Lack entfernen | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Schleifen, Abbeizen

Lack entfernen

Der Lack muss ab – so viel ist klar! Aber mit welchen Mitteln sind Türen, Fenster und Möbel wirklich am einfachsten und schnellsten von den alten Lack-Schichten zu befreien? Wir haben für Sie die möglichen chemischen und mechanischen Varianten ausprobiert.
 
Lack entfernen © Selbermachen
Lack entfernen

Bei jeder Renovierung von Wänden, Böden und Decken schleicht man drum herum: Die alten Fußleisten, Türen und Zargen sind zwar millimeterdick mit alten Lackschichten überzogen, aber will man die wirklich alle runterholen?

Dann streicht man doch lieber zum sechsten Mal drüber, auch wenn die schmalen Profilierungen der Kassettentür danach kaum noch als solche zu erkennen sind.

Doch irgendwann kommen Sie um eine Komplettsanierung nicht mehr herum. Das Ergebnis des Anstrichs ist nämlich in fast allen Fällen unbefriedigend. Die alten Tropfnasen, Risse und Abplatzungen bleiben nämlich sichtbar.

Bei solch fummeligen, staubigen und – sagen wir’s ruhig – stinkenden Arbeiten wie Lackentfernen sollten der Aufwand und das Ziel in einem vertretbaren Verhältnis stehen. Die erste Frage lautet deshalb also immer: Wie soll das Objekt, in unserem Falle eine alte Kassettentür, hinterher aussehen?

Chemie versus Motorkraft: Der Mix macht's

Wollen Sie einer an sich gut erhaltenen weißen Tür nur etwas neuen Glanz verleihen, reicht in der Regel ein leichtes Anschleifen der Fläche und das Überlackieren aus. Das ist allerdings nicht endlos machbar, nach der dritten „Light“-Renovierung sollten Sie die Lackschichten einmal komplett entfernen.

Möchten Sie hingegen die Tür ganz vom Lack befreien, um sich am nackten, aber warmen Holzton zu erfreuen, müssen Sie schweres Gerät respektive Chemie auffahren.

Unsere Erfahrungen mit der Tür zeigen spätestens hier, dass es ein Entweder- oder gerade bei profilierten Oberflächen nicht gibt. Entscheiden Sie sich für das Abschleifen, so stehen Sie spätestens an den feinen Rundungen und Kanten der Kassetten vor einem Problem. Ein Abbeizer ist hier wesentlich bequemer einzusetzen als Schleifpapier.

Wollen Sie die ganze Tür abbeizen, was technisch natürlich geht, kommen Sie um einen anschließenden Grob- und Feinschliff nicht herum, der das Holz für die nachfolgende Lackierung vorbereitet. Die Lösung ist also ein Mix:

Verwenden Sie für die Flächen ein leistungsstarkes Schleifgerät. Am besten ist hier der Exzenterschleifer geeignet, der hat die größte Abtragsleistung, haut aber keine Riefen ins Holz wie ein Bandschleifer.

Für die Profile setzen Sie vorzugsweise einen lösemittelarmen Abbeizer ein. Sind die Profile mehrfach lackiert, müssen Sie den Abbeizer pro Schicht einmal auftragen und jeweils etwa eine Stunde einwirken lassen.

Beide Verfahren haben Nachteile

An dieser Stelle müssen wir fairerweise darauf hinweisen, dass beide Verfahren ihre Nachteile haben: feiner Staub beim Schleifen und sehr hartnäckige Gerüche beim Abbeizen.

Die Türsanierung sollten Sie also grundsätzlich an der frischen Luft oder zumindest bei weit geöffneten Fenstern vornehmen. Obwohl der von uns verwendete Abbeizer von den üblichen aromatischen Lösemitteln befreit ist, ist sein Geruch alles andere als angenehm.

Im Baumarkt finden Sie auch noch lösemittelhaltige Produkte – deren verdunstende Inhaltsstoffe können bei empfindlichen Menschen sogar Kopfschmerzen verursachen. Allerdings sind sie in ihrer lösenden Wirkung auf die alten Lackschichten noch stärker und schneller.

Beim Schleifer ist dringend der Einsatz des Staubfangbeutels angesagt, vor allem wenn Sie große Flächen schleifen. Durch die Reibungshitze des Exzenterschleifers entstehen hier nicht nur Staub, sondern ebenfalls unangenehme Gerüche.

Weil der Beutel bei den wenigsten Geräten alles auffängt, sollten Sie zusätzlich einen Staubsauger bereithalten, mit dem Sie etwa alle zehn Minuten die Schleiffläche absaugen. Ansonsten verhindert nämlich eine feine Staubschicht, dass die Schleifscheibe direkten Kontakt zur Lackfläche hat, und Sie kommen mit Ihren Bemühungen schwerlich voran.

Außerdem hat das Schleifen einen weiteren Nachteil: Ein rotierendes Schleifpapier reißt die Lackfläche regelrecht auf und entfernt sie, nur die Schleifscheiben setzen sich schnell zu. Abbeizer sorgen dafür, dass Lackkomponenten ihre Haftkraft auf dem Holz verlieren.

Beim Schleifen ist vor allem Geduld gefragt

Die Sache mit dem Staub gilt im Übrigen ganz unabhängig von der eingesetzten Schleifmaschine und der Schleifkörnung. Auch beim leichten Anschliff der Fläche mit einem Schwingschleifer und einem 120er-Schleifpapier müssen Sie die Fläche regelmäßig reinigen.

Hier umso gründlicher, weil der gelöste Staub auf der gleichfarbigen Tür nicht zu erkennen ist. Feuchtes Wischen bindet den Staub noch mehr.

Haben Ihre alten Schätze Beschläge aus Metall wie Drückergarnituren, Scharniere oder Schlösser, so ist es dringend anzuraten, diese vor der Renovierung komplett auszubauen. Gerade um die Beschläge herum hat sich über die Zeit oft die eine oder andere Lacknase vom letzten Anstrich niedergelassen, die Sie bei montiertem Metall nicht sauber entfernen können. Außerdem reagieren die allermeisten Metalle mit hässlichen Verfärbungen auf den Kontakt mit Abbeizer.

Sind die Beschläge erst mal ab, können Sie auch sie einer Grundreinigung unterziehen oder sogar über einen Komplettaustausch nachdenken. Weil die alten Schraublöcher in der Regel aber ausgeleiert sind oder für neue Beschläge gar nicht mehr passen, sollten Sie die vor dem Lackieren verspachteln oder mit speziellen, neu bohrbaren Knetmassen („Powerknete“) verschließen.

Ist das alte Stück schleifbereit, stellt sich die Frage nach der Körnung. Unsere Erfahrungen zeigen, dass es mindestens 80er- oder gröberes Papier sein muss, um den alten Lack in angemessener Zeit herunterzuholen.

Hier ist vor allem Geduld gefragt, denn die üblichen Tricks, ein hoher Anpressdruck des Schleifers und eine hohe Drehzahl, führen eher zu der schon erwähnten heftigen Geruchs- und Staubbelästigung als zu einem schnelleren Abtrag. Mit dem gröbsten Schliff muss wirklich alles entfernt sein, was Sie entfernen wollen.

Die nachfolgenden Schleifgänge mit feinerer Körnung dienen nur noch dazu, die groben Spuren des vorangegangenen zu entfernen. Für den letzten Schleifgang nehmen Sie 120er-Papier. Für Nuten, Kanten und Profilierungen setzen Sie dann den Abbeizer ein.

Wichtig: Arbeiten Sie dabei immer mit Gummihandschuhen, um Ihre Hände vor der ätzenden Wirkung zu schützen. Der Abbeizer wird satt mit einem Pinsel aufgetragen und danach so lange in Ruhe gelassen, bis der Lack feine Blasen wirft.

Jetzt können Sie den aufgeworfenen Lack mit einem Spachtel herauskratzen. Doch Achtung: Auch ein vergleichsweise stumpfer Spachtel kann bei unvorsichtigem und allzu brachialem Einsatz die Profile schädigen.

Unser Tipp: Lösen Sie immer nur das ab, was gut abgeht, und tragen Sie danach den Abbeizer noch einmal auf. So lassen Sie die Chemie die schmutzige Hauptarbeit machen, und Sie haben dann beim abschließenden Feinschliff mit der mittelfeinen Stahlwolle noch einmal das letzte Wort.

Vor dem erneuten Lackieren: Fehlstellen ausbessern

Vor dem Lackieren haben Sie noch einmal die letzte Möglichkeit, den Gesamtzustand Ihres gehobenen Schatzes zu begutachten. Bei alten Türen beispielsweise haben sich die Kanten mit der Zeit von der Rechtwinkligkeit verabschiedet und sind ausgebrochen und/oder durch den Gebrauch unregelmäßig abgerundet.

Eine gute Möglichkeit, die Optik weiter aufzuwerten, ist es daher, generell alle Kanten der Tür mit einer Oberfräse auf einen einheitlichen Radius abzurunden. Die hässlichen Bruchstellen werden damit weitgehend beseitigt. Die Oberfräse können Sie für kleines Geld im Baumarkt ausleihen, ebenso den zugehörigen Abrundfräser.

Für Risse, Abplatzungen und Löcher setzen Sie einen Lackspachtel ein, den Sie mit einem Japanspachtel auftragen. Wir empfehlen einen Spachtel auf Kunstharzbasis, der ist etwas elastischer, und Sie können darauf jede Art von Lack verarbeiten.

Es hat sich bewährt, die Stellen, die verspachtelt werden, vorher ein wenig anzufeuchten. Das bindet den Staub. Bei sehr kleinen Fehlstellen und Löchern ist es ratsam, sie etwas zu vergrößern oder aufzubohren. Damit erweitern Sie nämlich auch die Haftfläche für den Spachtel.

Zusätzlich sollten Sie die Masse immer sehr großzügig über die Fehlstelle ziehen, damit eventuelle Ansätze beim späteren Feinschliff verschwinden. Arbeiten Sie immer großflächig um die Macke herum, um die Ansätze des Lackspachtels möglichst dünn auszuziehen. Nach dem Trocknen des Spachtels schrumpft die Masse minimal in sich zusammen (ähnlich der Fugenmasse bei Gipskartonplatten).

Sie müssen danach also noch einmal fein zwischenschleifen und ein zweites Mal spachteln, wenn es denn wirklich gut werden soll.

Abbeizen - Schritt für Schritt

  1. Beschläge entfernenBeschläge entfernen© Selbermachen

    Beschläge entfernen

    Wichtig: Vor jeder Abbeiz- oder Schleifbehandlung müssen Sie alle metallenen Beschläge entfernen. So wird die spätere Lackierung sauberer, und Sie müssen nichts abkleben.
  2. Tür anschleifenTür anschleifen© Selbermachen

    Tür anschleifen

    Verwenden Sie für das Anschleifen der Lackfläche einen Schwingschleifer und maximal 120er-Schleifpapier. Das reicht, um die Oberfläche für den folgenden Lack anzurauen.
  3. Mit Stahlwolle schleifenMit Stahlwolle schleifen© Selbermachen

    Mit Stahlwolle schleifen

    Um die Profilierungen anzuschleifen, verwenden Sie eine mittelfeine Stahlwolle. Die passt sich den Profilkonturen besser an als normales Schleifpapier.
  4. Abbeizer auftragenAbbeizer auftragen© Selbermachen

    Abbeizer auftragen

    Gerade die feinen Profile wie bei einer Kassettentür streichen Sie satt mit dem Abbeizer ein. Tragen Sie dabei immer Gummihandschuhe, denn der Abbeizer reizt die Haut.
  5. Abbeizer und PinselAbbeizer und Pinsel© Selbermachen

    Abbeizer und Pinsel

    Für Abbeizer bekommen Sie im Baumarkt spezielle Pinsel. Die haben einen Schaft aus Kunststoff und nicht aus Metall, das vom Abbeizer angegriffen würde.
  6. Schicht herunterschleifenSchicht herunterschleifen© Selbermachen

    Schicht herunterschleifen

    Nach dem Abbeizen bleibt eine dünne Schicht auf dem Holz, die Sie herunterschleifen müssen. Um die Lackreste rückstandslos zu entfernen, müssen Sie mit 80er-Papier schleifen.

Alternative Heissluftpistole: Was geht mit ihr?

Lack mit der Heißluftpistole entfernen.

Eine gute Alternative zum Schleifen oder Abbeizen ist der Einsatz einer Heißluftpistole.

Sie löst alte Farbreste und Klebstoffe ganz ohne Chemie.

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Abbeizen beim Profi - Wie geht das?

Abbeizen mit den Profis.

Ist Ihnen das Abbeizen zu mühsam, so können Sie Türen, Fenster und Möbel auch in einen professionellen Abbeizbetrieb geben.

SELBER MACHEN hat den Profis über die Schulter geschaut.

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Artikel aus selber machen Ausgabe 08/2011. Jetzt abonnieren!
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