dichte Grün zum ersten Mal gemäht. Dabei wird zuerst auf 6 cm gekürzt, dann erst langsam auf 4 cm Endhöhe getrimmt.
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren