Der gemeine Hauspilz | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Pilze, Schimmel

Der gemeine Hauspilz

Sie gehören zu unserer natürlichen Umwelt, ihr Angriff auf unsere Wohnungen ist schlicht unvermeidbar: Schimmelsporen. Jetzt versprechen neue Produkte Abhilfe.

 
Hauspilz © Selbermachen
Hauspilz

Jedes Haus, jede Wohnung bietet Schimmelsporen irgendwo eine Ecke, in der sie sich niederlassen mögen. Und haben sie sich erst festgesetzt und der Pilz wächst, werden sie zum Problem. In Form kleiner, dunkler Punkte tritt der kleine Schädling zutage – tückisch sind weiße Schimmelarten. Was also zunächst oft „nur“ ein optisches Problem ist, kann bei empfindlichen Menschen und einer der etwa 30 medizinisch kritischen Schimmelarten (insgesamt gibt es rund 100 000 verschiedene) eine Allergie auslösen.

So richtig wohl fühlt sich der Pilz, wo er ausreichend Feuchtigkeit, Nahrung (organisches Material wie Tapete oder auch Rückstände von Reinigungsmitteln) und Wärme findet – und das ist fast überall in der Wohnung. Schon 70 % relative Luftfeuchtigkeit reicht den Sporen zum Wachsen, das gilt uns noch als Wohlfühlklima und ist von feuchten Wänden weit entfernt.

Zuerst verrät sich Schimmel durch seinen erdig-muffigen Geruch. Ist der Schimmel erst erkennbar, muss schnell gehandelt werden. Der Pilz wächst unsichtbar und nach dem „Ketchupflaschen-Prinzip“: Erst kommt nichts – dann alles.

Was also tun? Es sind die Fruchtkörper, die man sieht. Und die setzen wieder neue Sporen in die Welt. Ist der Schimmel an Silikonfugen sichtbar geworden, heißt es, mit einem scharfen Cuttermesser dem Pilz die Grundlage zu entziehen. Also das Silikon herausschneiden, mit sogenanntem Silikonentferner die Reste anlösen und abwischen. Anschließend wird neu verfugt, und zwar mit einem fungizid (pilztötend) ausgerüsteten Sanitär-Silikon. Dabei müssen Sie aber den Nachteil von Bioziden in Kauf nehmen – ihre Vergänglichkeit. Sie verlieren mit der Zeit ihre Wirkung, so dass der Schimmel sich oft schon etwa ein Jahr später wieder ansiedeln mag. Außerdem sind sie extrem ungesund und beispielsweise in der Küche nur einzusetzen, wenn der Hersteller dies ausdrücklich vorsieht.

Natürlich ist es nicht optimal, Schimmel mit Chemie zu bekämpfen und sich damit möglicherweise das nächste Problem in Form von Biozidemission ins Haus zu holen. Dies erkennen auch immer mehr Hersteller von Anti-Schimmel-Produkten. So soll im nächsten Jahr eine heute noch hochgeheime, neue Technologie im Bereich der Silikone auf den Markt kommen, die Schimmel mit einer Art Anti-Baby- Pille nachhaltig verhindern will.

Wenn sich Schimmel auf der Wand breit macht, hilft nur eine grundlegende Renovierung. Bei leichtem Befall wird der Schimmel mit Ethyl-Alkohol (70 % bei glatten Flächen und 80 % bei rauen Flächen) abgetötet. Von chlorhaltigen Mitteln sollte man hier die Finger lassen, da Chlor sehr giftig ist und grundsätzlich nichts in Wohnräumen verloren haben sollte. Bei starkem Befall kann der Pilz entweder chemisch (aber chlorfrei!) abgetötet oder durch Abflammen mit einer Gasflamme unschädlich gemacht werden. Anschließend wird neu tapeziert oder gestrichen.

Bei der Wahl einer geeigneten Wandfarbe gibt es eine wirksame technologische Neuheit auf dem Markt. Wenn auch zunächst für den Fachanwender gedacht, gibt es eine übliche Dispersionsfarbe, die auf Basis von Silber-Nanopartikeln Schimmel die Lebensgrundlage entzieht. Die antibakterielle Wirkung von Silber ist seit Jahrhunderten bekannt und wurde jetzt durch die Nanotechnologie erstmals auch im Baustoffbereich nutzbar gemacht. Als Nanopartikel in der Wandfarbe blockiert es lebenswichtige Stoffwechselvorgänge in den Schimmelzellen, und der Schimmel stirbt ab. In medizinischen Einrichtungen und in der Lebensmittelindustrie wird die Farbe bereits eingesetzt, um die Hygiene in diesen Bereichen weiter zu verbessern. Die „Erfinder“ dieser Farbe sind die Bioni GmbH und das Fraunhofer-Institut. Hergestellt wird sie von der Firma Remmers, die sie für den Wohnbereich unter dem Namen „Bioni Nature“ vertreibt.

Der Vorteil des Silbers gegenüber herkömmlichen Bioziden liegt ganz klar in der dauerhaften Wirksamkeit und in der absoluten Unschädlichkeit für den menschlichen Organismus.

Auch wenn diese Farbe dem Schimmel keine Chance lässt, kann sie sicher nicht überall eingesetzt werden. Also muss man auch in Zukunft zusätzlich im richtigen Rhythmus heizen und lüften. Besonders an kühlen Tagen gilt: warme Raumluft, die relativ viel Feuchtigkeit bindet, regelmäßig durch kurzes Stoß- oder Querlüften gegen trockene, kühle Luft austauschen. Den richtigen Zeitpunkt dafür verrät Ihnen ein Hygrometer. Das ist und bleibt die wichtigste Verteidigung gegen den Angriff der Schimmelsporen.

Schimmelpilze brauchen Wasser

Feuchtigkeitsabgabe im Haus pro Tag

Mensch....................1 – 1,5 Liter

Kochen....................0,5 – 1 Liter

Duschen, baden (pro Person)....................0,5 – 1 Liter

Wäsche trocknen (4,5 kg) – geschleudert....................1 – 1,5

Liter – tropfnass....................2 – 3,5 Liter

Zimmerblumen, Topfpflanzen....................0,5 – 1 Liter

Was ist "NANO"?

Das Lexikon sagt, „Nano“ bezeichnet den milliardsten Teil eines Ganzen. Zur Nanotechnologie zählt heute die Entwicklung von Materialien, die so klein aufgespalten sind, dass Partikel im Nanobereich entstehen. Dieser Effekt wird genutzt, um eine Oberfläche stark zu vergrößern, ohne dass das Volumen eines Stoffs vergrößert wird. So können unsichtbar kleine Strukturen genutzt werden, ohne die Oberfläche optisch zu verändern. Zum Beispiel selbstreinigende Dachziegel mit einer „Lotus-Effekt-Beschichtung oder Wandfarbe mit Nano-Silberpartikeln.

Größenverhältnis© Selbermachen Kleiner geht’s kaum: Die Größe eines Nanopartikels verhält sich zur Größe eines Fußballs wie der Fußball zur Größe der Erde. **Häufige Ursache: Schäden am Haus

Kleine Schäden am Haus, etwa defekte Wasserleitungen oder auch unentdeckte Leckagen an Dach oder Regenfallrohr, können zu massiven Feuchtigkeitsproblemen führen. Liegt die Ursache in schadhaften Außenwänden, Regenrohren oder aufsteigender Feuchtigkeit, muss der Hauseigentümer die notwendigen Reparaturen durchführen.

Manchmal ist man selbst schuld!

Eine Ursache für Schimmel sind oft kalte Außenwandflächen, die durch Möbel verdeckt und nicht von der Heizungsluft erwärmt werden. Dadurch kondensiert hier Feuchtigkeit aus der relativ warmen Raumluft, und ein Wohlfühlmilieu für Schimmel entsteht. Wer aber diese Tipps beachtet, ist auf der sicheren Seite:

• Mindestens 5 cm Abstand von einer Außenwand und hinreichend Abstand zu Boden und Decke lassen die Luft zirkulieren, die Wände hinter den Möbeln bleiben warm. Wo es nötig ist, sollten Sie Lüftungsöffnungen einbauen.

• An Außenwänden niemals raumhohe Möbel aufstellen oder mit bodenlangen Gardinen den warmen Luftstrom von der Wand fernhalten. Denn auch hinter ihnen bleibt die Wand kalt.

Optimales Lüften verhindert Feuchtigkeitsprobleme!

Fenster aufreißen und mal so richtig durchlüften sorgt für frischen Sauerstoff und angenehme Raumluft. Aber was heißt richtig? Ständig bewohnte Räume sollten in Zeiten dicht schließender Isolierfenster dreimal am Tag gründlich gelüftet werden. Am besten sorgen Sie mit Querlüftung für ordentlich Durchzug. Wenn sich Fenster und Tür gegenüber liegen und beide ganz geöffnet sind, reichen fünf Minuten für einen kompletten Luftaustausch. Auch Stoßlüften bei offenem Fenster erfordert höchstens zehn Minuten, um Feuchtigkeit, Staub und Schadstoffe abzutransportieren. Die kühle, frische Luft wird beim Aufheizen relativ trocken und kann wieder zusätzliche Feuchtigkeit aufnehmen (grüne Rahmen).

Entsteht nur wenig Zugluft oder sind die Fenster eher klein, braucht man entsprechend länger zum Lüften. Das aber hat den entscheidenden Nachteil, dass die Wände dabei unnötig auskühlen. Das Ergebnis: ausgekühlte Fensterlaibungen und mehr Heizenergieverbrauch, um die Wände wieder zu erwärmen (orange und roter Rahmen). Bequemer und energiesparender, aber ebenso wirksam sorgen Ventilatoren und Luftkanäle, wie sie heute in Niedrigenergiehäusern üblich sind, für kontrollierte Lüftung.

Artikel aus selber machen Ausgabe 09/2011. Jetzt abonnieren!
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