Meisterdrechsler im Einsatz | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Handwerk aus Hamburg

Meisterdrechsler im Einsatz

Christoph Burnhauser, Meisterdrechsler aus Hamburg, gewährte dem SELBER MACHEN-Team einen Tag lang Einblick in seine atemberaubende Kunst. Wir aber heißen SELBER MACHEN und wollen nicht nur zusehen. Meister Burnhauser zeigte uns also Schritt für Schritt, wie man Quer- und Längsholz drechselt.

 
Drechselmeister Burnhauser und Redakteur Frank Zeidler-Kanter (re.) © Selbermachen
Drechselmeister Burnhauser und Redakteur Frank Zeidler-Kanter (re.)

Die Werkstatt des Drechslermeisters Christoph Burnhauser liegt in einem idyllischen Hinterhof im Herzen des Hamburger Stadtteils Eimsbüttel. Er ist einer der letzten Zunftmeister, die in Hamburg noch einen Lehrling ausbilden könnten.

An einem schönen Spätsommertag mache ich mich auf den Weg in die Burnhauser- Werkstatt, um dort etwas über das Drechslerhandwerk zu lernen. Christoph Burnhauser wurde 1962 in Planegg bei München geboren und kam erst auf dem „zweiten Bildungsweg“ zum Drechseln.

Nach seinem Studium der Geschichte und der Philosophie in Florenz und Hamburg, drängte es ihn zu den Künsten, und er begann als Autodidakt das Drechseleisen zu führen, bevor er dann 1992 eine Lehre anfing. Im Jahre 1996 machte er sich selbstständig, und es erfolgte 2000 die Meisterprüfung.

Für mich also die beste Adresse Hamburgs in Sachen Drechseln. Als ich die Werkstatt betrete, empfängt mich der Duft frisch abgedrehten Holzes, und der Fußboden trägt einen Teppich aus Drechselspänen. Meister Burnhauser ist mitten in der Vorbereitungsarbeit. Heute werden wir eine Schale aus dem Holz Beli sowie einen Honiglöffel aus Ahorn drehen. Das dazu benötigte Holz liegt schon seit Monaten zum Trocknen in Regalen. Heute ist es soweit – heute soll das Werk gelingen!

Meisterschale

Um Schalen zu drechseln, muss der Holzrohling absolut trocken sein. Würde man aus feuchtem Holz eine Schale drehen, so würde sie sich schon nach wenigen Tagen verziehen oder gar reißen. Deshalb darf das Holz, bevor es bearbeitet wird, nicht mehr als 10% Feuchtigkeit enthalten, wenn die fertigen Drechslerarbeiten später in beheizten Räumen stehen sollen.

Die Holzfeuchte lässt sich mit teuren Messgeräten bestimmen – oder so: 1. Zwei gleichgroße Holzstücke zusägen. 2. Erstes Stück wiegen – man erhält das Nassgewicht (N). 3. Zweites Stück im Mikrowellenherd so lange trocknen, bis kein Gewichtsverlust mehr festzustellen ist – man erhält das Darrgewicht (D). 4. N –D=W (Wassergehalt). 5. Rechne: W x 100 :D = Holzfeuchte in Prozent. Das wiederholt man von Zeit zu Zeit, bis das Holz die gewünschte Feuchte hat.

Schale drechseln

  1. Der RohlingDer Rohling© Selbermachen

    Der Rohling

    1 Ist der Mittelpunkt angezeichnet und vorgebohrt, wird der Schalenrohling auf die Drehbank gespannt.
  2. Vollrunde HolzplatteVollrunde Holzplatte© Selbermachen

    Vollrunde Holzplatte

    2 Mit einer großen Röhre wird aus dem zuvor achteckigen Rohling eine vollrunde Platte.
  3. Der SchalenfußDer Schalenfuß© Selbermachen

    Der Schalenfuß

    3 Die Breite des Schalenfußes wird festgelegt und mit einer kleinen Röhre markiert.
  4. Schichten abtragenSchichten abtragen© Selbermachen

    Schichten abtragen

    4 Nun wird das Material Schicht für Schicht mit einer großen Röhre abgetragen, bis die Form fertig ist.
  5. Das DreibackenfutterDas Dreibackenfutter© Selbermachen

    Das Dreibackenfutter

    5 Ist die äußere Form vollendet, wird die Schale in das Dreibackenfutter umgespannt.
  6. Die InnenseiteDie Innenseite© Selbermachen

    Die Innenseite

    6 Beim Ausdrehen der Innenseite, wird stets aus zwei Richtungen Holz abgetragen (siehe Pfeile im Bild).

Rat vom Meister

Langholzdrechseln ist die gebräuchlichste Art des Drechselns. Auf diese Weise werden Stäbe, Säulen oder eben Honiglöffel gedreht. Wichtig dabei ist, sich stets den Faserverlauf vor Augen zu halten und das schneidende Werkzeug immer schräg und mit dieser Richtung zu führen. Ein Beispiel macht es deutlich: Stellen Sie sich vor, Sie spitzen einen Bleistift mit dem Messer an.

Ohne darüber nachzudenken, führen Sie die Klinge mit der Faser schräg zur Mine hin. Doch jetzt gilt es, das frisch Erlernte umzusetzen. Christoph Burnhauser entlässt mich mit der Aufgabe, selbst einen Honiglöffel zu drechseln. Als kleine Hilfestellung bekomme ich noch ein paar auf Maß zugeschnittene Stücken Ahornholz mit auf den Weg und den guten Rat, grundsätzlich mit gut geschärften Werkzeugen zu arbeiten. Und das ist leichter gesagt als getan, denn wer besitzt schon eine Drehbank und das passende Drechselwerkzeug?

Honig Löffel

  1. Das Werkstück einspannenDas Werkstück einspannen© Selbermachen

    Das Werkstück einspannen

    1 Der Achsmittelpunkt wird angepeilt und das Werkstück in die Drehbank eingespannt.
  2. Die SchrubbröhreDie Schrubbröhre© Selbermachen

    Die Schrubbröhre

    2 Mit einer Röhre, auch Schrubbröhre, wird mit etwa 2000 Umdrehungen pro Minute abgedreht.
  3. Der MeisselDer Meissel© Selbermachen

    Der Meissel

    3 Mit einem mittelgroßen Meißel wird die Spitze herausgearbeitet.
  4. Den Kegel formenDen Kegel formen© Selbermachen

    Den Kegel formen

    4 Anschließend mit einer Röhre das breitere Ende des Kegels aus dem Holz formen und den Stiel auf den richtigen Durchmesser bringen.
  5. Das AbschleifenDas Abschleifen© Selbermachen

    Das Abschleifen

    6 Zuletzt wird mit Schleifpapier bis Körnung 240 alles glatt geschliffen.
  6. Der StielDer Stiel© Selbermachen

    Der Stiel

    5 Den vorletzten Schliff erhält der Honiglöffelstiel mit einem sehr flach angesetzten Meißel, der das Material nur noch hauchfein abträgt.
  7. Der fertige HoniglöffelDer fertige Honiglöffel© Selbermachen

    Der fertige Honiglöffel

    Die Herausforderung.

Selber machen!

Nächster Stopp ist – na klar – der Baumarkt. Ich kaufe mir eine kleine Drechselvorrichtung von Wolfcraft. Dazu einen Satz scharfer Drechseleisen. Ich gönne mir Werkzeuge der Fa. Dick – das Auge drechselt schließlich mit. Es kann also losgehen. Doch zuvor muss die Drechselvorrichtung zusammengebaut werden. Das ist gut so, denn so weiß ich von jeder Schraube, dass sie auch festsitzt. Ich montiere die Vorrichtung auf eine Werkbank.

Ein einfacher Tisch hätte es auch getan, aber je schwerer der Tisch, desto besser. Zuletzt setze ich noch eine Bohrmaschine mit herkömmlichem Bohrfutter – also kein Schnellspannfutter – an die Vorrichtung und lege ein Holz unter den Griff, damit ich ein Gegenlager habe. Jetzt geht’s rund. Ich nähere mich der ganzen Sache vorsichtig und benötige etwa neun Minuten für den ganzen Honiglöffel.

Er sieht zwar am Ende nicht ganz so aus wie Meister Burnhausers Vorbild, aber dafür war es schließlich mein Erstling. Und er kann sich sehen lassen! Fazit: Es ist wie immer, mit dem richtigen Werkzeug lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten!

Jetzt selber machen

  1. Den Mittelpunkt bohrenDen Mittelpunkt bohren© Selbermachen

    Den Mittelpunkt bohren

    1 Um eine möglichst geringe Unwucht im Objekt zu haben, wird der Achsmittelpunkt angezeichnet und mit einem 4-mm-Bohrer angebohrt.
  2. Das Werkstück einspannenDas Werkstück einspannen© Selbermachen

    Das Werkstück einspannen

    2 So passt dann das Werkstück auch exakt in die Aufnahmen mit dem Metalldorn.
  3. Den Rundstab formenDen Rundstab formen© Selbermachen

    Den Rundstab formen

    3 Mit einer Röhre, dem Drechseleisen mit der halbrunden Form, wird der kleine Vierkantstab zum Vollrundstab gedreht. Die Bohrmaschine läuft dabei auf fast vollen Touren (hier 800 Umdrehungen pro Minute).
  4. Den Kegel formenDen Kegel formen© Selbermachen

    Den Kegel formen

    4 Mit einer kleineren Röhre wird nun die Form des Kegels herausgearbeitet. Erst im Bereich des Stiels, danach an der Spitze.
  5. Den Durchmesser verringernDen Durchmesser verringern© Selbermachen

    Den Durchmesser verringern

    5 Um den Stiel auf einen geringeren Durchmesser zu bringen, kommt wieder die große Röhre zum Einsatz. Dabei stets vom Kegel weg arbeiten.
  6. Die Rillen formenDie Rillen formen© Selbermachen

    Die Rillen formen

    6 Zuletzt werden die Rillen mit einem kleinen Meißel in den Kegel geschnitten und danach alles geschliffen. Fertig ist der Honiglöffel.
  7. Der VergleichDer Vergleich© Selbermachen

    Der Vergleich

    Der Vergleich kann sich sehen lassen.
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