Grundierungen | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Streichen

Grundierungen

Die Grundierungen sind die großen Unbekannten im Hintergrund. Ohne sie läuft nichts, aber kaum jemand kennt sie genau. Letzteres wollen wir endlich ändern. Die große Übersicht.

 
Grundierungen © Selbermachen
Grundierungen

Farben, Lacke, Putze – sie alle würden einfach so abblättern oder gar abfallen, wenn sie nicht einen großen Verbündeten hinter sich wüssten. Die Grundierung einer Fläche oder eines Objekts wird oft weit weniger ernst genommen als das anschließende Finish. Das ist aber ein grober Fehler! Jede Oberfläche kann nur so gut werden wie ihre Grundierung.

Dabei kommen den verschiedenen Grundierungen überaus unterschiedliche Aufgaben zu. Eine Grundierung ist zunächst einmal ein Haftvermittler zwischen Untergrund und Oberflächenmaterial.

Das geschieht über das physikalische Phänomen, dass viele kleine und kleinste Unebenheiten eine größere Oberfläche haben als wenige große. Je mehr Oberfläche etwa der Lack findet, desto besser haftet er. Im gewissen Sinne wird eine Oberfläche also durch die Grundierung nicht geglättet, sondern mikroskopisch klein aufgeraut, obwohl es sich anders anfühlt.

Eine weitere Aufgabe einer Grundierung ist die Verfestigung des Untergrundes. Das gilt vor allem im Wand- und Putzbereich, wo der Zuschlagstoff, meist Sand, an der Oberfläche durch das Bindemittel nicht mehr gebunden wird – der Putz „sandet“.

Eine satte Behandlung mit Tiefgrund etwa oder Haftgrund können solche sandenden Oberflächen wieder fest und tragfähig machen. Dritter Anspruch an eine gute Grundierung: Die Saugfähigkeit des Untergrundmaterials soll abgeschwächt werden. Das können tiefenwirksame Grundierungen dadurch, dass sie die feinsten Poren vor allem in mineralischen Materialien quasi verstopfen und damit die Wirkung der Adhäsions- und Kohäsionskräfte („Kapillarität“) unterbindet.

Dazu kommt das Problem, dass der Untergrund oft unterschiedliche Materialien aufweist: Der Kalk-Zement-Putz beispielsweise ist mit gipsbasierter Spachtelmasse ausgebessert. Hier sorgt eine Grundierung mit Tiefgrund dafür, dass die verschiedenen Materialien ein annähernd gleiches Saugvermögen aufweisen und die nachfolgende Oberflächenbearbeitung überall die gleichen Haftbedingungen vorfindet.

Letzte Herausforderung für eine Grundierung ist die absperrende respektive imprägnierende Wirkung. Das meint im Grunde fast das gleiche, es geht nur um die Richtung der Sperrwirkung. Absperrend ist eine Grundierung, wenn sie verhindert, dass Inhaltsstoffe aus dem Untergrund auf die Oberfläche durchschlagen, etwa Pigmente oder Flecken.

Imprägnierend ist eine Grundierung, wenn sie verhindert, dass vor allem Wasser in den Untergrund eindringt. Das ist vor allem bei Hölzern im Außenbereich wichtig, wo das Wasser Wegbereiter für Schädlinge ist.

Zwei Systeme – zwei Aufgaben

Die Grafik links zeigt noch einmal die grundsätzliche Trennung zwischen Grundierungen und den anschließend aufzutragenden Farben und Lacken. Viele Grundierungen brauchen unbedingt einen Endanstrich, andere haben fast Lackqualität. In vielen Bereichen bekommen Sie mittlerweile sogenannte 2-in-1- oder sogar 3-in-1-Produkte, die schützende Grundierung und veredelnde Oberflächenbehandlung in Einem sein sollen.

Die haben den Vorteil, dass Sie nur ein Gebinde benötigen, also Platz sparen. Und falls mal der Deckel nicht richtig schließt, kann auch nur eine Dose eintrocknen. Wie bei allen Kompromissen aber ist das Ergebnis oft nicht ganz auf Augenhöhe mit der Verwendung von Einzelprodukten.

Die passende Grundierung bei Holz

Bläueschutz

© SelbermachenDer Bläueschutz ist eine farblose Grundierung im Außenbereich, der erstens das Eindringen von Wasser verhindert und zweitens gegen den Befall durch den Bläuepilz schützt. Diese Grundierung ist gerade bei Nadelhölzern, hier vor allem die Fichte, das absolute Minimum an Witterungsschutz.

Der Bläuepilz selbst schädigt das Holz nicht, sorgt aber für eine etwa doppelt so hohe Wasseraufnahme des Holzes und sieht mies aus. Bläueschutz ist mit Bioziden ausgestattet und sollte deshalb nicht im Übermaß verwendet werden. In vielen anderen Grundierungen (etwa Holzschutzgrund) ist der Bläueschutz ein wichtiger Bestandteil.

Imprägniergrund

Der Imprägniergrund ist als Fast- Alles-Könner eine Stufe besser als der reine Bläueschutz. Er ist farblos und schützt das Holz gegen eindringendes Wasser und die damit einhergehenden Trittbrettfahrer, nämlich Insekten, Fäulnis und Bläuepilz. Imprägniergrund findet vor allem bei statisch beanspruchten Hölzern (Dachstuhl, Fachwerk) Anwendung.

Er ist für alle Nachanstriche geeignet und selbst auch in verschiedenen UVbeständigen Farben erhältlich.

Isoliergrund

© SelbermachenDer Isoliergrund ist im Gegesatz zum Imprägniergrund weißlich pigmentiert. Das hat den Grund, dass er nicht das Holz, sondern den Endanstrich schützen soll, und zwar gegen holzeigene Inhaltsstoffe. Die können nämlich mit der Zeit aus dem Holz an die Lack- oder Lasuroberfläche wandern und dort zu unschönen Verfärbungen führen.

Nötig ist ein Isoliergrund vor allem bei Hölzern, die viele Inhaltsstoffe haben, etwa die Lärche oder viele Tropenhölzer mit ihren ätherischen Ölen. Auch bei den grünlichen oder bräunlichen kesseldruckimprägnierten Hölzern (KDI) wird oft ein Anstrich mit Isoliergrund empfohlen.

MDF-Grundierung

Die für den Möbelbau beliebten MDF-Platten brauchen eine eigene Grundierung, denn sie haben zwei „Problemzonen“: Zum einen sind die Flächen extrem glatt und bieten dem Lack wenig Haftungsfläche – hier wirkt die Grundierung als Haftverbesserer. Zum anderen sind die MDF-Kanten extrem saugfähig – hier wirkt die Grundierung ähnlich dem Tiefgrund zur Abschwächung und Regulierung der Saugfähigkeit.

Die MDF-Grundierung verarbeitet man wie fast alle Grundierungen im Innenbereich mit der Lackrolle.

Vorstreichfarbe

© SelbermachenUm im Innenbereich eine perfekte Lackierung hinzubekommen, ist eine Grundierung mit einer Vorstreichfarbe wichtig. Diese weiß pigmentierte Grundierung hat auf Holz vor allem die Aufgabe, die Poren zu füllen und die Oberfläche im mikroskopisch kleinen Maßstab aufzurauen.

Diese Rauheit ist nämlich wichtig, um dem nachfolgenden Lack eine möglichst große Haftoberfläche zu bieten. Die DurAcryl-Vorstreichfarbe ist im Übrigen nicht nur für Holz, sondern auch für Metall und Hart-PVC geeignet.

Schnellschliffgrund

Der Schnellschliffgrund ist eine farblose Grundierung auf Kunstharzbasis für Möbel im Innenbereich. Auch er ist sehr füllkräftig und bietet dem nachfolgenden Lack eine wesentlich verbesserte Haftung. Allerdings können auf dem Schnellschliffgrund nur Nitro- oder Nitrokombilacke verarbeitet werden.

Grundsätzlich ist er für alle Holzarten geeignet, bei Hölzern mit einem hohen Anteil an Inhaltsstoffen kann sich die Trocknung allerdings verzögern.

Grundeirungen für Wand und Putz

Tiefgrund

© SelbermachenDer Tiefgrund ist eine farblose Grundierung für fast alle mineralischen Untergründe im Innenbereich. Er hat zunächst die Aufgabe, die Saugwirkung des Untergrundes abzuschwächen beziehungsweise die Saugfähigkeit bei unterschiedlichen Untergrundmaterialien anzugleichen.

Bestes Beispiel dafür ist der Trockenbau: Hier würden die feinporigen Gipskartonplatten und der gröbere Fugenspachtel den Tapetenkleister oder die Wandfarbe unterschiedlich stark „aufsaugen“, was man später an Wand oder Tapete sehen würde. Der Tiefgrund dient außerdem auch einer gewissen Verfestigung und Staubbindung am Untergrund. Tragen Sie den Tiefgrund immer satt mit einem Quast auf, bei stark saugenden Untergründen auch zweimal.

Sperrgrund

Entgegen der landläufigen Meinung hat der Sperrgrund keine wirklich absperrende Wirkung, er ist sogar dampfdiffusionsoffen. Er wird als eine Art Schichtbildner verwendet, um ein Durchschlagen von Flecken und Verfärbungen (Stockflecken, Nikotin) auf die gestrichene oder verputzte Oberfläche zu verhindern. Das ist besonders bei den sehr feinkörnigen Rollputzen (EasyPutz) wichtig, die auf Grund ihrer Kapillarität besonders anfällig für durchschlagende Pigmente aus dem Untergrund sind

Putzgrund

Der Putzgrund ist dem Sperrgrund sehr ähnlich, auch er verhindert ein Durchschlagen von Pigmenten in den Putz. Zusätzlich ist der Putzgrund aber auch noch fein gekörnt. Diese feine Körnung sorgt für eine größere Oberfläche der Wand, was der Haftung des Putzes äußerst dienlich ist.

Putzgrund wird allerdings nur für die Dekorputze verwendet, die in ihrer Dicke zwischen 0,5 und 3 mm liegen. Für dickere Grundputze (10 bis 20 mm) brauchen Sie andere Grundierungen.

Haftgrund Extrem

© SelbermachenDer Haftgrund extrem ist angesagt bei schwierigen Untergründen. Das sind vor allem alle nicht saugenden Materialien und Holzuntergründe im Innenbereich. Bei den nichtsaugenden Untergründen würden die normalen Grundierungen eher als Trennmittel wirken, das keine wirklich Haftung zulässt.

Mit Holzuntergründen sind vor allem Holzdielen, Verlegespan- und OSB-Platten gemeint, auf denen eine meist zementäre Masse Haftung finden soll, also etwa Bodenausgleichsmassen oder Fliesenkleber. Hier ist der Haftgrund zusätzlich eine Art Versiegelung, die ein Aufquellen des Holzes verhindert.

Fliesenhaftgrund

Der Fliesenhaftgrund ist Teil des Fliesenlacksystems von Schöner-Wohnen-Farbe. Er hat auf der sehr glatten Fliesenoberfläche nicht nur stark haftverbessernde Eigenschaften, er wirkt sogar leicht anlaugend, was die Fliesenfläche stumpf werden lässt. Für den Anstrich sollten Sie Lack aus dem gleichen System wählen.

Duschabdichtung

Duschabdichtungen sind wasserdichte und elastische Absperrungen, die man auf fast alle mineralischen Untergründe aufrollen kann. Sie kommen unter einem Fliesenbelag zum Einsatz, dort vor allem im direkten Spritzwasserbereich. Elastisch ist die Duschabdichtung, um thermisch bedingte Bewegungen rissfrei mitzumachen.

Metall braucht ebenso eine Grundierung

Rostschutzgrund

© SelbermachenDer Name dieser Grundierung ist gleich auch Programm. Eine Rostschutzgrundierung ist nicht nur ein unerlässlicher Haftvermittler zwischen Metall und Lack, er verhindert vor allem das zunächst unsichtbare Sichausbreiten der Korrosion unter der Lackschicht.

Weil Korrosion auf dem Zusammenspiel von Metall, Sauerstoff und Feuchtigkeit beruht, muss der Rostschutzgrund sehr sorgfältig als eine Art lückenlose Hülle um das Metall verarbeitet werden. Deshalb ist ein Pinsel das am besten geeignete Werkzeug, um eine entsprechende Schichtdicke zu erzielen.

Die Rostschutzmittel können auf Acryl, Kunstharz, Öl und Gemischen daraus basieren, auf die grundsätzliche Wirkweise hat das keinen Einfluss. Bei den einfachen Rostschutzgrundierungen muss vor dem Auftragen der Rost mit Drahtbürste und Schleifpapier sorgfältig entfernt werden.

Rostumwandler

Auch der Rostumwandler verbessert die Haftung des Lackes und schützt gegen die Korrosion des Metalls. Der wichtige Unterschied zum herkömmlichen Rostschutzgrund ist aber, dass der Umwandler auch auf vorhandenen kleineren Roststellen funktioniert, letztere also nicht komplett entfernt werden müssen.

Der Rostumwandler verwandelt dann in einem chemischen Prozess tatsächlich den Rost in einen festen und tragfähigen Untergrund für den nachfolgenden Metallschutzlack. Bei dieser Verwandlung färbt sich der Umwandler selbst bläulichschwarz ein. Diese Verfärbung ist das entscheidende Indiz dafür, dass der Umwandlungsprozess tatsächlich abläuft. Verfärbt sich nichts, müssen Sie noch einmal streichen.

Spezial-Haftgrund

Der Spezial-Haftgrund ist gedacht zur Grundierung von sogenannten Nichteisen-( NE-)Metallen. Darunter fallen vor allem die im Bauwesen häufig verwendeten Kupfer, Aluminium, Messing und Zink, aber auch feuerverzinkter oder Edelstahl. Der Spezial-Haftgrund ist wasserbasiert und dient ausschließlich der Haftverbesserung zwischen dem blanken NE-Metall und der anschließenden Lackierung mit einem Metallschutzlack.

Eine richtige Rostentwicklung ist bei den meisten NE-Metallen nicht zu erwarten, das Kupfer etwa schützt sich durch eine an der Luft entstehende Oxidschicht, die sich in einer grünlichen Färbung der Oberfläche dokumentiert.

Rostblocker

© SelbermachenDer Rostblocker ist quasi der Rostschutzgrund für große Metallflächen, etwa Garagentore oder Ähnliches. Zusätzlich ist er auch wie der schon erwähnte Rostumwandler auf kleineren Roststellen einsetzbar und macht sie für den Lack fest und überstreichbar. Auch auf großen Flächen sollten Sie den Rostblocker per Pinsel und nicht per Rolle verstreichen.

Füllprimer

Für den Profibereich, speziell in der Autolackierung, gibt es den Füllprimer. Der bietet ähnlich wie Holzgrundierungen einen Fülleffekt der Poren, die im Metall noch feiner ausfallen als im Holz. Der Füllprimer ist einkomponentig, schweißbar und nur im einschlägigen Fachhandel zu bekommen.

Artikel aus selber machen Ausgabe 02/2013. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren