Fliesen anbringen | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Fliesen

Fliesen anbringen

In vielen Altbauten sind Originalfliesen dem Zeitgeist zum Opfer gefallen. Doch wo dieser Wandschmuck nur übertüncht ist, lohnt sich das Freilegen.

 
Alten Fliesen in neuer Frische © Selbermachen
Alten Fliesen in neuer Frische

Die alte Küche© SelbermachenEs sind die Details, die aus einer Wohnung ein Zuhause machen. Besonders Altbauten klotzen mit Stuck und Ornamenten schon von Haus aus. Leider entsprach dies in den siebziger und achtziger Jahren oft nicht dem Zeitgeist. Wo es möglich war, verschwanden diese Schmuckstücke beim Renovieren unter Farbe, Tapeten, Holzplatten. Wo das so ist, hat man immerhin die Chance, den originalen Raumschmuck wieder hervorzuholen. Küche nachher© SelbermachenBesonders alte Küchenfliesen lohnen den Aufwand. Auch wenn die Fliesen deutliche Zeichen der Zeit wie gerissene Glasur oder kleine Fehlstellen tragen, geben Sie der Küche wieder ein Gesicht. Wo die Schäden zu groß sind oder Möbel den Absatz zwischen Fliesen und Wand überdecken, können Sie raumhoch eine Vliestapete kleben. Sie ist im Bedarfsfall problemlos trocken abziehbar.

freigelegte Fliesen© SelbermachenWenn man alte Fliesen freilegt, ist das schon eine kleine Restaurierung, allerdings sind ein paar Arbeitsschritte mehr nötig als üblich. Begonnen wird mit dem Freilegen des Fliesenschilds und der angrenzenden Wand. Meist ist es Lackoder Latexfarbe, die von den Fliesen runter muss. Beide lassen sich relativ bequem mit einem Heißluftgerät anweichen und dann mit einem Spachtel abstoßen. Auf den Fliesen kein Problem, in den Fugen möglicherweise nur mit einer Fugenraspel zu machen. Wenn die Fugen breit und unansehnlich sind, sollte man sie grundsätzlich etwas vertiefen (auskratzen oder ausfräsen) und neu verfugen.

Wand vorher© SelbermachenDie angrenzende Wand wird von alten Tapeten befreit, Anstriche müssen Sie abwaschen. Anschließend alle Bohrlöcher mit Gipsspachtelmasse schließen, die Wand flächig glätten und – bei Altbauten fast immer notwendig – mit einem Tiefgrund festigen. Danach ist die Wandfläche perfekt für Farbe, Tapete oder jede andere dekorative Beschichtung.

Leider überstehen nicht alle Fliesen die manchmal brachialen Behandlungen der Vergangenheit. Hier war es eine ehemalige Ofenecke, in der schon einige Fliesen fehlten, andere stark beschädigt waren. Da muss man dann wohl oder übel die schönen Fliesen wieder verstecken. Dazu gleicht man den Niveauunterschied zwischen Fliesen und Wand mit einer Feuchtraum-geeigneten Gipskartonplatte aus. Sie wird mit Ansetzgips einfach an die Wand geklebt. Gipskarton gibt es ab 6,5 mm Dicke. Damit es später zwischen Fliesen und Gipsbauplatte nicht reißt, wird eine rissüberbrückende Vliestapete darüber geklebt.

Lackfarbe entfernen© SelbermachenZuerst muss die Farbe ab. Hier ist es Lackfarbe, die die alten Fliesen verdeckt. Durch die glatte Fliesenoberfläche lässt sich die alte Farbe mit Heißluft und Spachtel leicht entfernen.

Fuge versiegeln© SelbermachenZuletzt wird die Fuge zwischen den Fliesen und der Tapete versiegelt. Eine sorgfältig eingebaute Acrylnaht sorgt für einen sauberen Übergang zwischen den beiden Wandbelägen.

Fliese unter Fliese

  1. Fliesenschicht abklopfenFliesenschicht abklopfen© Selbermachen

    Fliesenschicht abklopfen

    Manchmal sind die alten Fliesen mit einer zweiten Fliesenschicht überklebt worden. Dafür wurde oft ein sogenannter Kontaktkleber verwendet. Mit Gefühl und Hammerschlag lassen sich die neueren Fliesen entfernen. Mit einem leichten Hammer, möglicherweise von einem sehr breiten Meißel unterstützt, schlagen sie die obere Fliesenschicht Stück für Stück ab.
  2. Abbeizer auftragenAbbeizer auftragen© Selbermachen

    Abbeizer auftragen

    Jetzt muss der alte Kleber restlos von den alten Fliesen verschwinden. Dafür wird er mit einem üblichen Abbeizer eingestrichen. Bei dieser Arbeit ist eine gute Belüftung des Raums wichtig, also Fenster sperrangelweit auf und Türen zur restlichen Wohnung geschlossen halten.
  3. Kleber lösenKleber lösen© Selbermachen

    Kleber lösen

    Nach etwa 10 bis 15 Minuten Einwirkzeit ist der Kleber angelöst und lässt sich mit einem Spachtel von den Fliesen schieben. Der Spachtel sollte für diese Arbeit eine feste, biegesteife Klinge haben.

Alte Wand für neuen Belag vorbereiten

  1. Dübel ziehenDübel ziehen© Selbermachen

    Dübel ziehen

    Alte Dübel müssen raus! Dafür eine Ringschraube so weit eindrehen, dass sie eben fest sitzt. Dann mit dem Griff einer Zange oder eines Schraubenziehers heraushebeln. Ein untergelegtes Brett schützt die Wand vor Dellen.
  2. Löcher verspachtelnLöcher verspachteln© Selbermachen

    Löcher verspachteln

    Anschließend werden alle Löcher etwas befeuchtet und dann mit Spachtelmasse gefüllt und geglättet.
  3. Wand glättenWand glätten© Selbermachen

    Wand glätten

    Jetzt kommt die Kür: Stellen Sie sich eine Lampe dicht an die Wand, so dass das Licht über die Wand streift. Im Gegenlicht wird die Wand nun mit einem breiten Spachtel geglättet. So sehen Sie jede Delle und werden diesen Arbeitsgang sicher mehrmals wiederholen müssen, bis die Wand richtig glatt ist – aber es lohnt sich.
  4. Tiefengrund auftragenTiefengrund auftragen© Selbermachen

    Tiefengrund auftragen

    Alte Wände sind häufig sehr saugfähig oder sanden. Bevor hier gestrichen, tapeziert oder Gipskarton geklebt werden kann, muss die Wand mit Tiefgrund abgesperrt und gefestigt werden.
  5. Maß nehmenMaß nehmen© Selbermachen

    Maß nehmen

    Jetzt wird fürs Tapezieren Maß genommen. In Nischen wie dieser zwischen Ecke und Fenster muss eine Tapetenbahn meist auch in der Breite zugeschnitten werden. Sie sollte aber etwa 1 cm über die Ecke hinweggeklebt sein.
  6. Vliestapete ansetzenVliestapete ansetzen© Selbermachen

    Vliestapete ansetzen

    Tapeziert wird mit einer Vliestapete, die rissüberbrückend ist. Bei Vliestapeten kommt erst der Kleister an die Wand, dann die Tapete.

Fliesenschild und Wand auf einem Niveau

  1. Dicke Fliesenschild messenDicke Fliesenschild messen© Selbermachen

    Dicke Fliesenschild messen

    Wenn die Fliesen stark mitgenommen sind und sie freigelegt mehr Schande als Schmuck sind, messen Sie die Dicke des Fliesenschilds, um den Niveauunterschied auszugleichen.
  2. Gipsplatte zuschneidenGipsplatte zuschneiden© Selbermachen

    Gipsplatte zuschneiden

    Feuchtraumgeeignete Gipskartonplatten in Fliesenschildstärke minus 1 cm werden mit einem Cutter angeritzt, über eine Kante gebrochen und so auf Maß gebracht.
  3. Ansetzgips auftragenAnsetzgips auftragen© Selbermachen

    Ansetzgips auftragen

    Sogenannter Ansetzgips wird nach Herstellerangabe angerührt und in Batzen auf die Plattenrückseite gesetzt.
  4. Platte ansetzenPlatte ansetzen© Selbermachen

    Platte ansetzen

    Anschließend die Platte zügig an die Wand setzen, ausrichten und fest andrücken. Dabei bleibt der Gips etwa 10 mm hoch stehen. Das muss bei der Plattendicke berücksichtigt werden.
  5. Bewehrungsstreifen klebenBewehrungsstreifen kleben© Selbermachen

    Bewehrungsstreifen kleben

    Alle Fugen mit einer Fugenspachtelmasse (bieten die Plattenhersteller an) füllen, nach dem Trocknen schleifen und mit einem Bewehrungsstreifen überkleben.
  6. Vliestapete tapezierenVliestapete tapezieren© Selbermachen

    Vliestapete tapezieren

    Die Wand wird dann raumhoch mit einer Vliestapete tapeziert.

Fugen glätten© SelbermachenMischen© SelbermachenNur der Sockel wird gestrichen

Die Wand ist instandgesetzt, die Fliesen sehen fast wie neu aus – mit einem Wort: Der ganze Raum strahlt den Betrachter an. Der ganze Raum? Nein, denn der Boden ist noch der alte. Es muss also auch noch ein neuer Bodenbelag in die Küche (siehe SELBER MACHEN Heft 7/2007).

Sockelfliese streichen© SelbermachenNun kann es aber leicht passieren, dass die alten Sockelfliesen – sei es das Muster, sei es die Farbe – nicht zu dem neuen Bodenbelag passen. In so einem Fall kann man schon mal eine Ausnahme machen: Glätten Sie die Fugen der Sockelfliesen mit Spachtelmasse auf Gipsbasis. Dann lackieren Sie diesen Randstreifen mit Fliesenlack über. So entsteht der Eindruck einer glatten Sockelleiste.

SELBER MACHEN 10/2007

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