Nist- und Überwinterungsplatz

Insektenhotel selber bauen

Wildbienen, Hummeln und Falter spielen als Bestäuber eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem. Mit einem Insektenhotel bieten Sie diesen und anderen Nützlingen Nist- und Überwinterungsplätze.

Insektenhotel
Ein Insektenhotel zum selberbauen: einfacher Natur- und Artenschutz im Garten!© alexandersw - stock.adobe.com

Sie denken bei Bienen nur an die gelb-braun gestreiften Insekten, die fleißig von Blüte zu Blüte fliegen, Pollen sammeln und in ihrem Stock Honig produzieren? Weit gefehlt! Wildbienen fallen oft nur weniger auf, entweder weil sie der Honigbiene zum Verwechseln ähnlich oder aber recht unscheinbar aussehen. Dabei gibt es bei uns rund 500 Varianten dieser Wildbienen!

Leider sind die meisten dieser Arten bedroht: Es fehlt an Futterplätzen und Nistmöglichkeiten. Mit einem Insektenhotel zum selber bauen unterstützen Sie die Wildbienen und viele andere Insekten.

Mit einem Insektenhotel den Wildbienen helfen

Wilde Bienen sind unersetzlich für unser Ökosystem, vor allem, seit es immer weniger Bienenvölker gibt. Für sie braucht es keinen Imker, denn sie sind solitär, also allein unterwegs. Das macht es jedem Gartenbesitzer möglich, den pelzigen Insekten ein Stück Lebensraum zu bieten.

Die Bienen fliegen auf Ihren Garten, wenn Sie ihnen ein üppiges und abwechslungreiches "Büffet" zur Verfügung stellen. Ideal ist es dabei eine abwechslungsreiche Bepflanzung Ihres Gartens, so dass bis weit in den Herbst hinein unterschiedliche ungefüllte Pflanzen in den Beeten blühen.

Zur Fortpflanzung und auch über den Winter nutzen die Tiere bereits vorhandene Löcher in Mauern und Ziegelsteinen; sie lieben auch hohle Pflanzenstängel. Oder sie bohren selbst Öffnungen in Holzrahmen, liegen gebliebenes Holz oder in die Erde. Als Nisthilfen nehmen sie Reisighaufen, Sand- und Kiesflächen oder die Ritzen in Natursteinmauern an.

Insektenhotel
© lcrms - stock.adobe.com

Mit einem Insektenhotel haben Sie die Möglichkeit, gleich mehrere dieser bevorzugten Materialien auf kleinster Fläche anzubieten. Richtig befüllt und angebracht, werden nicht nur Bienen das neue Zuhause gern nutzen, sondern auch andere Insekten: Schmetterlinge, die bei uns überwintern, wie Admiral und Tagpfauenauge, buchen die Kammer mit der vorgesetzten Sperrholzplatte. Ein anderer Nützling, der beliebte Marienkäfer, checkt, sobald es eisig wird, im Zimmer mit den Rindenholzstückchen ein. Auch Florfliegen und Grabwespen sind künftige Stammgäste in Ihrem Hotel.

Insektenhotel: Das sollten Sie beachten

Wichtig beim Befüllen ist, dass das verwendete Holz gut abgelagert und schadstofffrei ist. Setzen Sie die Bohrlöcher außerdem immer ins Längsholz.

Die beste Standort für das Insektenhotel ist ein sonniger, vor Regen und Wind geschützter Platz. Bringen Sie den Korpus fest an der Wand oder an einem stabilen Gerüst an – er sollte jahrelang ungestört bleiben können und darf sich keinesfalls bewegen.

Insektenhotel für Bienen
In diesem Insektenhotel finden Wildbienen und andere Insekten Unterschlupf.© Chris Lambertsen

Unser Modell können Sie vor dem Befüllen durch die Rückwand festschrauben. Oder Sie versehen es mit handelsüblichen Wandhaken.

Insektenhotel selber bauen: Das brauchen Sie dazu

  • Gehobelte Fichtenholzbretter, 10 cm breit, 1 cm dick, in verschiedenen Längen (evtl. zuschneiden lassen)
  • verzinktes Blech, 1 mm dick (im Baumarkt nach Fugenblech fragen und zuschneiden lassen)
  • verzinktes Drahtgitter (Maschenweite 7 m-m)
  • Spanplatte 6 mm dick (14 x 14 mm)
  • Blechschrauben für die Rückwand (SPAX 4/35)

Instektenhotel für den Garten: Bauplan mit Maßen

Hier sehen Sie die Maße für das Insektenhotel. Zum Vergrößern klicken Sie hier.

Insektenhotel
© T. Straszburger

Insektenhotel selber bauen: Anleitung

Insektenhotel
Löcher bohren
© Chris Lambertsen

Schritt 1/9: Löcher bohren

Rundhölzer (verschiedene Äste) auf 10 cm ablängen und mit Holzbohrern (3 bis 10 mm) mit unterschiedlich großen Löchern versehen. Dazu spannt man die Holzabschnitte am besten kurz ein, damit man sich beim Bohren aus freier Hand nicht verletzt.

Abdeckung befestigen
© Chris Lambertsen

Schritt 2/9: Abdeckung befestigen

Als Abdeckung der unteren Kammer dient eine 6 mm dicke Spanplatte (14 × 14 cm). Die Einflugöffnung diagonal anzeichnen, 60 × 12 mm groß. Platte auf ein Stück Holz auflegen und mit dem 8-mm-Holzbohrer an den Endpunkten Löcher vorbohren.

Einflugloch ausschneiden
© Chris Lambertsen

Schritt 3/9: Einflugloch ausschneiden

Mit einem scharfen Cutter den verbleibenden Steg als Einflugloch ausschneiden.

Drahtgeflecht zuschneiden
© Chris Lambertsen

Schritt 4/9: Drahtgeflecht zuschneiden

Das Dachblech an den Kanten mit einer Eisenfeile entgraten. Dann das verzinkte Drahtgeflecht (Maschenweite 7 mm), das später die kleinen Füllmaterialien halten soll, mit einer Blechschere auf 28 x 17 cm zuschneiden.

Bretter verschrauben
© Chris Lambertsen

Schritt 5/9: Bretter verschrauben

Die zugesägten Fichtenbretter mit Schrauben (SPAX 4/35) nach Plan verbinden. Tipp: Löcher zuerst mit einem 4-mm-Holzbohrer vor bohren. Das erleichtert das Verschrauben und verhindert das Ausreißen des Holzes.

Dach festschrauben
© Chris Lambertsen

Schritt 6/9: Dach festschrauben

Das Dach wird nun mit Blechschrauben am Holzkorpus angebracht. Dazu zuerst mit einem Nagel an den entsprechenden Stellen ein Loch in das Blech schlagen. Den fertigen Korpus auf die für die Rückwand vorgesehene Sperrholzplatte legen und anzeichnen. Zusägen und am Korpus festschrauben.

Drahtgitter festtackern
© Chris Lambertsen

Schritt 7/9: Drahtgitter festtackern

Die Felder mit Rindenstücken, Holzspänen und Zapfen füllen, bevor man die zuvor zugeschnittenen Drahtgitter mit einem Tacker anbringt.

Felder befüllen
© Chris Lambertsen

Schritt 8/9: Felder befüllen

Für das Feld links Ton mit 30% Sand und gehäckseltem Stroh mischen. Mit einem Nagel Öffnungen eindrücken. Die restlichen "Fächer" mit den gebohrten Hölzern und Bambusstängeln befüllen.

Fertig!
© Chris Lambertsen

Schritt 9/9: Fertig!

Jetzt nur noch das Insektenhotel an einer geeigneten Stelle anbringen.

EXTRA: Das Insektenhotel im Winter

Das Insektenhotel bietet den Nützlingen im Garten nicht nur eine Alternative zum Nisten, sondern auch zum Überwintern. Auch Insekten müssen sich geeignete Winterquartiere suchen, um die kalten Temperaturen zu überstehen.

Schmetterlinge überwintern natürlicherweise in hohlen Bäumen oder Tierbauen in einer Winterstarre. Auch Wildbienen nutzen altes Holz, sowie Löcher in Mauerwerken oder Ästen zum Nisten – die Larven überwintern dort und schwärmen im Frühjahr als junge Bienen aus.

Es wird aber immer schwerer für die Insekten, einen geeigneten Ort zum Überwintern zu finden. Die Landwirtschaft oder auch die zunehmend bessere Isolierung der Häuser reduziert die Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten drastisch. Zum Beispiel gibt es immer weniger Lücken und Spalten in Mauerwerk und Dachstuhl – auch die häufig dreifachverglasten Fenster bieten keinen Unterschlupf mehr für Marienkäfer. Daher dient das selbstgebaute Insektenhotel als gute Alternative zu den natürlichen Winterquartieren.

Sie wollen Igeln beim Überwintern helfen? Das müssen Sie beachten!

Insektenhotel
© Colin - stock.adobe.com

Sie müssen hierbei keine Vorbereitungen für den Winter treffen: In freier Natur kommt auch keiner vorbei, um einen Winterschutz anzubringen! Für die Überwinterung im Insektenhotel ist folglich keine zusätzliche Abdeckung oder ein Wärmeschutz nötig. Selbst davor gepflanzte Sträucher sind überflüssig und behindern die Insekten im schlimmsten Fall in ihrer Anflugschneise.

Eine kompakte Bauweise und ein geeigneter Standort mit Öffnung in süd- oder südöstlicher Richtung verhindert das Auskühlen des Insektenhotels im Winter und bietet optimale Bedingungen.

Holen Sie das Insektenhotel daher auch auf keinen Fall zum Überwintern in einen warmen Keller oder eine Garage. Damit stören Sie den Biorhythmus der Insekten: Durch die plötzliche Temperaturänderung erwachen die Insekten frühzeitig aus dem Winterschlaf bzw. schlüpfen die Larven zu früh und finden aber keine Nahrung – ein sicherer Tod ist garantiert!

Werden Sie erst im Frühjahr wieder aktiv: Entfernen Sie bei Temperaturen über 0 Grad Celsius etwaige Spinnweben oder Laubreste vom Insektenhotel. Die frei gewordenen Brutstätten müssen nicht gereinigt werden – das übernehmen die nächsten Insekten selbst! Vergessen Sie allerdings nicht, ausreichend blühende Pflanzen in Ihrem Garten zu pflanzen. So wird das Insektenhotel auch im kommenden Jahr wieder summen und brummen!

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