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Gegensprechanlage

Türsprechanlage mit Video nachrüsten

Türklingeln sind so selbstverständlich wie Wasser aus der Leitung, doch man muss sich nicht mit einem Knopf draußen und einer Glocke drinnen begnügen. Moderne Türsprechanlage mit Gegensprechen und Bildübertragung lassen sich leicht nachrüsten.

 
Moderen Türsprechanlage mit Bildübertragung nachrüsten © Chris Lambertsen
Moderen Türsprechanlage mit Bildübertragung nachrüsten

Ob es nun der Postbote, die beste Freundin oder ein Hausierer ist, bei einer einfachen Türklingel lässt sich das höchstens an einem vereinbarten Klingelzeichen unterscheiden. In einem Einfamilienhaus hilft vielleicht auch noch der Blick durchs Fenster. Doch wer hintenraus oder in einem anderen Geschoss wohnt, kann auch damit oft nicht erkennen, wer vor der Tür steht.

Das Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen erfordert heute weitere Kommunikations-Möglichkeiten mit dem Besucher vor der Tür, um zu entscheiden, ob man ihm Einlass gewährt.

Der Einbau einer Türsprechanlage oder gar einer Video-Türsprechanlage ist deshalb der Wunsch vieler Haus- und Wohnungsbesitzer.

Bei einem Neubau und rechtzeitiger Planung ist die Verkabelung selbst aufwendiger Türsprechanlagen kein Problem. Anders ist es im Altbau, wenn man sich mit den vorhandenen Leitungen in der Wand abfinden muss.

Zwei Drähte reichen für die Umrüstung auf eine Klingelanlage

© SelbermachenModerne Türsprechanlage für die Renovierung meistern aber auch dieses Problem. Zwei-Draht-Technik heißt das Zauberwort, mit dem sich über nur zwei Drähte pro Wohnung klingeln, sprechen, ja sogar per Video schauen lässt, wer vor der Tür steht, und schließlich noch die Tür geöffnet wird.

Der Hersteller Siedle kommt beispielsweise bei dem 1+n-System mit nur noch einem Kabel für die Audiokommunikation aus, braucht dann aber eine zusätzliche Koaxialleitung für das Videobild.

Noch einfacher ist die Installation spezieller Funklösungen. Sie reichen von der drahtlosen Zusatzklingel am Gartentor über Funkgongs bis hin zu Funk-Sprechanlagen. Je nach Anbieter und Preis sind die Türsprechanlagen mehr oder weniger komfortabel und zum Teil selber installierbar. Dort, wo sie mit dem 230-Volt-Netz verbunden werden müssen, ist vorschriftsgemäß ein Elektriker zu rufen, sofern es sich nicht nur um ein einfaches Steckernetzteil handelt. Auch bei aufwendigeren Anlagen empfiehlt sich wohl die Dienstleistung des Fachmanns.

Zentrale ist die Basisstation in der Wohnung

Bestand bisher die einfache Klingelanlage aus einem Trafo, der aus 230-Volt-Netzstrom ungefährliche 8 Volt machte, Klingeldraht, einem Taster mit Namensschild an der Tür und einer elektrischen Glocke, so wird die moderne Türkommunikation doch etwas komplizierter, wie der Übersichtsplan auf Seite 50 zeigt. Auf ihm ist eine Türsprechanlage für ein Ein- oder Zwei-Familien-Haus dargestellt. Im Prinzip funktionieren größere Anlagen für Mehrfamilienhäuser genauso.

Die Zentrale der Anlage ist bei diesem System die Innenstation in der Wohnung. Sie wird mit dem mitgelieferten Steckernetzteil mit 15-Volt-Spannung versorgt. Alternativ könnte aber auch ein 15-Volt-Trafo im Sicherungskasten versteckt werden, was sich schöner macht, wenn bereits ein passendes Kabel in der Wand liegt.

Von der Innenstation führt eine zweiadrige Leitung zur Außenstation an der Haustür. Dazu genügt in der Regel der vorhandene Klingeldraht. Von der Außenstation geht es mit zwei Adern weiter zum Türöffner, der mit 12-Volt-Gleichstrom betrieben wird. Betätigt wird der Türöffner mit einem Taster an der Innenstation.

Weitere Kontakte an der Innenstation ermöglichen den Anschluss eines Funkgongs, zum Beispiel in einem anderen Raum sowie den Anschluss eines klassischen Läutewerks oder eines modernen Gongs.

Auch ein zweiter Klingeltaster, vom Hintereingang oder direkt an der Wohnungstür (Etagenklingel), lässt sich anschließen. Wird dieser Taster betätigt, klingelt es in einem anderen Ton, so dass der Wohnungsbesitzer bereits am Klang erkennen kann, wo der Besucher steht.

Auf Wunsch lässt sich die Anlage auch noch mit einer zweiten Sprecheinheit, zum Beispiel in der zweiten Etage oder einem anderen Raum erweitern, die dann die gleiche Bedienung ermöglichst wie die erste Innenstation.

Türsprechanlagen lassen sich einfach installieren

Für eine weitere Wohnung im Haus ist wiederum eine Innenstation erforderlich, bei der jedoch der Anschluss für die Stromversorgung entfallen kann.

Im Prinzip ganz einfach: Zentrale einer Klingelanlage ist die Basisstation der ersten Wohnung. Hierüber laufen Stromversorgung und alle Verbindungen für Gegensprechen, Türöffnen und mögliche Zusatzmodule.

Mit Bildübertragung weiß man, wen man vor sich hat

Selbst die Video-Türsprechanlagen sind meist nicht komplizierter anzuschließen. Der wesentliche Unterschied liegt in der Außenstation mit Kamera und der Innenstation mit Bildschirm. Zusätzlich kann das Bild oft über einen Videoanschluss auch auf einen Fernseher oder den PC übertragen und der Eingang so vom Schreibtisch oder von der Couch im Wohnzmmer aus überwacht werden.

Ein Anschluss der Türsprechanlage an eine Telefonanlage ist jedoch nicht bei allen Systemen möglich. Einige Hersteller bieten jedoch Lösungen an, die mit speziellen Modulen aufwendigerer Telefonanlagen kombiniert werden können.

Der Vorteil ist, dass man über jedes Telefon im Haus mit dem Besucher sprechen und auch gleich die Tür öffnen kann. Die Kosten für eine einfache Türsprechanlage für ein Ein-Familien-Haus beginnen bei zirka 60 Euro, die für Video-Türsprechanlagen bei knapp 100 Euro. Für komfortable Anlagen müssen Sie etwa das Zweibis Dreifache rechnen.

Sie können aber je nach Hersteller und System auch weit über 1000 Euro für die Türkommunikation ausgeben. Die in der Zeichnung dargestellt Türsprechanlage für ein Zwei-Familien- Haus kostet mit einer Außenstation und zwei Innenstationen zirka 150 Euro. Es muss aber auch nicht immer gleich eine neue Türsprechanlage sein, um die Kommunikation zu verbessern.

Ein Gong kann schon für wenig Geld die schrill läutende Glocke ersetzen. Es gibt sie als mechanische Mehrklanggongs oder elektronische Melodiegongs. Moderne Gongs bieten mehrere Signale zur Auswahl. Viele Gongs können auch so angeschlossen werden, dass unterschiedliche Signale ertönen, je nachdem, ob der Besucher vor dem Haus steht oder direkt an der Wohnungstür klingelt.

Die Firma Düwi bietet sogar ein Modul mit USB-Anschluss, über das man selber Musik vom Computer auf den Gong überspielen kann. Mit einer speziellen Software lassen sich sogenannte Wave- und Midi-Dateien vom PC auf das Modul laden. Andere Musikformate müssen vorher umgewandelt werden.

Wenn Sie die alte Klingel durch einen Gong ersetzen wollen, müssen Sie auf die Spannung des Klingeltrafos achten. Bisher waren meist 8 Volt üblich. Manche Gongs benötigen aber auch 12 Volt oder gar einen Anschluss für 230-Volt-Wechselstrom. Manchmal ist die Klingel so ungünstig in der Wohnung platziert, dass man sie nicht in allen Räumen hört und schon gar nicht im Heimwerkerkeller.

Ein zweiter Gong, der sich auch per Funk ansteuern lässt, könnte da die passende Lösung sein. Eine andere Alternative ist ein tragbarer Empfänger, den man in den Keller oder in den Garten mitnehmen kann und der hörgeschädigten Personen mit einem optischen Signal die Besuchermeldung überbringen kann.

Drahtlose Klingeln funktionieren überall

Funkgongs können mit einem batteriebetriebenen Funkklingeltaster an der Tür auch die alte Klingel ohne jegliche Neuverkabelung ersetzen. In Kombination mit einem Bewegungsmelder gibt der Gong sogar schon Alarm, wenn ein Besucher nur das eigene Grundstück betritt. Ansonsten werden Bewegungsmelder eher benutzt, um die Außenbeleuchtung einzuschalten.

Bei einer Video-Türsprechanlage können sie aber auch gleich die Kamera in der Türstation aktivieren. Wer nur den alten Combifix- Klingeltaster durch eine schönere Klingel ersetzen möchte, findet auch in den Baumärkten ein breites Angebot vom einfachen Kunststoff-Klingelknopf über Messingmodelle bis hin zu beleuchteten Klingelplatten. Da macht das Klingeln auch dem Postboten künftig viel mehr Spaß.

Schlüssel-Alternativen

Was beim Auto oder Hotelzimmern längst Standard ist, könnte bald auch zu Hause Wirklichkeit werden – die elektronische Zugangskontrolle. Die modernen Alternativen zu Schlüssel und Schloss können auch im Wohnungsbereich mehr Sicherheit und Komfort bringen.

Sie sorgen selbst bei eingeschränkter Bewegungsfreiheit für einen einfachen Zutritt zum Gebäude. Ist das Lesegerät an der Türstation ausreichend niedrig angebracht, lässt sich die Tür auch von kleineren Kindern und Rollstuhlfahrern leicht öffnen.

■ Die Fingerabdruckerkennung bietet viele praktische Vorzüge im Alltag. Der eigene Finger ist immer zur Hand und muss nicht erst in den letzten Winkeln der Handtasche gesucht werden. Vergessen kann man ihn auch nicht. Das spart gegebenenfalls hohe Kosten für einen Schlüsseldienst. Nachteile: Bei kleinen Kindern funktioniert die Erkennung des Fingerabdrucks noch nicht zuverlässig genug.

■ Transpondersysteme wie der Electronic-Key können für Familien mit Kindern die richtige Lösung sein. Zwar kann man das Gerät wieder verlieren, doch ist das nicht mehr mit hohem Risiko und Kosten verbunden, denn der zugehörige Code lässt sich einfach aus dem Empfänger an der Tür löschen, und das Kind bekommt einen neuen Electronic-Key.

■ Alle elektronischen Zugangskontrollen bieten die Möglichkeit, den Zutritt zeit- und personenabhängig zu gewähren und zu protokollieren. So darf zum Beispiel die Putzfrau nur vormittags in die Wohnung, die Kinder dagegen jederzeit. Sollte mal ein Schaden in der Wohnung entstehen, lässt sich auch später noch feststellen, wer vorher die Wohnungstür aufgeschlossen hat. Moderne Zugangskontrollsysteme sind weitaus flexibler als herkömmliche Schlüssel und einfacher in der Handhabung. Ohne großen Aufwand lassen sie sich wie eine Schließanlage zum Beispiel für die Einliegerwohnung oder kleinere Mehrfamileinhäuser programmieren. Außerdem können sie auch perfekt in die Türkommunikation integriert werden.

Artikel aus selber machen Ausgabe 01/2014. Jetzt abonnieren!
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