Strom satt für lau

Solaranlage installieren: Schritt für Schritt

Die eigene Solaranlage ist die unmissverständliche Antwort auf ewig steigende Strompreise und die oft unkontrollierbaren Quellen des sogenannten Graustroms. Doch sie ist ein echtes Mammutprojekt, bei dem selbst versierte Selbermacher Hilfe benötigen.

 
PV-Anlage © pixabay
Die eigene PV-Anlage ist kein Job für Heimwerker-Anfänger. Aber mit etwas Hilfe kann ist sie durchaus machbar.

Hand aufs Herz, es nervt: Jedes Jahr flattert Post vom Stromanbieter ins Haus, der ankündigt, mal wieder die Preise zu erhöhen. Klar, wechseln ist relativ einfach, aber seit der Strommarktliberalisierung tummelt sich da draußen ein regelrechter Anbieterdschungel. Die eigene Photovoltaik- (PV) Anlage auf Dach oder Freifläche ist ein sehr mächtiges Schwert dagegen, denn je nach Größe ist sie in der Lage, einen Haushalt stromautark zu machen. Doch auf der technischen Seite ist das ein Großprojekt. Wir zeigen deshalb nun die Schritte, die dafür nötig sind.
 

1. Ein Partner muss her

Eine PV-Anlage kann zwar theoretisch und praktisch überall installiert werden. In aller Regel wird sie jedoch aus Platzgründen auf dem Dach des Hauses oder eines Nebengebäudes landen. Das bringt uns zu einer Problemstellung: Was die Installation anbelangt, werden hier drei unterschiedliche Berufsbilder angeschnitten:

  • Der Zimmermann, weil der Dachstuhl direkt betroffen ist
  • Der Dachdecker, weil die Eindeckung eine Rolle spielt
  • Der Elektriker, weil alles angeschlossen werden will

Das bedeutet, sobald man auch nur bei einem dieser Berufsbilder nicht wirklich technisch bewandert ist, sollte man sich Hilfe holen, bevor man einen mitunter tausende Euro teuren Fehler begeht. Die zentrale Anlaufstelle für diese Photovoltaik-Gewerke ist das Portal Alles rund ums Haus  - Around home. Es fungiert als vermittelnde Schnittstelle zwischen Kunden und Anbietern. Sich hier umzutun, ist deshalb der erste und wichtigste Schritt. Eine Solar-Fachfirma ist auch schon deshalb wichtig, weil sie die notwendige Hilfestellung dabei gibt, zu eruieren, wie viel Leistung möglich ist.
 

2. Was sagt der Statiker?

Wer neu baut und von Anfang an eine PV-Anlage integrieren möchte, hat dieses Problem nicht. Aber bei sämtlichen Bestandsbauten ist es notwendig, einen Baustatiker einzubeziehen. Zwar ist jedes in Deutschland abgenommene Dach mit einer Belastungsreserve versehen, die sich am Dachneigungswinkel und der regional zu erwartenden Schneelast orientiert. Doch je nach Umfang der Anlage kann das Gewicht der PV-Module die Rest-Reserve zu stark schrumpfen lassen, weil man pro Quadratmeter mit zusätzlichen 25 Kilo rechnen muss.

Nur der Dachstuhl bestimmt, was machbar ist. Daher muss der Statiker hier immer prüfend hinzugezogen werden.

Man hat von der PV-Firma zu diesem Zeitpunkt die Unterlagen mit den technischen Eckdaten zur Hand. Anhand dieser kann nun der Statiker bestimmen, ob das Projekt so starten kann. Diesen Profi findet man entweder auf der Seite des Bundesverbandes Freier Sachverständiger oder aber derjenigen der Bundesvereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik. Zudem sind die fürs jeweilige Bundesland zuständigen Architektenkammern ebenfalls gute Ansprechpartner. Und ganz wichtig: Der Statiker wird einem auch verraten, ob die Anlage in dieser Form baugenehmigungsfrei ist. Das ist sie zwar in den allermeisten Fällen, aber sicher ist sicher.
 

3. Netzbetreiber kontaktieren

In einem Stromnetz muss jederzeit glasklar sein, wie viel eingespeist und verbraucht wird. Eine PV-Anlage wird in aller Regel ins öffentliche Netz angeschlossen, um überschüssig erzeugten Strom einzuspeisen – dafür gibt es ja schließlich als Entschädigung die Einspeisevergütung. Bloß muss der Netzbetreiber erst einmal wissen, was dort demnächst auf ihn zukommt. Das bedeutet, mit den Leistungsdaten, die der PV-Spezialist für die eigene Anlage im ersten Schritt errechnet hat, kontaktiert man nun seinen Netzbetreiber und lässt sich von ihm sagen, ob die Anlage so auch von seiner Seite aus installiert werden darf und ob ggf. Änderungen in der Hausinstallation vonnöten sind.

Zu diesem Schritt gehört es auch meistens, dass schon ein smarter Stromzähler installiert wird. Dieser ist verpflichtend für alle Anlagen jenseits von 7kW/p und stellt sicher, dass der Netzbetreiber genau weiß, zu welchem Zeitpunkt wie viel eingespeist wird.
 

4. Abschattungen entfernen

Es ist im Sinne jedes Hausbesitzers, dass seine PV-Anlage so viel Strom wie möglich erzeugt, damit sie ihre Kosten schnell wieder einfährt. Doch jeder kleine Schatten zwischen Modulen und Sonne reduziert die Leistung um einen gewissen Grad. Daher ist es nun nötig, solche Abschattungen zu beseitigen. Was dabei jenseits des eigenen Grundstücks liegt, ist natürlich in gewisser Hinsicht sakrosankt.

Hat man jedoch eigene Bäume, welche ihre Schatten werfen, müssen diese gestutzt oder auch ganz gefällt werden. Ein Job, der den ganzen Heimwerker fordert, den man aber absolut managen kann, wenn man sich an die Regeln hält.
 

5. Die Konstruktion

Nun kann es richtig losgehen. Der erste Schritt besteht darin, die Unterkonstruktion zu installieren. Diese besteht aus Metallwinkeln, die von unten zwischen zwei Ziegel der Deckung geschoben und mit der Konterlattung verschraubt werden. Dazu ist es also nötig, lokal die Eindeckung zu entfernen.

Sind diese Haken befestigt, werden die eigentlichen Profile installiert, welche letztlich die PV-Module tragen. Genau das geschieht im nächsten Schritt: Die Module werden an ihren Gestellen fixiert und damit ist die Arbeit auch schon erledigt.

Der mechanische Teil der Installation ist nur wegen der Dacharbeit schwer. Der Rest ist „einhängen und festschrauben“.

Tipp: Wer diesen Job selbst machen will, sollte sich unbedingt einen Schrägaufzug mieten. Sich einzelne Module durchs Dachfenster oder andere Öffnungen herausreichen zu lassen, birgt ein gigantisches Schadens- und Unfallrisiko für Mensch und Technik.
 

6. Die Verkabelung

Letzen Endes liest sich dieser Schritt sehr einfach: Sind die einzelnen Module installiert, werden sie je nach Art der Installation entweder in Reihe oder parallel miteinander verkabelt und anschließend mit dem Wechselrichter verbunden, welcher seinerseits dann ans Hausnetz angeschlossen ist.

Tipp: Da dies allerdings eine extrem sicherheitsrelevante Aufgabe ist, empfiehlt es sich dringend, hier einen Elektriker zumindest beratend hinzuzuziehen.
 

7. Anmeldung

Von dem Moment an, indem man quasi den Stecker in den Wechselrichter steckt, produziert die PV-Anlage Strom und wird diesen auch einspeisen, falls man ihn nicht selbst verbraucht. Aber: Noch weiß offiziell niemand von der Anlage, das heißt, es kann auch keine Einspeisevergütung fließen. Ergo: So schnell wie es geht sollte nun die eigene Anlage bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Das geht via Netz in Minutenschnelle.

Bilder: pixabay

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