Weißeln

Wände weiß streichen

Es hört sich so profan an, aber einen einwandfreien weißen Anstrich an die glatte Wand zu zaubern, ist wirklich nicht ohne. Wir zeigen, wie Sie es nicht nur perfekt, sondern auch schnell schaffen.

Wände perfekt weiß strichen
Meine weiße Wand!© Christian Bordes

Alte Tapeten werden heute immer häufiger durch gestrichene Wände ersetzt. Vorbei scheint die Zeit der gelborange-roten Farbtöne, die, meist kunstvoll ineinander verwischt, einen Hauch von Sonne, Wärme und Mittelmeer-Urlaubsstimmung übers ganze Jahr konservieren sollten.

Wände weiß streichen: Eine Frage der Qualität

Das Problem solcher Kompositionen ist nämlich, dass Sie bei der Einrichtung vom Bodenbelag bis zur gepolsterten Sitzgruppe stilistisch sehr eingeengt sind. Weiße Wände haben dieses Problem nicht. Dazu bieten weiße Wände den unschätzbaren Vorteil, dass sie die Räume heller wirken lassen. Vor einem neutralen Hintergrund wie Weiß kommen die einzelnen Möbel zudem wesentlich besser zur Geltung.

Der Grat zwischen einem bewusst eingesetzten und modernen Weiß einerseits und farblicher Ideenlosigkeit andererseits ist allerdings schmal. Das hängt zuallererst mit der Qualität der Wand und des Anstrichs zusammen. Weiß wirkt nämlich nur dann modern und elegant, wenn es perfekt verstrichen ist. Jeder kleine Buckel, jeder Riss und jeder Pickel präsentieren sich auf einem reinweißen Untergrund besonders prominent. Und gerade auf Weiß, der Farbe für Reinheit, Sauberkeit und Unschuld, wirken solche Makel schnell wie gewollt und nicht gekonnt.

Die Grundlage: eine glatte Wand

Die Farbe Weiß wirkt auf glatten Flächen um ein Vielfaches eleganter als auf Strukturputz oder Raufaser. Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass Sie für glatte Wände weniger Farbe benötigen als für raue, denn die Oberfläche ist kleiner.

Drei Möglichkeiten, Ihre Wände schnell und einfach glatt zu kriegen, sind:

  • Vliestapeten: Einfach an die Wand kleben und überstreichen. Die Oberfläche ist feinporig und bei Bedarf auch wieder übertapezierbar.
  • Flächenglätter: Handwerklich nicht ganz ohne, dafür wird es eine nahtlose und harte Oberfläche.
  • Vorsatzschalen: In Härtefällen kleben Sie einfach eine Gipskartonplatte per Ansetzbinder an die Wand.

Wände weißeln: Eine gute Vorbereitung ist alles

Manche Weisheiten sind so absolut und wichtig, dass man sie gar nicht oft genug wiederholen kann. Eine davon ist folgende: Die sorgfältige Vorbereitung des Untergrundes ist entscheidend für die Qualität des Anstrichs! Die wenigsten Wände sind unter der Tapete in einem so guten Zustand, dass Sie gleich losstreichen können. Es gilt also, Löcher und Risse zu füllen. Brauchen Sie einige Löcher noch (das Bild soll später an gleicher Stelle hängen), lassen Sie den Dübel drin und drehen eine Schraube ein.

Die Erfahrungen zeigen, dass selbst bei sorgfältigster Spachtelung nur selten eine wirklich glatte Wand herauskommt. Unser Tipp deshalb: Sind alle Ausbesserungsarbeiten an der Wand erledigt, mieten Sie sich im Baumarkt einen großen Schleifer und schleifen Sie die Wand einmal ab. Dort finden Sie die Profimaschinen, die besser geeignet sind als herkömmliche Exzenterschleifer. Die sind zwar zum Tapetenentfernen nützlich, können aber unter der Staubentwicklung leiden.

Wände weiß streichen: Die richtige Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung ist alles
Tapete mit Nagelwalze löchern
© Bordes

Schritt 1/13: Tapete mit Nagelwalze löchern

Perforieren statt kratzen: Mit einer Nagelwalze löchern Sie die alte Tapete gründlich. Damit bahnen Sie dem anschließend aufgespritzten Wasser den Weg hinter die Kulissen. Dort löst es den Kleister an.

Tapete mit Wasser einsprühen
© Bordes

Schritt 2/13: Tapete mit Wasser einsprühen

Bringen Sie anschließend Wasser auf die Tapete: Sie sollten sie zwar nicht fluten, aber richtig und über längere Zeit nass machen. Ein Sprühgerät macht das Ganze bequemer.

Tapetenreste abschleifen
© Bordes

Schritt 3/13: Tapetenreste abschleifen

Die allerletzten Tapetenreste kratzt man mit einem Exzenterschleifer und 100er-Schleifpapier von der Wand. Nur wenig Druck geben, denn sonst entsteht ein feiner Staub, der die Maschine schädigen kann.

Grundierspray auftragen
© Bordes

Schritt 4/13: Grundierspray auftragen

Tipp: Bestimmte Verfärbungen im Putz lassen sich auch mit der besten Wandfarbe nicht vollständig kaschieren, die müssen vorab gesondert behandelt werden. Dazu gehören vor allem Nikotin-(Teer-) und Stock-(Wasser-)Flecken. Bei den letzteren ist es natürlich wichtig, dass die Ursache für die Flecken, nämlich eingedrungenes Wasser, gewissenhaft beseitigt ist, sonst können auch Grundierungen gegen Flecken nichts bewirken. Für kleinere Verfärbungen reicht der Einsatz eines Grundier-Sprays (Bild) völlig aus. Sind die befallenen Flächen größer, ist der Auftrag der Grundierung mit einem Quast praktischer. Für die Flecken, die bei der Durchsottung von Schornsteinen entstehen, sind übrigens spezielle und genau auf dieses Problem abgestimmte Grundierungen im Baumarkt erhältlich.

Risse verspachteln
© Bordes

Schritt 5/13: Risse verspachteln

Kleine Risse im Putz verschließt man mit einer Spachtelmasse (gebrauchsfertig oder selbst angerührt). Verwenden Sie einen dünnen Japanspachtel, mit dem lässt sich die Masse sehr leicht auf Null ausziehen.

Dübellöcher verspachteln
© Bordes

Schritt 6/13: Dübellöcher verspachteln

Für tiefe Dübellöcher ist ein Tiefenfüller das Mittel der Wahl. Diese Spachtelmasse ist etwas gröber und hat eine hohe Endfestigkeit. Drücken Sie sie mit einem kleinen Spachtel bis tief ins Loch hinein.

Putzriss ausstemmen
© Bordes

Schritt 7/13: Putzriss ausstemmen

Größere Putzrisse werden ausgestemmt, damit die Spachtelmasse genug Haftfläche findet. Handelt es sich um einen Setzriss des Gebäudes, muss ein Glasfaserstreifen über den Riss gelegt werden.

Tiefengrund auftragen
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Schritt 8/13: Tiefengrund auftragen

Ein erstklassiger Anstrich braucht einen erstklassigen Untergrund. Damit ist vor allem ein fester, trockener und nicht kreidender oder sandender Putz gemeint. Um diese Eigenschaften zu prüfen, klopfen Sie die Putzfläche leicht ab – klingt eine Stelle hohl, schlagen Sie ihn dort ab und verspachteln diese Stelle neu.

Putz prüfen
© Bordes

Schritt 9/13: Putz prüfen

Fahren Sie mit Ihrer Handfläche über den Putz: Wird sie dabei leicht weiß, ist der Putz nicht fest genug, und Sie müssen ihn vor dem Streichen mit einem Tiefgrund behandeln.

Gipsbasierte Spachtelmasse
© Bordes

Schritt 10/13: Gipsbasierte Spachtelmasse

Tipp: Wollen Sie die volle "offene Zeit", also die maximale Verarbeitungszeit einer gipsbasierten Spachtelmasse ausnutzen, ist das richtige Anmachen der Masse besonders wichtig. Regel 1: Immer zuerst das Wasser in den Becher einfüllen, dann das Pulver so lange einstreuen, bis es nicht mehr absackt. Kurz warten, dann verrühren. Regel 2: Verwenden Sie kaltes Wasser. Warmes Wasser verkürzt die offene Zeit. Regel 3: Zu langes Verrühren führt dazu, dass die Spachtelmasse schneller abbindet. Deshalb langsam und nur so lange rühren, bis ein klumpenfreier Brei entsteht.

Trendvlies
© Bordes

Schritt 11/13: Trendvlies

Eine glatte Wand können Sie auch mit einem sogenannten Reparatur- oder auch einem Trendvlies schaffen.

Spachtelmasse auftragen
© Bordes

Schritt 12/13: Spachtelmasse auftragen

Beides sind glatte Tapetenbahnen, die Sie in einen Kleister oder eine Spachtelmasse eindrücken. Die Oberfläche wird absolut glatt und eben, es können sogar kleinere Risse im Putz überklebt werden.

Trendvlies eindrücken
© Bordes

Schritt 13/13: Trendvlies eindrücken

Beide Vliestapeten sollten Sie einmal weiß überstreichen. Das Trendvlies ist deckend weiß, das Reparaturvlies leicht durchscheinend. Der Kleister wird nicht auf die Rückseite, sondern auf die Wand aufgetragen.

Weiße Wände zeigen jeden Fehler

Die Qualität Ihres Anstrichs hängt auch ganz entscheidend von der Wahl der Wandfarbe ab. Deutlich gesagt: Markenprodukte sind in der Regel besser als No-Name-Produkte. Der günstigere Preis resultiert nämlich aus einem niedrigeren Weißpigmentanteil (meist Titanoxid), der sich eben in einer geringeren Deckkraft niederschlägt.

Wenn Sie mit einer Billigfarbe allerdings Ihre Wand zweioder dreimal statt einmal streichen müssen, ist der Preisvorteil durch die benötigte größere Farbmenge schnell dahin, vom Arbeitsaufwand ganz zu schweigen. Billigfarben haben meist keine Deklaration hinsichtlich ihrer Deckkraft. Gute bieten eine Deckkraft der Klasse 1 (bedeutet mindestens 99,5% Deckvermögen) oder Klasse 2 (98%).

Wände weiß streichen

Weiße Wände zeigen jeden Fehler
Farbrolle anfeuchten
© Bordes

Schritt 1/11: Farbrolle anfeuchten

Damit die Farbaufnahme der Farbrolle vom ersten bis zum letzten Streich gleich bleibt (und damit auch das Streichbild), feuchten Sie die Rolle vor dem ersten Eintauchen in den Farbeimer mit klarem Wasser an. Aber Achtung: Zwar sollten Sie die ganze Rolle kräftig und gleichmäßig wässern, aber anschließend genauso gründlich wieder auswringen. Mit einer nassen Rolle wird Ihnen die weiße Wandfarbe nämlich die Wand runterlaufen. Also: Rolle gut auswringen, am besten in einem alten Handtuch, und die Rolle mehrmals kräftig ausschlagen.

Farbe durchrühren
© Bordes

Schritt 2/11: Farbe durchrühren

Durch langes Lagern können sich im Farbeimer die einzelnen Bestandteile regelrecht entmischen. Ein sichtbares Zeichen dafür ist, dass sich das Wasser oben auf der Farbe sammelt und absetzt. Ein grober Fehler wäre es, dieses Wasser abzuschöpfen, denn in einer Dispersionsfarbe (das sind fast alle Wandfarben) ist das Mengenverhältnis von Wasser zu den darin verteilten, festen Inhaltsstoffen wichtig für die Streichbarkeit und das Trocknungsverhalten. Deshalb gilt: Rühren Sie die Farbe vor dem Verstreichen zwei bis drei Minuten lang mittels einer Bohrmaschine und einem Quirl gut durch, vor allem auf dem Gebindeboden.

Farbkonsistenzen
© Bordes

Schritt 3/11: Farbkonsistenzen

Weiße Wandfarbe bekommen Sie nicht nur in flüssiger Form, sondern auch als feste und als tropfgehemmte Farbe. Grundsätzlich sind diese Farben genauso gut und deckend wie die flüssigen. Weil die Gebinde meist kleiner und im Verhältnis teurer sind als die großen 12-l-Eimer mit flüssiger Farbe, sind diese festen Farben besser für kleinere Flächen geeignet. Angebrochene Gebinde müssen Sie gut verschließen, weil Sie feste Farben nur sehr begrenzt mit Wasser wieder verdünnen können. Achtung: Für die recht schmalen Farbschalen benötigen Sie auch eine entsprechend breite und kurzflorige Rolle. Oft werden die gleich im Set mit der festen Farbe angeboten.

Abstreifgitter für Farbe
© Bordes

Schritt 4/11: Abstreifgitter für Farbe

Ein Abstreifgitter im Farbeimer ist Pflicht. Das sorgt für eine gleichmäßige Farbverteilung auf der Rolle und damit auch auf der Wand. Waschen Sie bei der Reinigung von Rollen und Pinseln immer auch das Abstreifgitter ab, damit die Waben sich nicht mit der Zeit mit Farbe zusetzen.

Eckfarbroller
© Bordes

Schritt 5/11: Eckfarbroller

Beginnen Sie mit dem Streichen in den Raumecken. Gewöhnlich verwendet man dazu einen schmalen Pinsel, aber der hinterlässt nach dem Trocknen oft ein deutlich anderes Streichbild auf der Wand als die Rolle. Mit einer Eckenfarbrolle ("Maus") umgehen Sie dieses Problem.

Ecke streichen
© Bordes

Schritt 6/11: Ecke streichen

Maus besser als Pinsel: Für die "Maus" gilt im Übrigen das gleiche wie für die großen Rollen – erst anfeuchten, dann gut auswringen, dann streichen. Auch die Maus sollten Sie nach dem Eintauchen in der Farbe über das Abstreifgitter ziehen.

Richtiger Farbauftrag
© T. Straszburger

Schritt 7/11: Richtiger Farbauftrag

Vom Licht weg: Arbeiten Sie beim Streichen grundsätzlich vom Licht (meist das Fenster) weg. Streichen Sie nass in nass (auch in den Ecken!) – sonst sind später nach dem Trocknen Ansätze erkennbar. Führen Sie die Rolle bei unebenen Wänden zunächst M- oder W-förmig (siehe Grafik), anschließend von oben nach unten, um die Farbe zu verschlichten. Müssen Sie ein zweites Mal streichen, lassen Sie den ersten Anstrich zunächst gut durchtrocknen.

Vom Licht weg streichen
© Bordes

Schritt 8/11: Vom Licht weg streichen

Auch beim zweiten Durchgang sollten Sie die verschiedenen Streichrichtungen durchführen, um eine gleichmäßige Deckung zu erreichen. Wenn Sie bei offenem Fenster arbeiten, dauert die Trocknung ungefähr 24 Stunden. Allerdings sollten Sie nicht querlüften, damit ein starker Luftzug nicht zu ungleichmäßiger Trocknung der Farbe führt.

Heizung mit Folie abdecken
© Bordes

Schritt 9/11: Heizung mit Folie abdecken

Haben Sie einen oder mehrere Heizkörper im Raum, sollten Sie die Heizung vor dem Streichen herunterdrehen. Die Strahlungswärme der Heizkörper würde die Farbe in der direkten Umgebung zu schnell trocknen lassen, was zu sichtbaren Streifen führen kann. Decken Sie auch die Heizkörper mit einer Folie ab, vor allem auf der Rückseite der Rippen. Um die Farbe hinter dem Heizkörper an die Wand zu bringen, verwenden Sie eine kleine, langflorige Farbrolle für Lacke. Aber selbst damit werden Sie es in der Regel nicht schaffen, die ganze Wandfläche hinter den Rippen zu erreichen. Das fällt aber dann nicht weiter auf, wenn Sie nach dem Streichen den Heizkörper gleich mit einem entsprechenden Lack ebenfalls auffrischen. Verwenden Sie einfach einen Sprühlack, der sorgt auch zwischen den Rippen für eine weiße Wand.

Wandfarbe mit schwarz mischen
© Bordes

Schritt 10/11: Wandfarbe mit schwarz mischen

Profis verwenden einen alten Trick, um die Deckkraft der weißen Farbe zu erhöhen: Sie geben einen Schuss Abtönfarbe in schwarz oder Umbra in die Farbe und mischen sie nochmal gründlich durch. Durch den Farbspritzer wird das meist schneeartige Weiß leicht gebrochen, es entsteht ein Altweiß. Aber seien Sie vorsichtig mit der Dosierung: Die Abtönfarbe darf nur in homöopathischen Dosen eingesetzt werden, sonst kann das Weiß vergrauen.

Rollen langflorig und kurzflorig
© Bordes

Schritt 11/11: Rollen langflorig und kurzflorig

Wer schon mal im Baumarkt eine Farbrolle kaufen wollte, kennt sicherlich die ungeheure Vielfalt, die dort angeboten wird. Unsere Entscheidungshilfe: Für eine Wandfarbe auf Dispersionsbasis nehmen Sie am besten eine Rolle mit mittellangem Flor. Die langflorigen Rollen nehmen zu viel Farbe auf, werden schwer, unhandlich und verspritzen die Farbe beim Aufrollen. Die kurzflorigen hingegen nehmen zu wenig Farbe auf, Sie müssen mehr als nötig rollen.

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