Lackarbeiten: Der Weg zum guten Streichergebnis | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Das optimale Werkzeug zum Lackieren

Lackarbeiten: Der Weg zum guten Streichergebnis

Wenn man den passenden Lack endlich in den Händen hält und den zu lackierenden Untergrund vorbereitet hat, braucht man noch das geeignete Werkzeug, um den Lack sauber aufzutragen. Grundsätzlich stehen hier Pinsel und Lackwalzen zur Verfügung. Doch jetzt wird es schnell unübersichtlich, denn für jeden Lack und für fast jede Anwendung, so scheint es, gibt es Spezialisten. Wir erläutern die Unterschiede.

 
Welches Werkzeug brauche ich für welchen Lack? © Jürgen Fälchle - Fotolia
Welches Werkzeug brauche ich für welchen Lack?

Material fürs Lackieren© SelbermachenGrundsätzlich universell einsetzbar sind Pinsel; Rund- oder Ringpinsel eher für gewölbte und profilierte Flächen, Flachpinsel eher für Ecken und Flächen – letztlich ist das aber Geschmackssache.

Man unterscheidet zunächst mal Pinsel mit Naturborsten und mit synthetischen Borsten. Die Naturborste kommt heute überwiegend von chinesischen Schweinen, weshalb sie auch Chinaborste genannt wird. Sie wird verwendet, um lösungsmittelhaltige Lacke zu verstreichen. Wasserlacke würden die Borste aufquellen, also weich und instabil werden lassen. Damit ist dann aber kein gutes Streichbild mehr zu erzielen.

Die Vorteile der Naturborsten sind ihre natürliche Oberflächenschuppung und die gespleißten Borstenspitzen. So können sie viel Farbe halten und diese sehr gleichmäßig verstreichen.

Einen guten Chinaborsten-Pinsel erkennt man übrigens an der Dichte der längsten sichtbaren Borsten. Sie sollten mindestens 90 % der Borsten ausmachen – der Profi spricht dann von 90-%-Tops. Prüfen Sie das vorm Kauf, indem Sie die Borsten am oberen Ende mit dem Zeigefinger zur Seite drücken. Sieht man dabei kaum „zu kurze“ Borsten, handelt es sich um einen guten Pinsel.

Auch die Dicke des Pinsels entscheidet über seine Qualität. Je dicker der Pinsel um so mehr Farbe kann er aufnehmen und desto seltener muss er neu mit Farbe versorgt werden. Ein spärlich bestückter Pinsel würde hier schon bald für Lackierfrust sorgen.

Synthetische und Kunstfaser-Borsten

Lackierrollen© SelbermachenNeben den Chinaborsten gibt es auch Pinsel mit synthetischen oder Kunstfaser-Borsten. Sie sind für wassergelöste Lacke gedacht, da sie nicht aufquellen.

Da glatte Kunstfaserborsten die relativ dünnflüssigen Wasserlacke (und auch Lasuren) schlecht verarbeiten können, werden sie heute so hergestellt, dass sie die Naturborste imitieren.

Beim sogenannten Flagging wird die Kunstfaserspitze aufgespalten, so dass sie der Naturborste auch im Streichbild gleich kommt.

Durch das Mischen mit Naturborsten wird erreicht, dass der Pinsel mehr Farbe hält. Dabei werden die weichen Naturborsten durch die Kunstfasern gestützt.

Da ein guter Pinsel auch etwas teurer ist, sollten Sie sich nach der Arbeit die Mühe machen, den Pinsel gründlich zu reinigen, um ihn dann hängend, also borstenschonend aufzubewahren!

Lassen sich wassergelöste Lacke und Lasuren mit Wasser auswaschen, müssen sie das geeignete Reinigungsmittel für Kunstharzlacke der Verarbeitungsbeschreibung auf der Lackdose entnehmen. Ein falsches Lösungsmittel würde den Pinsel ruinieren. Die Lösemittel- und Farbreste müssen übrigens als Sonderabfall entsorgt werden!

Die Lackierwalzen

Wenn es in die Fläche geht, sind Lackierwalzen schnell und effektiv. Sie nehmen viel Farbe auf und verteilen sie in breiten Bahnen auf der Fläche. Schneller geht es nicht.

Doch wer es schon mal probiert hat, wird mit der Oberfläche vielleicht nicht ganz zufrieden gewesen sein. Dann dürfte eine billige, grobporige Schaumstoffwalze eingesetzt worden sein. Sie erzeugt Luftblasen im Lack und hinterlässt eine orangenhautähnliche Oberfläche.

Das passiert auch, wenn man über bereits angetrockneten Lack rollt. Also immer „nass-in-nass“ arbeiten. Schaumwalzen sind für lösemittelhaltige Lacke das richtige Werkzeug, doch sollten sie superfeine Poren haben. Noch besser sind kurzflorige Walzen (zum Beispiel Vestan-Walzen) die keine Luft einschließen.

Auch für wassergelöste Lacke gibt es Spezialwalzen. Die dünnflüssigen Farben lassen sich am besten mit sogenannten Flockrollern, das sind Schaumstoffwalzen mit einer beflockten, also mit (Velours-)Fasern versehenen Oberfläche, verarbeiten.

Damit wird der Lack sehr homogen aufgetragen. Alternativ eignen sich auch kurzflorige Filzroller. Pure Schaumstoffwalzen eignen sich zwar für beide Lackfamilien, sind aber im Ergebnis meist nicht überzeugend.

Rundpinsel mit Farbkammern© SelbermachenUm beim Lackieren keine Kanten zwischen den Bahnen zu bekommen, muss verschlichtet werden. Zusätzlich helfen Lackierwalzen mit abgerundeter Stirnseite.

Lackierwalzen gibt es für verschiedene Flächengrößen in unterschiedlichen Breiten (meist 6 und 15 cm). Natürlich sollten Sie auch Ihre Lackierwalzen nach dem Gebrauch reinigen. Hier gilt dasselbe wie für die Pinsel.

Tipp: Wenn Sie beim Arbeiten mal eine kurze Pause einlegen wollen, reicht es, den gebrauchten Pinsel oder die Walze in eine Plastiktüte zu stecken, diese fest um den Stiel zu wickeln und mit einem Gummioder Klebeband zu verschließen. Dann trocknet der Lack nicht an. Das geht natürlich nur für eine Brotzeit, zur Not über Nacht, aber nicht über mehrere Tage.

Überblick:

Borstenpinsel mit Farbkammern© SelbermachenEin guter Pinsel hat ReservenEin Rundpinsel sollte in seiner Mitte und ein Flachpinsel zwischen den Borstenreihen Farbkammern haben, damit er möglichst viel Farbe aufnehmen kann.

Pinsel mit Naturborsten© SelbermachenJedem Lack sein Pinsel: Naturborsten sind erste Wahl bei Kunstharzlacken, synthetische Borsten für Acryllacke – Naturborsten würden durchs Wasser quellen und instabil werden.

Zügig Flächen lackieren kann man mit Lackierrollen. Ob Farbwalze mit kurzflorigem Velours, feinstporigem Schaumstoff oder Flockroller mit Fasern auf der Schaumoberfläche, entscheidet der Lack.

Profi-Tipp vom Pinselhersteller

Michael Reuter© SelbermachenMichael Reutervon Friess Nespoli aus Dinkelsbühl: Gute Pinsel erkennt man zunächst am „Besatz“, also der Dicke des Pinsels und der Anzahl der sogenannten Tops. Gute Pinsel haben 90 % Tops: Wenn beispielsweise die Borstenlänge 56 mm beträgt, dann haben 90 % der Borsten diese Länge. Billigpinsel mit maximal 60 % Tops werden durch die vielen Unterlängen zum „Struppi“. Ein weiteres Merkmal ist der Griff. Profipinsel haben einen Hartholzgriff, der Handschweiß aufnimmt. Auch Pinsel mit Zweikomponentengriffen zeigen Qualität, da sie Druckstellen in der Hand vermeiden. Zuletzt sollte die Zwinge nicht aus dünnem Weißblech, sondern aus stabilem Blech mit eingeprägter Pinselgröße sein (Spezialisten wie Beizpinsel haben Kunststoffzwingen).

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