Kellerwohnung

Wohnung im Souterrain – das müssen Sie beachten

Ganz unten – in Zeiten steigender Mietpreise und heißer Sommer muss das nichts Schlechtes sein: Das Wohnen im Souterrain hat viele Befürworter. Mindestens genauso groß ist jedoch die Zahl derer, für die eine Souterrainwohnung nicht in Frage kommt. Welche Vor- und Nachteile das Souterrain mit sich bringt und was Sie beachten müssen, lesen Sie bei uns.

 
Souterrain Wohnung, Wohnen im Souterrain © nielskliim - stock.adobe.com
Im Souterrain zu wohnen hat Vorteile und Nachteile.

Der Begriff „Souterrain“ kommt vom französischen „sous-terrain“ und bedeutet unterirdisch, denn bei Souterrainwohnungen liegt der Fußboden unter der Erdoberfläche. Die Fenstergröße kann stark variieren, abhängig davon, wie tief die Wohnung liegt. In den Häusern nobler Familien waren hier früher oft die Schlafräume für die Dienstboten sowie Küche und Hauswirtschaftsräume untergebracht.
 
Da die Kellerwohnungen entsprechend wenig ausgebaut und isoliert waren, konnten sie in der weiteren Entwicklung besonders günstig vermietet oder verkauft werden und waren deshalb lange als billige Wohnmöglichkeit für Studenten und Geringverdiener bekannt. Erst in jüngerer Zeit machen sorgfältig ausgebaute Souterrainwohnungen von sich reden. Dennoch scheiden sich am Untergeschoss die Geister. Zeit, die Vor- und Nachteile einander gegenüber zu stellen.
 

Die Vorteile einer Wohnung im Souterrain

  • Ganz klar: Souterrainwohnungen sind meistens günstiger zu haben als die durchschnittlichen Immobilienpreise – gerade in Städten ein echtes Argument.
  • Cool bleiben – das fällt Souterrainbewohnern leicht: Während in den oberen Stockwerken in heißen Sommernächten keiner schlafen kann, ist es im Souterrain angenehm kühl.
  • Gleichzeitig wirkt das umgebende Erdreich dämmend, gerade vollständig von Erde umgebene Räume haben im Winter einen geringeren Wärmeverlust. In einer gut isolierten Souterrainwohnung nutzt man so die Heizungswärme besser aus.
  • Nur ein paar Stufen, schon ist man in der Wohnung: ein Vorteil, der das Souterrain für alle attraktiv macht, die nicht gut Treppensteigen können oder wollen. Auch die Umzugshelfer werden sich freuen, wenn Kisten und Möbel nicht in den dritten Stock getragen werden müssen.
  • Souterrain hat Potential: In einem kalten Keller will niemand wohnen. Gerade Souterrainwohnungen bieten jedoch viel – teilweise noch ungenutztes – Potential. Mit dem passenden Heizkonzept, großen Fenstern und hellen Farben lässt sich aus den Wohnräumen einiges herausholen. Einzige Einschränkung: Aus Gründen der Statik können Wände nicht ohne Weiteres versetzt werden.
  • Durch die ebenerdige Lage haben Souterrainwohnungen oft nicht nur eine Haupteingangstür, sondern auch einen Hinterausgang, der in den Hof oder Garten führt.

Geradezu unterirdisch – das sind die Nachteile

  • Fenster auf Bodenhöhe sind für viele Insekten eine Einladung. Gerade Krabbeltiere wie Spinnen finden sich daher gerne in Souterrainwohnungen ein. Hier hilft nur: Rigoros mit Insektengittern abriegeln.
  • Hohe, großzügige Räume sind im Souterrain selten zu finden, je nach Größe und Lage der Fenster können die Räume höhlenartig wirken. Ob man das mag, ist wohl eine Geschmacksfrage: Der eine findet es gemütlich, ein anderer hingegen fühlt sich erdrückt.
  • Dass es im Sommer kühl ist, hat auch etwas damit zu tun, dass sich Sonnenstrahlen selten ins Tiefparterre verirren. Kellerwohnungen können dunkel wirken und je nach Persönlichkeit kann das durchaus aufs Gemüt schlagen.
  • Durch die umgebende Erde kann es feucht werden: Gerade nach längeren Regenfällen kann Wasser durch die Wand drücken, wenn die Feuchtigkeitssperre schadhaft ist und beim Ausbau der Wohnung nicht auf Feuchtigkeitsschutz geachtet wurde. Souterrainwohnungen sind bekannt dafür, dass hier trotz korrektem Lüften häufiger Schimmel auftritt. Wie Sie Schimmel entfernen können, erfahren Sie hier.
  • Nicht nur durch die Wand, auch durch die Türen und Fenster kann Wasser in die Wohnung eindringen. Anders als in den höheren Stockwerken ist man im Souterrain bei starken Regenfällen schon mal mit der Überschwemmung auf Augenhöhe. Die Qualität und Dichte der Fenster und Türen ist hier von besonderer Bedeutung.
  • Bei der Entscheidung für oder gegen eine Souterrainwohnung ist die Lage oft das Zünglein an der Waage: Liegt die Wohnung an einer belebten Straße, empfinden viele die Vorstellung, dass jeder in die Wohnung schauen kann, als unangenehm. Auch die Lautstärke und Betriebsamkeit können als störend empfunden werden. Letztendlich schränkt dies auch das Sicherheitsempfinden ein – ein elementarer Bestandteil des menschlichen Wohlbefindens.

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Mit allen Sinnen

Fazit: Eine Souterrainwohnung kann sich als Glücksfall oder als Alptraum entpuppen. Mehrere Faktoren machen den Unterschied, darunter der Zustand der Bausubstanz, die Lage und die Ausgestaltung. Sie profitieren davon, wenn Sie sich bei der Besichtigung Zeit nehmen, die Wohnung auf sich wirken zu lassen. Kriterien, die Sie in Ihre Entscheidung mit einbeziehen sollten sind etwa:

  • Fühlen Sie sich wohl? Bitten Sie ruhig darum, kurz alleinegelassen zu werden, um die Räume auf sich wirken zu lassen.
  • Riecht die Luft sauber? Lassen Sie sich von jemandem mit einer feinen Nase begleiten oder verbringen Sie vor der Besichtigung Zeit an der frischen Luft, um unangenehme Gerüche besser wahrzunehmen, die auf Schimmel hindeuten können.
  • Achten Sie außerdem auf Warnsignale wie Verfärbungen an der Wand, hohe Luftfeuchtigkeit und ungewöhnliche Kälte. Berühren Sie auch die Wände und prüfen Sie, ob diese ungewöhnlich kalt sind. Kellerasseln, Silberfische oder Staubläuse sind ebenfalls Indikatoren für hohe Luftfeuchtigkeit und warnen vor Schimmel.
  • Ist es hell genug? Jeder Mensch hat hier eigene Vorlieben und Wahrnehmungen. Profis empfehlen, Souterrainwohnungen dann zu besichtigen, wenn die meiste Sonne einfällt, also eine  Wohnung mit westlicher Ausrichtung beispielsweise am Spätnachmittag, oder allgemein Besichtigungen auf die Mittagszeit zu legen, wenn die Sonne am höchsten steht – so sehen Sie gleich, wie viel Licht maximal in die Wohnung gelangen kann.
  • Wie wird geheizt und welche Heizkosten hatten die vorherigen Bewohner? Eine Fußbodenheizung ist im Souterrain ideal, um kalte Füße zu verhindern. Ist die Wohnung jedoch schlecht isoliert, kann das Heizen teuer werden. Informieren Sie sich hier gründlich.
  • Gibt es einen Zugang zum Garten oder zur Terrasse? Glückliche haben durch die Lage der Wohnung die Möglichkeit, einen Garten oder eine Terrasse zu nutzen. Die Außenfläche ist idealerweise über einen Hintereingang zugänglich. Ist das nicht der Fall, müssen Sie überlegen, ob Sie jedes Mal um das Haus herumlaufen wollen, wenn Sie ein bisschen draußen sitzen wollen.
  • Ist eine Baugenehmigung für den Ausbau vorhanden? Die Landesbauverordnung regelt, welche Mindeststandards beim Kellerausbau beachtet werden müssen. Für Souterrainwohnungen im Altbau kann oft keine solche Genehmigung vorgelegt werden, weil der Ausbau vor dem Inkrafttreten des Gesetzes stattfand. Schauen Sie hier besonders genau hin. Von neueren Souterrainwohnungen ohne Baugenehmigung sollten Sie die Finger lassen.

 Souterrain ist, was Sie daraus machen

Wenn nach gründlicher Prüfung die Vorteile überwiegen und Sie sich für eine Souterrainwohnung entscheiden, können Sie mit der richtigen Einrichtung optisch nochmal einiges aus den Räumen herausholen. Die Schlüsselworte sind hier: Hell, klar und hoch. Spielen Sie mit Licht, Farben und Höhen. Einige Ideen sind etwa:

  • Streichen Sie die Fensterverleibungen weiß. Die Wirkung des einströmenden Lichts wird so noch verstärkt.
  • Verzichten Sie bei Wänden und Möbeln auf dunkle Farben und große Muster. Diese lassen den Raum optisch kleiner wirken. Lassen Sie stattdessen helle Farben dominieren und setzen Sie mit strahlenden Farben Akzente, etwa durch vertikale Streifen an ausgesuchten Stellen an der Wand und mit Kissen in der gleichen Farbe. Verzichten Sie jedoch auf Pastellfarben – diese wirken bei zu wenig Licht schnell staubig.
  • Dicke Vorhänge und Pflanzen vor den Fenstern nehmen zu viel Licht weg. Sichtschutzfolien bieten Privatsphäre und sind lichtdurchlässig.
  • Wählen Sie für den Fußboden helle Beläge aus warmen Materialien, etwa Laminat oder Holzdielen. Achten Sie auch bei der Auswahl von Teppichen auf helle Farben.
  • Richten Sie die Beleuchtung zur Decke aus und setzen Sie auf Deckenfluter und im Raum verteilte Lichtinseln, um eine gleichmäßige, indirekte Beleuchtung zu erreichen. Setzen Sie auf LED-Lichtquellen, um Energie und Kosten zu sparen.
  • Richten Sie sich mit Möbeln ein, die die Höhenwirkung des Raumes verstärken: Schmale, hohe Möbel strecken, besonders niedrige Möbel lassen den Raum höher wirken, weil der Abstand zur Decke als größer wahrgenommen wird.
  • Richtig lüften: Lassen Sie die Fenster nicht dauerhaft gekippt, sondern öffnen Sie die Fenster lieber für zehn Minuten ganz. Dies verhindert nicht nur Schimmel, sondern stellt auch sicher, dass keine Tiere oder andere Besucher durch gekippte Fenster in die Wohnung gelangen.
  • Sichern Sie die Türen und Fenster mit Schlössern, damit ungebetene Gäste draußen bleiben.

Tipp: Achten Sie auch darauf, dass Ihre Hausratsversicherung Schäden durch Überschwemmungen und andere Wetterextreme abdeckt – sonst bleiben Sie im Ernstfall auf den Kosten sitzen.