Edle Wände mit Naturfarben

Wandgestaltung mit Kalk-Buntfarben

Glattspachteltechnik heißt das Wandgestaltungsverfahren der Firma Auro, die damit auch dem Selbermacher die Tür zum edlen Wandlook öffnet. Wir haben die Produkte des Naturfarbenherstellers für Sie einmal ausprobiert.

 
Wandgestaltung mit Kalk-Buntfarben von © Selbermachen
Wandgestaltung mit Kalk-Buntfarben von "Auro"

Das hellblaue Rechteck sieht verblüffend echt nach einer in die Wand eingelassenen Marmorplatte aus. Es fühlt sich beinahe auch so an: glatt, glänzend und kühl. Doch was da so edel im Wohnzimmer prangt, ist ein selbst hergestelltes Produkt aus reinem Kalkspachtel. Aufgetragen mit einer Kelle in nur etwa 90 Minuten. Glauben Sie nicht? Stimmt aber, denn wir haben es selbst ausprobiert!

Bei diesem Projekt haben wir uns ausschließlich mit reinen Naturprodukten beschäftigt. Allem voran Kalk. Denn Wände aus Kalk sind atmungsaktiv und haben von Natur aus eine desinfizierende Wirkung, sodass Wohnschimmel auf diesen Wänden keine Chance hat. Wir zeigen Ihnen, wie man Wände mit Kalkspachtel renoviert und eine ausgewählte Fläche in der neuen Glattspachteltechnik herstellt.
 

Vorbereitung: Alte Tapete entfernen

Zunächst muss natürlich die alte Tapete von der Wand entfernt werden. Eine Tätigkeit, die zwar zum Alltag eines Selbermachers gehört, doch leider auch eine der arbeitsintensivsten ist. Erleichterung kann man sich aber mit ein paar cleveren Hilfsmitteln, wie etwa dem „Fakir TP 220“ von der Firma Festool verschaffen. Dieses kleine, unscheinbare Werkzeug lässt sich durch sein Äußeres nichts von seiner Bissigkeit anmerken. Doch hat es erst einmal eine Tapete unter seinen Klauen, dann gibt es kein Halten! Hier erfahren Sie außerdem, mit welchen Tricks Sie Tapete ganz leicht von der Wand lösen können.
 

1. Wände spachteln

© SelbermachenDie Spachtelmasse für die flächendeckende Wandverspachtelung setzt sich aus dem Kalkspachtel (Auro, Nr. 342) und 10 % des Wandspachtels (Nr. 329) zusammen. Vermischen Sie die beiden Produkte zunächst trocken, und geben Sie anschließend unter ständigem Rühren die geforderte Menge Wasser beziehungsweise Wasser-Kalkbuntfarbenmischung hinzu.

Dies gelingt sehr leicht unter Zuhilfenahme eines Rührwerks plus Bohrmaschine. Lassen Sie die Masse etwa zwei Minuten quellen, und rühren Sie sie dann nochmals kräftig durch. Rühren Sie zunächst nur kleine Mengen (etwa 1 kg) an, da die Masse schnell aushärtet!

Tipp: Spachteln ist Gefühls- und Übungssache, und sicher werden sich hier und da auf der Wand kleine Unebenheiten hervortun. Diese zeigen sich dann am deutlichsten, wenn man eine Lampe (Baustrahler sind perfekt) schräg zur Wand gerichtet aufstellt. Unter diesem Licht können Sie nun wunderbar Spachtelfehler finden und durch Schleifen und Spachteln ausgleichen.

  1. Bohrlöcher zuspachteln© Selbermachen

    Bohrlöcher zuspachteln

    Alte Bohrlöcher und abgeplatzte Putzteile werden, um in dem Auro-System zu bleiben, mit dem Wandspachtel Nr. 329 zugespachtelt.
  2. Unebenheiten glätten© Selbermachen

    Unebenheiten glätten

    Unebenheiten und Überstände lassen sich gut mit einem Handschleifer und Handschleifgitter glätten.
  3. Spachtelmasse anrühren© Selbermachen

    Spachtelmasse anrühren

    Nun wird die Spachtelmasse für den Wandauftrag angerührt. Da es hier auf ein exaktes Mengenverhältnis ankommt, benutzen Sie dazu am besten eine Küchenwaage
  4. Spachtelmasse auftragen© Selbermachen

    Spachtelmasse auftragen

    Ist die Spachtelmasse gereift und noch einmal durchgerührt worden, heben Sie diese mit einer kleinen Kelle aus dem Eimer auf eine Glättkelle und von dort aus in kleinen Portionen auf die Wand.
  5. Spachtelmasse auftragen© Selbermachen

    Spachtelmasse auftragen

    Die Masse wird gleichmäßig in dünner Schicht aufgetragen.

 

2. Gespachtelte Wände schleifen

Ein Schleifstiel ist beim Wändeglätten die erste Wahl. Der Teleskopstiel lässt sich so weit ausfahren und arretieren, dass man ohne Probleme bis in eine Höhe von drei bis vier Metern die gespachtelten Wände glatt schleifen kann.

  1. Schleifpapier befestigen© Selbermachen

    Schleifpapier befestigen

    Die frei bewegliche Schleifplatte verfügt über zwei Klemmbügel, an denen herkömmliches Schleifpapier befestigt werden kann.
  2. Schleifpapier mit einer Körnung von 220© Selbermachen

    Schleifpapier mit einer Körnung von 220

    Um grobere Riefen in dem jungen Kalkspachtel zu verhindern, sollte das Schleifpapier durchaus eine Körnung von 220 haben.
  3. Handschleifer für die Feinarbeit© Selbermachen

    Handschleifer für die Feinarbeit

    Die Feinarbeit an kniffeligen Ecken übenimmt dann wieder der Handschleifer.

 

3. Grundierung

© SelbermachenSollte es vorkommen, dass sich Teile der gespachtelten Flächen gelblich verfärben, so benötigt die Wand eine Grundierung. Das Problem sind hier mineralische Stoffe, die sich durch die Feuchtigkeit der Spachtelmasse aus der Wand lösen.

Der Tiefengrund Nr. 301 ist hier die beste Untergrundvorbereitung für den späteren Wandfarben anstrich. Das gilt auch für stark oder ungleichmäßig saugende Wandmaterialien wie Gipskarton- und Gipsfaser - platten. Tiefengrund wird mit einer Deckenbürste aufgetragen.
 

4. Wände streichen

© SelbermachenDie mit Kalkspachtel versehene Wand wird im nächsten Schritt mit einer Kalkfarbe gestrichen. Die Profi-Kalkfarbe Nr. 344 von Auro ist eine traditionelle mineralische Farbe auf Sumpfkalkbasis. Sie ist dampfdiffusionsoffen, zur Vorbeugung gegen Schimmelbefall geeignet und geruchsabsorbierend. Sie hat eine gute Haftung auf allen mineralischen Untergründen, aber auch auf Raufaser, Gipskartonplatten oder Lehm und kann später sogar wieder mit herkömmlicher Wandfarbe überstrichen werden. Abtönbar mit den Auro-Kalk-Buntfarben Nr. 350.
 

5. Vorbereitung Glattspachteltechniken

Um ein optimales Ergebnis bei der Glattspachteltechnik (blaue Wand) zu erzielen, sollte als Untergrund ein Zellulose-Vlies (etwa EcoVlies von Erfurt) auf die Wand gebracht werden. Mit dem Vlies wird der Gefahr der Rissbildung im Kalkspachtel vorgebeugt.

Handelt es sich bei dem Untergrund um einen noch unbehandelten Gipsputz, so ist dieser zusätzlich mit dem Tiefengrund vorzustreichen. Hinweis: Hier darf kein herkömmlicher Tapetenkleister benutzt werden, sondern eine Mischung aus 100 Gramm Kleister Nr. 389, 4 Litern Wasser und 1,5 kg Bodenbelagskleber Nr. 382.

  1. Tapetenkleister anrühren© Selbermachen

    Tapetenkleister anrühren

    Rühren Sie den Tapetenkleister (Nr. 389) klumpenfrei in Wasser an.
  2. Bodenbelagskleber hinzugeben© Selbermachen

    Bodenbelagskleber hinzugeben

    Nach einer halben Stunde Quellzeit den Kleister noch einmal aufrühren und dann den Bodenbelagskleber hinzugeben.
  3. Fläche aufzeichnen© Selbermachen

    Fläche aufzeichnen

    Damit das spätere Bild auch exakt gerade wird, zeichnen Sie die Fläche mithilfe einer Wasserwaage und eines Bleistiftes auf die Wand.
  4. Kleister auftragen© Selbermachen

    Kleister auftragen

    Entlang der Linien einen Streifen Malerband als Rahmen aufkleben. Den angerührten Kleister satt mit einer Rolle auf die Wand auftragen
  5. Vliestapete setzen© Selbermachen

    Vliestapete setzen

    Die Vliestapete passgenau an den „Rahmen“ setzen und ...
  6. Tapete glatt streichen© Selbermachen

    Tapete glatt streichen

    ... mit der Gummirolle glatt streichen.
  7. Tapete überlappen lassen© Selbermachen

    Tapete überlappen lassen

    Die zweite Tapetenbahn nicht auf Stoß kleben, sondern etwa 2 cm überlappen lassen und ...
  8. Tapete anpressen© Selbermachen

    Tapete anpressen

    ... mit dem Daumennagel so anpressen, dass die darunter liegende Tapete sichtbar wird.
  9. Tapetenabschnitt entfernen© Selbermachen

    Tapetenabschnitt entfernen

    Führen Sie nun mit einem Cuttermesser (unter Zuhilfenahme einer Wasserwaage) einen sogenannten Doppelschnitt durch beide Lagen aus, entfernen den Abschnitt der ersten Bahn und ...
  10. Tapete anpressen© Selbermachen

    Tapete anpressen

    ... pressen dann beide Tapeten mit der Gummirolle an. Auf diese Weise liegen die beiden Tapeten passgenau nebeneinander!
  11. Übergang streichen© Selbermachen

    Übergang streichen

    Ist der Tapetenkleister getrocknet, streichen Sie den Übergang vom Malerband zur innen liegenden Fläche hin mit weißer Wandfarbe, sodass die Spachtelmasse im nächsten Arbeitsschritt nicht unter das Malerband gelangen kann.

 

Tipp: Pigmente sieben

  1. Strumpfhose über den Eimer spannen© Selbermachen

    Strumpfhose über den Eimer spannen

    Wenn Sie festgestellt haben, dass sich nicht alle Farbpigmente komplett aufgelöst haben, dann sieben Sie die Spachtelmasse einfach durch: Spannen Sie dazu eine Feinstrumpfhose über einen sauberen Eimer.
  2. Strumpfhose festkleben© Selbermachen

    Strumpfhose festkleben

    Kleben Sie die Feinstrumpfhose mit Paketklebeband am Rand des Eimers gut fest.
  3. Spachtelmasse aufs Sieb geben© Selbermachen

    Spachtelmasse aufs Sieb geben

    Geben Sie die Spachtelmasse portionsweise auf das so entstandene und gespannte Sieb.
  4. Spachtelmasse durchs Sieb streichen© Selbermachen

    Spachtelmasse durchs Sieb streichen

    Mit einem Flachpinsel wird die Spachtelmasse vorsichtig durch das Sieb gestrichen.
  5. Ergebnis: homogene Spachtelmasse© Selbermachen

    Ergebnis: homogene Spachtelmasse

    Das Ergebnis ist eine homogene Spachtelmasse, in der sich sämtliche Farbpigmente untergemischt haben. Sie ist nun verarbeitungsbereit für die Glattspachteltechnik.

 

6. Die erste Schicht aufragen

© SelbermachenDer ersten Auftragsmasse sollten neben der gewünschten Kalk- Buntfarbe etwa 5 bis 10 % des gipshaltigen Wandspachtels Nr. 329 zugesetzt werden, um die Anhaftungsfähigkeit zu steigern und die erste Spachtelschicht etwas härter als die danach folgende ohne Wandspachtel zu gestalten.

In der Praxis hat sich die Methode bewährt, von hart nach weich zu arbeiten, also die erste Spachtelschicht durch Zugabe von Gips etwas härter auszurichten.

  1. Spachtelmasse auftragen© Selbermachen

    Spachtelmasse auftragen

    Ist die erste Spachtelschicht durchgetrocknet, beginnt nun der Auftrag der später sichtbaren Spachtelschicht: Die farbige Spachtelmasse wird mit einem kleinen Spachtel aus dem Eimer auf die Venezianerkelle, eine hochwertige Edelstahlkelle mit abgerundeten Ecken, auf die Wand aufgetragen. Die Venezianerkelle ist so beschaffen, dass keine Spachtelgrate entstehen.
  2. Spachtelmasse aufziehen© Selbermachen

    Spachtelmasse aufziehen

    Kreuz und quer bis an den Rand werden mehrfach dünne Lagen der Spachtelmasse aufgezogen.
  3. Wolkenartiges Erscheinungsbild© Selbermachen

    Wolkenartiges Erscheinungsbild

    Dabei entsteht das gewünschte wolkenartige Erscheinungsbild.
  4. Durch Druck entsteht Glanz© Selbermachen

    Durch Druck entsteht Glanz

    Durch den Druck des Werkzeugs während des Auftrags verdichtet sich die Fläche, wird glatt und beginnt zu glänzen. Je höher der Druck, desto stärker der Glanz.

 

7. Ränder glätten

  1. Malerband abziehen© Selbermachen

    Malerband abziehen

    Der Rahmen aus Malerband, der eine exakte Eingrenzung des Wandbilds garantierte, wird nun vorsichtig abgezogen. Dies muss natürlich solange geschehen, wie die Spachtelmasse noch leicht feucht und formbar ist. Andernfalls würde die durchgetrocknete Masse brechen.
  2. Ränder in Form drücken© Selbermachen

    Ränder in Form drücken

    Mit der Venezianerkelle drücken Sie die Ränder des Wandbildes in Form und runden diese auch etwas ab.

 

8. Oberfläche veredeln

  1. Wandlasur-Wachs auftragen© Selbermachen

    Wandlasur-Wachs auftragen

    Wer den Glanzeffekt noch steigern und zusätzlich die Spachteloberfläche schützen möchte, trägt das farblose Wandlasur-Wachs (Nr. 370) mit einem fusselfreien Lappen auf.
  2. Wachs aufpolieren© Selbermachen

    Wachs aufpolieren

    Das Wachs wird zügig und kräftig auspoliert. Das endgültige Erscheinungsbild erreicht die Wand nach etwa 2 Wochen!

 

Glattspachteltechnik: Profi-Tipps

© SelbermachenAnrühren der Spachtelmassen mit Farbpigmenten „Auro"-Produkte sind Naturprodukte, und entsprechend ihrem Wesen verhalten sich auch die Farbpigmente unserer Kalk-Buntfarben. So gibt es in der Natur Pigmente, die sich schnell in Wasser lösen und andere etwas langsamer, wie etwa die Pigmente des Farbtons „Lichtblau“.

Daher empfehlen wir die mit Kalk-Buntfarbe angesetzten Spachtelmassen im geschlossenen Behälter ruhig 3 bis 4 Tage „durchziehen“ zu lassen, bis sich alle Pigmente gelöst haben. Gibt es dann immer noch ungelöste Pigmente, wird die Masse einfach nochmal durchgesiebt!

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