Interview: Ist ein Zusammenleben mit dem Marder im Dach möglich? | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Marder auf dem Dach, was tun?

Interview: Ist ein Zusammenleben mit dem Marder im Dach möglich?

Der Marder im Dach ist für viele Hausbesitzer ein großes Ärgernis. Hinterlässt er meist ein kaputte Dach-Isolierung, Kot und Beutereste. Wir sind mit Dr. Beate Ludwig, Wildbiologin und Verhaltensforscherin der Frage nachgegangen, ob ein Zusammenleben mit dem Marder im Dach möglich ist.

 
Ist ein Zusammenleben mit dem Marder im Dach möglich? © Selbermachen Media
Ist ein Zusammenleben mit dem Marder im Dach möglich?

Meist schleicht sich der Marder bei Nacht und Nebel ins Haus. Und ist er erstmal da, will er so schnell auch nicht wieder weg. Was Sie gegen einen Marder im Dach tun können, das erfahren Sie hier

Doch wäre ein Zusammenleben mit dem kleinen Raubtier möglich? Wir haben uns mit Dr. Beate Ludwig, Wildbiologin und Verhaltensforscherin, unterhalten, um dieser Frage nachzugehen. 

Frau Ludwig, was macht den Steinmarder zum erfolgreichen Überlebenskünstler?

Er ist in seinem Jagdverhalten nicht spezialisiert und gilt als Allesfresser. Weil er außerdem sehr vorsichtig agiert und auch enorm anpassungsfähig ist, kommt er in Wald und Flur, auf dem Dorf und auch in der Großstadt zurecht.

Ist sein Lebensraum dem Menschen näher gerückt?

In der Nähe des Menschen lebt das Tier schon seit Jahrhunderten, fiel im dörflich-landwirtschaftlichen Bereich nur weniger auf. Heute findet der Steinmarder kaum noch Strohscheunen, weicht deshalb auf andere Quartiere aus. Voraussetzung ist, dass er ungestört bleibt und vor Klima einflüssen geschützt ist. Bevorzugt werden versteckte Plätze, an denen sich Menschen nicht regelmäßig aufhalten – ideal sind Zwischenböden. Auf jeden Fall haben Steinmarder es gerne erhöht, deswegen sind Dachböden erste Wahl.

Was machen die Tiere dort?

Sie nutzen sie genauso als Ruhe- und Schlafplatz wie beispielsweise den Reisighaufen in der Natur. Für den Marder ist es einfach ein Unterschlupf unter vielen in seinem Revier. Weil er dämmerungs- und nachtaktiv ist, schläft er dort tagsüber. Beute wird dort hin gebracht, Weibchen ziehen Junge groß.

Kann sich der Mensch mit dem Marder arrangieren?

Das ist häufig die einfachste Lösung. Ich sage immer: „Ein solides Haus sollte ein Marder aushalten.“ Denn: Die meiste Zeit bleibt das Tier doch unbemerkt. Gegen den vorübergehenden Lärm können Ohrenstöpsel helfen. Auch gegen Urin, Kot und Beutereste lassen sich leicht Vorkehrungen treffen.

Mit starken Bitterstoffen vergrämen

Hans-Hermann Martinsson, Verkaufsleiter, Herbert-Heinz Winkler GmbH (Vertreiber des Marder-Abwehrmittels LogoRep)

Wie wird das Abwehrmittel angewendet?

Unser Mittel zum Vergrämen, also dem Vertreiben des Marders, basiert auf einer harmlosen, nicht-toxischen Mineralstoffverbindung. Es wird da, wo er sich aufhält, großflächig versprüht. Nach dem Trocknen bleiben mikroskopischkleine Kristalle, die aufgewirbelt werden und dank der Statik im Pelz der Tiere hängen bleiben oder an den Pfoten haften.

Wie wirkt es bei dem Tier?

Der Effekt setzt bei der Tatsache an, dass sich Marder als Pelztiere viel putzen. In dem Mittel wirken starke Bitterstoffe, die ihm gar nicht schmecken und einen regelrechten Würgereiz auslösen. Es vertreibt übrigens auch andere Pelztiere wie Katzen, Ratten und Mäuse sehr wirkungsvoll.

Expertentipps von Dr. Mathias Herrmann, Sprecher des Bundesfachausschusses Mammalogie (Säugetiere), Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V.

Sind Steinmarder besonders geschützt?

Steinmarder gehören zu den durch die Bundesartenschutzverordnung geschützten Arten. Es ist, wie bei allen anderen Arten, verboten, die Tiere zu töten oder die Lebensstätten zu zerstören. Dies gilt auch für Steinmarder, obwohl sie nicht zu den bedrohten Arten gehören. Steinmarder unterliegen auch dem Jagdrecht. Dies bedeutet, dass ausgebildete Jäger die Tiere während der Jagdzeiten in ihren Revieren schießen und in speziellen Fallen fangen dürfen. Die Jagdzeit auf Steinmarder dauert von Mitte Oktober bis Ende Februar. Im Februar haben aber schon einige Weibchen Junge, die dann verhungern. In den einzelnen Bundesländern gibt es dann noch spezifische Regelungen.

Ist das Fangen und Aussetzen an anderem Ort eine sinnvolle Maßnahme?

Die Methode ist untauglich. Wir wissen von mit Sendern ausgestatteten Tieren, dass es in der Regel nicht länger als zehn bis 14 Tage dauert, bis das verwaiste Revier von einem Jungtier übernommen wird, das nach einem eigenen Revier sucht.

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