Herberge im Naturlook

Igelhaus selber bauen

Unser Igelhaus zum selber bauen macht die Stacheltiere glücklich: Es ist Schlaf-, Futter- und Überwinterungsquartier in einem. Der Bau geht ganz einfach!

 
Igelhaus selber bauen © Chris Lambertsen
In diesem Haus fühlen sich Igel wohl

Glücklich, wer über den Winter ein warmes und trockenes Dach über dem Kopf hat. Und auch einen reich gedeckten Futtertisch, um sich noch schnell ein paar Gramm Winterspeck auf die Igelhüften zu schaffen! Unser Igelhaus aus unbehandeltem Fichtenholz ist besonders für junge, unterernährte Findelkinder sinnvoll, die bei richtiger Ernährung noch gut zehn Gramm Körpergewicht am Tag zunehmen können.

Igel im Igelhaus überwintern

Im flachen, glasierten Untersetzer für Blumentöpfe füttert man mit 3 EL Trockenfutter oder mischt 2 EL Futter mit 30 Gramm Dosen-Katzenfutter pro Tag. Igel-Trockenfutter besteht aus getrockneten Weich- und Krebstieren, Fleisch, Insekten, Gemüse, Früchten und Lebertran. Auch Vitamine und Mineralstoffe werden zugegeben. Es ist lange haltbar und portionierbar.

Täglich frisches Wasser kommt daneben. Spülen Sie die Schalen vor jedem Füllen mit heißem Wasser sauber. Im nebenliegenden Schlafgemach bauen sich die Igel gern ihr kugeliges Schlafnest. Dafür eignet sich in Stücke gerissenes, zerknülltes Zeitungspapier am besten. Im Gegensatz zu feinem Heu für Kleintiere zieht es über den Winter kaum Feuchtigkeit und bildet so keinen Schimmel.

Die jungen Igel gehen im Laufe des Novembers in den Winterschlaf. Den richtigen Termin merkt man, wenn das Futter im Laufe einer Woche nicht mehr aufgebraucht wird. Wichtig: In dieser Zeit sollte niemand in das Schlafgemach oder gar das Zeitungsnest schauen – es würde den Igel nur bei seiner Vorbereitung auf die Ruhezeit stören. Hier erfahren Sie mehr über die richtige Pflege und Haltung von Igeln im Winter.

Das Igelhaus im Frühjahr: Nach dem Winterschlaf

Ab Mitte April bis Anfang Mai erwachen die Tiere wieder aus dem Tiefschlaf. Auch jetzt kommt unsere Heimstatt zum Einsatz, denn in den meisten Gärten gibt es im Frühjahr nur wenig zu fressen. Leider starten immer noch viele Gartenbesitzer bei den ersten Sonnenstrahlen im April den großen Frühjahrsputz: Beete, Rabatten und sogar Gehölzstreifen werden penibel von Laub und Pflanzenresten befreit.

Übrig bleibt geharkter, kahler Boden. Hier gibt es dann für die Igel nichts mehr zu holen. Insekten und Regenwürmer? Fehlanzeige! Je mehr Laub also im Garten liegen bleibt, desto reicher ist für die Tiere der Tisch gedeckt. Spinnen, Käfer und Schnecken werden bevorzugt. Je naturnäher also ein Garten gestaltet ist, desto leichter fällt die Nahrungssuche.

Das Igelhaus als Nest

Oft baut eine Igelmutter ab Juli ein Nest und zieht ihre Jungen groß. Schön, wenn sie dafür ab Ende Mai frisches Bettzeug kriegt – bis dahin sollte das alte Winternest durch neue Zeitung ersetzt sein. Noch bis Oktober schlafen hier die Jungigel auch ohne die Mutter, bis sie sich im Garten unter großen Laub- und Reisighaufen ihr eigenes Winterquartier bauen. Oder eines der Jungen bleibt gleich im Haus – die Tiere sind ja Einzelgänger – und macht es sich hier für die kalten Monate wieder gemütlich.

Als Faustregel gilt: Lassen Sie überall, wo es nur geht, das Laub liegen. Denn nur wo organische Substanz auf der Erde liegt, finden die Igel genügend Insekten und Regenwürmer.

Besonders sinnvoll sind Laub- und Reisighaufen, die man in einer schattigen Gartenecke, unter Sträuchern oder Koniferen aufschüttet. Sie dienen als idealer Unterschlupf und Ausweichquartier fast über das ganze Jahr. Will man sie umsetzen, bietet sich der Juni an, damit man die Igel nicht stört.

Igelhaus selber bauen: Maße und Aufteilung


Zeichnung: Tillman Straszburger

  • Eingang (A): Ein schmaler Eingangsbereich hindert Katzen am Betreten. Auch Wanderratten haben keine Chance: Eine leichtgängige Klappe erweckt ihr Misstrauen und hält sie vom Futter fern.
  • Speisekammer (B): Im Speisesaal wird spezielles Trockenfutter für Igel gereicht wird. Da die Tiere vorne kauen und hinten verdauen, erleichtern einige Lagen geknicktes Zeitungspapier die Reinigung ganz wesentlich.
  • Schlafplatz (C): Durch einen kleinen Durchgang kommen die Igel ins Schlafgemach: Sie bauen sich gern ihr Nest aus zerknülltem Zeitungspapier.

Alle Maße in cm.

Igelhaus selber bauen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. © Chris Lambertsen

    Maße einzeichnen

    Tragen Sie auf einer Fichtenleimholzplatte (B 70 x T 40 cm) die Maße per Anschlagwinkel, Bleistift und Stahllineal auf. Das Stahllineal dient – hochkant gebogen – zum Auftragen der Schwünge an den Seiten der Vorder- und Rückfront.
  2. Bauteile mit Stichsäge aussägen© Chris Lambertsen

    Bauteile mit Stichsäge aussägen

    Alle Teile dann mit einer Stichsäge zuschneiden. Vorher die Wendepunkte mit einem 10mm-Holzbohrer vorbohren.
  3. Kanten brechen© Chris Lambertsen

    Kanten brechen

    Alle Kanten werden mit einem 60er-Schleifpapier gebrochen.
  4. Klappe anbringen© Chris Lambertsen

    Klappe anbringen

    Die Klappe gegen das Eindringen von Wanderratten muss zu beiden Seiten frei schwingen können – sie wird mit kleinen Scharnieren angeschraubt.
  5. Verbindung aller Bauteile mit Schnellbauschrauben© Chris Lambertsen

    Verbindung aller Bauteile mit Schnellbauschrauben

    Alle zugesägten Teile werden nun mit 3,5 x 45mm Schnellbauschrauben zusammengebaut.
  6. Dachpappe zuschneiden© Chris Lambertsen

    Dachpappe zuschneiden

    Das Dach ist aus besandeter Dachpappe. Ihre Ecken werden mit einem Cuttermesser ausgeschnitten, damit sie später nicht übereinanderliegen und brechen.
  7. Dachpappe tackern© Chris Lambertsen

    Dachpappe tackern

    Mit dem Handtacker und langen Klammern aus Edelstahl dieDachpappe auf der Fichtenleimholzplatte befestigen.
  8. Dach mit Klavierband befestigen© Chris Lambertsen

    Dach mit Klavierband befestigen

    Das Dach wird mit einem Klavierband aus Messing festgeschraubt. Man legt die Platte auf den Boden, positioniert das Haus entsprechend eingerückt und schraubt dann alles fest. Der Überstand beträgt 5 cm.
  9. Aufsteller für das Dach© Chris Lambertsen

    Aufsteller für das Dach

    Der Aufsteller hält das Dach bei der Reinigung des Innenraumes. Dafür rastet die Leiste 14x14 mm im 6 mm tiefen Sackloch (20mm-Forstner-Bohrer). Ein Zwischenbodenhalter (weiß) dient als Auflager.

Als Dach der Igelvilla haben wir dünn besandete rote Dachpappe gewählt. Sie wird einfach von unten am klappbaren Deckel fest getackert. Denkbar ist auch dicke Teichfolie aus dem Gartenmarkt, die es in einem unauffälligen dunklen Grünton gibt.

Wer möchte, kann das kleine Bauwerk auch farbig gestalten. Dabei sollte man auf umweltfreundliche Lacke mit dem Blauen Engel achten. Attraktiv ist auch eine Verkleidung mit Naturmatten, dann gliedert sich die Behausung perfekt in eine schattige Gartenecke ein.

Text: Thomas Armonat; Fotos: Chris Lambertsen, Zeichnung: Tillman Straßburger
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