Das Akkuschrauber-Rennen | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Antrieb durch Bosch-PSR 18 LI-2

Das Akkuschrauber-Rennen

Wieder haben sich in Hildesheim 16 Rennteams von Hochschulen aus ganz Deutschland getroffen – zum Rennen. Ihre kreativen Vehikel werden nur von je zwei Bosch-„PSR 18 LI-2“-Akkuschraubern mit moderner Lithium-Ionen-Akkutechnik angetrieben. Eingeladen hat zum sechsten Mal Professor Andreas Schulz von der HAWK Hildesheim, der selbst vor Jahren mit seinem Sohn ein solches Gefährt gebaut hat.

 

In der Boxengasse der Sparkassen-Arena in Hildesheim stehen ungewöhnliche Gefährte, umgeben von jungen zum Anlass verkleideten Frauen und Männern. Hier und da sirrt ein Akkuschrauber. Der sonst bei motorisierten Rennen übliche Geruch von schwerem Öl, Kerosin und abgeriebenem Gummi fehlt. Anfänglich bemüht sich noch eine Nebelmaschine, etwas Renn- Atomsphäre in die Halle zu pumpen.

Das Licht über dem Parcours ist gedämpft, denn mit den sonst als Messgerät eingesetzten „Bosch PCL 20“-Lasern wird eine Show in eine überdachte Ecke gezaubert. Im Foyer, das sich langsam mit gut 1000 Besuchern füllt, steht ein riesiger Eisklotz aus 1000 Litern Wasser, aus dem der Künstler Horst Birekoven mit einem Dremel einen monumentalen Akkuschrauber geschnitzt hat, der den Siegern als Trophäe gewidmet ist. In der Boxengasse wird gefachsimpelt, wie die Kraftübertragung der Akkuschrauber in den Gefährten funktioniert. Einige der 15 Teams sind erst in den frühen Morgenstunden mit den Konstruktionen< fertig geworden.

Trotzdem wird viel gelacht und die Stimmung ist gut. Besondere Freude etwa ruft das „Overall Race“-Team von der Kunsthochschule in Kassel hervor. Jochen, Tobias und Arne haben einen Motorradkombi (Lederanzug) motorisiert. „Wer fährt, sehen wir nachher, aber der muss sich dann eben auf die am Hintern des Anzugs eingearbeiteten Rollen setzen“, erzählt Arne fröhlich, während er noch kleine Rollen an den Hacken von Schuhen festschraubt. „Ein direkteres Fahrgefühl ist kaum möglich!“

Das Team von der HfBK in Hamburg um Werkstattleiter Alek Holtkamp und Prof. Lutz Pankow kämpft noch schimpfend um die Präsentation in der Boxengasse: „Ein Strahler muss her“, meckert einer der vier Studenten und schickt seinen Vater zum Baumarkt. Die Anspannung ist hier am größten, denn inzwischen steht fest, dass „die Exzentriker“ aus Hamburg im ersten Rennen antreten müssen.

Ihr Gegner, das Team „Windstärke 18V“ aus Emden, wirkt sehr aufgeräumt und professionell. In weiße Overalls gekleidet, weisen sie auf die zukunftsweisende Technik der Lithium- Ionen-Akkus hin. Die Ideen der Hochschulteams für ihre Gefährte, die von zwei Schraubern angetrieben werden, sind vielfältig, denn bei diesem Rennen zählt nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch das Design, das vom Publikum bewertet wird. Da ist ein Zweirad, ganz aus Pappe, oder ein dreirädriges Unikum, „Drehmoment“, das sich entweder in Rennhaltung oder, wenn man es auf den Kopf stellt, in Chopper-Haltung fahren lässt.

High-Tech von der Fachhochschule aus Hannover bietet das „aQrad“, das bei den meisten als Favorit gehandelt wird, weil der Rahmen des Zweirads in Zusammenarbeit mit einem Profi entstanden ist. Das Gegenteil präsentieren Dirk, Rolf und Christoph aus Wiesbaden: „Wir haben wenig Unterstützung von der Hochschule bekommen und dann das Beste aus Schrott zusammengeschraubt“, erzählt Rolf vom „Bora-Bora“-Team, während er vor seinem klapprig wirkenden Fahrrad steht, das mit Hilfe einer Minimalverkleidung nun aussieht wie ein schwarzer Ibis.

Die Rennen beginnen: zwei Runden durch die enge Acht. Der Assistent der Emdener „Wikinger“ wedelt seinem Fahrer auf dem dreirädrigen Feuerstuhl mit einem Handtuch Luft zu. Dann pfeift Sarah Nobile, die Schiedsrichterin, das Rennen der dreirädrigen Ungetüme an: Der „Exzentriker“ aus Hamburg mit Fahrer Nils geht schnell in Führung, weil bei „Windstärke 18V“ aus Emden, gesteuert von Björn, statt zwei nur ein Akkuschrauber läuft.

Nach zwei Runden bremst Nils sein Gefährt mit der bionischen Lenkung ab und Björn zieht fast an ihm vorbei. Jetzt laufen auch beide Akkuschrauber des „18V“. Sie fahren noch eine Runde und knapp geschlagen fällt Nils im Ziel mit dem „Exzentriker“ um. Ratlosigkeit bei den Schiedsrichtern und Moderatoren auf der Bühne, die zunächst das Emdener Team zum Sieger erklären, bevor sie feststellen, dass Emden erst nach drei Runden vorne lag. Sieger: „Die Exzentriker“! Es folgt Rennen um Rennen, jedes Team tritt zweimal an, um das Viertelfinale zu erreichen.

Die Akkuschrauber mit dem neuen „Cell Protection System“, die sich bei Überlastung abschalten, arbeiten fehlerfrei. Nur das Team „Rakete Coburg“ hat schon im ersten Rennen Schwierigkeiten, weil die Übertragungsachse überdreht ist. Trotzdem Beifall für alle von den Rängen! Auch bei Professor Andreas Schulz aus Hildesheim, Veranstalter und Erfinder der Akkuschrauberrennen, legt sich langsam die Anspannung. „Zum sechsten Mal findet das Rennen in diesem Jahr statt“, sagt er, „aber zukünftig machen wir ein Jahr Pause zwischen den Veranstaltungen.“

Die ganze Idee basiert auf einem Mobil, das der junge Vater einst mit seinem Sohn gebaut hat: „Heute interessiert der sich mehr für Verbrennungsmotoren!“ Die Hamburger sind im Viertelfinale gegen die „Helden für Geschwindigkeit“ aus Schwäbisch-Gmünd mit ihrem Papprad ausgeschieden. Die größte Überraschung im Halbfinale ist der Sieg von „Bora-Bora“ mit dem No-Budget-Fahrrad über das „aQrad“. „Wahnsinn“, ist der einzige Kommentar von Christoph, während sein Fahrer Rolf die Ziellinie überfährt. Jetzt präsentieren drei Teams aus Ungarn ihre Renngefährte, die von vier Akkuschraubern angetrieben werden und außer Konkurrenz laufen.

Das sind eher Go-Karts, eines sieht sogar wie ein kleiner Rennwagen aus. Schließlich, im großen Finale, kommt es zum Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Ibis „Bora-Bora“ und dem ostfriesischen „Windstärke 18V“, also anarchistisch wirkendes Zweirad gegen supercooles Renndreirad. Drei Runden: Ein Fahrfehler und die bessere Kraftnutzung der Bosch-Akkuschrauber und der verdiente Sieger steht fest: „Windstärke 18V“! Den Publikumspreis hat dann auch „Windstärke 18V“ abgeräumt.

Akkuschrauberrennen im WWW:

Unter www.hawk-hhg.de und unter www.bosch.com gibt es noch weitere Informationen zur Technik und auch ein paar kleine Filme zum Rennen in Hildesheim.

SELBER MACHEN 08/2009

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