Wintergarten bauen: Alles, was Sie wissen müssen
Bau-Ratgeber

Wintergarten bauen: Was wirklich wichtig ist

Egal ob gemütliche Kuschelecke, einladendes Esszimmer oder ein sonnendurchfluteter Platz für Ihre Lieblingspflanzen: Ein Wintergarten bietet zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten und ist der Traum vieler Hausbesitzer. Was Sie bei der Planung und beim Bau beachten müssen, lesen Sie hier.
 

 
Wintergarten bauen © Hersteller
Wintergärten bieten durch ihre Rundumverglasung ein einzigartiges Erlebnis.

Wintergärten schließen direkt an den Wohnbereich an und schaffen somit zusätzliche Wohnfläche. Komplett verglast eignen sich Wintergärten hervorragend als Standort für Pflanzen. Sind Wohn- oder Schlafzimmer zum Wintergarten hin offen, dringt eine Menge Licht in diese Zimmer. Bevor Sie sich den Traum vom eigenen Wintergarten erfüllen, sollten Sie den Bau gut planen. Fortgeschrittene Selbermacher können den Bau eines Wintergartens zum Teil selbst bewältigen. Anfänger sollten jedoch in jedem Fall einen Architekten und Handwerker beauftragen.

Wintergarten planen

Bevor Sie mit der Planung in die Vollen gehen, ist es nicht nur wichtig, den geeigneten Standort und die Maße des Wintergartens zu ermitteln, sondern auch, um welche Art von Wintergarten es sich handelt. Wer sich für einen Bausatz entscheidet, sollte sich vorher zudem einen Überblick über unterschiedlichen Herstellern und Modellen verschaffen.
 
Damit Sie bei der Planung nichts übersehen, haben wir hier das Wichtigste zum Thema Wintergarten in einer Liste zusammengefasst:

  • Art des Wintergartens: Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Kalt- und Wohnwintergarten. Bei einem Kaltwintergarten ist der Name Programm: Er ist unbeheizt und nicht isoliert. Im Vergleich zu bewohnbaren, das heißt isolierten und beheizten Wintergärten sind die Baukosten hier deutlich geringer. Allerdings bilden sich dafür schneller Kondenswasser und Schimmel. Wer Pflanzen überwintern möchte, dem reicht ein unbeheizter Wintergarten. Möchten Sie ihn jedoch ganzjährig nutzen, empfehlen wir ein beheiztes Modell.
  • Standort: Besonders bei kleineren Grundstücken bietet sich der Bau eines Wintergartens nur in eine Richtung an. Anders sieht es bei Häusern aus, bei denen die Grundstücksgrenze jeweils weit genug von der Hausmauer entfernt ist. Hier können Sie sich je nach Nutzung entscheiden, ob der Wintergarten nach Osten, Süden, Westen oder besser nach Norden ausgelegt sein soll.
  • Größe: Hier sollten Sie sich an den Maßen der äußeren Hauswand orientieren. Je nach Konstruktion kann der Wintergarten über die Breite der Wand hinausreichen oder etwas kleiner gebaut werden. WICHTIG: Die Maße entscheiden unter Anderem darüber, ob der Wintergarten einen Bauantrag benötigt oder nicht. Lassen Sie sich hierzu im Bauamt beraten.
  • Bausatz oder Eigenkonstruktion: Überlegen Sie sich, ob Sie den Wintergarten in Eigenregie oder als Bausatz bauen möchten. Letzteres hat den Vorteil, dass man die einzelnen Komponenten nicht selbst zusammenstellen muss. Auch den Transport der Bauteile übernehmen in der Regel die Hersteller. Wer selbst baut, sollte sich grundsätzlich Rat bei Architekten und Statikern holen.
  • Beratung im Bauamt: Sie gehört unbedingt dazu. Hier bringen Sie am Besten die Maße sowie einen Grundriss des Wintergartens mit. So gehen Sie auf Nummer sicher, dass der Wintergarten rechtlich zulässig ist. Wir haben uns für ein Gartenhaus beraten lassen und zeigen was Sie bei einer Beratung im Bauamt erwartet.

Ab wann ist ein Wintergarten genehmigungspflichtig?

Einen Wintergarten nutzen die meisten Menschen, um dort zu lesen, zu essen oder einfach um den Blick in den Garten zu genießen. Hält man sich dort länger auf, und ist er Wintergarten unmittelbar mit dem Haus verbunden, zählt der Wintergarten zur Wohnfläche und benötigt eine Genehmigung.

Wintergarten ohne Baugenehmigung?

Eine Ausnahme kann entstehen, wenn es sich um einen Kaltwintergarten handelt, der nicht mit der Wohnfläche verbunden ist und einen separaten Eingang hat. Allerdings kann es sein, dass auch für diese Art von Wintergarten eine Zulassung oder Ausnahme-Bescheinigung nötig ist, die vom Bauamt ausgestellt wird. Da sich die Bebauungsrichtlinien je nach Wohnort unterscheiden, raten wir grundsätzlich zu einer Beratung im Bauamt. Die Beratung ist kostenfrei und erleichtert Ihnen zusätzlich die Planung Ihres Bauprojektes.

Wintergarten selber bauen

Einen Wintergarten selbst zu bauen, stellt Selbermacher vor zahlreiche Herausforderungen: Während geübte Selbermacher einen unbeheizten Wintergarten selbstbauen können, ist bei Wohnwintergärten das Wissen von Profis gefragt. Besonders dann, wenn für den Wintergarten ein Teil der Hauswand entfernt wird um die Wohnfläche offener zu gestalten, sind Sie auf die Hilfe von Architekten, Statikern und Handwerkern angewiesen.


Am besten holen Sie sich für den Wintergartenbau Hilfe und Rat von Profis.

Wintergarten bauen: Das richtige Material finden

Wintergärten bestehen aus einem Fundament, einer Rahmenkonstruktion aus Holz, Metall oder vergleichbaren Materialien sowie großen Glasflächen. Die Zusammenstellung der Materialien variiert hier je nach Nutzung des Wintergartens, eigenen Vorlieben sowie dem Budget, dass Sie für den Wintergarten ausgeben möchten. Bei der Planung des Materials sollten Sie alle Komponenten der Konstruktion miteinbeziehen und überlegen, was am besten zusammenpasst. Damit Sie nicht vergessen, orientieren Sie sich an der folgenden Materialliste.

Materialliste Wintergarten

  • Beschattung: So schön das viele Licht im Wintergarten auch ist, wenn Sie sich selbst gerne dort aufhalten, benötigen Sie unbedingt einen Sonnenschutz. Besonders im Frühling und im Sommer heizen sich Wintergärten durch die Sonneneinstrahlung unangenehm auf.
  • Dachrinnen
  • Entlüftung: Sie sorgt dafür, dass das Innere des Wintergartens ausreichend mit Frischluft versorgt wird und keine Feuchtigkeit entsteht.
  • Fundament aus Beton: Je nach Konstruktion haben Sie die Wahl zwischen Flächen- und Streifenfundament.
  • Stahlbewehrte Bodenplatte: Zur optimalen Lastenverteilung.
  • Profile fürs Verlegen und Verglasen, zum Beispiel aus Holz, Kunststoff und Aluminium.
  • Rahmenkonstruktion gemäß DIN 1055-4 und 5.
  • Glas 

Aluminium

Das leichte Baumaterial ist nicht nur beim Bau von Gewächshäusern beliebt. Auch bei Wintergärten kommt das witterungsbeständige Aluminium zum Einsatz. Es ist pflegeleicht und langlebig. Mit einbrennlackierter und pulverbeschichteter Oberfläche können auch UV-Strahlen dem Material nichts anhaben. Ein Schwachpunkt von Aluminium ist die Wärmedämmung. Hier ist Expertenwissen gefragt. Um die Dämmfähigkeit der Aluminiumprofile zu verbessern, müssen diese durch Kunststoffstege voneinander getrennt oder mit einer Dämmschicht aus Kunststoff versehen werden. Ein weiterer Nachteil ist, das die Herstellung von Aluminium wenig umweltfreundlich ist.

Holz

Als natürlichstes Baumaterial ist Holz beim Bau von Wintergärten besonders beliebt. Gut geeignet ist Leimholz. Es hat hervorragende Dämmeigenschaften. Leimholz besteht aus mehreren Brettlagen, die in Faserrichtung verleimt sind. Es ist deshalb optimal zum Bau von Konstruktionen geeignet, die statisch beansprucht werden. Holz passt sich den äußeren Eigenschaften an. Es hält hohen sowie niedrigen Temperaturen sowie Feuchtigkeit stand. Noch länger hält das Holz, wenn Sie es richtig schützen.

Kunststoff

Auch der Bau einer Konstruktion aus Kunststoffprofilen ist möglich. Profile aus Kunststoff sind günstiger als Holz oder Aluminium. Zwar ist Kunststoff widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit und UV-Strahlung, jedoch insgesamt weniger langlebig.

Verglasung

Die meisten Materialkosten beim Bau eines Wintergartens fallen für die Verglasung an. Hersteller bieten unterschiedliche Arten von Glas an:

  • Dachschiebefenster: Die Fenster sind nach oben hin beweglich. Sie lassen sich nach oben klappen und verwandeln so den Wintergarten in eine Terrasse. Diese Möglichkeit ist perfekt für alle, die einen Wintergarten und eine Terrasse möchten. Einige Herstelle bieten elektronisch steuerbare Fenster an – so können Sie den Wintergarten direkt mit Ihrem Smarthome-System vernetzen. 
  • Isolierglas: Das Material sorgt für eine hervorragende Wärmedämmung. Wenn der Wintergarten ganzjährig genutzt wird, ist das eine lohnende Investition.
  • Selbstreinigendes Glas: Praktisch, wenn man keine Lust zum Putzen hat. Schmutzpartikel werden mittels einer fotokatalytischen Beschichtung einfach von Sonne und Regen aufgelöst. Diese Funktion macht sich allerdings auch im Preis bemerkbar.
  • Sicherheitsglas: Familien mit Kindern sowie Menschen mit Kreislaufproblemen sollten in Sachen Sicherheit keine Kompromisse eingehen. Geht Sicherheitsglas zu Bruch, entstehen keine scharfkantigen Splitter und somit weniger Verletzungsgefahr.

Wichtig: Beheizte Wintergärten brauchen eine effektive Wärmedämmung. Die Wärmeschutzverordnung fordert deshalb den Einbau eines Wärmedämmglases, mindestens ein doppelte, besser noch eine dreifache Verglasung. Das Einfachglas ist nicht mehr zugelassen. Die Mehrfachgläser weisen ein bis zwei gasbefüllte Zwischenräume und eine innenseitig aufgedampfte Edelmetallbeschichtung auf. Beides mindert den Wärmeverlust.
 

Dämmung

Wintergärten die ganzjährig genutzt werden und direkt an die Wohnfläche anschließen werden zusätzlich gedämmt. Neben der Verwendung von Isolierglas, ist eine intakte Bodendämmung von Bedeutung.

  • Fundament: Neben den eigentlichen Dämmstoffen spielt auch das Fundament des Wintergartens eine wichtige Rolle. So entscheidet dessen Aufbau, ob es sich um einen Kalt- oder um einen Wohnwintergarten handelt. Besonders bei beheizten Exemplaren sind beim Bau des Fundaments Profis gefragt: Denn neben der richtigen Fundamenthöhe gilt es hier, Heiztechnik zu integrieren. Tipp: Vorher Planen – Denn Heiztechnik im Wintergarten nachzurüsten, ist mit hohen Kosten und Aufwand verbunden.
  • Perimeter-Dämmung: Eine Perimeter-Dämmung hält den Taupunkt aus den Randzonen des Wintergartens und verhindert somit die Bildung von Kondenswasser.
  • Dampfsperre: Die Bodenplatte benötigt eine Dampfsperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit. In diesem Fall eignet sich beispielsweise eine Bitumen-Schweißbahn.

Tipp: Wir haben ein Atelier-Gartenhaus gebaut und zeigen dort, wie man ein tragendes Fundament mit Dämmung selber baut.

Belüftung für den Wintergarten

Die schöne Glasfassade des Wintergartens birgt auch Nachteile: Ihre Wärmedämmung ist auf Grund der geringen Dicke eher mäßig und im Sommer können sich geschlossene und schlecht belüftete Wintergärten ohne Weiteres bis auf 60°C aufheizen. Deshalb ist schon in der Planungsphase eines Wintergartenbaus vor allem ein ausgeklügeltes Klimatisierungssystem Teil jeder guten Beratung. Die meisten Wintergärten bekommen Sie als voll durchdachtes System.

Die Klimatisierung findet über das Zusammenspiel dreier Komponenten statt: die Belüftung, die Beschattung und die Heizung. Die Hauptaufgabe ist es, die Raumtemperatur mit etwa 20°C und die relative Luftfeuchte mit 40 bis 60 Prozent möglichst über alle Jahreszeiten und Witterungsbedingungen hinweg konstant zu halten.

Die einfachste Art der Belüftung ist das Öffnen der Türen. Nachteil: Es funktioniert nicht bei Regen und unerwünschte Insekten finden Einlass. Die Anordnung der Öffnungen ist enorm wichtig. Je höher die Abluftfenster, desto besser. Frischluft wird von unten nachgeführt.


Je höher die Öffnungen, desto besser die Belüftung.

Als Faustregel gilt hier, dass etwa zwischen 3 und 10 % der Gesamtglasfläche zu öffnen sein sollte. Allerdings hängt dieser Wert auch noch von anderen Parametern ab, beispielsweise der Temperatur der Zuluft, vor allem aber der Himmelsrichtung und der Höhe des Wintergartens. Nur über eine große Höhe (mindestens 2,5 m) entsteht nämlich der nötige Kamineffekt. Ein südlich ausgerichteter, flacher Wintergarten braucht mehr Öffnungsfläche als ein westlich ausgerichteter hoher.

Im Winter ist es wichtig, dass die Belüftung und die Heizung aufeinander abgestimmt sind. Die starken Temperaturunterschiede zwischen innen und außen bewirken nämlich bei geöffneten Fenstern und Klappen einen kräftigen Luftaustausch und damit Luftzug. Im Sommer hingegen ist das Zusammenspiel von Beschattung und Belüftung entscheidend. Grundsätzlich gilt: Je wirkungsvoller die Beschattung, desto weniger muss man lüften.

Schennjesse-Lüftung für den Wintergarten

Eine Sonderstellung unter den Belüftungssystemen nimmt das Schennjesse-System ein. Hier wird die feuchte Warmluft auf zwei Wegen ausgetauscht: über die so genannte Lüftervitrine und über einen Hypotauscher.

  • Die Lüftervitrine ist eine Art verglaster Schacht vor einem der Fenster, über den die warme Luft von der „Lüfterschnecke“, einem speziellen Ventilator, angesaugt und nach außen befördert wird. Die Lüfterschnecke steht einige Meter entfernt vom Wintergarten und ist in den Erdboden eingebaut, so dass man nur das Lüftungsgitter sehen kann.
  • Beim Hypotauscher saugt ein Motor die feucht-warme Luft ebenfalls über eine Vitrine in den „Untergrund“. Der besteht aus einer Lage genuteter Ziegelsteine, den „Hypotauschersteinen“, die unterhalb des Bodenaufbaus ausgelegt werden. Die feuchte Luft wird durch die Steine geleitet, dort entfeuchtet und kehrt als trockene kühle Luft in den Innenraum zurück.

Die Vorteile: Die Belüftung passiert stetig, aber völlig unauffällig und zugfrei. Die Vitrinen sind fast unsichtbar, da sie einfach als verglaster Rahmen vor einem Fensterelement stehen. Die Lüftung funktioniert ohne geöffnete Glasflächen, was besonders an schwülen Sommerregentagen sehr angenehm ist.


Bei der Schennjesse-Lüftung wird feuchte Luft wird durch die Steine geleitet, dort entfeuchtet und kehrt als trockene kühle Luft in den Innenraum zurück.

Klimaanlage für den Wintergarten

An extrem heißen Sommertagen schafft auch das ausgeklügeltste Klimatierungssystem es nicht mehr, Innentemperatur und Luftfeuchte auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Hier bieten sich Klimaanlagen an, die im Sommer die Temperaturspitzen abfedern und im Winter nach dem umgekehrten Prinzip den Innenraum beheizen können. Solch eine Klimaanlage ist aber im Gegensatz zu den anderen Komponenten jederzeit und ohne großen Aufwand nachrüstbar.

Low-Budget: Günstig einen Wintergarten bauen

Wer nicht viel Geld zur Verfügung hat, aber trotzdem nicht auf einen Wintergarten verzichten möchte, kann sich von diesen Ideen inspirieren lassen:

  • Wintergarten aus alten Fenstern: Mit dieser Upcycling-Idee können Sie einiges an Geld sparen, vor allem dann, wenn Sie die Fenster als Restposten kaufen, zum Beispiel über Portale wie ebay oder amazon.
  • Wintergarten auf die Terrasse bauen: Anstatt einem Fundament, kann man auch direkt auf die Terrasse bauen. Vorsicht: Diese Bauart ist nicht für Wohnwintergärten geeignet.
  • Preise vergleichen: Haben Sie sich für einen Bausatz entschieden, vergleichen Sie Preise auf Vergleichsportalen, wie beispielsweise Idealo. So bekommen Sie einen guten Überblick zu unterschiedlichen Herstellern und Aktionsangebote.

Alternative zum Wintergarten

Eine beliebte Alternative zum Wintergarten sind Gartenhäuser mit großen Fensterfronten oder Gewächshäuser für den Garten. Auf selbermachen.de finden Sie darüber hinaus, weitere Bauanleitungen und Inspirationen rund um Haus und Garten.

Fotos: Solarlux, Bruns, Bordes; Zeichnungen: Lochner Art

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