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Gärtner und ihre Spaten

Ein Gärtner ohne Spaten? Undenkbar! Die Frage ist nur, mit welchem es sich am besten arbeiten lässt. Wir haben ein paar Hobby- und Profi-Gärtner nach ihren Erfahrungen gefragt.

 

Bernd Uhde:

„Ein großer Teil unseres Grundstücks besteht aus Pferdeweiden. Da müssen immer wieder Pfosten gesetzt und die Löcher dafür ausgehoben werden. Für diese Arbeit nehme ich einen Spaten mit T-Griff. Damit habe ich richtig Kraft beim Einstechen. Das Blatt muss schmal, aber nicht zu leicht sein und natürlich scharf. So komme ich gleich tief in den Boden. Die Schneidkanten schärfe ich regelmäßig. Das ist aber auch die einzige Pflege, die meine Spaten bekommen. Zum Roden nehme ich Spaten mit langer Tülle, in die der Stiel tief hineinreicht. Die brechen auch bei großen Hebelkräften nicht.“

Angelika Laumann:

„Ich bevorzuge leichte Spaten mit kleinem Blatt. Sie fassen relativ wenig Erde und die Arbeit dauert dadurch länger, aber dafür ermüdet man auch nicht so schnell. Die Schnittkante muss natürlich scharf sein. Wichtig ist auch die richtige Länge des Spatens. Die ist schnell mit dem Ellenbogentest ermittelt (siehe Bild). Ich persönlich halte den D-Griff bei schmalen Händen für geeigneter. Doch vieles scheint mir eine reine Geschmacksfrage zu sein wie etwa das Material für den Stiel. Wir haben im Kreislehrgarten auch Spaten mit höhenverstellbaren Kunststoffgriffen probiert, die sich über die Jahre genau so bewährt haben wie Stiele aus Eschenholz.“

Walter Dehnbostel:

„Ich besitze zwar zwei Spaten, doch arbeiten tu ich nur mit einem. Und das seit nunmehr dreißig Jahren. Er liegt mir am besten in der Hand und ist mir ans Herz gewachsen. Das ist natürlich rein subjektiv. Es ist ein normaler Gärtnerspaten mit Holzstiel, den ich damals im Baumarkt gekauft habe, ohne auf eine besondere Marke zu achten. Allerdings fallen in meinem Garten auch keine schweren Arbeiten an. In erster Linie benutze ich den Spaten zum Verteilen von Kompost. Nur selten muss ich einmal umgraben. Bei unserem sandigen Heideboden ist das aber auch keine starke Beanspruchung. Der Spaten wird sicher noch einige Jahre halten.

Erika Franke:

„Ein so großes Grundstück, wie wir es haben, macht natürlich viel Arbeit. Trotzdem komme ich mit einem Spaten aus. Den habe ich vor über zehn Jahren in einem Baumarkt gekauft. Dabei habe ich nur darauf geachtet, ob er gut in der Hand liegt, rein nach Gefühl. Ich benötige ihn aber auch nur für einfache Pflanzarbeiten. Gelegentlich müssen mal Stauden umgesetzt werden. Wirklich umgegraben habe ich damit noch nicht. Wir haben einen leichten Boden, und da hat der Spaten nicht viel auszuhalten. Trotzdem hat mein Mann beim Abstechen von Rasenkanten einmal einen D-Griff kaputt bekommen.“

Christian Friedrich:

„In meiner Baumschule werden die Spaten täglich härtesten Belastungen ausgesetzt, vom Umgraben schwerer Böden bis zum Roden von Baumstümpfen. Dafür kann ich nur handgearbeitete Spaten aus allerbestem Material gebrauchen. Mir ist es wichtig, dass das Blatt aus einem einzigen Stück Kohlenstoffstahl geschmiedet ist und keine Schweißnähte hat, denn die stellen eine Schwachstelle dar. Das gleiche gilt für den Stiel. Der muss ebenfalls mit dem D-Griff aus einem Stück Esche gefertigt sein. So ein Werkzeug hält auch großen Hebelkräften, wie sie etwa beim Roden auftreten, problemlos stand.“

Darauf sollten Sie achten!

Holsteiner Rüffel, Spieker Torfspaten oder Bremer Düllspaten: Für jede Landschaft und jeden Boden scheint es einen eigenen Spaten zu geben. Alles nur Folklore? Wir haben Ole Beeker von der Pur-Natur-Gartenschule, einer großen Gärtnerei und Baumschule bei Uelzen, gefragt, was auch für den Hobby-Gärtner wirklich wichtig ist bei einem Spaten.

Ole Beeker: „Der einfache Gärtnerspaten mit leicht gerundeter Schneide ist der am meisten gekaufte Typ. Er ist vielseitig einsetzbar, nicht nur für Arbeiten im Ziergarten, sondern überall auf dem Grundstück. Die anderen Formen sind eher Nischenwerkzeuge wie zum Beispiel der Rüffel, ein Spaten mit besonders schmalem Blatt, der für sehr schwere Marschböden entwickelt wurde.“

Und wie muss das Blatt beschaffen sein? Spielt gute Qualität bei Material und Fertigung nur für den Profi eine Rolle, der täglich mit dem Gerät arbeitet?

Ole Beeker: „Edelstahl ist ein bewährter Werkstoff. Beim Kauf muss man aber darauf achten, dass die Schweißnähte sorgfältig und solide ausgeführt sind. Sonst stellen sie nur eine mögliche Bruchstelle dar. Wir verkaufen aber in erster Linie handgeschmiedete Spaten. Die sind nicht nur langlebiger, sie erleichtern auch ganz wesentlich die Arbeit. Die Oberfläche erscheint zwar rauer, als die von Edelstahl, doch bleibt an ihr weniger Erde kleben, die den Spaten unnötig schwer macht.“

Geschmiedet oder geschweißt ist also nicht nur eine Geschmacksfrage. Gibt es noch weitere wichtige Aspekte?

Ole Beeker: „Damit man beim Arbeiten nicht zu schnell ermüdet oder sogar Rückenschmerzen bekommt, muss der Spaten unbedingt in Länge und Gewicht zum Benutzer passen. Deshalb sollte man beim Kauf mehrere verschiedene Spaten zur Hand nehmen und vergleichen. Die Möglichkeit, wirklich auszuwählen, hat man bei preiswerter Massenware in der Regel nicht.“

Stiele aus Kunststoff haben sich auch im Profi-Einsatz als haltbar erwiesen. Dennoch findet man bei Gärtnern fast ausschließlich Holzstiele im Einsatz. Ist das nur eine Frage der Ästhetik?

Ole Beeker: „Ich selbst habe noch keine Kunststoffstiele ausprobiert. Die mögen geeignet sein, ich persönlich bevorzuge Stiele aus Eschenholz. Das langfaserige Holz ist sehr zäh und elastisch und hält starken Belastungen stand. Außerdem ist es sehr angenehm anzufassen. Für Spielerei halte ich auf jedem Fall Stiele, die in der Länge verstellbar sind. Jeder sollte seinen eigenen, zu ihm passenden Spaten haben. Und das ist nach meinen Erfahrungen auch der Normalfall.“

Tipps zur Spatenpflege

Die richtige Pflege erhöht die Lebensdauer eines Spatens erheblich. Und eine glatte Oberfläche des Blatts erleichtert die Arbeit, da keine Erde haften bleibt.

  1. Fest haftender Schmutz wird mit klarem Wasser und einer Bürste entfernt. Ist der Stahl nicht rostfrei, muss das Blatt anschließend gut getrocknet werden.
  2. Um das Blatt vor Rost zu schützen, trägt man eine dünne Schicht Öl oder Fett auf. Auch das Abreiben mit einer Speckschwarte erfüllt diesen Zweck. Früher hat man dazu gerne Altöl genommen. Aus einsehbaren Gründen sollte dies heute aber tabu sein.
  3. Durch mechanische Beanspruchung und Feuchtigkeit können sich bei Holzstielen Splitter aufrichten. Der Stiel wird rau und verliert seine Griffigkeit. In diesem Fall sollte man das Holz mit feinem Schleifpapier abziehen.
  4. Anschließend wird der Stiel mit einem Holzöl eingerieben. Ganz hervorragend eignet sich hierfür auch Leinoder Rapsöl. Das Öl schützt das Holz vor Feuchtigkeit und hält es elastisch.
  5. Bei steinigen Boden wird schnell die Schnittkante beschädigt. Das Nachschärfen geschieht mit dem Schleifstein oder mit einer Flex. Dabei vorsichtig arbeiten, damit der Stahl nicht ausgeglüht wird. Läuft er blau an, dann ist es bereits zu spät.
Artikel aus selber machen Ausgabe 11/2010. Jetzt abonnieren!
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