Hausbau

Pultdach – das sind die Vorteile

Ein Pultdach besteht nur aus einer Dachseite statt wie Satteldach aus zweien, die sich etwa in der Mitte am höchsten Punkt, dem Dachfirst treffen. Hier erfahren Sie, worin die Vorteile eines Pultdaches liegen.

Haus mit Pultdach
Pultdächer sind in den hiesigen Breitengraden wenig weit verbreitet. Dabei haben Pultdächer zahlreiche Vorteile im Vergleich zu anderen Dachformen.© schulzfoto - stock.adobe.com

Das Satteldach ist vermutlich die am weitesten verbreitete Dachbauweise bei alleinstehenden Häusern. Das Pultdach hingegen ist deutlich weniger häufig zu sehen und kommen meist nur bei Anbauten oder Erkern zum Einsatz. Dabei sind die Vorteile eines Pultdaches zahlreich:

  • Weniger Dachschrägen im Inneren (mehr Wohnraum)
  • Meist geringere Neigung als ein Satteldach (mehr Wohnraum)
  • Kostengünstige Bauweise
  • Kann im idealen Winkel für Solar- beziehungsweise Photovoltaik-Module konstruiert werden
  • Zuverlässiger Wasserabfluss

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Selbstverständlich gibt es auch beim Pultdach ein paar Nachteile:

  • Stärkeres Aufheizen der Räume direkt unter dem Dach
  • Schnellere Verschmutzung und Ablagerungen auf der Dachfläche

Das Problem des stärkeren Aufheizens im Sommer kann mit einer guten Isolierung abgemildert werden. Lediglich um die vermehrte Reinigung kommen Sie bei einem Pultdach im Vergleich zu anderen Dachformen wohl nicht herum.

Pultdach – Ausrichtung und Neigung

Bezüglich der Dachneigung sollten Sie sich unbedingt vorher Gedanken darüber machen, ob Sie gleich noch eine Solar- oder Photovoltaik-Anlage installieren wollen. Diese sollten – abgesehen von der richtigen Ausrichtung des Hauses zur Sonne – auch in einem bestimmten Winkel installiert werden, um das beste Ergebnis zu erzielen.

Möchten Sie die Sonnenenergie hingegen nicht über Ihre Dachfläche nutzen, kann oder besser sollte das ganze Dach nicht zur Sonne hin, sondern zur sogenannten Wetterseite (hierzulande in nordwestlicher Richtung) ausgerichtet werden. So kann Niederschlag besser abfließen und das Dach muss außerdem weniger häufig gereinigt werden.

Aber mit Photovoltaik-Anlage oder ohne; bei einem Pultdach benötigen Sie in jedem Fall nur an der unteren Seite eine Regenrinne. Damit verringert sich der alle paar Jahre anfallende Reinigungsaufwand schon wieder.

Pultdach mit Regenrinne
Ein Haus mit einem Pultdach benötigt nur an der tieferliegenden Seite eine Regenrinne.© Hermann - stock.adobe.com

Je flacher das Dach, desto mehr Wohnraum steht zur Verfügung. Je flacher es allerdings ist, desto langsamer fliest Wasser davon ab und man benötigt eine zunehmend dichtere Dämmung.

Pultdach - Balkenstärke berechnen

Das Pultdach hat eine wesentlich kleinere Dachfläche als ein herkömmliches Satteldach. Der Dachfirst ist beim Pultdach nicht mehr oder weniger in der Mitte, sondern schließt ganz oben am höchsten Punkt mit einer der Außenwände ab.

Da das Gewicht allerdings auch nicht von zwei Dachseiten sowie in der Mitte getragen wird, müssen die einzelnen Balken stärker sein. Beim Pultdach bedarf es je nach Länge der Sparren einer anderen Stärke. Eine Faustformel zu Berechnung der benötigten Dicke lautet:

Stützweite in Metern x 2 + 5 Zentimeter = Sparrenstärke in Zentimetern

Geht es also beispielsweise um eine Stützweite von fünf Metern, lautet die Rechnung folgendermaßen:

2x5+5=15

Sie brauchen also Dachbalken mit einer Stärke von mindestens 15 Zentimetern. Um die Last etwas zu verteilen, besteht übrigens auch die Möglichkeit, etwa in die Mitte des Raumes Stützbalken zu platzieren. Allerdings verringert sich dadurch natürlich der Wohnraum wieder etwas.

Pultdach – eindecken und dämmen

Beim Pultdach haben Sie in Bezug auf Dämmung und Eindeckung die Wahl aus zahlreichen verschiedenen Materialien. Vernachlässigen sollten Sie die beiden Themen allerdings unter keinen Umständen. Ein Pultdach ist verhältnismäßig stark dem Wetter, dem Niederschlag und damit auch der Feuchtigkeit ausgesetzt. Die richtige Dämmung und Eindeckung gleich zu Beginn, kann Ihnen viel Ärger ersparen.

Wie bereits erwähnt, kommt die Art der Eindeckung von Pultdächern etwas auf den Neigungswinkel an. Generell ist eine Fülle an Materialien denkbar. Herkömmliche Dachziegel benötigen eine Neigung von mindestens 22°, besser sogar noch mehr, um wirklich dicht zu sein. Ist Ihr Pultdach hingegen flacher, wäre ein Blechdach eventuell besser geeignet. Hier reicht schon eine Neigung von 11°.

Generell ist jedoch auch eine Eindeckung mit Schiefer, Kunststoff oder Schindeln und einem Bitumenanstrich möglich. Den passenden Neigungswinkel dazu erfahren Sie bei Ihrem Dachexperten.

Spannender wird es beim Pultdach in Bezug auf die Dämmung. Im Vergleich zum Satteldach hat ein Pultdach zwar rund 30 Prozent weniger Fläche, diese ist zu bestimmten Zeiten aber in Gänze der Sonne ausgesetzt und das Innere heizt sich auf.

Aufsparrendämmung
Bei der Aufsparrendämmung wird das Isoliermaterial knapp unter der Dachhaut anbebracht. Der Vorteil daran ist, dass kein Wohnraum durch die Dämmung in Anspruch genommen wird. Der Nachteil: Aufsparredämmung ist verhältnismäßig teuer.© David Mathieu - stock.adobe.com

Bei der Dämmung eines Pultdachs haben Sie die Wahl zwischen einer Aufsparrendämmung sowie einer Zwischen- und Untersparrendämmung. Bei der Aufsparrendämmung wird das isolierende Material „auf“ den Sparren, also außen, aber unterhalt der Eindeckung vorgenommen. Die Aufsparrendämmung gilt als besonders effizient sowie platzsparend. Da sie nun mal außen angebracht wird, minimiert sie den Wohnraum um keinen Millimeter.

Allerdings gilt die Aufsparrendämmung auch als die kostspieligste. Da sie auf den Sparren, aber unter der Eindeckung platziert ist, geht die Aufsparrendämmung in der Regel mit einer vollständigen Dachneueindeckung bei einer Sanierung oder direkt beim Neubau einher.

Etwas günstiger sind hingegen die Zwischen- sowie Untersparrendämmung. Während bei der Zwischensparrendämmung das Isoliermaterial, wie der Begriff schon vermuten lässt, zwischen den Dachbalken platziert wird, wird das Material bei der Untersparrendämmung sogar auf- oder besser unterhalb der Balken, im Inneren des Hauses platziert. Das bedeutet, dass die Raumhöhe um mindestens die Stärke des Dämmmaterials verringert wird. Häufig kommt noch eine Verkleidung darüber, die die Raumhöhe abermals um ein paar Zentimeter niedriger werden lässt.

Zwischensparrendämmung
Bei der Zwischensparrendämmung wird das Isoliermaterial innen zwischen die Dachbalken geschoben. Damit wird nur minimal Wohnraum gemindert. Allerdings sollte man aus optischen Gründen noch eine Abhängung an der Decke anbringen.© LianeM - stock.adobe.com

Sowohl bei der Zwischen- als auch bei der Untersparrendämmung können ferner sogenannte Wärmebrücken entstehen. Damit wird die Isolierwirkung verringert. Bei der Aufsparrendämmung besteht diese Gefahr nicht.

Auch wenn das Satteldach in unseren Breitengraden wohl immer noch die am weitesten verbreitete Dachform ist, wenn Sie einen Neubau planen, sollten Sie zumindest einmal über ein Pultdach nachdenken. Die Vorteile sind mannigfaltig.

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