Wandgestaltung

Tapezieren wie die Profis

Aus der Raumgestaltung ist die gute alte Tapete nach wie vor nicht wegzudenken. Lesen Sie hier, wie Sie richtig Tapezieren. Plus: Profi-Tipps für Ecken, Wandgestaltung und mehr.

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Mit diesen Arbeitsschritten tapezieren Sie Ihre Räume richtig.© Anselm/stock.adobe

Tapeten schaffen nicht nur eine glatte Struktur an Wänden, sondern beeinflussen auch maßgeblich die Raumwirkung. Das kann man sich insbesondere bei Zimmern mit Problemstellen zunutze machen:
So wählt man bei niedrigen Räumen eine Tapete in hellen Farben, die mit einem senkrecht verlaufenden Muster wie etwa Streifen optisch streckt. Hohe Decken wirken niedriger, wenn die Tapete nicht ganz bis zur Decke reicht. Kleinen Räumen verleiht man mehr Tiefe, indem man die Wände in hellen Farben tapeziert, eine davon aber in einem dunklen Ton hält, gerne auch mit einem kleinen, regelmäßigen Muster. Wirkt ein Zimmer dagegen sehr weitläufig, greift man zu Tapeten mit auffallenden, großen Mustern in dunklen, warmen Farbtönen.

Bevor es ans Tapezieren geht, legt man den Boden mit Folie aus und klebt Sockelleisten sowie Steckdosen mit Malerkrepp ab. Anschließend muss der Untergrund vorbereitet werden. Dazu gehört, Löcher und Risse zu verspachteln, Unebenheiten oder aber die ganze Wand zu schleifen und die Wand mit Tiefengrund zu grundieren, um ihre Saugfähigkeit zu verringern.

Decke tapezieren

Wer den ganzen Raum tapeziert, fängt über Kopf an. Beim Tapezieren der Decke sollte man stets mit dem Lichteinfall arbeiten, d.h. man beginnt beim Fenster und fährt davon ausgehend in Längsrichtung fort.

  1. In einen Eimer mit handwarmem Wasser Tapetenkleisterpulver geben, mit dem Rührholz durchschlagen, quellen lassen.
  2. Von der Raumecke aus mit dem Zollstock die Position der ersten Bahn anzeichnen. Von der Bahnbreite 1 cm abziehen!
  3. Mit einem Malerpinsel Tapetenkleister sorgfältig an den Übergängen von Wänden und Decke aufbringen und tupfen.
  4. Den Kleister mit der Schaumstoffrolle auf der Breite der Bahn auftragen und 3 cm für eine gute Klebung am Stoß zugeben.
  5. Der Strich (Schritt 2) dient als Anlegelinie der ersten Tapetenbahn. An der Wandseite sollte sie 1 cm überlappen.
  6. In der Ecke den 1 cm überstehenden Kragen einschneiden und die Tapete an den angrenzenden Wänden fest andrücken.
  7. Mit der Gummiwalze und leichtem Druck über die Bahn rollen: in Längsrichtung und von innen nach außen zum Stoß.

Wände tapezieren

Etwas leichter fällt das Tapezieren der Wände mit Vliestapete. Bei Mustertapeten muss man allerdings den Rapport und den Musteransatz bzw. Versatz beachten, um das Muster nahtlos an die Wand zu bringen.

  1. Kleister verarbeiten. Er ist während der Verarbeitung farbig.
  2. An der Wandmitte mithilfe der Wasserwaage einen senkrechten Strich setzen. So wird die erste Tapetenbahn lotrecht.
  3. Höhe des Raums + 5 cm Zugabe ergibt die Bahnlänge. Zuschneiden. Dann die nächste Bahn daran Stoß auf Stoß legen.
  4. Beim versetzten Halbansatz sind erste und dritte, zweite und vierte Bahn identisch, Muster dazwischen verschoben.
  5. Ecken mit dem Pinsel einkleistern, Flächen mit dem Quast. Dank Kleisterfarbe kann man die gleichmäßige Verteilung prüfen.
  6. Bahn mit Überstand zur Decke mit Tapezierbürste und Spachtel feststreichen. Übergänge zur nächsten Bahn mit Nahtroller andrücken.
  7. Überstände an Decke und Boden mit dem Cuttermesser an Tapezierspachtel oder -schiene entlang abschneiden.
  8. Abstand von Bahn zur angrenzenden Wand mit 2 cm Zugabe auf Tapetenrolle übertragen. Bahn tapezieren, die restliche Bahn an anliegender Wand anbringen.

Ecken tapezieren

So verschieden die Tapetenarten, so unterschiedlich müssen sie an Innen- und Außenecken angebracht werden: Während man Raufasertapeten (1 & 2) max. 2 cm umkleben sollte, setzt man Vliestapeten (3 & 4) direkt an den Innen- und Außenecken an. Mustertapeten (5 & 6) bis zur Ecke auf Breite zuschneiden, nächste Bahn dem Muster anpassen.

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Verschiedene Tapetenarten müssen unterschiedlich angebracht werden.© Tillman Straszburger

Tapetensymbole

Tapetenrollen sind nach der Euronorm DIN EN 235 gekennzeichnet. Das bedeuten die ausgewählten Symbole:

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Tapetensymbole verraten viel über die notwendigen Arbeitsschritte.© DTI
  1. Ansatzfrei, beim Kleben müssen Muster nicht beachtet werden.
  2. Gerader Ansatz (gleiche Muster in gleicher Höhe verkleben) + Rapportangabe
  3. Versetzter Ansatz + Rapport- und Versatzangabe. Muster auf nächster Bahn versetzt.
  4. Der Kleister soll nicht auf die Wand, sondern auf die Tapete aufgetragen werden.
  5. Wandklebetechnik: Der Kleister bzw. Kleber kommt auf Wand, nicht auf Tapete.
  6. Scheuerbeständig: Verschmutzungen mit Bürste und Seifenlösung entfernen.
  7. Diese Tapete ist gut lichtbeständig, d. h. farbbeständig gegen Lichteinstrahlung.
  8. Diese Tapete ist ausgezeichnet lichtbeständig, gemäß der Kriterien der Wollskala.
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Tapetensymbole geben viele Informationen über die Tapete. © DTI
  1. Wasserbeständig nur bis Zeitpunkt der Verarbeitung, Kleisterflecken abtupfen.
  2. Waschbeständig: Leichte Verschmutzungen können feucht abgewischt werden.
  3. Hoch waschbeständig: Tapete lässt sich mit Schwamm und Seifenlauge säubern.
  4. Restlos trocken abziehbar: Tapete an der Ecke entfernen und die Bahnen abziehen.
  5. Spaltbar: Oberschicht lässt sich trocken abziehen, Unterschicht bleibt an der Wand.
  6. Nass entfernen: Man kann die Tapete entfernen, wenn sie eingeweicht wurde.

Tapete mit Goldfarbe

Wem Tapezieren allein nicht genug ist, der setzt diese Wandgestaltung um, bei der Individualität Trumpf ist: Erhabene Muster von einer Papierprägetapete können in einem beliebigen Farbton von der weißen Tapete abgesetzt werden. Dadurch verstärkt sich der dreidimensionale Eindruck. Bevor es ans Verzieren geht, bringt man die Tapetenbahnen mit Kleister an die Wand, grundiert diese weiß und lässt sie trocknen.

  1. Goldfarbe: Die Wunschfarbe auf einen Schwamm auftragen und sie mit einer Linolwalze aufnehmen.
  2. Auftrag: Die Linolwalze gleichmäßig über die erhabenen Stellen der Prägetapete bewegen.

Tapezieren ist nicht immer unkompliziert. Mit dem richtigen Know-How wird das Tapezieren leichter und die Tapete liegt gleichmäßiger an der Wand. 

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