Nützlinge

Ohrenkneifer – gefährlich oder nützlich?

Der Name täuscht: Ohrenkneifer haben kein Interesse an Ohren und sind für Menschen völlig ungefährlich. Treten die Insekten in Massen auf oder gelangen in die Wohnung, ist das trotzdem unangenehm. Wir erklären, wie Sie Ohrenkneifer bekämpfen und vertreiben.

Ohrwurm bekämpfen
Der Name täuscht: Ohrenkneifer haben kein Interesse an menschlichen Ohren.© boedefeld1969 - stock.adobe.com

Ohrenkneifer sind auch als Ohrenklemmer oder Ohrenhöhler bekannt. Die korrekte Bezeichnung für die Fluginsekten lautet allerdings Ohrwurm. Wie Sie einen Ohrwurm loswerden, lesen Sie hier.

Sind Ohrenkneifer gefährlich?

Im Mittelalter bis in die frühe Neuzeit waren gemahlene Ohrenkneifer ein oft verabreichtes Mittel gegen Ohrerkrankungen und Taubheit. Die Insekten kamen vermutlich durch diese Nutzung zu ihrem Namen.

Ohrwurm bekämpfen
Die Zangen dienen den Ohrwürmern zur Jagd und zur Abwehr von Angreifern.© David Daniel - stock.adobe.com

Für Menschen sind die Tiere völlig ungefährlich: Die langen Zangen sehen zwar bedrohlich aus, werden von den Ohrkneifern allerdings lediglich zur Jagd und zur Verteidigung eingesetzt. Die weit verbreitete Angst, dass Ohrenkneifer nachts in die Ohren krabbeln und im Gehörgang ihre Eier ablegen oder das Trommelfell zerreißen, ist als Irrglaube einzuordnen.

So leben Ohrenkneifer

Ohrenkneifer sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber gern an feuchten, kühlen Orten wie Mauerritzen, unter Blumentöpfen oder Steinen. Weltweit sind 1700 Arten bekannt, von denen allerdings lediglich sieben in Mitteleuropa heimisch sind. In Deutschland ist besonders der Gemeine Ohrwurm (Forficula auricularia) verbreitet.

Ohrwürmer werden hierzulande etwa 10 bis 25 Millimeter lang und sind rotbraun bis dunkelbraun gefärbt. Männchen und Weibchen lassen sich vor allem über die Zangen am Hinterleib unterscheiden: Diese sind bei den männlichen Ohrenkneifern wesentlich stärker gebogen.

Die Zangen werden von den Ohrwürmern sowohl bei der Jagd als auch bei der Paarung eingesetzt und dienen außerdem zur Verteidigung gegen Angreifer. Einige Ohrenkneiferarten können fliegen, ihnen helfen die Zangen außerdem beim Entfalten der Flügel, die sonst gut unter einem Panzer versteckt sind.

Ohrwurm bekämpfen
Ohrenkneifer ernähren sich hauptsächlich von Pflanzenteilen und Blüten, aber auch von Baumpilzen und Insekten.© sunakri - stock.adobe.com

Ohrenkneifer als Nützlinge

Tatsächlich sind Ohrenhöhler im Garten sogar sehr nützlich. Sie fressen nicht nur Blattläuse, sondern helfen auch dabei, andere Schädlinge zu bekämpfen. Mit Ohrwürmern bekämpfen Sie zum Beispiel Apfelwickler und Gespinstmotten, aber auch Milben. Zudem fressen Ohrwürmer auch Baumpilze.

Besonders Obstbäume profitieren davon, dass Ohrenkneifer Schädlinge vernichten. Es lohnt sich also, Ohrwürmern im Privatgarten einen Lebensraum zu bieten.

Ohrwurmhotel selber bauen

Damit Ohrenkneifer in Ihrem Garten überwintern können, sollten Sie Laub- oder Reisighaufen nicht wegräumen, wenn sie Ihren Garten winterfest machen. So bieten Sie Ohrenkneifern und anderen Tieren eine Zuflucht zum Überwintern. Zusätzlich können Sie auch ein Ohrwurmhotel selber bauen.

Zum Weiterlesen: In diesem Garten fühlen sich Igel wohl.

Ohrwurm bekämpfen
Ein Ohrwurmhotel können Sie ganz einfach selber bauen.© Christine Kuchem - stock.adobe.com
  1. Versehen Sie einen Blumentopf aus Ton mit einer Möglichkeit zum Aufhängen. Sie können zum Beispiel eine Schnur in einer Schlaufe um ein stabiles Querholz binden. Ziehen Sie die Schlaufe durch das Loch, so dass sich das Holz im Blumentopf verhakt.
  2. Füllen Sie den Blumentopf dicht mit frischem Stroh oder Holzwolle. Die Füllung sollte so fest sitzen, dass sie nicht aus dem Blumentopf fällt, wenn zum Beispiel starker Wind weht. Sie können die Füllung auch zusätzlich sichern, indem Sie ein Stück Kaninchendraht über der Öffnung des Blumentopfes befestigen.
  3. Stellen Sie den Unterschlupf für Ohrwürmer schon im März mit der Öffnung nach unten nach draußen, idealerweise in die Nähe von Laub- oder Reisighaufen, wo Ohrenkneifer gerne überwintern.
  4. Zum Sommeranfang hängen Sie den Unterschlupf dann mit der Öffnung nach unten in einen Obstbaum.
  5. Achten Sie darauf, dass der Blumentopf den Stamm oder Ast berührt, so dass die Ohrenhöhler einfach kommen und gehen können.

Allerdings nagen Ohrwürmer gerne an Blüten und Pflanzenteilen. Auch schadhaftes Obst wird gerne angenommen, doch sind die Mundwerkzeige der Ohrenkneifer nicht stark genug, die Fruchtschalen von Äpfeln, Birnen und Co. selbst zu durchdringen.

Ohrwürmer bekämpfen ohne Chemie

Auch mit dem Wissen, dass Ohrenkneifer harmlos sind, ist es unangenehm, wenn die Insekten in Massen auftreten oder sogar in die Wohnung gelangen.

Um die Ohrwürmer zu entfernen, können Sie sich ihre Vorliebe für dunkle feuchte Orte zunutze machen: Legen Sie ein feuchtes Stück Stoff oder Küchentuch über Nacht ins Zimmer und entfernen Sie es am nächsten Morgen. Die Feuchtigkeit lockt den Ohrenkneifer an, so dass Sie ihn einfach mit dem Tuch aus dem Zimmer befördern können.

Ohrwurm bekämpfen
Wenn sich Ohrwürmer in großer Zahl in Ihre Wohnung verirren, können Sie sie ganz einfach vertreiben.© Alessandro Grandini - stock.adobe.com

Ohrenkneifer-Falle bauen

Sie können auch einen Unterschlupf für Ohrenkneifer als Falle verwenden. Dazu sollten Sie die Ohrenkneifer-Falle allerdings eigens neu bauen, damit Sie keine Ohrenkneifer von draußen ins Haus tragen.

Ohrenkneifer im Garten bekämpfen

Wenn die Ohrwürmer doch einmal zu zahlreich auftreten, können Sie die selbstgebauten Ohrwurm-Fallen auch für draußen anwenden. Befestigen Sie die Tontöpfe einfach in Bodennähe auf der Terrasse oder dem Balkon. Die Ohrenkneifer nehmen das Ohrwurmhotel tagsüber gern als Versteck an und können so ganz einfach umgesiedelt werden.

Keinesfalls sollten Sie die Ohrwürmer im Garten vernichten: Es ist strafbar, Ohrwürmer im Garten zu bekämpfen.

Treten die Ohrenkneifer zu zahlreich auf, entscheiden Sie sich lieber für eine der vorgestellten Methoden, um Ohrwürmer umzusiedeln und genießen Sie ansonsten den Nutzen dieser kleinen Schädlingsbekämpfer.

Die neue Ausgabe ist da: selber machen - Jetzt am Kiosk!
U1 11_2020