Gartenkräuter

Lavendel anbauen und vermehren - So geht's

Lavendel ist der Inbegriff der Natur in der Provence. Er besticht nicht nur mit seiner tollen Farbe, sondern auch mit seinem aromatischen Geruch. Sie wollen auch einen Hauch Frankreich bei sich auf dem Balkon oder im Garten? Lavendel lässt sich ganz einfach anbauen und vermehren.

Lavendel
Lavendel im Garten verbreitet einen tollen Geruch, sieht schön aus und kann sogar geerntet werden.© nieriss - stock.adobe.com

Lavendel gehört zu der Familie der Lippenblütler und tritt in rund 30 Gattungen und Untergattungen auf. Typischerweise ist das Strauchgewächs lila, es gibt aber auch Sorten in Weiß, Rosa und Blau.

Lavendel ist aber nicht nur schön anzusehen. Er eignet sich prima um Gerichte zu würzen und um ätherische Öle selber zu machen. Ebenfalls gut geeignet sind die Blüten als natürliche Mottenabwehr im Kleiderschrank.

Bevor es allerdings an die Verarbeitung der Pflanzenköpfe geht, muss der Lavendel natürlich zunächst einmal angebaut werden.

Lavendel anbauen: Standort

Lavendel bevorzugt einen sonnigen und trockenen Standort. Das heißt aber auch im Umkehrschluss, dass Staunässe unbedingt zu vermeiden ist. Auch allzu hohe Luftfeuchtigkeit ist für Lavendel nicht gut. Ferner reagiert Lavendel eher empfindlich auf zu starken Wind und sollte deshalb einen windgeschützten Standort bekommen.

Lavendel pflegen

  • In Hinblick auf die Bodenverhältnisse ist Lavendel sehr genügsam. Die Hauptsache ist, dass der Boden wasserdurchlässig ist. Im Verkauf wird Lavendel sogar oft in einer Erde-Sand-Kalk-Mischung angeboten.
  • Auch bei den Nährstoffen verlangt Lavendel nicht viel. Im Gegenteil: Zu viele Nährstoffe im Boden schaden der Pflanze.
  • Achten Sie darauf, die Lavendelpflanze nicht zu früh ins Freie zu stellen beziehungsweise zu pflanzen. Lavendel ist frostempfindlich.
Sparen Sie unbedingt mit Dünger. Wenn überhaupt, sollte das Strauchgewächs mit stickstoffarmem Dünger versorgt werden. Zu viel Dünger macht Lavendel anfälliger für Frost.

Lavendel schneiden

Gut gepflegt wächst der Lavendelstrauch kräftig. Deshalb sollte er auch mindestens einmal, besser sogar zweimal im Jahr beschnitten werden. Den ersten Schnitt machen Sie – wie bei vielen anderen Pflanzen auch – idealerweise kurz vor dem Austreiben der Pflanze, also im Frühjahr. Der zweite Beschnitt erfolgt erst im Spätsommer nach der Blüte.

Jeder Hobbygärtner sollte eine gute Gartenschere haben. Hier finden Sie einige Gartenscheren im Preisvergleich.

Lavendel ernten

Viele haben Lavendel im Garten oder auf dem Balkon einfach als schöne und gutriechende Pflanze. Lavendel können Sie auch ernten. So geht’s:

  • Geerntet wird Lavendel kurz vor dem Aufblühen. Zu dieser Zeit ist das Aroma am intensivsten.
  • Die ideale Erntezeit ist am späten Vormittag, wenn keine Tautropfen und dergleichen mehr zu sehen sind. Wählen Sie einen möglichst warmen und vor allem sonnigen Tag.
  • Schneiden Sie nicht nur die Blütenköpfe ab. Achten Sie darauf, dass Sie einen ausreichenden Stängel von circa zehn Zentimetern mitabschneiden.
  • Die Stängel eignen sich hervorragend dazu, den Lavendel zum Trocknen aufzuhängen. Dazu bündeln Sie den Anschnitt in kleinen Sträußen und hängen ihn an einem trockenen und schattigen Ort auf.

Lavendel in der Küche

Hierzulande ist der Lavendel in der Küche noch nicht allzu weit verbreitet, dabei kann die aromatische Pflanze den verschiedensten Gerichten eine ganz besondere Note verleihen.

Achtung: Nicht alle Lavendelsorten sind essbar. Schopflavendel (Lavendula stoechas) oder auch Speiklavendel (Lavendula Latufolia) sind nicht zum Verzehr geeignet. Essbar ist unter anderem der sogenannte echte Lavendel (Lavendula angustifolia)

 

Schopflavendel
Der Schopflavendel (Lavendula stoechas) zeichnet sich durch seine deutlich sichtbaren Hochblätter an der Spitze aus.© Christian Gernert - stock.adobe.com

Lavendel schmeckt je nach Gattung und Sorte süßlich bis hin zu leicht bitter. Getrockneter Lavendel schmeckt übrigens intensiver als frischer.

Lavendel können Sie als Gewürz für Fleischgerichte verwenden. Außerdem lecker ist Lavendel als Tee, als Zusatz im Zucker oder auch als Lavendelessig.

Lavendel als Heilkraut

Die Wirkung von Lavendel als Heilpflanze ist schon seit Jahrhunderten bekannt und kommt vielseitig zum Einsatz. Lavendelöl sowie -tee beispielsweise wirkt hervorragend gegen Nervosität und Unruhe und kann sogar beim Einschlafen helfen. Ebenfalls gut wirkt Lavendelöl zum Einreiben bei Sonnenbrand, Rheuma oder auch bei Erkältungen.

Welche 6 weiteren Heilpflanzen Sie bestimmt in Ihrem Garten haben und wie Sie sie nutzen können, lesen Sie hier.

Lavendel überwintern

Wie bereits erwähnt, ist Lavendel frostempfindlich. Viele Sorten werden zwar als „winterhart“ deklariert, sind es aber nur bedingt.

  • Lavendel geht zwar nicht unmittelbar beim kleinsten bisschen Frost ein, sollten die Temperaturen allerdings für längere Zeit unter den Gefrierpunkt rutschen, wird es kritisch.
  • Haben Sie ihren Lavendel im Topf angebaut, sollten Sie diesen in den kälteren Monaten am besten ins Haus holen. Ist das nicht möglich, können Sie kälteisolierende Materialien wie Styropor unter den Topf stellen. Außerdem sollten Sie den Topf mit einer Luftpolster- beziehungsweise Noppenfolie oder Jutestoff umwickeln und den Lavendelstrauch dicht an die Hauswand stellen.
  • Lavendelsträucher, die im Freiland gepflanzt wurden, können sie mit Pflanzen-Frostschutzmatten aus Vlies, Kokos und Co. aus dem Handel oder Tannenreisig abdecken. Zusätzlich sollten Sie eine Schicht aus Mulch direkt auf der Erde unterhalb des Strauchs verteilen.

Lavendel vermehren

Wer erst mal auf den Geschmack von Lavendel gekommen ist, wird vielleicht schon bald mehr davon brauchen. Ein einzelner Strauch kann dann fast schon zu wenig sein. Statt aber eine neue Pflanze zu kaufen, können Sie Ihren Lavendel ganz einfach vermehren. Am einfachsten gelingt dies mit Stecklingen.

  • Nutzen Sie hierfür einfach den Verschnitt, den sie bei der Frühjahrsbeschneidung entfernt haben.
  • Achten Sie beim Rückschnitt also darauf, mindestens 15 cm lange Stücke abzuschneiden.
  • Entfernen Sie die unteren Blätter vom Stängel und stecken sie die Setzlinge dann circa 10 Zentimeter tief in nährstoffarmen Boden.
  • Die Erde sollte stets feucht gehalten werden. Vermeiden Sie aber unbedingt Staunässe.
  • Haben sich nach einigen Wochen die ersten Wurzeln gebildet, können Sie die kleinen Pflänzchen einzeln in Töpfe umsetzen.
  • Lavendelstecklinge können Sie das ganze Jahr über heranziehen. Ins Freiland sollten Sie die Jungpflanzen allerdings erst ab Mitte Mai. Setzen Sie die Stecklinge hingegen erst im Herbst an, sollten Sie diese gegebenenfalls im Haus überwintern, zumindest aber unbedingt im Freiland vor Frost schützen und entsprechend gut abdecken.

Ob als Garten- oder Balkondekoration oder zum Essen und als Heilpflanze. Lavendel ist eine vielseitige und leicht zu handhabende Pflanze, die Ihnen mehrere Jahre viel Freude bringen kann. Mit unseren Tipps holen Sie sich einen Hauch Urlaub nach Hause.

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